Nächtliche Panoramafotografie:
Capitol bei Nacht

Panoramafotografie in der Nacht: das heisst – zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Entschleunigtes Fotografieren mit Stativ.

Kamera Canon EOS 70D; Tokina 11-16mm f/2.8 AT-X116 Pro DX ; 15s bei Blende 11 mit 16mm Brennweite und ISO 200

Kamera Canon EOS 70D; Tokina 11-16mm f/2.8 AT-X116 Pro DX ; 15s bei Blende 11 mit 16mm Brennweite und ISO 200, © Christian Künitz

Christian Künitz aus Radolfzell hat uns diese Nachtaufnahme des Capitols in der Kategorie „Architektur“ eingereicht.

Ein starkes Bild, welches du hier eingereicht hast!

Auf dem Foto sehen wir ein Capitol bei Nacht. Da wir nachts von wenig (Umgebungslicht) Licht ausgehen müssen und unseren Kamerasensor nicht mit hohen ISO-Werten überfordern möchten, ist ein Stativ vonnöten um solche Langzeitbelichtungen, du schreibst hier von 15 Sekunden, möglich zu machen. Um eine maximale Schärfe zu erreichen, ist es wichtig den Bildstabilisator auszuschalten. Durch das Stativ kann nichts verwackeln und der Stabilisator würde versuchen Kameraverwackler auszugleichen, die nicht da sein können und könnte dadurch Schwingungen auf den Sensor übertragen, was der Bildschärfe nicht gut tut.

Durch die lange Belichtungszeit wirkt das Wasser samtweich und die Spiegelungen kommen so besser zur Geltung.

Auch wird die Stativfotografie als entschleunigte Fotografie bezeichnet, da man in Ruhe seinen Bildausschnitt bestimmen kann, ohne die Kamera immer wieder neu ausrichten zu müssen. Dadurch werden die Fotos meist wesentlich besser und bewusster gestaltet.

Um einen solch großen Kontrastumfang festzuhalten, kann man z.B. mindestens drei Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungen machen und diese in der Bildbearbeitung zu einem sogenannten HDR-Bild verschmelzen lassen, oder man hat eine Kamera mit einem hohen Dynamikumfang, die in der Lage ist, ebenfalls in der Postproduktion die Lichter im Foto abzusenken und die Tiefen aufzuhellen, damit eine ausgewogene Lichterverteilung gewährleistet ist.

Du hast das Capitol mittig ins Bild gesetzt, was mir durch die Symmetrie bedingt, gut gefällt. Normalerweise bin ich kein Freund von mittiger Fotografie, aber hier passt es.

Der Beschnitt ins Panoramaformat und die mittige Wasserlinie bringen eine Ruhe ins Bild (Bildgestaltung und Spannungsaufbau durch Formatwahl). Die Spannung wird durch das helle Capitol und seine Spiegelung gesteigert, da der Blick des Betrachters magisch von diesem Punkt angezogen wird. Das Capitol wird mit Licht angestrahlt, dessen Strahlen man sieht. Dieser Bildaufbau ist ein Dreieck mit Basis nach unten, die das Bild abermals „stabilisiert“ und das Auge fesselt.

Komposition

Komposition

Mir gefällt an deinem Bild, dass der Himmel nicht ganz schwarz ist, sondern sich gut gegenüber dem Capitol und den anderen Bildbestandteilen abhebt. Durch Restlicht und die oben beschriebene ausgewogene Belichtung ist dies möglich. Mit einer kleinen Kompaktkamera wäre der Himmel abgesoffen schwarz.

Durch die Wahl deiner Blende von 11, die für eine Tiefenschärfe nicht unbedingt benötigt wurde, werden Lichtpunkte zu Lichtsternen, was das Bild abermals etwas aufwertet.

Kleines Manko: Wer mich kennt weiß, das eine kleine unauffällige Vignette den meisten Bildern gut tut!

Vignette

Vignette

Nochmals danke, dass du das sehr gelungene Bild zur Bildbesprechung eingereicht hast.

