Geschmackssache:
Der Mythos vom guten Foto

Was macht ein Foto zu einem guten Foto? Eine Antwort auf diese Frage, die nicht jedem gefällt.

Geschmackssache: Der Mythos vom guten Foto

Geschmackssache: Der Mythos vom guten Foto

Kürzlich führte ich eine Diskussion über Fotografie, in der unter anderem darüber gesprochen wurde, ob ein bestimmtes Foto ein gutes Foto sei. Das hat mir etwas zu denken gegeben, denn diese Floskel nutze ich auch hin und wieder, ohne mir weiter Gedanken darüber zu machen. Doch was bedeutet das eigentlich? Und was ist ein „gutes Foto“ eigentlich und wer bestimmt das?

Ob etwas gut oder schlecht ist, ist in erster Linie eine Bewertung. Eine objektive Bewertung setzt einen Maßstab voraus, der für alle Messungen gleich gilt. Doch selbst bei Wettbewerben gibt es diesen Maßstab nicht. Und dennoch bewerten wir Bilder nach Kategorien wie gut und schlecht.

Technische Umsetzung

Der einfachste und naheliegendste Maßstab könnte die technische Umsetzung des Bildes sein. Da fallen einem schnell Bewertungskriterien wie Schärfe, Rauschen/Korn oder Farbtreue ein. Im Prinzip kann man hier alle möglichen Fehler bei der Fotoaufnahme und Fotowiedergabe aufführen, denn die Vermeidung dieser führt zu einer guten technischen Ausarbeitung.

Aber eine gute technische Ausarbeitung bedeutet nicht automatisch, dass es sich um ein gutes Foto handelt. Eine technisch perfekte Fotografie einer beliebigen Telefonbuchseite wird kaum jemand als ein gutes Foto bezeichnen, sondern vermutlich eher als langweilig. Schlimmer noch, es gibt nicht wenige Fotos, die zwar technisch schlecht sind, die wir aber trotzdem als gut bewerten.

Hinzu kommt die Tatsache, dass sich die Technik ständig weiter entwickelt. Technisch gesehen dürften die Fotos, die wir vor z.B. 10 Jahren gemacht haben , schlechter sein, als die, die wir heute machen. Macht das die Fotos, die wir vor 10 Jahren für technisch gut befunden haben, nun plötzlich schlecht?

Bildgestaltung

Es gibt einige Regeln, die eigentlich keine Regeln sind, die versprechen, dass ein Foto bei Einhaltung besser wird. Die Bekanntesten sind wohl der goldene Schnitt, führende Linien oder die Anordnung der Bildelemente in geometrischen Formen. Mit diesen „Regeln“ kann ein Fotograf den Blick des Betrachters passiv lenken, was das Bild für den Betrachter „leichter zu verdauen“ macht. So kann der Betrachter die Aussage des Fotos leichter erfassen.
Allgemeingültig ist das jedoch nicht. Viele berühmte Bilder entsprechen diesen Regeln nicht, weil der Fotograf sie ignoriert hat (weil es z.B. schnell gehen musste), oder weil er sie absichtlich gebrochen hat. Das Brechen dieser „Regeln“ ist ein durchaus beliebtes Stilmittel um ein Foto aus der Maße herausragen zu lassen.

Idee

Mich persönlich begeistert eine gute Idee wesentlich mehr, als eine gute technische Umsetzung. Aber auch bei diesem Punkt kann man die gleiche Frage stellen: Was ist eine „gute“ Idee? Was der eine für eine gute Idee hält, kann dem anderen vielleicht zu kitschig oder zu abgehoben erscheinen. Hier nähern wir uns dem alten Problem, dass sich über Geschmack nicht streiten lässt.

Historischer Kontext

Die Bewertung eines Fotos kann sich auch durch den historischen Kontext mit der Zeit ändern. 2010 habe ich meinen Urlaub auf Malta verbracht und dort das berühmte Azure Window besucht und natürlich auch fotografiert. Damals war ich stolz auf dieses Foto. Ich habe mich in der Zwischenzeit weiter entwickelt und meine Sicht auf das Foto hat sich immer mehr in Richtung schlecht verschoben. Doch am 08.03.2017 stürzte diese Felsformation ein. Sie ist für immer verloren. Dieses Ereignis hat dazu geführt, dass sich meine Sicht auf das Foto abermals änderte. Auch wenn das Bild heute anders machen würde, es erinnert mich aber daran, dass ich das Privileg hatte dieses Naturwunder zu erleben. Es erinnert mich an eine schöne Zeit und mein Staunen, dass ich damals empfand.

Ein weiteres Beispiel sind Maler, oder andere Vertreter der bildenden Künste. So mancher Künstler, dessen Werke zu Lebzeiten entweder kaum Beachtung oder gar offene Ablehnung fanden, werden heute für unglaubliche Mengen an Geld versteigert. „Er/Sie war der Zeit voraus“ sagt man dann oft.

Thematischer Kontext

Wir kategorisieren Dinge ganz gerne, denn das hilft uns Dinge zuzuordnen und zu verstehen. Den meisten Fotografen sind die üblichen Foto-Genres bekannt. Sie funktionieren im Prinzip, wie beschriftete Schubladen, in die wir unsere Fotos stecken, oder es zumindest versuchen. Manche Bilder lassen sich gut einordnen, andere wiederum nicht. Gehört ein Foto mit einer Landschaft, vor der sich ein nacktes Model räkelt, nun zur Rubrik Landschaftsfotografie, oder eher zu Akt oder Porträt? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Und selbst wenn man keinen Mix hat, lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob ein Foto zu einem Genre gehört. Man braucht sich nur die Versuche die einzelnen Genres unter dem Link weiter oben durchzulesen. Sie sind zu unscharf, als dass sie sich für die eindeutige Zuordnung zu einer Kategorie nutzen lassen.
Wenn wir schon dabei sind: Ist es nun vorteilhaft für ein Foto, wenn es sich relativ eindeutig einem Genre zuordnen lässt? Auch diese Frage lässt sich nicht eindeutig und allgemeingültig beantworten.

Narrativer Kontext

Ein Foto kann für sich allein stehen. Oft erarbeiten Fotografen aber auch ganze Bildserien zu einem Thema. Bei solchen Serien kommt es oft vor, dass darin Bilder enthalten sind, die wenn sie für sich alleine stehen würden, keine gute Bewertung bekommen würden. In dieser Serie sind sie aber ein wichtiges Puzzlestück. Andersrum kann ein Bild, welches für sich alleine als gut bewertet würde, in einer Serie völlig fehl am Platz wirken.

Erfüllung eines Zwecks

Auch wenn uns das meistens nicht bewusst ist, grundsätzlich gilt, dass jedes Foto einen bestimmten Zweck erfüllen soll. Erinnerung, Dokumentation, Werbung, Selbstaufwertung, Langeweile-Killer, Verdeutlichung von Informationen, und, und und…alles Motivationen, die uns auf Motiv-Jagd gehen lassen. Leider lässt nicht immer eindeutig bestimmen, ob der gewünschte Zweck erfüllt wurde. Und selbst wenn man eindeutig sagen kann, dass der Zweck nicht erfüllt wurde (z.B. bei einer Werbefotografie, die den Umsatz nicht erhöht) kann es sich dennoch um ein als gut bewertetes Foto handeln.

Follower und Likes

In Zeiten des Internets präsentieren Fotografen ihre Bilder in sozialen Medien und auf Bildergalerieseiten. Betrachter können die Bilder dann „liken“ (sinngemäß ein „Gefällt mir“ hinterlassen) oder dem Fotografen folgen. So könnte man auf die Idee kommen, je mehr Likes ein Bild hat, desto besser ist es auch. Nach dieser Logik müsste aber auch das Essen von der Fastfoodkette mit dem goldenen „M“ das beste Essen der Welt produziert. Viele „Likes“ bedeuten lediglich massenkompatibel. Je nach Sicht kann das positiv, aber auch negativ sein.

