Handy-Fotografie:
Morgendämmerung

Die beste Kamera ist immer die, die man dabei hat. Heute ist das häufig das Smartphone. Dank diesem Umstand lohnt es sich auch mal, beim Joggen eine Fotopause einzulegen.

Saamsung-Waldfoto

Samsung Galaxy S7 1/33s bei Blende 2.2 mit 4.8mm Brennweite und ISO 40 © Ulla Zimmermann

Ulla Zimmermann aus Eynatten Belgien schreibt zu diesem Bild: Das Bild ist mit meinem Samsung S7 aufgenommen bei einem Morgenlauf. Die Steine sind die sogenannten Zyklopensteine…im belgischen Wald, nahe der deutschen Grenze zu Aachen

Es bietet sich ein tolles Motiv, der Moment ist flüchtig, und ich habe eine Kamera dabei: Früher kam es zu oft vor, dass der letzte Punkt nicht zutraf. Heute lohnt es sich, mal einen Stopp einzulegen und mit dem Smartphone eine richtig gute Fotografie zu machen.

Hier sagen schon die Exif-Daten, dass etwas anders ist als sonst. Und wenn man bis zur Pixelgenauigkeit ins Bild hineinzoomt, sieht man auch, was: Diese sechzehn Megapixel stammen aus einem winzigen Sensor – nämlich einem Smartphone (Samsung Galaxy S7) (Affiliate-Link) Telefon. Das ist aber erst auf dieser Vergrösserungsstufe wirklich zu erkennen, denn inzwischen haben unsere Telefone sehr leistungsfähige Kameras. Und für die meisten gibt’s sogar mehr oder weniger brauchbare Zusatz-„Objektive“.

Ausschnittmorgentau

Du hast von der deinen guten Nutzen gemacht: Diese Aufnahme lohnt doch jeden Stopp im Lauf, die „Godbeams“ der Sonne in den Wald hinein, die Steine und das frische Frühlingsgrün. Über die Technik verlieren wir deswegen kein Wort, denn ich nehme auch an, Du hast nicht noch umständlich irgendwas eingestellt an der Kamera, sondern auf die Automatik vertraut.

Morgentaugolden Morgentaudrittel

Die funktioniert in vielen Fällen, wie auch hier, recht gut: Das Telefon hat auf die Sonnenstrahlen belichtet, und so ist fast nichts ausgebrannt. Der Nachteil dabei liegt darin, dass man die hellen Motivteile in der Nähe des Zentrums der Komposition behalten muss, weil die Kamera sonst rasch ganz andere Werte wählt. Das hat dann häufig Auswirkungen auf die Komposition, und ich behaupte, das ist auch hier der Fall:

Problemzonen

Mich stört ein bisschen, dass der vorderste Stein angeschnitten ist – mit einem Schritt zurück und einer leichten Neukomposition hätte er sich ganz in den Frame bringen lassen. In ähnlichen Situationen ist mir dann aber eben auch schon aufgefallen, dass durch die veränderten Anteile an hellen und dunklen Bildteilen die Kameraautomatik plötzlich überbelichtet. Das lässt sich zwar bei den meisten Kamera-Apps inzwischen mit einer Belichtungskorrektur anpassen, aber einfach zu handhaben ist das nicht. Hinzu kommt, dass wegen der Winz-Sensoren eine starke Vergrösserung und damit die Wahl eines Ausschnitts aus dem Bild nicht wünschenswert ist: Dabei werden rasch Artefakte, Weichzeichner-Effekte oder rauschen sichtbar.

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Du hast hier einen sehr gut gelungen Kompromiss getroffen, der mit ein bisschen Nacharbeit in Lightroom noch besser werden könnte.  Zum einen würde ich den angeschnittenen Baum am linken Bildrand und den krummen am rechten Bildrand wegschneiden; ich würde mir sogar überlegen, den schwarzen Klotz vorne rechts wegzuklonen – er trägt nichts bei, ist unglücklich dunkel in der Belichtung und stellt ein weiteres Leck ind er Komposition dar.

Das Bild mit leichten Korrekturen

Leichte Korrekturen, etwas anderer Ausschnitt, Weissabgleich angepasst.

Dann habe ich den Weissabgleich angepasst, und zwar habe ich die graue Fläche auf dem vordersten Stein angeklickt: Dadurch wird das Licht ingesamt etwas wärmer und die Blätter in den Sonnenstellen etwas grüner.

Zu guter Letzt könnte man sich eine Übersetzung des Bildes in Schwarz-Weiss überlegen, und dabei gibt es, je nach art der Umsetzung, sehr verschiedene Eindrücke.

Morgentausw2 Morgentausw

6 Antworten
  1. Marco says:

    Danke für diesen Artikel. Ich bin der Meinung, dass man mit Handys heute echt gute Bilder machen kann.
    Damit ecke ich bei Fotowalks und dem Aufmarsch der längsten und besten Kameras immer etwas an ;-)
    Ich denke ein gutes Foto macht viel mehr aus als die Ausrüstung mit der es gemacht wurde.

    Wie dem auch sei. Ich stimme deinem Eingangsstatement „Die beste Kamera ist immer die, die man dabei hat.“ voll zu. Danke für den Artikel.

    Antworten
  2. Ulla says:

    Kann mir jemand eine gute Bearbeitungs App nennen?
    Ich habe auch kein Fotobearbeitungsprogramm auf meinem PC. Da binich auch für Tipps dankbar. :-)

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    • dierk
      dierk says:

      Hallo Ulla,
      deine Frage blieb leider unbeantwortet :-(

      Mit App meinst du eine App oder Programm auf dem Smartphone?
      Dazu kann ich nichts sagen, ich benutze keins. Wenn du richtig etwas aus deinen Bilder herausholen möchtest, kommst du sicher nicht um ein Programm auf dem Rechner herum. Da könnte eine einfache Version von Photoshop in Frage kommen. Es gibt aber noch viele mehr.
      Damit kannst du dann auch einen richtigen Weißabgleich wie in dem letzten Farbbild machen. Dazu ein kleiner Tipp, bei solchem Mischlicht habe ich ein weißes oder graues Stück Papier oder Taschentuch mit einem Testbild aufgenommen und das bei der Bearbeitung zum Weißabgleich benutzt.
      Das letzte S/W Bild bringt für mich die richtige Stimmung, dagegen sehen die Farbbilder zu „einfach“ aus.
      VG
      dierk

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