Studiofotografie:
Stillleben mit Gouda

Was für ein ungehobelter Käse. Man kann originelle Ideen in Stilleben umsetzen. Da schaden auch ein paar Haken nichts.

Fotografie eines Hobels mit einem Gouda-Käse

Canon EOS 6D 4s bei Blende 16 mit 100mm Brennweite und ISO 100

Richard Rduch aus Krefeld schreibt zu diesem Bild: Foto aus der Serie TOOLS & FOOD. Es ist eine Reihe entstanden wo Werkzeug mit Essen dargestellt wird. Die Kombination, obwohl vielleicht etwas kurios und seltsam („man spielt mit dem Essen nicht“), soll ein Lächeln hervorzaubern. Außer Idee wäre mein Ziel auch die perfekte technische Darstellung. Ob mir das gelungen ist?

Farblich sehr ansprechend, leuchtet uns hier ein Käse entgegen. Ein paar Fragen wirft das Bild aber schnell auf – und nicht nur inhaltliche:

Diese Farbfotografie zeigt einen halben gelben Käselaib, der auf einer spiegelnden, schwarzen Oberfläche zu liegen scheint. Links davon liegen sehr ungleich geschnittene Scheiben des Käses auf der polierten schwarzen Fläche, hinter diesem Arrangement steht ein alter, sehr gut benutzter und pittoresker Holz-Hobel. Der Hintergrund der Aufnahme ist vollständig schwarz.

Aufgefallen ist mir diese Fotografie, weil sie in der Kleinansicht mit einem ausgesprochen leuchtenden Käse aus der Menge herausstach. Du hast die Beleuchtung also so gewählt, dass der Käse auf eine Art betont wird, der man sich nicht entziehen kann. Dem Schattenwurf nach zu schliessen, wurde hier von rechts vorne mit einer ausgesprochen weichen Lichtquelle und einer zweiten, die fast im rechten Winkel von links wirkte, gearbeitet. Man kann das daran erkennen, dass einerseits der Käseleib einen sehr weichen, aber dennoch tiefen Schatten auf den Hobel und der Klingenhalter auf der oberen Hobeloberfläche einen scharfabgegrenzten Schatten nach rechts wirft.

Die Beleuchtung stimmt, kommen wir zur Belichtung: In dieser Auflösung die Schärfe untersuchen zu wollen, macht wenig Sinn. Ausserdem gehen wir davon aus, dass Du schon weisst, was Du tust, wenn Du vier volle Sekunden lang belichtest. Dazu allerdings habe ich erste Anmerkungen: Weshalb Du die Blende bis auf 16 geschlossen hast, wo doch der Schärfenbereich in diesem Bild keine 30 Zentimeter betragen muss und damit eine sehr viel weiter offene Blende längstens ausgereicht hätte, erschliesst sich mir nicht. Auch wenn wir annehmen können, dass Du auf Deiner Vollformat-Canon 6D (Affiliate-Link) kein billiges Objektiv hattest: Bei Blende 16 haben auch gehobene Gläser nicht immer die beste Schärfenleistung, namentlich die Zooms.

Die fokussiert.com-Bildkritik ist die Besprechung einer von Leserseite eingesandten Fotografie. Sie zeigt Tipps und Tricks zu Technik, Komposition und Nachbearbeitung. Sie wollen dabei sein? Reichen Sie Ihre Fotografie ein. Oder buchen Sie eine private Kritik.

Wenn Du nach der „technisch perfekten Darstellung“ strebst, würde ich in keiner Ecke der technischen Daten in die Extreme gehen, jedenfalls nicht bei den beiden Hauptdaten der Fotografie, das heisst bei Blende und Zeit. Denn zu den Unwägbarkeiten von Blende 16 kommt in diesem Fall die Möglichkeit einer Erschütterung bei 4 Sekunden Belichtungszeit hinzu – ein LKW, der am Haus vorbeifährt, oder auch nur schon der Spiegelschlag der Kamera, wenn Du den nicht mit der Mirror-Up-Einstellung eliminiert hast, könnte einen Einfluss haben.