Diese neuen Möglichkeiten haben aber auch weitreichende Folgen. Die meisten sozialen Medien bieten nur positive Bewertungsmöglichkeiten. Will man negativ (aber konstruktiv) bewerten, muss man schon ein Kommentar schreiben. Doch das Schreiben an sich stellt für die meisten schon eine zu große Hürde dar, da es wesentlich aufwändiger ist, als einen hypothetischen Dislike-Knopf anzuklicken. Die noch größere Hürde ist aber die Furcht, dass man dann in eine Diskussion verwickelt oder gar die eigenen Bilder als „Rache“ schlecht bewertet werden. Also werden Bilder meist nur positiv oder eben gar nicht bewertet.

Menschen, die wegen sozialer Anerkennung fotografieren (das sind nicht wenige), richten sich nach erfolgreichen Fotografen und eifern ihnen nach. So entstehen Trends, ähnlich wie in der Modewelt. Ein Fotograf hat eine neue Idee, die Beliebtheit findet und dann von vielen kopiert wird, bis einem solche Bilder irgendwann „zum Halse raus hängen“, weil man so viele davon gesehen hat. Früher empfand ich es als Kompliment, wenn jemand meine Fotos mit den Fotos irgendeines bekannten Fotografen verglichen hat. Heute ist das für mich eher ein Zeichen dafür, dass man nicht so kreativ war, wie man sich eingebildet hat. So entsteht Einheitsbrei statt Vielfalt.

Ein Mix aus allen Bewertungskategorien

Ein solcher Mix aus Kategorien, die sich weder eindeutig noch allgemeingültig bestimmen lassen, kann selbst auch nicht eindeutig und allgemeingültig sein. Hinzu kommt, dass jeder Mensch diese Kategorien unterschiedlich gewichten würde. Und selbst diese Gewichtung wäre bei einem einzelnen Menschen nicht immer gleich, sondern vom Motiv und sogar der eigenen Tagesform abhängig.

Fazit

Die Bewertung eines Fotos ist höchst subjektiv. Ein und das selbe Foto kann sehr unterschiedliche Bewertungen bekommen. So haben solche Bewertungen wenig Aussagekraft. Sie können aber ein Anfang sein. Ich finde es gar nicht so interessant, ob jemand mein Foto gut oder schlecht findet. Ich bin vielmehr an seiner Begründung für seine Bewertung interessiert.

Macht Fotos, die euch gefallen und Spaß machen, und nicht um andere zu beeindrucken. In 20 Jahren werdet ihr die Menschen, die ihr heute vielleicht beeindruckt habt, vergessen haben. Die Bilder bleiben.

59 Antworten
  1. oli says:

    Ich mag‘ meinen Senf auch noch dazu geben…
    Als (IT-)Berater arbeite ich schon seit Jahren mit den diversen Methoden in der Kommunikation. Und da gibt es einen wichtigen Kommunikations-Wissenschaftler: Schulz von Thun.
    Dieses Konzept der „4 Ohren“ hat Zurmühle zu den „4 Augen“ adaptiert – und aus meiner Sicht trifft dies den Nagel auf den Kopf.
    Bild-Sprache ist Sprache und unterliegt den gleichen Methoden. Der signifikanteste Unterschied zwischen (synchroner) Kommunikation ist der asynchrone Aspekt in der Bildbetrachtung: Ich als Fotograf kann nicht wissen wie mein Betrachter das Bild interpretiert.
    Ist ein langes Thema, sehr theoretisiert, man verkopft dabei schnell und ich sage dann immer jeden: Mach Bilder wie DU sie willst und nicht wie DIE WELT sie ggf. sehen möchte. Basta.

    Antworten
  2. Stefan Jeschke says:

    Ruhig ists hier geworden, daher giesse ich mal noch ein bisschen Oel ins Feuer.. ;-)
    Jetzt kann hier kann jeder selbst testen, ob seine Bilder „gut“ sind:
    https://everypixel.com/aesthetics
    Ich habs eben kurz probiert: es funktioniert bewerkenswert gut! Nur wenn ein Bild einen besonderen Witz hat (z.B. Pflanzen die menschliche Gesten machen), rafft das der Alg. (noch) nicht. Aber es ist durchaus unterhaltsam! :-)

    Viele Gruesse,
    Stefan

    Antworten
    • Richard says:

      Schade, dass wir nur theoretisieren und viele hier lehnen konkrete Beispiele ab. Ich habe versucht einiges zu nennen, wo die Richtung für gute Fotos geht. Meistens entsprechen sie (die Fotos) den Vorschlägen und Anregungen aus den Büchern. Natürlich kann man immer eine Stockente von oben, in knalliger Sonne, unscharf und ohne Hintern aufnehmen und behaupten, dass das Foto gut ist. Wir haben doch Freiheit und jeder darf sagen was er will. Auch wenn das Quatsch ist.
      ;)

      PS.
      Ich habe von 16,4% bis 99,7% erreicht.
      Witzig ist das schon.

    • Dierk Topp
      Dierk Topp says:

      auf jeden Fall ein interessanter link, danke Stefan!

      ich kann Richard noch unterbieten: 2,6% für ein scharfes Insekt mit viel Bokeh, 99% für ein Hundeportrait :-)
      Ich habe mal das berühmteste Foto der Welt geladen Es heißt „Der Kuss vor dem Hotel de Ville“ und wurde 1950 von dem französischen Fotografen Robert Doisneau (1912 bis 1994) geschossen. Es bekommt 98,9%.

      Im Hinblick auf diese Thema natürlich ganz schöner Unsinn. Das Portrait einer Geigerin, bei der nur die eine Hand scharf ist, bekommt 32%.

      Was aber sehr interessant ist:
      das Bild wird ja analysiert und es werden daraufhin keywords generiert. Bei einem Männerportrait z.B.:
      Black And White, Men, Portrait, People, Beard, Males, Human Face, Senior Adult, Fine Art Portrait, One Person, Serious, Close-up, Balding, Adult, Mustache, Looking At Camera, Monochrome, Head And Shoulders, Senior Men, Everypixel

      so z.B. bei dem Hundeportrait (der merkt sogar, dass ein Terrier ist!!):
      Dog, Pets, Animal, Purebred Dog, Canine, Domestic Animals, Mammal, Cute, Studio Shot, Black Color, Puppy, One Animal, Looking, Schnauzer, Small, Portrait, Obedience, Friendship, Terrier, Young Animal, Everypixel

      Das werde ich wohl jetzt benutzen, um ganz einfach passende tags für meine Bilder in flickr zu generieren :-)

      Jetzt habe ich doch noch die Enten getestet. Die erste bekommt 99,1 %,
      die zweite: seht selbst, das musste ich euch als screen shot zeigen (ich wäre fast vom Stuhl gefallen!!! :-)))

      dierk

      ente

    • Stefan Jeschke says:

      Ja ich hab noch ein wenig weiter damit gespielt: es ist doch _deutlich_ schlechter als ich zuerst dachte, war nur ein Zufall dass es bei meinen ersten Bildern so gut geklappt hat.. Ist aber auch klar, denn letztlich (lernt und) speichert jedes neuronale Netz ja auch nur eine (u.U auch komplexe) Funktion. Da die speicherbare Komplexitaet aber immernoch recht begrenzt ist, und die Funktion ‚Bild ist gut‘ ja quasi fast so komplex wie unser Leben ist, kann es nur (relativ gesehen) auf ein paar wenige Freiheitsgrade runtergebrochen werden. Insofern nicht verwunderlich, dass es nicht wirklich funktioniert.. aber lustig zum spielen! :-)
      Und bemerkenswert: bisher hat fast jeder, der seine Bilder verschlagwortet, die gute automatische Funktionalitaet hervorgehoben. Also fuer etwas ist das Tool schon jetzt gut..

