Brockenbahn:
Im Auge des Betrachters

Zum Glück ist Schönheit etwas sehr Subjektives. Die Welt wäre ungemein langweilig, wenn allen das gleiche gefiele.

Brockenbahn im Winter, Foto Dampflok

Die Brockenbahn im Schneefall. Camera, Canon EOS 700D, 1/500s ISO 400, 34mm, 18-55mm Kit © Tobias Fricke

Tobias Fricke aus Hildesheim schreibt zu diesem Bild: Ich würde mich sehr freuen, wenn sie mein Bild bewerten würden. Das Bild ist ein Schnappschuss von der Brockenbahn im Harz. Es ist am 07.01.2017 entstanden.
Ich bin mit Freunden auf den Brocken gewandert und habe ein paar Bilder für meinen instagramaccount machen wollen, dementsprechend hatte ich die Kamera griffbereit, als ich dann die Bahn hörte zückte ich schnell meine Kamera und schoss das anhängende Bild mehr oder weniger ohne zu überlegen. Wie ich finde ist es eins meiner schönsten Bilder, dennoch würde ich gerne wissen was ihre Meinung dazu ist. Ich persönlich finde den Kontrast in dem Bild wunderbar. Das Rot der Lokomotive und das Weiß der Schneelandschaft harmonieren ungemein. Mein Fazit ist, man sollte die Kamera immer griffbereit haben, wenn man neue Orte entdeckt, die besten Bilder sind oft Zufall und selten geplant.

Lieber Tobias – was brauchst Du mehr, als dass das Bild Dir Freude macht? Natürlich streben wir alle nach Anerkennung, aber ein tolles Bild, das mir gefällt, von dem können andere denken, was sie wollen.

Diese schwarze Dampflok, die hier in der Farbfotografie durch das Schneegestöber auf uns zu schnaubt, ist unverkennbar in Bewegung und zeigt die Mischung aus Dampf (an den Rädern) und Rauch (aus dem Schornstein), der Dampfloks eigen ist. Sie fährt von links mit einem sichtbaren Personenwagen diagonal auf uns zu nach rechts ins Bild, der Lokführer oder ein Heizer blickt glücklicherweise grade rechts aus dem Fenster. Im Hintergrund bilden dick verschneiteTannen die richtige Kulisse für das Bild.

Belichtungstechnisch scheint das Bild gut gelungen, was die Schärfe angeht, ist es schwierig zu beurteilen, weil die hier vorliegende Auflösung entweder ein extremer Beschnitt oder eine sehr hoch komprimierte Version des JPGs der Fotografie ist: Jedenfalls sind überall im Bild Artefakte zu erkennen.

Die Komposition ist unspektakulär, aber dynamisch und spannend, von links nach rechts und aus dem Bildmittel- in den Vordergrund, bewegt sich der Zug auf uns zu. Das nehme ich jedenfalls an, theoretisch kann der Zug ja auch geschoben werden. Das Bild zusätzlich dynamisch macht der offenbar recht heftige Schneefall, der mit den vielen kleinen weissen Punkten vor der schwarzen Lok einige Aufmerksamkeit gewinnt. Ich hätte bei 34mm Weitwinkel und einer Fünfhunderstel Sekunde ein paar recht scharfkantige Flocken erwartet und weniger von diesen runden Punkten, die aussehen, wie der Schärfentiefe zum Opfer gefallen, aber auch das lässt sich ohne die Betrachtung des Originals weder sagen noch erklären.

All das gesagt: Grade haben wir darüber diskutiert, was ein gutes Bild ist. Auch wenn da die Definitionen weit auseinander gehen, wundere ich mich immer wieder über die Frage nach der Bestätigung, dass dies oder das ein gutes Bild sei:   Wenn Du es gekauft hast und eine halbe Million Euro dafür bezahlt hast, dann ist es vielleicht wichtig, dass die Öffentlichkeit oder wenigstens ein paar Sachverständige im Kunsthandel bestätigen, dass es ein gutes, oder zumindest ein für viel Geld weiter veräusserbares Werk ist.

Aber wenn es Dein Bild ist, das Du vor allem für Dich und deine Freunde gemacht hast und an dem Du Dich so eindeutig wie erklärt erfreuen kannst – was interessieren Dich weitere Meinungen zur Qualität? Man kann anhand des Bildes über Technologie, über Dampfmaschinen, über Romantik in ihren verschiedenen Zügen diskutieren. Man kann über Loks (Affiliate-Link) fachsimpeln, wenn man daran Spass hat, oder einfach die Dynamik des Bildes mögen. Oder man findet den Winter Mist und Dampfzüge eine Umweltverschmutzung, und dann ist das ein sehr unangenehmes Bild.

