Handarbeit mit Pferd:
Raum aufbauen

Wer die Beziehung eines Menschen zu einem Tier einfangen will, sollte auf die Gesichter achten – oder eine Körpersprache einfangen, die deren Ausdruck zu ersetzen vermag.

Pferd an der Longierleine

Pferd und Meisterin. Canon EOS 60D, 1/6400s bei Blende 2.8 mit 137mm Brennweite und ISO 200. © Thomas Reinema

Thomas Reinema aus Herrenberg schreibt zu diesem Bild: Januar 2017 Rottenburg-Seebronn. Ziel war es, die Person bei der Lektionsarbeit mit ihrem Pferd zu zeigen, dabei sollten Pferd und Mensch im Vordergrund stehen. Aufgrund vom Bewegungsablauf wurde das Querformat gewählt.

Tiere mit Menschen: Was ist daran sehenswert? In den meisten Fällen die Beziehung, die sich aufbaut. Hier sehen wir davon aber wenig bis nichts.

Wir sehen in dieser Farbfotografie eine Pferdeführerin ein Tier auf verschneiter Weide an der Langleine führen. Die Frau im langen Winterrock wendet uns den Rücken zu, sie steht exakt im Bildzentrum, das Pferd genau neunzig Grad dazu versetzt im Gang nach links. Pferd und Kleidung der Frau haben beinahe die gleiche, dunkelbraune Farbe, im Hintergrund sorgt ein unscharfer Baum vor dem Horizont und blauem Himmel für etwas räumliches Gefühl.

Pferdaufgehellt-1

Das erste Problem dieser Fotografie ist, dass sie ganz einfach leicht unterbelichtet ist – was dem Schnee und dem grossen Anteil an Himmel  geschuldet sein könnte, weil die Kamera in der Belichtungsmessung einen Durchschnitt bestimmt. Allerdings hast Du (richtigerweise) mit mittengewichteter Belichtungsmessung gearbeitet, doch müsste dann die Aufnahme eigentlich heller sein. Ich habe mal in Lightroom die Tiefen angehoben, was uns insofern hilft, als wir sogleich das Gesicht des Pferdes anfangen wahrzunehmen.

Ein zweites Problem ist die lange Brennweite bei grosser Blende – zum einen zieht das Tele die Distanz extrem zusammen, zum anderen sorgt die Offenblende für Unschärfe im Vordergrund, die zwar nichts zum Raumgefühl beiträgt, aber den Eindruck des „Flachpressens“ des Raums verstärkt. Ich schätze, Du warst für diese Aufnahme auf den Knien oder sonstwie dem Boden sehr nah.

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Gewichtiger als die technischen Unzulänglichkeiten sind aber, wenn ich Deine Absicht beiziehe, die kompositorischen: Wenn Du die Beziehung der Frau zum Pferd zeigen willst, muss ich als Betrachter die Interaktion zwischen den beiden verfolgen können. das kann durch die Bewegung und die Stellung der beiden zueinander passieren – oder/und durch ihren Ausdruck in den Gesichtern, namentlich den Augen.

Die Gesichter beider zu sehen, das ist wohl nur möglich, wenn sie auf Dich zukämen, wenn Du also beispielsweise neunzig Grad nach links versetzt auf der Weide gestanden hättest.

Das wäre die eine, absolut bedeutende Korrektur bei dieser Aufnahme. Sie würde ein weiteres Problem beheben: Das der fehlenden Räumlichkeit. Teleobjektive – und darum handelt es sich bei Deinem Zoom bei 130mm – ziehen den Raum zusammen. Deswegen sieht ein Gehsteig voller Menschen so unglaublich gedrängt aus, wenn er mit dem Tele fotografiert worden ist, selbst dann, wenn zwischen den Menschen jeweils zehn Meter Abstand herrschte. Deswegen müssen in einem Bild, das ein Zusammenspiel zweier Wesen in einem spürbaren Raum darstellen will, die Ebenen erfahrbar gemacht werden. Wenn Du diese Szene also mit dem Tele fotografieren musstest, weil Du aus irgendwelchen Gründen nicht näher ran konntest, hättest Du gut daran getan, Frau und Pferd in einem anderen als direkt im neunzig-Grad Winkel zur Foto-Ebene abzulichten: Diagonal zur Linse, versetzt, zum Beispiel.

Nun kommt das dritte und letzte Problem ins Spiel: Wenn denn nämlich Pferd und Meisterin aufeinander geklebt werden wie hier ist es fatal, wenn beide die gleiche Farbe haben. Der ausladende Mantel der Frau lässt sie regelrecht im Pferd verschwinden, es ist nicht mehr klar eruierbar, was wo ist und wozu es gehört.

Du hast also zwar Mensch und Pferd zur Einheit gemacht, das aber etwas allzu wörtlich. Die einfachen Verbesserungsvorschläge wären: Besser belichten, auf Sichtbarkeit der Gesichter der Akteure achten, in Tele-Aufnahmen die Ebenen Schräg zur Linse wählen und mit Diagonalen arbeiten und schliesslich: Farbliche Akzente setzen und hier dafür sorgen, dass Pferd und Frau nicht die gleiche Farbe tragen.

4 Antworten
  1. Frank says:

    Ein wenig aufgehellt wirkt das Bild zwar besser aber auch wieder nicht, weil dann der Kontrast weg ist. Schade, dass man nicht alles haben kann.

    Aber was mich hier am meisten stört, ist der absolute Sprachverlust in dieser Bildbesprechung, was denn ein Substantiv ist und was nicht, bzgl. Großschreibung oder Klein .. .:

    … versetzt im gang … (= in dem Gang)

    … zwischen den menschen jeweils zehn meter Abstand … (M + M …)

    … aus irgendwelchen gründen nicht … (Grund)

    … das dritte und letzte problem … (P)

    Der ausladende mantel der Frau… (M schon wieder zu klein geraten)

    Schade drum. Natürlich geht es hier vorerst um eine visuelle Analyse und Verbesserung, aber dabei sollte man die Sprache nicht so verschludern und besser vor dem Klicken und Wegschicken alles noch ein- oder zweimal durchlesen … Bitte demnächst so.

    Antworten
    • Peter Sennhauser says:

      Danke für die Hinweise – stimmt, diese Kritik ist etwas sehr spontan und ohne Gegen/Nachlesen publiziert worden. Jetzt aber korrigiert.

  2. kirsten says:

    peter, in weiten teilen der kritik gebe ich dir recht. allerdings kommt wohl oft bei „insidern“ etwas anderes an 😉 ich sehe hier die beziehung zwischen mensch und pferd sehr gut, sie ist dem pferd zugewandt, es hat eine entspannte haltung, das alles hat für mich einen inhalt! auch ihre kleidung mag ich, wenn ich auch keinen bezug sehe. extrem stört mich der baum- ohne den und belichtungstechnisch gut ausgearbeitet würde ich es sehr mögen!

    Antworten
    • Mark Piontek
      Mark Piontek says:

      Ich stelle mir vor, dass der Fotograf am linken Rand des Bildes steht und von dort aus fotografiert. Das Pferd ist immer noch entspannt, aber von der Frau, die im eingereichten Bild unter Hut und Mantel verschwindet, ist mindestens ein Teil des Gesichts zu sehen. Man sieht, wie sie sich auf das Pferd konzentriert und mit ihm in Beziehung steht.
      Mit etwas Glück steht im Hintergrund dann nicht noch ein Baum oder ein alter Traktor und aus der Situation wird ein Bild, welches das ausdrückt, was Thomas Reinema in der Einleitung beschrieben hat.

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