      Viele Gruesse,
      Stefan

    • Dierk Topp
      Dierk Topp says:

      es ist schon interessant, was die daraus machen.

      Ein Pinhole/Lochkamera Portrait bekommt sogar 98,5%, obwohl es natürlich nirgends scharf ist! Ebenso eine Pinhole Architektur. Eine Pinhole Landschaft aber nur 45%, eine andere (gestitchtes Pano) nur 0,8% :-)

    • Lehmann says:

      Stefan,
      Das ist lustig und interessant, vielleicht sollte ich meine Fotos erstmal durch diese „Bewertungs-schleuse“ schicken, bevor ich Sie hier einreiche… :D

    • Candy Shop says:

      Kann ich nur bestätigen… habe mich eben köstlich amüsiert… Hochzeitsbilder scheint diese „Bewertungsmaschine“ überhaupt nicht zu mögen… zumindest meine… Wenn ich mal wieder richtig down bin, werde ich mich weiter mit diesen „Bewertungen“ vergügen…

    • ullrich says:

      Hallo dierk,
      habe mal deinen screen shot mit der 0.0% Ente durch die Autobewertung geschickt: 0.8%
      Daraus erneut einen shot gemacht und ab durch die Autobewertung: 31%
      Nach einem weiteren Durchgang: 66,5%

      die ultimative Methode für ästhetische Maximierung von Null Prozent Enten!!!

      Viele Grüsse,
      Ullrich

      31Prozent

    • Dierk Topp
      Dierk Topp says:

      tolle Idee, Ullrich!

      Reinhard (Candy Shop), versuche es doch noch mal mit deinen Hochzeitbildern, indem du dich durch die Ente ersetzt? :-)))

      VG
      dierk

  3. Stephan says:

    Ein Foto ist für mich dann gut, bzw. gelungen, wenn es seinen Zweck erfüllt. Anders als im Artikel behauptet lässt sich das doch ziemlich eindeutig feststellen. In der kommerziellen Auftragsfotografie heißt das, dass der Kunde/Auftraggeber mit den Fotos zufrieden ist. (Ob die Werbefotos zu höherem Umsatz führen hat damit nichts mehr zu tun)

    In nicht-kommerziellen Bereich sollte natürlich der Fotograf selbst seine Bilder als gelungen empfinden. Hat er das gezeigt, ausgedrückt, was er wollte? Aber auch hier braucht es einen konkreteren Zweck. Knipst man die Blume am Wegesrand nur weil sie irgendwie interessant aussieht? Oder plant man ein Projekt über heimische Wildblumen als Ausstellung, Fotobuch oder Kalender?

    Die meisten Hobbyfotografen haben leiden keinen Plan, keine Idee, keinen Verwendungszweck. Und damit fehlt leider der Maßstab nach dem man die Fotos sinnvoll beurteilen kann. Das Foto wird wie ein Gemälde isoliert betrachtet, man diskutiert ohne Kontext über Schärfe, Beschnitt und Komposition. Wüßte man in welchem Medium, in welcher Größe und zu welchem Zweck die Bilder erscheinen sollen, könnte man viel besser beurteilen, ob sie technisch und inhaltlich gelungen sind.

    Das ist leider auch das Hauptproblem bei den Besprechungen auf dieser Seite. In vielen Fällen perfekt komponierte, schön anzusehende Belanglosigkeiten ohne Sinn und Zweck.

    Antworten
    • Stefan Jeschke says:

      Prinzipiell gebe ich Dir recht, dass man anhand eines vorher definierten Zwecks sehr viel genauer beurteilen koennte, ob ein Foto das erreicht hat was es soll.
      Aber ich finde man kann (und ist oft dazu gezwungen, wie hier bei fokussiert.com) viele Bilder auch isoliert betrachten und besprechen, denn bei so „allgemeinen“ Fotos wie den hier gezeigten geht es doch einfach um die „Resonanz im Betrachter“ auf einer sehr allgemeinen Ebene. Nur muss man dazu (wie ich schon oefters hier vorgeschlagen habe) dann erst einmal die eigentlich beabsichtigte Bildaussage formulieren (in dem Falle also „retrofitten“) bevor man die inhaltlichen und technischen Punkte anhand dessen beurteilt.
      Offensichtliche handwerkliche Fehler (komplett unscharf, falsch belichtet, etc.) kann man meist natuerlich selbst ohne konkrete Bildaussage anmerken.
      Wo ich ganz bei Dir bin ist (aus meiner Erfahrung), dass die meisten Amateure keinen Plan haben, was sie da eigentlich wollen wenn sie mit der Kamera herumlaufen. Bzw. wissen sie selbst wenn ein Bild mal funktioniert oft nicht genau warum. Aber genau das ist fuer mich der Schluessel zum erfolgreichen Foto: bei jedem Bild zu verstehen (und infolgedessen dann spaeter schon bei einer gegebenen Situation vor der Kamera), was das Potenzial dieses Fotos / dieser Szene ist. Um das wirklich zu verstehen musste ich mir z.B. viele Bildbesprechungen „antun“, und da sind Plattformen wie fokussiert.com doch sehr hilfreich..

      Viele Gruesse,
      Stefan

    • Richard says:

      Wenn wir über Fotos sprechen dann reden wir (wollen, sollen und müssen) über Schärfe, über Komposition, über Kontraste, über Licht, Farben, Rauschen, Schnitt, Bearbeitung, Perspektive, Bearbeitung … etc. Dann über Motiv, über Situation, über Moment, später über Bildaussage, Kreativität, Idee, Eindruck … etc. Egal welche Kategorie und Verwendungszweck.

      Ich persönlich weiß wozu man Makroaufnahmen macht, wozu man ein Porträt erstellt oder ein Stillleben. Ich kenne auch den Zweck von Reportage oder Dokument. Auch die Kunstfotografie hat ihren Platz (Zweck). Wer das nich erkennen kann dann kann ihm alles im Leben belanglos vorkommen.

  4. Dierk Topp
    Dierk Topp says:

    die teilweise sachliche aber auch oft sehr emotionale Diskussion zeigt, was der Titel sagt.
    Geschmackssache: Der Mythos vom guten Foto

    Es geht hier bei FOKUSSIERT.COM doch um Fotos!

    Die Einsender von Fotos mit der Bitte um konstruktive Kritik hätten eine entsprechende engagierte Diskussion zu ihren Bildern sicher mindestens so verdient!
    Statt dessen gibt es hier viele Bild-Besprechungen, zu denen kaum oder gar kein Kommentar gekommen sind.

    Wie wäre es, wenn ihr diesen Bildern mindestens die gleiche Aufmerksamkeit zukommen lassen würdet?

    dierk

    Antworten
  5. Dierk Topp
    Dierk Topp says:

    es ist bemerkenswert, dass alle Teilnehmer an dieser Diskussion keinen Link zu ihren eigenen Bildern geben. Das wäre sehr hilfreich, damit man sehen kann, was dieser unter „guten“ Bildern versteht?

    Antworten
    • Richard says:

      Hilfreich? Ich finde das nicht.

      Ich habe doch das Portal 1x.com genannt. Dahin möchte ich, was nicht bedeutet, dass ich das schon erreicht habe. Also meine heutigen Bilder spielen entweder keine oder kleine Rolle in dieser Diskussion. Warum muss man immer alles personalisieren?

      Nehmen wir Sony World Photography Awards als weiteres Beispiel für gute Fotos. Auch hier geht es mir um Richtung, um Tendenz, um Art und Weise, um wichtige Merkmale, um bedeutende Attribute, um Grundzüge, die für ein gutes Foto essenziell sind.

    • Darius Ortmann
      Darius Ortmann says:

      1. Die Sony World Photography Awards werden von einem Kamerahersteller veranstaltet. Im Prinzip ist so ein Wettbewerb eine große Werbekampagne.
      2. Dieses Gewinnerbild des letzten Jahres müsste nach deinen Kriterien (unscharf auch im Gesicht) durchfallen.