Aber objektiv sagen kann man über das Bild eigentlich nur, dass es technisch den Ansprüchen gerecht wird und eine gute Sicht auf die Lok zeigt, von Licht und Farben profitiert und vom Umstand, dass der Lokführer zu sehen ist und die Szene in Schneegestöber stattgefunden zu haben scheint.

Subjektiv ist das für Dich eines Deiner schönsten Bilder, und ich kann nur hoffen, dass sich daran auch nichts ändert, wenn jemand, der nichts mit Dampfloks anfangen kann, sich schulterzuckend abwendet. Freu Dich über Deine Fotografie und mach mehr davon.

37 Antworten
  1. dierk
    dierk says:

    Tobias ist wohl von den Kommentaren ganz erschlagen und/oder traut sich nicht mehr, etwas dazu zu antworten :-)

    Das Bild hat leider nur ca. 1000 Pixel Breite und ist dadurch technisch schwer zu beurteilen. Es kann durchaus sein, dass es ein Ausschnitt ist, da sonst der Lockführer klarer und schärfer sein müsste. So ist das Gesicht nur ein rosa Fleck. Die Lock sollte bei der Verkleinerung auch eigentlich absolut scharf sein. Auch hätte ich das Bild etwas nach rechts gerade gerückt und wäre näher ran gegangen.

    Zu dem Motiv selbst wurde hier ja schon mehr als genug gesagt, es ist eben ein Schnappschuss, wie Tobias ja auch geschrieben hat. Bei der angenommenen „Geschwindigkeit“ der Bahn sollte sicher genug Zeit gewesen sein, das Foto genau zu planen.

    Ich hänge mal ein Bild an in einer ähnlichen Situation. Nur ist hier der Abstand von dem Zug maximal 5 m und die Geschwindigkeit über 100 Km/h. Ich hatte allerdings den Vorteil, dass durch die geschlossene Schranke Zeit für eine Planung des Bildes war.

    PS:
    ich finde es schade für die anderen Einsender, dass dieses Bild so viele Kommentare bekommt, während andere nur sehr wenige oder gar keine Kommentare bekommen. Das haben die anderen Bilder nicht verdient.

    VG
    dierk

    Sony A7RII with Laowa 15mm f/4 Wide-Angled 1:1 Macro

    Antworten
    • Richard says:

      Dierk, sehr oft wird hier nicht das Bild direkt besprochen sondern „Ableitungen“ (Themen die sich einfach ergeben). Und das ist und muss nicht schlecht sein.

    • dierk
      dierk says:

      Richard,
      das war nicht eindeutig. Ich meinte nicht, dass es hier zu viele Kommentare gibt sondern, dass andere Beiträge oft so wenig bekommen.

      Zu den „Ableitungen“ würde ich auch begrüßen, wenn neben Kommentaren auch Bilder gezeigt werden, die zu dem Thema passen bzw. es erweitern. Peter schrieb mal, dass so etwas durchaus im Sinne von FOKUSSIERT wäre. Also zeigt doch auch mal z.B. eure Eisenbahnen.

      Eine Korrektur zu meinem obigen ICE Bild:
      Ich habe mir das heute noch einmal angesehen, der Abstand zu dem Zug ist ca. 2m!

      Und noch eine Anmerkung zu der Brockenbahn.
      Bei Everypixel bekommt das Bild „3.4% chance that this image is awesome“, nicht gerade viel.

      Interessant dabei sind aber die ermittelten Keywords:
      Transportation, Railroad Track, Snow, Train, Winter, Mode of Transport, Steam Train, Land Vehicle, Locomotive, Travel, Old, Outdoors, Car, Engine, Speed, Old-fashioned

      VG
      dierk

  2. Lehmann says:

    Ich fühle mich frei zu sagen, was mir auffällt, dass hier manch einer Kritiker (und ich nehme Sie jetzt nicht ins Detail, somit fühlt sich keiner angegriffen),
    von fokussiert.com
    (obwohl ich mir nicht sicher bin, ob alle die hier schreiben von fokussiert.com sind…), sich in „Ton“, Wortwahl, Be-Wertungen, Ausmaß, Art kritisch selbst hinterfragen sollten.
    Ignorieren ist nicht immer richtig, egal ob online oder im echten Leben, auch wenn das bei vielen Menschen oft sinnvoll ist. (Zum Beispiel den Selbstverliebten…oh hoffentlich setze ich mich nicht in die Nesseln jetzt …. ;-)!!!)

