Schatten-Selfie:
Reduzierte Fotografie

Durch Neubeschnitt eines Bildes lässt sich das Wesentliche hervorheben. Hier Zum Beispiel in einer komplexen Spiegelung in einem Schwarz-Weiss-Foto.

Kamera: DMC-TZ10 Aufnahmedaten: 1/20s bei Blende 3,8 mit 8,5 mm (ca. 50 mm KB) Brennweite und ISO 400 © Ingrid Steinmel

Kamera: DMC-TZ10 Aufnahmedaten: 1/20s bei Blende 3,8 mit 8,5 mm (ca. 50 mm KB) Brennweite und ISO 400 © Ingrid Steinmel

Ingrid Steinmel aus Kriftel: Hallo an die fokussiert-Autoren! Das Bild ist entstanden mit meiner kompakten Lumix TZ10 auf dem Dachboden der Jugendherberge in Kaub am Rhein. Hinter mir ist ein großes Fenster im Giebel, vor mir ein Geländer, etwas weiter im Raum eine Glasscheibe und dahinter der restliche Raum mit einer geschlossenen Wand. Die Lampen beleuchten durch das offene Dachgebälk den darunter liegenden Raum, wo die Proben unseres Chorwochenendes stattfanden. Das helle Tageslicht an einem sonnigen Tag bildet Mensch und Objekte auf der gegenüberliegenden Wand als Schatten ab. Mir gefällt, das nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, was auf dem Foto abgebildet ist. Das Bild habe ich von den ursprünglich bräunlichen Farbtönen mit Silver Efex Pro in S/W umgewandelt, die Exif-Daten sind eingebettet. Mit der Auswahl einer Kategorie habe ich mich schwer getan, es schien mir nichts richtig zu passen, daher reiche ich es als Schnappschuss ein.

Du hast hier ein Selfie in der Kategorie „Schnappschuss“ eingereicht, welches von Licht und Schatten lebt. Dadurch, dass du vor einem sehr hellen Fenster stehst, wird durch die über das gesamte Bild gemessene Belichtungsmessung getäuscht und das ganze Bild dunkler dargestellt, als die Szene in Natura aussieht. Man kennt ja die Bilder, wenn eine Person vor einem hellen Fenster fotografiert wird und diese nur schwarz abgebildet wird.

Dies wirkt sich hier im Bild äußerst positiv aus, da man hier keine einzelnen Details benötigt, sondern dein Körper als Schatten- bzw. Scherenschnitt abgebildet wird.

Deine Umwandlung in Schwarzweiß ist hier nur konsequent, da Farbe ablenken würde. Die (inzwischen kostenlosen) Nik- bzw. Google-Filter mit dem SilverEfex-Modul sind dazu hervorragend geeignet, da diese Photoshop- bzw. Lightroom-Erweiterung gute Vorschaumöglichkeiten bietet, die man dann individuell seinem Bildstil anpassen kann.

Zum Bildaufbau möchte ich sagen, dass durch den mittleren Holzbalken das Bild zweigeteilt wird. Während in der linken Hälfte deine Person im Licht hervorgehoben wird, ist auf der rechten Bildseite eigentlich „nichts“ zu sehen. Diese Hälfte ist von der rechten abgekoppelt und trägt nicht zur Bildaussage bei.

Deshalb mein Vorschlag das Bild zu beschneiden, um nur das Wesentliche übrig zu lassen.

Die Holzbalken am Rand (rote Linien) schaffen einen natürlichen Rahmen um das Motiv, was es harmonischer macht.

natürlicher Rahmen

natürlicher Rahmen

Du stehst zwar jetzt nicht optimal in der Drittelteilung, sondern etwas bildmittig. Das kann man nachträglich nicht (bzw. nur aufwändig) ändern.

Das Potential des Motivs der Spiegelung hast du gut erkannt und im Foto festgehalten. Ich finde, dass das ganze Bild durch den Beschnitt gewonnen hat und jetzt noch interessanter auf den Betrachter wirkt.

Beschnittenes fertiges Bild

Beschnittenes fertiges Bild

 

 

4 Antworten
  1. Mark Piontek
    Mark Piontek says:

    Wie Klaus Mück bin ich auch der Meinung, dass die rechte Seite nicht überflüssig ist.
    Durch den Pfosten, der fast symmetrisch zur Person auf der linken Seite ist und die „Arme“ in die Höhe hebt, bringt auch die rechte Seite eine gewisse Spannung mit ins Bild.
    Durch Abschneiden der rechten Bildhälfte verdichtet sich das Bild stärker auf die Person, verliert aber diese Spannung.

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  2. Klaus Mück says:

    mir hat das Foto besser gefallen so wie es eingereicht wurde, also vor dem beschnitt. Im Original wirkt die Räumlichkeit besser, das Auge hat mehr zum Entdecken und wird durch die in linke Richtung spiegelnden Holzbalken auf das Hauptobjekt geführt. Ein sehr schönes Motiv

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  3. Ingrid says:

    Hallo Carsten,
    vielen Dank für die Kritik. Ich lerne daraus, noch mehr als bisher mit Bildauschnitten zu spielen, denn du hast natürlich vollkommen recht, die rechte Hälfte trägt nichts zum Bild bei. Wenn es mir dann noch gelänge, mir das bereits bei der Aufnahme zu überlegen… Es hätte mich nun doch interessiert, in welche Kategorie sowas bei Euch hineingehört.
    Viele Grüße Ingrid

    Antworten

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