    • Lehmann says:

      Lieber Dierk,

      Ich weiss zum Beispiel in der Tat nicht, wie man Bilder verlinkt….?
      Vom smartfone?
      Vom Laptop?

      Für eine Idee bin ich dankbar.

      Paula

    • Dierk Topp
      Dierk Topp says:

      Liebe Paula,
      das geht natürlich nur mit Bildern im Web,
      dann einfach den link oben aus dem Browser kopieren und hier einfügen.
      Direkt Bilder hier anzeigen geht hier oben drüber mit „Datei hochladen“
      LG
      dierk

    • Richard says:

      Das lese ich zum 100 Mal.
      Was heißt das eigentlich?

      Wenn ich ein Foto sehe und bin entsetzt (Emotionen), wie kann man so ein schlechtes Foto zeigen bedeutet das trotzdem, dass das Foto gut ist? Wenn ich mit Verachtung (Emotionen) oder nur mit Barmherzigkeit (Emotionen) ein Bild betrachte …

      Hmmm … ?

    • Stefan Jeschke says:

      @Richard: ich bin da sehr nah bei Dierk, wuerde es nach Deinem Kommentar aber so umformulieren:
      „Fuer mich ist ein Foto/Bild gut, wenn es solche Emotionen/Gedanken ausloest (oder zumindest aehnliche), die der Autor beabsichtigte, als er das Bild erstellte.“

      Bilder sind ja nur ein Mittel der Kommunikation, aber eben keine explizite (wie Schrift oder Ton) sondern via dem Evozieren von Geschichten und Gefuehlen. Letzteres gerne auch mehrdeutig! :-)

      Viele Gruesse,
      Stefan

    • Richard says:

      @Stefan
      „Fuer mich ist ein Foto/Bild gut, wenn es solche Emotionen/Gedanken ausloest (oder zumindest aehnliche), die der Autor beabsichtigte, als er das Bild erstellte.“

      Woher weiß der Autor welche Emotionen das Foto ausgelöst hat? Woher weiß der Betrachter welche Emotionen der Autor beabsichtigte? Sorry, für mich ist das typische Floskel, die leerer nicht sein kann. Das hat doch mit Realität also mit Leben nichts zu tun.

    • Stefan Jeschke says:

      @Richard:

      1. „Woher weiß der Autor welche Emotionen das Foto ausgelöst hat?“
      Das ist komplett irrelevant für die Frage, ob ein Foto „gut“ ist. Feedback gibts ueber Kritiken online und von analogen Kritikern im analogen Leben. Aber wie gesagt: das ist fuer die Frage hier komplett irrelevant.

      2. „Woher weiß der Betrachter welche Emotionen der Autor beabsichtigte?“
      Das weiss er dann, wenn das Foto so wirkt, wie der Autor es beabsicht hat. Oder der Autor sagt es ihm. Im Grunde ist aber auch dies hier komplett irrelevant.

      3. „Sorry, für mich ist das typische Floskel, die leerer nicht sein kann.“
      Nein das ist absolut keine Floskel, das ist meine Definition von „gutes Bild“. Jeder muss für sich selbst herausfinden, was Fotografie für ihn bedeutet, und mein Weltbild diesbezüglich halte ich für sehr rational und nachvollziehbar. Aber wenn morgen jemand mit einem sinnvolleren Modell um die Ecke kommt, zögere ich keine Sekunde, das Bessere sofort anzunehmen. Deine unverständige und ablehnende Haltung hier zeigt mir jedoch, dass Du noch sehr weit davon entfernt bist, eine brauchbare Definition von Fotografie für Dich gefunden zu haben.

      Viele Grüsse,
      Stefan

    • Dierk Topp
      Dierk Topp says:

      @Richard
      du bist offensichtlich gleich über das Wort „Emotion“ gestolpert und hast übersehen, dass ich schrieb: „für mich ist ein Foto/Bild gut“ – also für mich!
      Das kann eine Landschaft, ein Katzenbild oder ein schreckliches Bild aus den Kriegsgebieten sein….

      Wenn ich vor Jahrzehnten nach einer Nachtsitzung in der Dunkelkammer am nächsten Morgen meiner Frau die drei Vergrößerungen zeigte, die ich zu Stande gebracht habe, sagte sie manches Mal „du bist auch nie zufrieden mit deinen Bildern“.
      Heute ist es so, dass ich ein Bild im Kopf habe und raus gehe (oder es hier aufbaue) und es kommen Bilder heraus, mit denen ich zufrieden bin – manchmal sogar sehr zufrieden bis begeistert :-)

      Ist es nicht toll, dass wir heute digital sofort das Ergebnis bekommen und ggf. korrigieren können, statt Stunden oder Tage auf die Entwicklung und Vergrößerung warten zu müssen, um dann festzustellen, was falsch gewesen ist?! Das verkürzt die Lehrzeit um Jahre.

      Ob ein Bild „gut“ ist – darüber kann man genau so lange streiten wie über Politik oder Religion.

      Bilder, die ich gut finde, sind bei flickr leicht zu finden. Auf meinen Namen und dann oben in der Zeile auf „Favoriten“, so viele traumhafte Bilder!

    • Richard says:

      Stefan, doch, für mich ist absolut klar, dass gute Foto KÖNNEN + IDEE ist.
      Das ist meine Definition.

      Du hast bei meinem Beispiel (Stockente) geschrieben:
      „Das eine Foto ist vielleicht besser, als das andere …“
      VIELLEICHT? Hallo? Hier gibt es aber keine „vielleicht“.
      Paula hat sogar geschrieben: „Definitiv kein schlechtes!“. Wenn auch das Foto nicht schlecht ist also gut dann ist die Diskussion umsonst da alle Fotos der Welt gut sind.

      Wenn meine Fragen nach den Emotionen irrelevant sind dann auch die Floskel: „Gute Fotos müssen Emotionen auslösen“ keine Berechtigung hat. Das hat doch mit rationalem Denken, mit gesundem Menschenverstand und mit Sachlichkeit nichts zu tun. Wenn ein Autor Hundekacke zeigt mit dem Absicht Ekel (als Emotionen) zu provozieren und ihm ist das gelungen dann heißt das doch nicht, dass das Foto gut ist! Leute, wohin landen wir mit solchen nichts sagenden Formulierungen?

    • Darius Ortmann
      Darius Ortmann says:

      Warum ist ein Foto, dass Ekel auslösen soll, und es auch tut, nicht gut? Das hört sich nach sehr erfolgreicher Kommunikation an. Und Fotografie ist visuelle Kommunikation.
      ich glaube, Du hast Stefan auch etwas falsch verstanden. Ein Romanautor z.B. weiß auch in den seltensten Fällen, was sein Buch bei seinen Lesern ausgelöst hat. Der Leser kann auch nur Vermutungen darüber anstellen, was der Autor beabsichtigt hat. Ich habe schon viele Bücher gelesen, bei denen weder der Autor überhaupt wusste, dass ich es gelesen habe, noch wusste ich, ob der Autor das so meinte, wie ich es verstanden habe. Ich fand die Bücher gut oder schlecht, aber es gab auch genug andere Leser, die das Gegenteil von meiner Meinung vertreten haben. Und wer hat nun Recht?

      Das mit den Emotionen ist schon ein ganz guter Hinweis darauf, warum das so ist. Menschen fühlen nicht alle gleich. Je nach Betrachter kann ein Bild keine oder ganz unterschiedliche Emotionen hervorrufen. Relativ aktuell kann man Clowns als Beispiel nennen. Es gibt Menschen, die finden Clowns total lustig. Andere haben fast panische Angst davor. Und mir persönlich sind sie ziemlich egal. Was stimmt denn nun?

