Landschaft mit Schafen:
Smartphone-Fotoromantik

Eine gute Fotografie braucht nicht unbedingt eine hohe Auflösung. Bisweilen kann der „Weichzeichner“ einer Pixelreduktion sogar einen zusätzlichen Reiz ins Bild bringen.

iPhone-Foto: Schafe in grüner Landschaft

Schafe vor Grün iPhone 4S © Kerstin Hermelink

Kerstin Hermelink aus München schreibt: Diese Aufnahme habe ich im Sommer 2016 mit einem i-Phone im Northumberland National Park gemacht, in einer völlig menschenleeren Landschaft.

Smartphone (oder iPhone-)-Fotografie ist ja inzwischen, wenn man den Kursangeboten folgt, eine eigene fotografische Disziplin. Das hat durchaus seine Berechtigung, denn die technischen Eigenschaften wie auch die ungewohnte Handhabung der Geräte verlangen in paar eigene Regeln, damit man das einfängt, was man gesehen hat. Hier ist ein wunderbares Bild gelungen, das trotz oder sogar wegen der geringen Auflösung bezaubert.

Fünf Schafe in einer perfekten Gruppen-Konstellation sind in dieser Farbfotografie im unteren linken Drittel zu erkennen. Sie stehen in einer Weidelandschaft ohne irgendwelche Anzeichen von Zivilisation. Hinter ihnen ragt eindunkler Wald auf, hinter dem wiederum das Grasland in Wellen zu hohen Hügeln auftürmt.

schaferaeume

 

Mit der Technik anzufangen, ist bei der Besprechung dieses Bildes nicht zielführend – es handelt sich um eine iPhone-Fotografie, bei der Blende, ISO und Brennweite nicht wirklich relevante Kennzahlen sind. Was indes auffällt, ist die Belichtung auf der dunklen Seite – das Histogramm ist schwer linkslastig. Ferner ist die geringe Auflösung mit  sonderbaren 886 mal 619 Pixeln augenfällig, die entweder auf eine der kleinen Varianten der Bilddateien aus dem iPhone oder auf einen nachträglich angelegten Ausschnitt aus der Gesamtkomposition zurückzuführen ist.

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In den meisten Fällen würde ich die geringe Pixelzahl bedauern, weil sie einer Vergrösserung des Bildes in Printform entgegensteht, aber hier ist gar keine weitere Schärfe nötig, das Bild wirkt wie ein Gemälde und kann mit weichgezeichneten Pixeln auch grösser aufgeblasen werden: Es braucht keine gestochen scharfen Tannen im Wald im Hintergrund, im Gegenteil,  es lebt von der Eindeutigkeit in gleichzeitiger Abstraktion auf einem fast schon grafischen Niveau.

schafedrittel

Denn in der Aufnahme stimmt alles, gefühlt ebenso wie den Regeln entsprechend. Die Tiefe ergibt sich aus der Landschaftlichen Schichtung in drei Stufen: Vordergrund mit Blickfang (Schafgruppe), Mittelgrund als eigene Welle in horizontalem Mitteldrittel, sich auftürmender Hintergrund. Die Lichtstimmung lenkt den Blick sofort auf die Schafe, und deren Positionierung – 3, 2, alle Köpfe sichtbar – nicht besser komponiert werden. Ein romantisches Gemälde, der Bukolik nachempfunden, aus dem iPhone. Ein Volltreffer.

 

3 Antworten
  1. Kerstin Hermelink says:

    Ganz herzlichen Dank für die ausführliche Kritik! Es freut mich natürlich sehr, dass mein Bild gut angekommen ist.
    Gruß von Kerstin

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  2. Werner says:

    Hallo zusammen, es scheint sich ja bisher niemand für dieses Bild zu interessieren. Wahrscheinlich sind noch alle total erschöpft von der Debatte um den „Sandsturm“. Das hier vorliegende Bild ruft in mir 3 Reaktionen hervor: 1. eigentlich ganz stimmig, 2. zu unscharf, 3. zu scharf. Also kann ich mich wieder einmal nicht beherrschen, hier ein bisschen daran rumzumachen. Ich denke, wenn schon nicht richtig scharf, dann wenigsten richtig unscharf. Voilà. Gruß Werner

    schafe_we

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    • Peter Sennhauser says:

      Ok, so ist es definitiv ein Aquarell… mir ist es in der Version lieber, die noch als Fotografie erkennbar ist und nicht den Eindruck erweckt, der entsprechende „Künstler“-Filter in Photoshop sei drübergelassen worden.

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