Fertiges Bild:

Capitol fertig korr.

Capitol fertig korr.

6 Antworten
  1. Mark Piontek
    Mark Piontek says:

    Die „Regeln“ in der Fotografie sollen eine Hilfe sein, kein Hindernis.

    Symmetrische Kompositionen wirken auf die meisten Menschen sehr harmonisch. Abweichungen von der Symmetrie in einer symmetrisch angelegten Komposition fallen leicht auf und stören die Harmonie.
    Ob das nun gut oder schlecht für die Bildwirkung ist, hängt davon ab, wie harmonisch das Bild wirken soll und auch wie stark die Abweichung ist.

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  2. Carsten Schröder says:

    Symmetrie in einer Architekturaufnahme! Meist wirkt sie nur, wenn alle Linien und Strukturen auch perfekt symmetrisch ausgerichtet sind. Hier gehts eher um eine Nachtaufnahme, die im Panoramformat beschnitten wurde. Ich finde, dass die aussermittige Statue hier nicht störend wirkt.
    Ob man durch einen Wechsel des Aufnahmestandpunktes dies hätte verhindern können, weiß ich nicht, da ich die Gegebenheiten bei der Aufnahme nicht kenne.

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  3. Ingrid says:

    Heiko, das ist wie alles im Leben subjektiv. Ich bin ein Fan von kleinen „Unperfektheiten“, gerade was Symmetrie angeht. Die Statue bringt in dieses sehr ruhig angelegte Bild Spannung hinein. Dagegen stört mich das helle Denkmal links am Rand des Bildes. Das lenkt meinen Blick ab und es fehlt ein visuelles Gegengewicht auf der rechten Seite. Es wäre einfach gewesen, das durch Beschnitt zu lösen. Aber wie gesagt, Geschmacksache halt.
    Christian, danke für das Bild und schöne Grüße an den Bodensee :-)

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    • Carsten Schröder says:

      Vielleicht macht das Unperfekte erst ein Bild perfekt!

      Du hast Recht. Mich persönlich lenkt sie nicht so ab, aber wenn man ersteinmal darauf hingewiesen wird, bleibt der Blick dran hängen. Die Statue ist durch die Vignette zwar schon etwas abgedunkelt, man hätte aber die Abdunklung noch verstärken können.
      Einen Beschnitt hätte ich nicht vorgenommen, da das Panoramaformat an Wirkung verlieren würde.

  4. Heiko says:

    Bereits seit einiger Zeit folge ich den Bildbesprechungen hier. Bei diesem Bild ist mir nun aufgefallen, dass die Symmetrie im Bild zwar angelegt, aber nicht bis in letzter Konsequenz umgesetzt wurde: die Statue auf dem Sockel am gegenüberliegenden Ufer ist aus der Mitte heraus versetzt.

    Das Bild des Kapitols hier ist bei weitem nicht so streng symmetrisch ausgelegt, wie andere Bilder (z.B. http://fokussiert.com/2013/06/10/leserfoto-vom-hohen-anspruch-der-architekturfotografie/). Und ich kenne auch die Begebenheiten vor Ort nicht: ist eine streng-symmetrische Aufnahme überhaupt möglich?

    Aber um auf meinen Ausgangsgedanken zurückzukommen: Hänge ich mich zu sehr an solchen Sachen auf? Bin ich so sehr in Drittel-Regel, Goldenem Schnitt, etc gefangen, dass mir der Blick aufs Wesentliche nicht mehr gelingt? Wäre es nicht besser, das Bild einfach nur geniessen zu können? Anders formuliert: sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr?

    Wie seht ihr das? Ist die Frage der Symmetrie hier ein nennenswertes Manko?

    Antworten
    • Christian Künitz says:

      Hinter der Statue steht ein riesiger Scheinwerfer, welcher in Richtung Weg vom Capitol strahlt. Daher war es notwendig die Statue zu nutzen, um nicht zu viel Gegenlicht zu erhalten.

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