      Momentan habe ich leider wenig Zeit für Fotografie. Meistens fotografiere ich momentan meinen Sohn und meine Frau. Die Bilder veröffentliche ich nicht im Netz, die sind rein privat. Dabei interessiert mich herzlich wenig, ob andere meine Bilder gut finden oder sie bei ihnen irgendwelche Emotionen auslösen. Diese Bilder habe ich nur für meine Familie gemacht, und wenn sie meiner Familie gefallen und als Erinnerung dienen, dann habe ich erreicht, was ich wollte und die Bilder sind FÜR MICH gut. Würde ich meine Bilder vielen anderen Menschen zeigen, würden sicher einige meine Bilder als schlecht bezeichnen. Wenn ich gute Kinder-Fotos sehen möchte, könnte ich mir das bei z.B. bei Elena Shumilova abschauen. Ich persönlich kann aber relativ wenig mit ihren Bilder anfangen. Technisch perfekt, aber auch ziemlich klinisch, gestellt und kitschig.

    • Richard says:

      Dierk, auch ich kann mich für verschiedene Fotos begeistern.
      Ich habe genug Objektivität in mir, genug Courage um auch Bilder in den Kategorien für die ich mich nicht interessiere als gut anzuerkennen. Deshalb verstehe ich nicht, was Darius zu meinem Beispiel geschrieben hat:
      „Insgesamt finde ich beide Bilder nicht gut, da mich Enten nicht besonders interessieren“

      PS.
      Sorry Stefan!
      Ich habe übersehen, dass das Darius Zitat (in vorherigem Kommentar) ist und nicht von Dir.
      Entschuldigung!

    • Stefan Jeschke says:

      Nochmal @Richard: Du versuchst, einen objektiven Bewertungsmasstab zu finden der dann wie eine Schablone fuer alle Fotos dieser Welt gilt. Das kann nicht funktionieren, die von Dierk (und praezisiert von mir) gegebene Definition ist hier der kleinste gemeinsame Nenner den man finden kann. Klar ist das dann fuer Dich unbefriedigend da sehr allgemein und fuer ein konkretes Foto wenig hilfreich. Es ist aber nunmal so und jeder Versuch, es an praezisen Eigenschaften eines Bildes fest zu machen, muss scheitern da man sofort Gegenbeispiele bringen kann.

      Deine Definition „dass gute Foto KÖNNEN + IDEE ist“ ist wenig hilfreich. Ich sage nicht sie ist falsch aber sie bringt Dir einfach nichts. Du verschiebst damit das Problem hier einfach aufs „koennen“ und was ist eine „Idee“ bzw. was ist eine „gute Idee“ und was eine weniger Gute? All das ist komplett unklar..

      Weitere Analoga fuer aehnlich sinnlose Fragen:
      – Was ist ein „gutes Gedicht“? Muss sich was reimen? Die Rechtschreibung sollte wohl nicht _zu_ falsch sein, damit es die Leute ueberhaupt erst lesen koennen, aber darueber hinaus ist wohl fast alles erlaubt. Sogar Schmaehgedichte. ;-)
      – Was ist eine guter Kuchen? Klar, wer ihn komplett schwarz werden laesst oder 1kg Salz nimmt, macht grobe Fehler, aber auch hier kann man kaum etwas praeziser werden. Zucker und Fett kommt in den meisten Kuchen gut, aber auch nicht zwangslaeufig..

      Zwei Sachen zeigen die Beispiele oben:
      1. Dierk und meine Definition gilt auch hier: solange das „Werk“ so ankommt wie gedacht (= Gedicht sagt dem Hoerer das was der Dichter wollte, = Kuchen schmeckt suess/scharf/fettig/wasauchimmer, Foto = sagt dem Betrachter das was der Autor wollte).
      2. Man kann ueberall grobe Regeln definieren, aber das ist nur ein sehr grober Rahmen in dem es sehr viel Freiheit gibt.

      Nochmal abschliessend: mMn macht die generelle Frage nach gut oder schlecht noch immer keinen Sinn. Wichtiger fuer den Fotografen ist es, in sich zu gehen und sich zu fragen, was man eigentlich zu sagen hat. Man schreibt ja auch kein Gedicht ohne eine Ahnung, worueber es reden soll. Frei nach Caspar David Friedrich, einem Maler aus meiner Heimat den ich sehr mag:
      »Der Fotograf soll nicht bloß fotografieren, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er auch zu fotografieren, was er vor sich sieht.«
      Wenn Du diesen Satz wirklich nachvollziehen kannst, bist Du der „guten“ Fotografie schon ein grosses Stueck naeher gekommen. Dann werden Fragen wie „was ist ein gutes Foto“ fuer dich nicht mehr so relevant sein.. ;-)

      Viele Gruesse,
      Stefan

    • Richard says:

      Was ist mit den Studenten, die Fotografie studieren? Was machen sie die ein paar Jahren? Was lernen sie wenn nichts zu lernen (angeblich) gibt? Wozu gibt es die viele Bücher, die bestimmte fotografische Regelungen (Richtlinien) beschreiben? Alles nur Quatsch? Wenn man einen Kursus zum Thema (zum Beispiel) „Bildgestaltung“ bucht, heißt das, dass das Geld weggeschmissen ist, weil es keine Gestaltung in Wirklichkeit gibt?

      Mit anderen Worten, man kauft sich so was wie Kamera, macht Fotos und wenn man damit zufrieden ist dann ist die (fotografische) Welt in absoluter Ordnung. Jeder darf sich sogar Künstler nennen, niemand darf das doch verbieten wie auch niemand darf sagen, dass die Fotos schlecht sind. Es gibt schlechte Fotos überhaupt nicht. Beweis dafür gibt es in Fotocommunitys wo man nur lesen kann: „Schönes Bild“, „Gut gesehen“ und „Oh wie süß!“. Auch wenn das Foto total unscharf ist und das Motiv brutal angeschnitten muss man loben, weil es sich so gehört: schlechte Fotos gibt es doch nicht.

      Sorry aber langsam wird für mich ziemlich seltsam.

    • Darius Ortmann
      Darius Ortmann says:

      Ein Fotografie-Studium (an Uni oder FH) besteht nur zu einem Bruchteil aus der fotografischen Technik. Und man spezialisiert sich relativ früh (https://www.studycheck.de/studium/fotografie). Es hat aber niemand behauptet, dass es nichts zu lernen gibt. Ganz im Gegenteil. Es gibt nur keine eindeutige und objektive Einteilung zwischen „schlecht“ und „gut“.

      Selbstverständlich gibt es schlechte und gute Fotos. Doch diese Unterteilung ist höchst subjektiv. Das bedeutet doch nur, dass nur weil Du ein Bild als „gut“ bezeichnest, jemand anders das ganz anders sehen kann.
      Das ist so ähnlich, wie beim Kochen. Selbst wenn ein Sterne-Koch (der jahrelang an einer renommierten Kochschule ausgebildet wurde) ein Gericht mit Spinat nach allen Regeln der Kochkunst und Großmutters geheimen Rezept zubereitet, es wird ziemlich viele Menschen geben, denen dieses Essen nicht schmecken wird und sie werden es nicht als lecker/gut bezeichnen. Und dann kommt jemand und sagt, dieses Essen ist lecker/gut, weil es ihm schmeckt. Also muss es allen anderen auch schmecken.
      Hat der Koch Mist gebaut? Hat er das Geld für seine Ausbildung weggeschmissen? Er kann dann noch so oft sagen, dass er alle Regeln beachtet hat und alles so ist, wie es im Buch stand. Den Menschen, denen es nicht schmeckt, den schmeckt’s halt nicht.

    • Richard says:

      Wenn jemand sagt, dass das zweite Bild mit der Stockente gut ist dann hat er keine Ahnung. Besonders dann wenn er behauptet sich für Fotografie zu interessieren, dass er schon seit Jahren … dass er als Hobby-Fotograf … etc. Er hat keine Ahnung nicht, weil ich das sage sondern ganz objektiv. Das Foto ist einfach schlecht.

