Makroaufnahme:
Geometrie und Chaos

Mit sehr einfachen Mitteln gut umgesetzte Themenidee: Ein Beispiel für fotografische Fingerübungen mit Potential.

Limmetten-Geometrie

Olympus E-510, 1/50s bei Blende 2.5 mit 50mm Brennweite und ISO 400

Charlotte Hasler aus schreibt zu diesem Bild: Ich musste für die Uni ein Fotoprojekt zum Thema „Chaos und Geometrie“ machen und das ist eins der dabei entstandenen Bilder. Insgesamt habe ich dabei verschiedene Obst und Gemüsesorten fotografiert.

Nein, das ist keine Food-Fotografie (Affiliate-Link) – auch wenn sie Lebensmittel zeigt, und das auch noch in sehr ansprechender Weise.

Wie sehen in dieser Farbfotografie einen Haufen grüner Limetten, eine halbierte frontal in der linken Bildhälfte uns zugewandt, die andern grösstenteils in der Unschärfe und ausgequetscht oder zerdrückt.

Ich finde, Du hast die Aufgabe Deines Kurses auf sehr originelle und gleichzeitig naheliegende Art gelöst. In der Natur spielt Geometrie in Form von Fraktalen eine wesentliche Rolle. Dennoch spielt der Überraschungseffekt hier darin, dass das Chaos die verarbeiteten, vom Menschen beeinflussten Limetten sind, und der geometrische Teil in der unberührten Natur besteht.

Technisch gesehen hast Du eine Makrofotografie realisiert, die aufgrund der geringen Schärfentiefe (offene Blende, Makroobjektiv) besonders plastisch wirkt und die Form und Tiefe der Objekte betont. Die neutrale Beleuchtung verhindert Spiegelungen und sorgt trotz gutem Kontrast dafür, dass die Tonwertverteilung im ganzen Bild keine unter- und Überbelichtungen aufweist.

Kompositionell hast Du Dich zwar auf die Aufgabe konzentriert, dem Chaos der ausgequetschten Limetten eine halbierte, perfekt runde Frucht gegenüber zu stellen.

Leider hast Du dabei den Bildrand etwas zu weit nach unten verschoben. Für meine Begriffe müsste der perfekte Kreis, den die Limette beschreibt, auch perfekt dargestellt wird – Du schneidest ihn leider oben ein bisschen an. Ich hätte den ganzen Bildausschnitt ganz gering weiter gefasst und die Limette oben und unten etwa gleich ins Bild gestellt.

Ich verstehe, dass Du andererseits die Frucht so weit nach links geschoben hast, dass zwar das Zentrum des Kreises zwar noch im Bildinnnern und nicht etwa am Bildrand liegen, die ganze Frucht aber deutlich weniger als die linke Bildhälfte einnimmt und ungefähr dem Goldenen Schnitt Rechnung trägt.

Limmetten

Wenn ich hier noch den Perfektionisten raushängen kann, ich hätte mich bei dem Arrangement sehr darum bemüht, dass im Bild nirgends irgendwas andere als Limetten zu sehen ist – im rechten hinteren Bildteil sehen wir zwischen den Überresten noch etwas weisse Tischfläche.

Und ich hätte vielleicht das undefinierbare Stück Frucht ganz im Vordergrund rechts eliminiert.

Alles in allem: Keine grosse Fotografie, aber eine gelungene Umsetzung Deiner Aufgabe und handwerklich weitgehend sauber realisiert.

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