    Das sollte in einem tollen Forum wie fokussiert.com nicht soviel Raum haben.
    Das nur mir das auffällt, wage ich zu bezweifeln….

    Schönen Gruss Paula

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      Liebe Paula – die Kommentarspalte ist frei für sämtliche Leserinnen, Fotografen und Menschen, die gerne mitdiskutieren. „Von fokussiert.com“ ist insofern niemand. Was den Ton angeht, wird hier gelegentlich Klartext gesprochen, und das soll auch so sein: Wer Inputs zu seinem Bild haben möchte, kann ihn hier kriegen, er oder sie sollte aber nicht zu dünnhäutig sein, wenn andere ihre ehrliche Meinung oder eben auch eine dezidierte sachliche Einschätzung abgeben. Das einzige, was „wir“ von fokussiert.com nicht akzeptieren, sind persönliche Angriffe, da greifen wir moderierend ein.

    • Richard says:

      Paula, wenn sich jemand etwas aber nicht deutlich und in gewissen Grenzen nicht so wie einer, der nicht genug klar und sehr allgemein wo keiner so richtig weiß eigentlich wer und was angesprochen wird dann kann (aber nicht muss) zu Missverständnissen kommen. Es wäre dann aber auch möglich hätte also was wäre wenn und man könnte so weiter aber was bringt das?
      Ich fühle mich auch frei.
      ;)

  3. Lehmann says:

    Hallo Tobias,

    Ich persönlich finde es ein in erster Linie, sehenswertes schönes Bild.
    Kleine Be- und Erarbeitungen (Begradigt, Kontrast…)von Richard oder Anderen (mit und ohne Nummernschild -beides gut!) verschönern den Effekt.
    Mir gefällt die Bahn, die schneebedeckten Tannen, die Dynamik, aus der Linkskurve heraus. Auch wenn für mich persönlich die Zugnase zu sehr mittig (weil gross) im Bild ist, ist es ein Bild mit schönen Details zum Verweilen. Mit einer wunderbaren Winterstimmung!
    Paula

    Antworten
  4. Richard says:

    Im Auge des Betrachters.

    Eigentlich „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“. Wie frei ist aber das Auge? Wir behaupten zwar, dass das unsere Meinung ist aber in Wirklichkeit prägt die Umwelt maßgeblich das individuelle Schönheitsempfinden. Deshalb auch nur sehr wenige sagen, dass Heidi Klum (nur als Beispiel) eine hässliche Frau ist.

    Die Menschen brauchen Regeln.
    Zitat: „Wer anfängt sich mit einer Sache zu beschäftigen braucht Anhaltspunkte und Regeln. Regeln erleichtern die Verständigung und das Zusammenleben. Wie zum Beispiel im Straßenverkehr. Grundsätzlich würde es reichen keinen anderen Verkehrsteilnehmer zu stören. Da aber jeder hiervon eine andere Vorstellung hat, gibt es Regeln.
    Bei Bildern ist es ähnlich. Eigentlich würde es reichen zu sagen, wenn Dir das Bild gefällt ist es gut. Das ist auch meine ernsthafte Meinung solange Du für Dich fotografierst.
    Wenn Du mit Deinen Bildern aber andere überzeugen willst, oder anderen gefallen, dann gelten deren Regeln. Es sei den Du bist der King und alle finden das, was aus Deiner Kamera kommt einfach großartig… aber bis dahin ist es meist ein langer Weg.“
    (von Martin Gommel, kwerfeldein.de, 08. August 2009)

    Antworten
    • Stefan Jeschke says:

      Regeln sagen Dir in erster Linie welche groben Fehler Du nicht machen solltest. Sie geben Dir also einen Rahmen vor in dem die Chance, dass Du’s komplett verhauen wirst, nicht so hoch ist. Sie sagen Dir aber nicht wie du besonders schoen fahren kanst (um mal beim Strassenverkehr zu bleiben). Wenn Dir die Regeln ausreichend in Fleisch und Blut uebergegangen sind, dann solltest Du Deine eigene fotografische Handschrift suchen. Das dauert Jahre, bzw. eigentlich das ganze Leben lang. Und was das ueberhaupt heisst, habe ich trotz intensivem Auseinandersetzen mit Fotografie (nicht mir der Fototechnik!) lange nicht wirklich verstanden. Aber allmaehlig wirds.. :-)

      Viele Gruesse,
      Stefan

    • Richard says:

      Das ist schon mal gut, wir sind mindestens einig, dass Regeln überhaupt gibt (manche behaupten was anders).Wir reden die ganze Zeit von guten Fotos. Ein gutes Foto entspricht einfach den technischen, gestalterischen und allen anderen Regeln. Eigentlich ganz einfach, oder?
      :)
      Eigene Handschrift oder eigener Stil ist das Ziel von vielen. Ich glaube aber, wenn man es gefunden hat, dann kann danach nur langweilig sein. Ist es nicht besser wenn der Weg das Ziel ist?
      :)

    • Stefan Jeschke says:

      „Ein gutes Foto entspricht einfach den technischen, gestalterischen und allen anderen Regeln.“
      Nein. Ein solches Rezept fuer gute Fotos kann man leider nicht definieren.. Bzw. muesstest Du „alle anderen Regeln“ so komplex definieren, dass damit die gesamte Psyche eines potentiellen Betrachters komplett beschrieben wird. Das wird unpraktisch.. ;-)
      Es gilt mMn. gilt aber folgendes:
      1. „Ein wirklich schlechtes Foto misachtet zumeist eine Regel grob, oder mehrere Regeln weniger grob.“ (Siehe z.B. die unscharfe, angeschnittene Ente in hartem Licht vom anderen Thread).
      2. „Ein Bild was alle technischen und gestalterischen Regeln beachtet, kann trotzdem stinklangweilig sein.“ -> das gilt leider fuer die Mehrzahl an Bildern im Internet. Fuer mich auch fuer viele Bilder bei 1x.com.

      Zur „eigenen Handschrift“:
      Das ist eher eine „Herangehensweise“ oder eine „Art zu denken“ oder „Art, Dinge zu sehen“. Bei der Fotografie gehts ja immer darum, WAS man sagt und WIE man es sagt. Wenn man jetzt ein bestimmtes Thema hat und dazu eine bestimmte Art, Bilder dazu zu machen, kann man wohl von einer „Handschrift“ reden. Frag mich nicht nach einer exakteren Definition, die kann ich nicht geben. Es geht auf jeden Fall _nicht_ um das „one trick pony“, obwohl einige Fotografen so ihre ganze Karriere aufbauen.. :-)
      Die Handschrift veraendert sich auch staendig (graduell), zumindest solange man daran arbeitet/feilt.

      Viele Gruesse,
      Stefan

    • Richard says:

      „Langweilig“ gehört zu keinen Regeln, das gehört zu persönlichem Empfinden und liegt in der Kategorie „gefällt oder nicht gefällt“. Im Gegenteil zu „scharf/unscharf“ oder „hoffnungslos überbelichtet“. Ich kann nur appellieren, vermischen wir das nicht alles in einem Topf.

      Vor Kurzem habe ich folgenden Kommentar bekommen:

      „Insgesamt finde ich alle diese Fotos technisch korrekt und inszenatorisch gelungen, wobei mich aber nach kurzer Betrachtung jeweils die Langeweile übermannt. Nach dem Motto „kennste eins kennste alle“. Gleiches Licht, ähnliches Setting – finde ich langweilig.“

      Das zum Thema „eigener Stil“
      ;)

  5. Heiko Rau says:

    Lieber Peter,
    vielleicht ist das hier ja der falsche Weg für eine Rückmeldung an Dich, denn hier sollte es ja um Tobias‘ Bild gehen, aber einen anderen Weg finde ich auf Anhieb nicht. Sei’s drum.

    Mir ist nicht aus dem Sinn gegangen, dass Du Dich darüber wunderst, warum Leute nach einer Bestätigung dafür suchen, dass es sich bei ihrem Bild um ein „gutes“ Bild handelt.

    Zunächst mal ganz platt: wenn das nicht so wäre, gäbe es auf fokussiert.com wohl die Rubrik „Bildkritik“ nicht.

    Ich für mich konnte eine mögliche Antwort auf Deine Frage ausmachen: Orientierung.

    Mein Problem als Anfänger war, dass ich versucht habe, die rein technischen Sachen mit der Brennweite, Blendenöffnung, Empfindlichkeit, etc. erst mal sortiert zu bekommen. Wann erhalte ich welchen Effekt im Bild bei welcher Einstellung, etc. Dazu gibt auch reichlich Literatur, sowohl online wie offline. Aber die Bilder, die ich gemacht habe, waren eher belanglos. Sie wurden langsam technisch besser, aber trotzdem, obgleich technisch nicht mehr offensichtlich zu beanstanden, blieben sie irgendwie uninteressant. Eines Tages habe ich ein Bild gemacht, auf das ich stolz war wie bolle. Ich glaube, damals ging es mir so, wie Tobias jetzt. Denn ich wollte das Bild jemandem zeigen, der was von Fotografie wirklich was versteht. Und ich war nervös und gespannt, wie wohl das Urteil des Profis ausfallen würde. Hatte ich nun endlich auch mal ein „gutes“ Bild gemacht? Würde es anderen gefallen?