    • Darius Ortmann
      Darius Ortmann says:

      Die meisten Menschen haben keine Ahnung von Fotografie. Ich habe keine Ahnung vom Backen und kann trotzdem sagen, welcher Kuchen mir schmeckt, und welcher nicht.

    • Richard says:

      OK, mir geht das zu weit.
      Wir haben gebacken, Gedichte geschrieben und viel über Rechtsschreibung uns unterhalten. Ich wollte dagegen über Fotografie. Konkret und mit konkreten Beispielen aus diesem Bereich und nicht über Kuchen oder über „Ode an die Freude“. Deshalb EOT.

    • Stefan Jeschke says:

      Darius‘ letzter Punkt hier ist uebrigens ein Wichtiger: die Sprache der Fotografie kann jeder (zumindest bis zu einem gewissen Punkt) intuitiv verstehen, aber sie zu sprechen ist eine ganz andere Sache. Diesen Sachverhalt versteht fast kein Nicht-Fotograf bzw. Fotografieanfaenger (weils auch recht unintuitiv ist). Und viele wuerden sich nicht auf Fotografie einlassen, wenn sie wuessten, wie schwer diese Sprache zu erlernen ist.
      Bei der Lyrik ists z.B. anders: kaum jemand wuerde einfach so von sich behaupten, er waere ein toller Dichter, weil man intuitiv weiss dass das nicht so einfach ist.. aber fast ein jeder kann Gedichte intuitiv verstehen..

      Viele Gruesse,
      Stefan

  6. fherb says:

    Danke, Darius!

    Du sagst, dass Du provozierst, um Diskussion anzuregen. Ich finde Deine Gliederung und die getroffenen Aussage absolut nicht provokativ. Es gibt schon viel zu viele qualitätsoptimale Fotos, die zwar teilweise einen guten optischen Eindruck hinterlassen, aber nur ein Minimum an Information. Qualitätsoptimal ist nicht mal zwangsläufig optimal in ästhetischer Hinsicht. Ein Bild kann ja durchaus auch wenig Information übertragen, aber ein starkes Gefühl auf Grund ästhetischer Merkmale. Die derzeit gängigen Pixelmonster gehören wo eher selten dazu.

    Ich finde Deinen Beitrag vor allem wesentlich und nicht provokativ, eigene Angewohnheiten und Methoden zu hinterfragen. Schreib ein gutes Buch zu diesem Thema. Es könnte, gerade die typisch deutsche „exakte Fotografie“ beeinflussen. Hin zu mehr Information, zu „mehr“ Kunst.

    Beste Grüße, Frank

    Antworten
  7. Richard says:

    Ich gebe zu, das Thema ist sehr theoretisch.
    Wenn man konkrete Beispiele nimmt, ist schon besser. Allgemeine Definition für gutes Foto finden wir nicht.
    Obwohl …

    Das Portal 1x.com zeigt (in der Galerie) nur gute Fotos, finde ich und nicht nur ich. Sie haben ein Verfahren entwickelt und klassifizieren die Fotos auf gut und schlecht. Die als gut befundenen Fotos erfüllen die von uns angesprochenen Kriterien. Geht es doch?

    (Rechtsschreibung. Sorry, deutsch ist nicht meine Muttersprache und ich habe auch keine deutsche Schulen besucht. Also alle grammatische, stilistische und orthografische Fehler, die ich gemacht habe, kann man behalten ;)

    Antworten
    • Darius Ortmann
      Darius Ortmann says:

      Du machst hier einen Vergleich und Vergleiche sind immer relativ. Das eine Foto ist vielleicht besser, als das andere, das macht es aber noch lange nicht allgemein gut.
      Ich finde das zweite Foto auch besser, als das Erste. Insgesamt finde ich beide Bilder nicht gut, da mich Enten nicht besonders interessieren, und es außerdem genau so aussieht, wie viele andere Entenbilder auch. Es würde bei mir einfach untergehen, wenn ich mir Fotos anschauen würde. Aber ich bin ja nicht der Maßstab. Es ist klar, dass andere Menschen auch andere Maßstäbe anlegen und das Bild gut finden.

    • Richard says:

      Sorry Darius aber das geht nicht.
      Man kann und darf nicht sagen, dass irgendwas schlecht (nicht gut) ist nur, weil man sich dafür nicht interessiert. Nur, weil ich überzeugter Fahrradfahrer bin darf ich nicht behaupten, dass Mercedes oder BMW schlechte Autos sind. Das geht so nicht.

    • Lehmann says:

      Hallo Richard,

      Das erste Stockentenfoto finde ich einen beeindruckend und tollen Moment.
      Also gut (jedoch mehr als gut)
      Das 2te Stockentenfoto finde ich persönlich sehr unscharf und leider fehlt mir der Rest der Ente…Ansonsten ein gutes Bild.
      Definitiv kein schlechtes!
      Das erste würde ich trotzdem vorziehen, da einfach viel Eleganz in der Dynamik des Landens liegt.
      Paula
      Das

    • Lehmann says:

      Hallo Richard,

      Vieles liegt im Auge des Betrachters.
      Wie man die „Landeente“, oder „Stehente“ findet, ist etwas sehr subjektives.
      Bei der „Landeente“ wirkt die Technik und die Perspektive ausgefeilter, bei der „Stehente“ fehlt der Rest von der Schwanzspitze, was bedeutend für den Gesamteindruck des Bildes für jemanden darstellen kann oder auch nicht.
      Was der Fotograf zeigen wollte (seine Emotionen und Anreiz des Bildausschnittes), bleibt mir verschlossen.
      Da ich persönlich kein grosses Faible für Tierfotografie habe, maße ich mir keine Bewertung an.
      Beide Fotos haben sehr unterschiedliche Emotionen in sich und beides darf sein.
      Schönen Gruss Paula

  8. Stefan Jeschke says:

    Ein immer wiederkehrendes (und wichtiges Thema), hier sehr schoen strukturiert beschrieben.
    Der Vergleich z.B. mit der Frage, ob „ein Buch gut sei?“ liegt sehr nahe. Kein Wunder, beide Medien dienen ja lediglich der Kommunikation. Da sich die Leute mit einer Buchbewertung leichter tun als mit Bildern, hier mal kurz eine Uebersetzung obigen Textes auf Buecher, um es fuer einige fassbarer zu machen:

    1. Technische Umsetzung = Rechtschreibung. Wenn die nicht passt, wird das Lesen muehsam bis unmoeglich.
    2. Bildgestaltung = Schreibstil. Z.B. Spannend vs. langweilig vs. „auf den Punkt“ vs. langatmig.
    3. Idee = Story. Das A und O, ohne gute Story bleibt jedes Buch „schlecht“.
    4. Historischer Kontext = 1:1 uebertragbar.
    5. Thematischer Kontext = 1:1 uebertragbar. Krimi, Liebesgeschichten, Dokumentation, Ikea Aufbauanleitung..
    6. Narrativer Kontext = Buchreihe (Lexika z.B.). Aber schwierig, dies 1:1 zu uebertragen.
    7. Erfüllung eines Zwecks = 1:1 uebertragbar. Roman soll Fantasie anregen, Aufbauanleitung soll informieren.
    8. Follower und Likes = 1:1 uebertragbar. Ist z.B. Rosamunde Pilcher hohe Kunst?
    9. Ein Mix aus allen Bewertungskategorien = 1:1 uebertragbar.
    10. Fazit = sehe ich ganz genauso! Die Faehigkeit zur Vergegenwaertigung (und zur Formulierung), wie und warum ein Foto auf mich wirkt ist fuer mich ein Schluessel um selbst bessere Fotos zu machen. Den Traum, dass ich es irgendwann schon „irgendwie intuitiv“ hinbekommen werde, den habe ich schon laenger ausgetraeumt. Auch hier schlaegt Fleiss sehr schnell (vermeintliches) Talent.