Das zur Technik. Was das Motiv angeht, habe ich auch noch einige Anmerkungen:

Das hier im Bild ist KEIN Käsehobel. Tatsächlich ist die Kombination hier eine Faust aufs Auge – aber nachdem ich Deine Anmerkung gelesen hatte kam ich zum Schluss, dass das der Witz der Serie ist.

Die ausserordentlich groben Hobelstückchen finde ich des Guten zu viel. Hier wäre es raffinierter gewesen, feine, mit einem sehr scharfen Käsehobel geschaffene Röllchen oder wie Holzspäne wirkende Stückchen zu platzieren.

Der Kontrast zum Hintergrund ist für den Hobel meines Erachtens zu weich. Ein etwas hellerer Endlos-Hintergrund würde das Werkzeug wahrscheinlich besser zur Geltung bringen.

Die Spiegelung bricht plötzlich ab. Und der Negativraum macht wenig Sinn.

Die Spiegelung bricht plötzlich ab. Und der Negativraum macht wenig Sinn.

Die Spiegelung im Vordergrund bricht in einer sehr abrupten Ausblendung ab. So präsentiert Apple seine Rechner im Webshop (allerdings auf Weiss), aber hier macht die Halb-Spiegelung wenig Sinn: Die Oberfläche hat keine zum Beobachter gerichtete Kante, aber sie wird urplötzlich stumpf.

Und zu guter Letzt: Warum sind Käse und Hobel in einem absolut schwarzen Hintergrund nicht formatfüllend, sondern irgendwie nach unten rechts versetzt platziert? Negativraum ist ein Gestaltungsmittel in Bildern mit komplexeren Strukturen. Aber hier zeigst Du uns ein Stillleben, dem Du sogar nach vorne den Raum begrenzt, warum also soll es nach oben/hinten links so viel Platz haben?

Ein leichter Beschnitt

Ein leichter Beschnitt

All diesen Punkten zum trotz eine ansprechende Aufnahme. Dass Du sehr viel nachdenkst in deiner Fotografie, zeigt deine Website – übrigens namentlich in der Sektion „Projekte“ sehr sehenswert.

10 Antworten
  1. dierk
    dierk says:

    Hallo Richard,
    tolle Idee und Umsetzung!

    Ein paar Überlegungen, was ich anders gemacht hätte, du hattest dich schon dazu geäußert. Die technische Spiegelung passt für mich nicht so recht zu dem Motiv, aber es sollte ja der Kontrast sein. Bei deinen Stillleben hast du es ja auch anders gemacht.

    Der dunkle Streifen im Vordergrund wurde auch schon erwähnt, ich hätte zumindest den Verlauf etwas weicher gemacht.
    So einen alten Hobel hatte ich auch, aber der Käse hätte etwas mehr zerrupft aussehen können, wenn er mit dem Hobel bearbeitet wurde.

    Das Bild mit der Säge finde ich noch besser, da allenfalls der angedeutet Hintergrund nicht so sehr.
    Deine Stillleben auf deiner Seite finde ich super schön! Z.B. die beiden Kirschen bei Stillleben II.

    Ich bin von dieser Technik schon lange begeistert und kann nur jedem empfehlen, sie auszuprobieren. Es geht auch toll mit einem Tablet oder Smartphone! Der Hintergrund muss auch nicht schwarz sein, da er ja kaum Licht abbekommt, wenn er etwas weiter weg ist. Wichtig ist nur, keine reflektierenden Flächen!

    In 2009 hatte ich hier bei FOKUSSIERT schon geschrieben, wie ich es mache.
    http://fokussiert.com/2009/11/15/lightpainting-im-studio-keller-pflanzenbilder-aus-einer-andern-welt/

    und hier bei the.me noch einmal mit neueren Bildern
    http://www.the.me/painting-with-light-a-special-and-simple-technique-to-illuminate-your-stills/

    da hier leider nur ein Bild möglich ist, habe ich vier Beispiele zusammen gestellt, zum Anfüttern! :-)
    dierk

    img2013_12_09_214728-alle

    Antworten
    • dierk
      dierk says:

      das hatte ich schon lange vor und habe es bei dieser Gelegenheit endlich mal gemacht.