    Als Anfänger kann ich mir aber zwangsläufig nicht sicher sein, ob es sich um ein „gutes“ Bild handelt. Vielleicht gefällt das Bild ja niemandem außer mir. Aber wozu macht man Bilder? Nur für sich allein? Wer Bilder nur für sich macht, wird auch nie hier eins zur Besprechung einreichen, denke ich.
    Also kann man das Bild im Freundes- und Bekanntenkreis herumzeigen, sofern sich jemand dafür interessiert. Wenn man hier positive Reaktionen erhält, ist das sicher schon mal ein Anhaltspunkt. Aber – ohne den Freunden und Bekannten zu nahe treten zu wollen – die Freunde und Bekannten verstehen von Fotografie vielleicht ja noch weniger als ich, der ich ja noch Anfänger bin. Na gut, man muss kein Huhn sein, um ein faules Ei erkennen zu können, aber ich möchte mich ja weiterentwickeln. Und da möchte ich wissen, ob mein Bild vielleicht sogar „höheren“ Ansprüchen von Profifotografen genügt und wenn nicht, was man dafür tun müsste.

    Und dann klingelt bei Dir der Posteingang mit der Bitte um Besprechung.

    Denn wenn man nicht weiß, ob man auf dem richtigen Weg ist, hält man an und fragt jemanden, der sich auskennt. Im Idealfall lautet die Antwort hier in dieser Rubrik „tolles Bild!“. Dann hat man Orientierung und positive Rückmeldung in einem („geteilte Freude ist doppelte Freude“). Der Profi kann aber auch bei einem nicht ganz so gelungenen Bild sagen, was hätte besser gemacht werden können. Und mit diesen wertvollen Hinweisen ist es viel einfacher, einen Schritt voranzukommen.

    So geht es mir. Und ich lehne mich aus dem Fenster und behaupte: den anderen auch (oder wenigstens ähnlich). Wir wollen alle dazulernen.

    Deswegen verstehe ich auch Philipp, der das Fehlen der eigentlich Bildkritik (und damit eine fehlende Orientierung) bemängelt und dessen Beitrag ich hier eigentlich nur noch mal wortreich wiederholt habe.

    Fazit: egal, ob der Fotografin, die hier ein Bild einreicht, ihr eigenes Bild gefällt oder nicht – die Bildkritik ist IMMER wichtig für die eigene Weiterentwicklung. Und ihr Profis könnt sowas einfach am besten.

    Antworten
    • Richard says:

      Bei vielen Punkten bin ich bei Dir Heiko.

      Ich lese oft: „Wenn ein Bild dem Autor gefällt ist alles bestens“. Was für ein Quatsch. Wenn das so wäre dann hat der Autor im Netz oder in den Foto-Clubs nichts zu suchen. Ihm gefällt sein Bild und das reicht, er braucht die anderen (und deren Meinungen) nicht.

      Zum Zweiten finde ich ein Unterschied zwischen „gutes Bild“ und „gefällt oder nicht gefällt“. Auch gutes Bild kann und muss nicht gefallen wie auch umgekehrt. Man darf die zwei Sachen nicht vermischen.

      Das alles was Du beschreibst betrifft nicht nur Anfänger. Auch erfahrene Fotografen möchten gerne ein Feedback bekommen. Dabei geht es um Wirkung, um Wahrnehmung, um Empfindung … Und dann ist mit dem Kommentar „Tolles Bild!“ nicht getan.