    Im Internet bleibt die Diskussion oft leider bei Punkt 1 und 2 haengen. Oft fehlts meistens sowohl an der Kompetenz wie auch am Mut (besonders in Deutschland nach meinem Empfinden), offen ueber Punkt 3 zu reden, denn da gehoeren Gefuehle meist unbedingt dazu. Das ist sehr traurig, denn eigentlich sollte es genau umgekehrt sein: Technische Umsetzung und Bildgestaltung sollten allein daran gemessen werden, wie gut sie die Story unterstuetzen. Wenn die drei Dinge zusammenkommen, wirds fuer mich ein „gutes Bild“.

    Viele Gruesse,
    Stefan

    Antworten
    • Stefan Jeschke says:

      Hallo Richard,

      erstmal @Admin: jetzt habe ich schon wieder 15 Minuten getippselt nur um dann „fuelle die Emailfelder aus“ zu erhalten..mein ganzer Text ist jetzt natuerlich Toast :-( Bei jeder vorherigen Antwort, die ich erstellte sind diese Felder mittlerweile automatisch ausgefuellt, daher habe ich nicht extra nachgeprueft. Fuer dieses Vergehen mit der kompletten Vernichtung seines muehsam getippselten Textes bestraft zu werden, halte ich fuer sehr hart, so macht das hier keinen Spass. :-(

      @Richard: jetzt mal nur stichpunktartig, hab keine Lust alles nochmal zu tippseln. Hoffe mein Punkt kommt trotzdem rueber.
      – Wenn man 2 Fotos mit fast gleichem Motiv direkt vergleicht, kann man solche „objektiven“ Masstaebe ansetzen, ja.
      – Generell daraus einen Bewertungsmasstab abzuleiten, halte ich fuer falsch (Pikasso haette sich sonst einfach immer komplett vermalt).
      – Nach diesen objektiven/gaengigen Kriterien ist Bild 1 klar besser (Indizien dafuer hatte ich alle getippselt mag aber nicht nochmal..).
      – Aber waere die Ente auf Bild 2 z.B. das erste fotografierte Exemplar einer extrem seltenen Art, kaeme es (speziell in dem Forum) trotzdem besser an. Also auch der Zweck eines Bildes kann dessen Qualitaet massgeblich bestimmen.
      – Wichtiger als die Frage „gut oder schlecht“ halte ich die Frage „wie wirkt es auf mich und warum?“

      Viele Gruesse,
      Stefan

    • Darius Ortmann
      Darius Ortmann says:

      Grundsätzlich denken wir ähnlich (so habe ich dich zumindest verstanden), ich möchte aber noch etwas anmerken:
      1. Rechtschreibung beruht auf Regeln. Regeln gibt es in der Fotografie jedoch nicht. Hinzu kommt, dass sich Rechtschreibung auch weiter entwickelt. Niemand schreibt mehr so, wie vor 300 Jahren.
      8. Ob etwas nun Kunst ist, ist eine andere Diskussion. Ob nun Rosamunde Pilcher Kunst produziert, kann ich nicht sagen. Aber es gibt viele Menschen, die ihre Geschichten gut finden. Ich nicht. Das ist eben Geschmackssache.

    • Stefan Jeschke says:

      Hallo Darius,

      ich stimme Dir zu, dass wir die Dinge aenlich sehen, siehe auch unsere parallelen Antworten auf Richards Frage.. :-)
      Aber eine Antwort zu Punkt 1 kann ich mir jetzt nicht verkneifen: ja, Rechtschreibung beruht auf Regeln. Aber nur deshalb erfunden, damit die Leute den Text besser lesen koennen. Genauso sind die „Regeln“ in der Fotografie dazu erfunden worden, damit zumindest der Einsteiger seine Fotos besser „lesbar“ machen kann. Also Bildaufteilung, Schaerfe wo sie hingehoert, Hintergrund moeglichst ruhig bekommen, keine Pfaehle/Baeume aus dem Kopf wachsen lassen etc. pp.. Es stimmt, dass Regelbruch zum Transport einer Message in der Fotografie verbreiteter ist, bei der Schriftsprache faellt mir hierzu grad kein Analogon ein (gibts aber sicher auch). Und auch in der Fotografie haben sich diese „Regeln“ dramatisch geaendert: ein Naturfoto von vor 30 Jahren hat (fast) nichts mit dem zu tun, was wir heute als solches betrachten.

      Zu Punkt 8: ja da gebe ich Dir recht, Kunst und Rosamunde Pilcher sind wieder andere Fragen.. ;-)

      Viele Gruesse,
      Stefan

  9. Richard says:

    Wenn wir über Fotos (Beurteilung von Fotos, gut oder schlecht) sprechen dann reden wir (wollen, sollen und müssen) über Schärfe, über Komposition, über Kontraste, über Licht, Farben, Rauschen, Schnitt, Bearbeitung, Perspektive … etc. Dann über Motiv, über Situation, über Moment, später über Bildaussage, Kreativität, Eindruck … etc. Ein scharfes Foto ist besser als unscharfes, gut belichtetes Foto besser als überbelichtetes oder unterbelichtetes, mit geradem Horizont besser als mit „kippendem“, mit entsprechender Komposition besser als … (Es gibt Ausnahmen!) Es sind ganz konkrete Anhaltspunkte. Es sind sehr viele. Die kann man in einer (Foto)Schule lernen oder in Büchern, Fachzeitschriften, Kursen, Seminaren, entsprechenden Internetseiten … Also? Sind das keine objektiven Kriterien? Ich glaube schon, dass die Inhalte zum Teil helfen die Antwort zu finden was ein gutes Foto ist.

    Alle die Sachen, die ich beschrieben habe, waren auch gestern wichtig und auch vorgestern. Die werden auch morgen wichtig. Ich finde, über 90% der Fotos (in der Fotografie und nicht in den Familienalben) sind doch Szenen mühsam erarbeitet um den Lehrbüchern entsprechend , das beste Resultat zu erzielen. Die meisten Fotos sind vorbereitet, durchgedacht, die technische Möglichkeiten ausgenutzt … Und genau das ist Fotografie. Zufallsprodukte sind nur Knipserei. Oder nur Dokumente.

    Aber natürlich, dass die Einhaltung von Regeln allein kein gutes Bild macht! Das sind aber die Voraussetzungen. Ich wiederhole: ich schreibe nicht von Ausnahmen. Wikipedia sagt: „Schärfe ist bei der technischen Umsetzung der Fotografie immer das wichtigste Ziel … In der Alltagsfotografie spielt Schärfe nur eine zweitrangige Rolle, dominierend bei der Qualitätsbeurteilung eines Fotos ist immer der Schärfeeindruck.“ Ist das subjektive Merkmal? Ist das Geschmackssache? Ist das relativ? Nein. Und auf dieser Weise gibt es auch viele andere Beurteilungsmerkmale, die gesamt die Antwort geben können: Was ist ein gutes Foto?

    Man sollte aber nicht Birnen mit Äpfeln vergleichen. Ein Pressefoto nicht mit einem Makrofoto, ein Porträt nicht mit einem Streetfoto, ein Foto von Geburtstagsparty mit einem, das Stillleben zeigt. Es gibt jede Menge Kategorien, es gibt viele Zwecke (wichtig!) wofür man ein Bild erstellt. Das sollte man nicht vergessen.