      Objekt ist eine Leica M Monochrom mit Noctilux 50mm
      Aufnahme mit Sony A6000 und 85mm Nikkor PC auf Stativ und f/16
      Licht mit einer sehr kleinen LED Lampe
      Verschluss auf B und auslösen mit IR Fernauslöser, erstes Drücken – Verschluss öffnet – Beleuchten – zweites Drücken Verschluss schließt (wie die T Einstellung bei den alten Kameras). Ich beschreibe das hier, da es vielleicht auch bei anderen Kameras so für Langzeitbelichtung geht.
      WB über die graue Fläche neben dem Sucher
      es geht natürlich auch mit 10 – 20 Sekunden Verschluss, so mache ich es meistens.

      light from a small LED light

  2. Richard says:

    Wenn ich auf meine angehängte Fotos bei den Kommentaren klicke, bekomme ich folgende Meldung:

    Diese Verbindung ist nicht sicher

    Der Inhaber von static.fokussiert.com hat die Website nicht richtig konfiguriert. Firefox hat keine Verbindung mit dieser Website aufgebaut, um Ihre Informationen vor Diebstahl zu schützen.

    Nur als Info.

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      Hallo Richard
      Dein Firefox hat bis auf die Vermutung, wir seien bösartig, grundsätzlich recht – wir müssen den AWS-Server noch für https richtig konfigurieren, das wird in den kommenden Wochen erledigt.
      Mein Chrome allerdings zeigt Deine Bilder anstandslos an…

  3. Richard says:

    Ich verstehe Dich Stefan und freue mich, dass Du Deine Meinung sagst. Man muss schon sagen, dass das nicht selbstverständlich ist. Genau von solcher ehrlicher Kritik kann ich sehen, wie meine Bilder überhaupt wirken.

    Deine Formulierung „so eine Art „fine-Art“ look“ gefällt mir :)
    Die Spiegelung macht mir Schwierigkeiten. Auf dem Foto mit dem Brot habe ich etwas anders ausprobiert. Ich werde weiter versuchen. Danke noch mal.

    Antworten
    • Stefan Jeschke says:

      Danke auch Dir Richard, dass Du Dich nicht persoenlich angegriffen fuehlst. Das ist leider mindestens genauso nicht selbstverstaendlich und fuer mich einer der Gruende, warum ehrliche, begruendete Bildkritik oft gar nicht erst gegeben wird (zum Teil ist das sicher ein „Henne und Ei“ – Problem). Insofern haben wir hier exemplarisch gezeigt, dass es auch anders geht. :-)

  4. Stefan Jeschke says:

    Hallo Richard,

    eine Klasse Serien/Bildidee hattest Du da, die haette ich mir von mir gewünscht.. :-)
    Technisch möchte ich hier gar nichts schreiben, Du weisst offensichtlich was du tust und das sieht man auch.
    Aber inhaltlich stösst mir ein Punkt auf: diese sterile Umgebung. Warum zum Teufel? Was soll sie zur Aussage beitragen? Ich denke Du wolltest diese Zusammenkunft von Essen und Werkzeug auf „neutralem Boden“ vollziehen, aber ich denke Du stellst damit Deiner echt tollen Idee ein Bein. Haettest du entweder den Hobel in die Kueche oder den Kaese in die Werkstatt getragen, waere der (wirklich gute) Witz an der Sache deutlich geworden. So aber wirkt es leider zu „überkünstelt“ wenn du verstehst was ich meine.

    Viele Grüsse,
    Stefan

    Antworten
    • Richard says:

      Das ist der Punkt, Stefan.

      Wäre das alles entweder in der Küche oder in der Werkstatt wäre es „normal“ also wie man es erwartet. Es wird dem Betrachter, von einer Seite, leichter gemacht und gleichzeitig wird ihm die Möglichkeit abgenommen, eigene Fantasien und Vorstellungen zu entwickeln.