  6. Stefan Jeschke says:

    Ich haenge mich hier mal aus dem Fenster und gebe meine Version dieses Bildes zum besten:
    Das zentrale Thema dieses Bildes ist fuer mich ein heisses Stahlross welches sich seinen Weg durch eine eisige Winterlandschaft bahnt. Um diese Punkte herauszuarbeiten habe ich:
    – Winterlandschaft aufgehellt und farblich abgekuehlt -> schafft mehr Kontrast zur Lok
    – Die Lok quasi „aus dem weissen Nichts“ kommen lassen (also linken Rand besonders aufgehellt)
    – Die Lok selbst etwas waermer gemacht und Kontrast angehoben (ohne das Rot zu ueberdrehen)
    – Den Schaffner noch etwas mehr Kontrast gegeben da er nicht ganz uninteressant ist
    – Beschnitt wie meine Vorredner, passt hier gut weils die Lok mehr „erdet“ finde ich

    Was mir wichtiger ist als das letztliche Resultat hier (ein ohnehin schon armes jpeg auf welches ich hier noch ordentlich eingepruegelt habe), ist die Tatsache, dass ich mir zuerst eine Grundidee/Kernaussage fuer dieses Bild ueberlegt habe und anhand dessen die Bearbeitung vornehme. Genau das sollte bei der Aufnahme schon passieren, denn all diese Sachen kann man (viel besser als hier post mortem!) ueber Kamera-Weissabgleich, Kamera-Kontrast, Belichtung, Perspektive, Linse, eventuell Lichteinsatz etc. schon draussen herausarbeiten. Das geht aber halt nur wenn man sich vorher genau klar macht, worauf man hinaus moechte. Und genau diese Gedanken machen fuer mich den Unterschied zwischen Kamerabesitzer und Fotografen aus. :-)

    Viele Gruesse,
    Stefan

    Winterlok

    Antworten
  7. Richard says:

    Die Bearbeitungsschritte:
    – leicht nach rechts gekippt
    – vorne aufgeräumt
    – unten beschnitten
    – Schild beseitigt
    – etwas mehr Kontrast
    – CK

    Lok_01

    Antworten
    • fherb says:

      Nicht das Schild! :-0

      Aus Sicht des Eisenbahn-Nostalgikers, und da gibt es sehr, sehr viele, ist das Bild in diesem Beschnitt noch etwas besser, als das Original. Aber das Schild ist ein sehr wichtiges Accessoir, dass das Foto für diesen Interessentenkreis erheblich aufwertet. Und ich bin mir sicher, dass neben dem schönen Winterwetter, für das Tobias ja eigentlich gar nichts kann, sein wichtiger Punkt der Bildgestaltung die sehr genaue Auslösung des vorbeifahrenden Zuges zu dem Zeitpunkt ist, wo das Schild im Bild zusammen mit dem Zug eine angenehm nostalgische Atmosphäre aufkommen lässt. Heizer und Schild befinden sich linksseitig und rechtsseitig jeweils in etwa im goldenen Schnitt der Waagerechten. Fehlt das Schild, kippt mir die Szene zu sehr nach links.

      Bildanalyse ist ja auch Bildkritik. Sie zeigt auch, was richtig am Bild ist.

      Viele Grüße, Frank

    • fherb says:

      Korrektur: Ob Goldener Schnitt oder Drittelregel oder Fibonacci: Ich meinte den „Bereich“, der als harmonische Teilung empfunden wird.

  8. Heiko Rau says:

    Tobias hat beim Einreichen seines Bildes um eine Meinung gebeten.

    Als Zwischenfazit wage ich bis hierher festzuhalten:

    Von Peter hat er keine bekommen. Überspitzt formuliert hat er sinngemäß gesagt: Ich habe keine Meinung zu diesem Bild. Freu dich doch einfach, wenn’s Dir selbst gefällt.

    Philipp hingegen hat meinungsstark kommentiert: „total banal“, wagt aber zugleich nicht, das Bild zu bearbeiten, weil er aufgrund mangelnder Vorgaben fürchtet, Tobias nicht gerecht werden zu können.

    Wenn ich Dietrich richtig verstehe, schlägt er eine Art „weiße Vignette“ („Whiteout“) vor.

    Und Mark möchte mit einem Beschnitt die Komposition auflockern („weniger mittig“).

    Lieber Tobias, da Du um Meinungen gebeten hast, gebe ich Dir hiermit auch noch meine.

    Dein Bild ist keines, das ich langweilig finde. Ich schaue mir das auch ein zweites Mal an, lasse den Blick über diverse Details streifen. Das zeigt mir, dass mir das Bild gefällt.