    Absichtlich habe ich nichts von Emotionen, von Seele und von Herzen, von Gefühlen und Fantasie, von Erinnerungen, von Leidenschaft und etc. geschrieben. Darüber kann man nicht schreiben ;)

    Und noch die Geschmackssache.
    Nicht jedes gutes Foto muss jemanden gefallen aber es bleibt ein gutes Foto. Und umgekehrt; ein schlechtes Foto kann gefallen (zum Beispiel aus persönlichen Gründen) aber es bleibt ein schlechtes Foto.
    :)

    Antworten
    • Darius Ortmann
      Darius Ortmann says:

      Hallo Richard,

      danke für deine ausführliche Antwort. Meine Artikel sind absichtlich etwas provokativ, denn ich möchte Fragen aufwerfen und Dinge in Frage stellen und dann darüber diskutieren.
      Ich gehe „kurz“ auf deine Argumente ein:

      Wenn Schärfe, Komposition, Kontraste, Licht, Farben, Rauschen, Schnitt, Bearbeitung und Perspektive objektive Kriterien sind, warum willst Du dann nicht ein Pressefoto mit einem Makrofoto, ein Porträt nicht mit einem Streetfoto, ein Foto von Geburtstagsparty nicht mit einem, das Stillleben zeigt, vergleichen?
      Situation, Moment, Bildaussage, Kreativität und Eindruck sind objektive Kriterien? Wie misst man die?
      Wenn das alles die objektiven Kriterien sind, warum sind Künstler, wie z.B. Wolfgang Tillmans, Juergen Teller oder Nan Goldin weltweit so bekannt (das sind nur 3 Beispiele von vielen)?
      Degradierst Du die Fotografie nicht mit deinen objektiven Kriterien zu einer reinen Bedienung der Kamera? Genau das wird nämlich von Vertretern etablierter bildenden Künste der Fotografie vorgeworfen.

      Angenommen, Du hast vor 30 Jahren ein Foto gemacht, und hast dabei technisch das Bestmögliche, das damals möglich war, herausgeholt. Heute ist die Technik viel weiter, heutige Bilder sind schärfer, rauscharmer, haben mehr Dynamikumfang, usw. Heißt das, Du hast das Foto vor 20 Jahren falsch bewertet? Wird das alte Foto mit der Zeit schlechter?
      Müssten wir außerdem nicht alle mit Großformatkameras fotografieren, wenn diese die beste technische Qualität bieten, um gute Fotos zu produzieren? Im Prinzip wird uns genau das von der Fototechnik-Industrie (z.B. in Fachzeitschriften) suggeriert um uns zum Konsum zu bewegen. Alles größer, schneller, besser, kauf dir alle 2 Jahre das neue Model deiner Kamera, und Du machst besser Fotos?

      Was genau bedeutet „gut belichtet“? Unter- und überbelichtete Fotos werden doch ständig für gut befunden, da Unter- und Überbelichtung Stilmittel sind, mit denen man eine bestimmte Stimmung ausdrücken kann. Die haben sogar Fachtermini: Hi- und Low-Key.

      Wenn gute Fotos den Lehrbüchern entsprechend mühsam erarbeitet sein müssen, ist das dann nicht so eine Art „Malen nach Zahlen“ oder das Ausmalen eines Malbuches? Irgendwer, der ein Lehrbuch geschrieben hat, gibt ein bestimmtes Schema vor und wie beim Ausmalen eines Malbuchs darf man nicht über die Linie malen, will man ein gutes Bild produzieren. Einer der berühmtesten (und teuersten) Maler der Welt war Pablo Picasso (wieder nur ein Beispiel von vielen). Wäre er das geworden, hätte er sich an Lehrbücher gehalten? Das Problem an Lehrbüchern ist, dass sie nur etwas vermitteln können, was es schon gibt. Die meisten Fotografen, die wir heute als Ikonen der Fotografie ansehen, haben sich kaum an Lehrbücher gehalten, sonst wären sie in der Masse untergegangen. Vor allem heutzutage, wo so viele Fotografien produziert werden, wie noch nie.

      Foto-Schulen, Lehr-Bücher, Kurse, Seminare und entsprechende Internetseiten haben in der Regel Kurse für fotografische Basics (wie bedient man eine Kamera) und dann schon eher spezialisierte Kurse (Street, Makro, Landschaft, bessere Urlaubsfotos, …). Der Zweck dabei ist dem Fotografen Werkzeuge im Sinne von Fähigkeiten in die Hand zu geben, auf denen er dann aufbauen kann, und nicht zu sagen, so und nicht anders musst Du fotografieren. Entwickelt man sich als Fotograf nicht weiter über den Tellerrand dieser Quellen hinaus, wird man eher gefällige Fotos produzieren.

      Und warum bleibt ein „schlechtes“ Foto ein „schlechtes“ Foto, wenn es jemandem gefällt? Das ist doch ein Widerspruch in sich, denn für diesen jemanden ist es ein „gutes“ Foto. Wer entscheidet darüber, ob dieser jemand „falsch“ liegt? Die Mehrheit? Da verweise ich noch mal auf mein Argument mit der größten Fastfoodkette der Welt, bei der kaum jemand auf die Idee kommt zu behaupten, dass deren Produkte die besten Lebensmittel der Welt sind.

      Im Endeffekt hat mein Artikel einen positiven Kern. Hätten wir wirklich alle den gleichen Geschmack und wirklich objektive Bewertungskriterien und würden alle nach Lehrbuch fotografieren, wäre Fotografie eine furchtbar eintönige und langweilige Angelegenheit.

    • Richard says:

      Ich glaube, wir verstehen uns aber … wir drücken das nicht aus.
      ;)

      Ich hätte gerne Beispiele genannt aber es wäre für manche sicher zu persönlich. Auf jeden Fall, ohne Autoren zu nennen, in der größten Fotocommunity in Europa gibt es (viele?) Fotos, die mehr als 100 lobende Kommentare erreichen aber die Fotos sind Schrott, absoluter Schrott. Nach allen möglichen Kriterien. Irgendwelche schlecht komponierte, schlecht belichtete und unscharfe Fotos von Katzen, Blumen und Enten werden mit Euphorie mit Lob ausgezeichnet.

      Oder sind die Fotos doch gut?

      Und umgekehrt. 100 von 100 Museumsbesucher sagen einstimmig, dass was da hängt, eine Schande ist, hat mit Kunst nichts zu tun, es ist nur Müll. Trotzdem geht die Ausstellung weiter, weil eine verantwortliche Person so bestimmt hat.

      Sind die Exponate (angenommen Fotos) gut oder doch schlecht?

      So kann man lange. Klar, Fotografie und das was wir Kunst nennen (keiner weiß eigentlich was das ist) unterliegt keiner Demokratie, hier spielt Mehrheit keine Rolle. Ich habe von Vorrausetzungen geschrieben. Ich bleibe dabei: ein gutes Foto muss (für mich muss) bestimmte Merkmale, die wir mit Foto-Qualität verbinden, so umsetzt haben, dass es Mindestkriterien (siehe Lehrbücher) erfüllt. Dann kommt die Idee, dann kommt das Individuelle, dann kommt das Spezifische …

    • Darius Ortmann
      Darius Ortmann says:

      Und dann kommt der 101 Besucher, und findet die Ausstellung gut. Wir hatten schon mal eine Phase in der Geschichte, in der man meinte Kunst und Geschmack der Menschen auf Linie bringen zu müssen. Nannte sich dann entartete Kunst, wenn es nicht dem Geschmack einiger Menschen entsprach.
      Als Beispiel: Sehr viele Amateurfotografen rümpfen die Nase bei den von mir oben aufgeführten Künstlern. Und trotzdem stellen diese Künstler weltweit in großen Museen und Galerien aus. Einer ist sogar ein sehr gefragter Modefotograf. Und wo hängen die Bilder dieser naserümpfenden Amateure?

      Im Prinzip schreibst Du hier genau das, worauf es ankommt: „ein gutes Foto muss (FÜR MICH muss) bestimmte Merkmale“. Das ist vollkommen in Ordnung, jedoch subjektiv. Das heißt nicht automatisch, dass es genau so für alle anderen Menschen sein muss.

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  2. […] Inhaltlich: Siehe auch „Mythos vom guten Foto“ (fokussiert.com) […]

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