      Das Zweite ist, ich möchte so was wie eigenen Stil entwickeln. Mir ist dabei bewusst, dass schwarzer Hintergrund keine revolutionäre Idee in der Fotografie ist ;) Klar, damit bin ich an der Grenze zu „überkünstelt“ und mit diesem „Vorwurf“ kann ich leben :)

      Alternativ, wie ich schon geschrieben habe, gibt es auch Fotos mit „angedeutetem“ Hintergrund. Wie im Bild „Stillleben mit Brot“.

      Stillleben_2572b_1000

    • Stefan Jeschke says:

      Ich verstehe ich Deinen Wunsch sehr gut, nicht zu viel vorzugeben, um so den Betrachter etwas mehr „herauszufordern“, sich Gedanken zu machen.
      Ich habe nur das Problem, dass die Umgebung der Protagonisten (dunkler Raum, spiegelnde Glasplatte ala Apple) mich hier zu keinen tieferen Gedanken anregt, bzw. führt es mich gedanklich nicht weiter. Ich komme auch mit viel Anstrengung nicht über den Eindruck „das soll wohl so eine Art „fine-Art“ look werden..“ hinaus. Tut mir wirklich leid wenn das jetzt hart klingt, aber so eine spiegelnde Glasplatte setzt im Bild schon eine gewisse „Bedeutungsschwere“. Und wenn dann aber gedanklich nichts weiter aufpoppt als „da hat er mehr über den edlen look als über die Bildaussage nachgedacht“ dann hat der Hintergrund hier für mich sein Ziel klar verfehlt. Dann lieber ein graues/neutrales Tischtuch mit ein paar Krümeln drauf, das lenkt wenigstens nicht ab.
      Es kann aber durchaus sein, dass es an mir liegt und es andere hier Dinge sehen / Assoziationen, die mir bisher verborgen blieben.
      Trotz meiner ganzen Meckerei hier möchte ich aber nochmal betonen, dass ich die grundsätzliche Serienidee immer noch Klasse finde! :-)

      Viele Grüsse,
      Stefan

  5. Richard says:

    Wow!
    Erstmal vielen dank. So eine Bildkritik habe ich noch nie bekommen.

    Meine Beschreibung war ziemlich sparsam, ich wollte nicht alles gleich verraten ;)
    Jetzt ein paar Erklärungen.

    – Ich habe viele Genres ausprobiert und irgendwann bemerkt, dass ich praktisch nur wiederhole was schon jemand vorher fotografiert habe. Sowohl die Motive wie auch die Art und Weise. Nach diesen Erfahrungen wollte ich was anders und zur Hilfe kam der Spruch, dass man die Regeln brechen soll. So ist die Serie entstanden.

    – Die Beleuchtung. Ich experimentiere gern und hier kam eine übliche 3W LED Taschenlampe zum Einsatz. Das erklärt die Belichtungszeit wie auch die Blende. Ich finde aber, dass Blende 16 noch keine wahrnehmbare Beugungsunschärfe verursacht. Die 4 Sekunden waren wiederum notwendig, um alles zu beleuchten was mit schnellen Bewegungen der Taschenlampe geschieht. (Das macht auch jedes Foto einmalig, weil es nicht wiederholbar ist)

    – Das Objektiv: Canon 70-200/4 L (ohne IS)

    – Der Hintergrund. Ich habe auch mit hellerem Hintergrund gleiche Fotos gemacht. Ja, das bringt sicher etwas mehr tiefe aber gleichzeitig zerstört meine Absichten: minimalistisch und „steril“ soll es sein. Auch nicht zu eng, deshalb bin ich so „großzügig“ mit dem Schwarz ;)

    – Die Komposition. Ich gebe Dir recht, die Hobelstücke könnten besser ausgearbeitet sein. Vielleicht wie auf dem Foto „Stillleben mit Emmentaler“ ;)

    – Die Spiegelung. Das ist mein großes Problem. Der Verlauf von unten ist mir nicht besonders gelungen. Ich möchte auch keinen „harten“ Schnitt der Spiegelung an der unteren Kante. Ohne Spiegelung „hängt“ alles wiederum in der Luft. Daran muss ich arbeiten.

    Ich bedanke mich sehr herzlich und hoffe auf weitere Bemerkungen.

    Grüße
    Richard

    Stillleben_2599z52_1000

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