    An dem Bild habe ich paar Veränderungen vorgenommen. Zuerst habe ich den Ausschnitt geändert. Dabei habe ich, wie von Mark vorgeschlagen, ein 16:9-Format gewählt. Denn das Bild bietet, findet ich, unten, rechts und oben zu viel leeren Raum, der nichts zur Bildaussage beiträgt und auch die Komposition nicht verstärkt. Dabei war es mir mit dem bestehenden Bild nicht möglich, den Kopf des Lockführers in den „Drittelspunkt“ zu legen. Denn das hätte vor der Lock zu wenig Raum gelassen. Und der ist wiederum nötig: der Weg vor der Lock soll „frei“ sein, sonst wirkt sie schon halb aus dem Bild, wenn Du weißt, was ich meine. Als kleines Schmankerl habe ich dafür den Ausschnitt so gewählt, dass die eine Schiene genau im Bildeck unten rechts zu liegen kommt. Ich hatte mir zuerst Sorgen gemacht, dass die somit abgeschnittenen Baumspitzen seltsam wirken würden, aber für mich ist das nicht der Fall. Dann ist mir aufgefallen, dass die Bäume quasi schiefstehen. Aber wenn man diese mit der Bildbearbeitung ausrichtet, steht das Schild schief. Und das wirkt dann weitaus „schräger“, als die schiefen Bäume. Zudem verliert man bei jeder Rotation etwas vom Waggon, was meiner Meinung nach dem Bild abträglich ist.

    Da ich ein Freund knalliger Farben bin, habe ich die Sättigung leicht erhöht. Dann leuchtet das Rot der Lokomotive mehr, allerdings tritt auch das Grün der Bäume deutlicher hervor. Ein Photoshop-Profi kann das bestimmt verhindern, aber mir fehlen die Kenntnisse. Zudem habe ich über eine leichte S-Kurve auf den Tonwerten den Kontrast verstärkt.

    Dietrichs Idee mit dem Whiteout konnte ich wegen mangelnder technischer Kenntnisse leider nicht ausprobieren.

    Vor allem die Maßnahme mit der Sättigung ist Geschmacksache. Philipp hätte z.B. die Sättigung zurückgenommen, um einen nostalgischeren Eindruck zu erhalten. Den Beschnitt hingegen, vorgeschlagen von Mark, halte ich für einen klaren Gewinn.

    Anbei also meine (oder besser: unsere) Interpretation von Deinem Bild.

    IMG_0939_1

    Antworten
    • Heiko Rau says:

      Jetzt habe ich meinen Kommentar nochmals durchgelesen und muss doch glatt auf mich selbst antworten.

      Lieber Philipp und lieber Peter, ich hoffe, Ihr nehmt mein Augenzwinkern in der Zusammenfassung zwischen den Zeilen war. Ich bin weit davon entfernt, hier gegen jemanden auszukeilen und hoffe sehr, dass nichts in den falschen Hals gerät.

    • Dietrich Kunze
      Dietrich Kunze says:

      @Heiko
      Mein Vorschlag ging nicht in Richtung Bildbearbeitung sondern ich dachte an eine anders gestaltete Aufnahme – kleinere Brennweite => Weitwinkel. Ich lege da mehr Wert auf das Fotografieren als auf die Bildbearbeitung.

    • Philipp says:

      @Heiko: Alles gut ;)

      Ich darf noch anfügen, dass ich gar nicht auf die Idee kam das Bild runterzuladen und selbst zu bearbeiten… aber ich hätte es auch nicht gemacht, weil mir grundsätzlich die Aussage fehlt in dem Bild. Es gibt für mich zu wenig Kontext, Stimmung etc. Ein Weitwinkel wäre hier wahrscheinlich wirklich die besser Wahl gewesen, wobei ich nicht sagen kann, ob die Umgebung es zugelassen hätte damit dann ein interessanteres Bild zu gestalten. Vom Licht etc. jetzt mal abgesehen.
      Das Schild würde ich übrigens keinesfalls rausnehmen. Das macht das Bild für mich (noch) langweiliger ;) Und mein Urteil: „banal“ ist auch nicht böse gemeint, das will ich hier noch mal ausdrücklich festhalten. Ich finde nur, man darf etwas auch mal deutlich sagen, wenn es einem so deutlich erscheint. Aber daran hatte auch Peters Kuscheltext seinen Anteil ;)

  9. Mark Piontek
    Mark Piontek says:

    Zunächst einmal vielen Dank an Tobias Fricke für das eingereichte Bild und an Peter für die Bildkritik.

    Aus der Philosophie halte ich mich mal raus und schreibe, was ich an diesem Bild anders machen würde:

    Ich würde es am unteren Rand beschneiden, so dass es ungefähr auf ein 16:9 Format kommt. Damit nimmt die Lokomotive im kleiner gewordenen Bild mehr Raum ein und sie liegt horizontal nicht mehr so mittig.

