Mondfotografie:
Über dem Kochelsee

Der Monduntergang ist einfacher zu fotografieren als der Aufgang. Allerdings sollte man das Reisetempo und die Helligkeit des Trabanten nicht unterschätzten.

LEICA SL (Typ 601) Aufnahmedaten: 60/1s bei Blende 16/1 mit 25/1mm Brennweite und ISO 100

LEICA SL (Typ 601) Aufnahmedaten: 60/1s bei Blende 16/1 mit 25/1mm Brennweite und ISO 100 © Joachim Hör

Joachim Hör aus Kutzenhausen: Das Foto wurde bei Monduntergang am Kochelsee aufgenommen, zu einer Zeit kurz vor Sonnenaufgang.
Durch den gewählten Zeitpunkt habe ich vermieden, dass es noch zu dunkel war und der Mond alles überstrahlte; der Dynamikumfang wurde so reduziert.

Der Mond lässt sich zu jeder Zeit gut fotografieren, weil er ein von der Sonne gut beleuchtetes Stück Stein ist. Das Problem in der Mondfotografie ist deswegen die Umgebung des Fotografen.

Ich habe mich schon vor längerem ausgiebig mit Mondfotografie beschäftigt und dabei schnell und viel gelernt. Unter anderem, dass der Erdtrabant belichtungsmässig keine Rätsel aufgibt:

Der Mond sollte so fotografiert werden wie ein in praller Sonne liegender Felsklotz. Warum? Weil es sich genau darum handelt.

Die Regel dazu ist die Sonnig-f/16-Regel (oben verlinkt). Damit fotografiert man den Mond, wenn man ihn korrekt belichtet haben und die Krater und Schatten darauf sehen will. Das hast Du hier nicht getan – insofern ist Deine Fotografie eigentlich keine Mond- sondern eine Landschafts-Nachtaufnahme.

Wir sehen in dieser Farbfotografie, die in der Dämmerung entstanden zu sein scheint, einen See im Vordergrund mit einem Hügelzug am gegenüberliegenden Ufer. Über dem Wasser wabert in der rechten Bildhälfte Nebel, darunter ist der Spiegelschweif des Mondes zu sehen. Der selbst prangt am Himmel, relativ dicht über dem Horizont, und weist ein leichtes Sternenmuster auf. Der Mond selbst ist dabei, genau so wie die Spiegelung, überstrahlt.

Wenn wir den Mond fotografieren, fotografieren wir also immer ein in praller Sonne liegendes Stück Fels. Da kann eine Langzeitbelichtung von einer Minute, auch bei tiefer ISO-Zahl und geschlossener Blende, nichts anderes ergeben als eine überstrahlte Fläche, auch bei einer Brennweite von 25mm und  Deiner Vollformat-Leica Sl 601 (Affiliate-Link).

Das heisst nicht, dass an Deinem Bild etwas „falsch“ ist. Es heisst nur, dass der Dynamik-Abgleich von Vordergrund und Mond in einem Ausmass, in dem am Mond noch Oberfläche erkennbar wird, erst sehr viel näher am Tageslicht möglich ist. Meine besten Mondbilder habe ich jeweils einen Tag vor Vollmond zu der Zeit gemacht, wenn die Sonne in meinem Rücken unter- und der Mond gleichzeitig auf der andern Horizontseite aufging. Bei diesen Bedingungen entspricht auch das Umgebungslicht ziemlich genau der sonnig-f16-Regel.

Wenn Du Wert auf den Inhalt der Mondoberfläche legst, musst Du eine weitere Krux beachten, die Du bei Deiner Komposition hier getrost vernachlässigen kannst: Der Mond wandert verhältnismässig schnell über den Himmel. Mit dem „Fernrohr“, dem 400mm Nikkor, musste ich feststellen, dass schon einige Sekunden Belichtungszeit deutlich zu lang sind: Der Mond kriegt Bewegungsunschärfe.

Du hast hier zwar den Dynamik-Unterschied von Umgebung und Mond dank der Dämmerung reduziert, aber bei weitem nicht eliminiert. Das macht den Charme der Fotografie aber erst aus.

Bemerkenswert ist nämlich auch der Sternenschimmer des Mondes. Diese Strahlen am Rand heller Objekte, die man mit einer sehr kleinen Blende (in der Regel ab f/16) hinkriegt, entstehen  insbesondere dann, wenn man eine Lichtquelle zusätzlich an die Kante eines Vordergrundobjekts „anlehnt“.

Dein Bild will etwas anderes sein als eine klassische Mondfotografie, das ist eindeutig. Dennoch hätte ich wahrscheinlich noch etwas gewartet und mehr Licht in der Umgebung wirken lassen,  ausserdem sicher die Blende weiter geöffnet und dafür gesorgt, dass über einen richtig gesetzten Fokuspunkt (Hyperfokale Distanz) dennoch ausreichend Schärfentiefe vorhanden wäre.

Und ich hätte das Ufer auf Deiner Seite, das nichts zum Bild beiträgt, weggelassen oder das Bild nachträglich beschnitten.

2 Antworten
  1. Bernhard Ruhland says:

    Hallo zusammen, Peters Erfahrungsberichte zur Mondfotografie sind aus meiner Sicht sehr hilfreich. Ich habe mit der App „Sun Surveyor“ (http://www.sunsurveyor.com/) gute Erfahrungen im Hinblick auf die Ermittlung von Mond (und Sonnen-) Auf- und Untergangszeiten und -orte gemacht. Sehr schön finde ich zum Beispiel, dass Mond- und Sonnenlauf auf dem Display in der realen Umgebung (zu jeder beliebigen Zeit) dargestellt werden können. Die App gibt’s für Android und I-Phone, kostet nur ein paar Euro und die Daten sind einigermaßen zuverlässig. Vielleicht hilft´s ja dem/der einen oder anderen.

    Gruß Bernhard

    Antworten
  2. UK says:

    Als erstes, der Link zu den anderen schönen Monden von Herrn Sennhauser funktioniert bei mir nicht. Ist echt schade drum. Dieser hier sollte funktioieren: http://fokussiert.com/2009/09/04/noch-mehr-mondfotografie-hoch-oben-am-himmel/
    Dann finde ich das Bild auch sehr schön, hätte aber auch den Vordergrund weggelassen. Es wirkt sehr mystisch auf mich.
    Auch ich habe ein Mondbild, bei dem der Mond eher aussieht wie eine Sonne. Vielen Dank für die „Sonnig f/16 Regel“. Wieder was dazu gelernt.

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