    Antworten
  10. Dietrich Kunze
    Dietrich Kunze says:

    Das Motiv hat die beiden Elemente Dampfross und Schneetreiben. Beim gezeigten Ausschnitt wirken beide etwas planlos nebeneinander. Ich stelle mir einen Ausschnitt bei deutlich kleinerer Brennweite vor: das Schneetreiben und der „Whiteout“ auch links neben dem Zug, der dann aus dem diffusen weißen Hintergrund auftaucht, evtl. verläuft sogar der hintere Zugteil im „Nichts“. Würde sehr stark die Winterstimmung um den Zug rüberbringen.

    Antworten
  11. Philipp says:

    Ich dachte hier geht es um Bildkritik und nicht um philosophische Diskussionen?

    Versteh mich nicht falsch Peter, mir geht es hier auch um den, der das Foto gemacht hat. Denn man kann ja durchaus eine konstruktive Bildkritik üben, ohne Gefühle oder Werte zu mindern bzw. zu verletzen. Auch ich habe viele Fotos die sowohl technisch, als auch von der Perspektive her oder von welchem Blickwinkel auch immer betrachtet einfach nicht gut sind – mich aber auf einer emotionalen (oder anderen) Ebene her trotzdem ansprechen und damit mein subjektives Kleinod bleiben. Dankbar für Hinweise, wie ich den einzelnen Fotos zu einem (eventuell!) noch größerem Bildausdruck hätte verhelfen können, würde ich trotzdem jederzeit gerne hören – allein schon, um es beim nächsten Mal auszuprobieren. Mir kam es so vor, als hättest du diese Kritik hier umschifft. Und das finde ich kontraproduktiv und wird, meiner Meinung nach, dieser schönen Rubrik hier nicht gerecht.

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      Ich versteh Dich schon, Philipp. Du hast ja auch recht. Aber ein bisschen Philosophie gehört zur Bildkritik dazu, finde ich. Stimmt ja auch, dass ich mich um die Kritik gedrückt habe: Weil ich fand, dass sie nicht wichtig ist, wenn einem das Bild aus persönlichen Motiven gefällt. Ein bisschen banal, ich geb’s zu.

  12. Philipp Kronberg says:

    Mit konstruktiver Kritik hat das hier auch nichts mehr zu tun. Dem schliesse ich mich nicht an und sage: das Bild ist komplett banal, sinnlos unscharf und transportiert nur einen Bruchteil einer möglichen Stimmung, die man durch eine andere Perspektive, einen anderen Zeitpunkt oder in anderen Lichtverhältnissen/durch eine angemessene Bearbeitung hätten erreichen können. Wenn alles nur noch schön und richtig und toll ist, verliert alles an Wert, was Wert hat.

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      Man kann, aber man muss es nicht so sagen, Philipp. Ich verstehe Deine Motivation aus dem Schlusssatz; mir hingegen ging’s darum zu zeigen, das die Begeisterung eines Schöpfers bisweilen gar nicht so sehr auf dem Werk als auf der Erinnerung liegt – und das dennoch oft von den Schöpfern selbst verwechselt wird.

    • Heiko Rau says:

      Grundsätzlich kann ich beide Positionen verstehen. Da Du, Philipp, von konstruktiver Kritik sprichst: was hättest Du denn in der Nachbearbeitung mit dem Bild noch gemacht? (Perspektive, Zeitpunkt und Lichtverhältnisse lassen sich ja jetzt nicht mehr ändern…)

    • Philipp Kronberg says:

      @Heiko: dazu müsste ich erstmal wissen, welche Möglichkeiten das Bild technisch hergibt. Und die Bearbeitung sollte natürlich das ohnehin schon vorhandene „gute Gefühl“/Gefallen des Einsenders verstärken, von daher schwierig für mich zu sagen, was ICH da gemacht hätte. Zumal im Text ja nur der Kontrast von rot und weiss als Grund fürs gefallen genannt wird. Darüberhinaus bin ich kein Profi in der Bildbearbeitung, kenne also da auch nicht alle Möglichkeiten. Deswegen lese ich ja gerne hier mit ;)

      Um aber nicht ohne konkreten Vorschlag zu bleiben: eventuell hätte ich, z.B., das Rot der Lokomotive entsättigt, um das Nostalgische hervorzuheben. Kann mir aber nicht vorstellen, das der Einsender das so gemacht hätte. Und womöglich hätte ich dem Bild damit auch mehr genommen als gegeben. Das müsste ich selbst ausprobieren und sehen. Kann ich also nur so als Idee, als Möglichkeit in den Raum werfen.

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