Gastautor

David Kaplan bricht eine Lanze für die Anwendung von HDR, wo immer es einen Gewinn für das Bild bringt. Und das kann sogar bei einer einzelnen Aufnahme in RAW der Fall sein.

Von David Kaplan

Mittlerweile ist HDR (High Dynamic Range) oder DRI (Dynamic Range Increase) wohl den meisten Fotografen ein Begriff. Die Technik dient in allererster Linie dazu, Szenen mit sehr hohem Kontrastumfang ansehnlich in ein Bild zu bekommen. Und das geht auch mit einem einzelnen RAW-Bild, wie wir hier sehen und gleich im Detail erörtern werden:

Denn im Gegensatz zum menschlichen Auge zeigt eine Fotokamera die Realität schrecklich nüchtern. Dunkle Bildbereiche sind auf dem Digitalfoto dunkel und helle schnell einmal überbelichtet. Gerade bei Landschafts- und Architekturfotos kämpft der Fotograf mit zum Teil sehr hohen Kontrasten.

Weil Fotografen aber Perfektion anstreben und erfinderisch sind, gibt es heute diverse Möglichkeiten, mit dieser Problematik umzugehen. Am klassischsten ist hier wohl der Tipp, erst Abends kurz vor Sonnenuntergang zu fotografieren. Die Kontraste sind dann nicht mehr so gross und das Licht ist sowieso schöner. Dazu kann ich zwar jedem auch nur raten, aber die ultimative Löstung ist es nicht, weil man auch so viele Bilder nicht vernünftig machen kann und zudem auch einiges an Potential verschenkt.

Dann gibt es noch die Grauverlaufsfilter. Das Prinzip ist denkbar einfach. Man dreht den grau eingefärbten Bereich so, dass er vor dem zu hellen Bereich im Bild steht – fast immer der Himmel. Bei einem ebenen Horizont funktioniert das auch gar nicht schlecht, aber wie sich jeder denken kann, gibt es sehr viele Bilder, die man auch mit dem Grauverlaufsfilter nicht befriedigend lösen kann.

Nun sind wir ja schon seit einiger Zeit im digitalen Fotografie-Zeitalter angekommen, und auch hier gibt es diverse Möglichkeiten, die Kontraste in den Fotos nachträglich zu korrigieren. Da gibt es die klassische Bildbearbeitung mit Photoshop & co, wo man die Möglichkeit hat, Schatten aufzuhellen oder mit Masken einzelne Bildbereiche aufzuhellen oder abzudunkeln. So lange man viel Zeit hat und der Kontrastumfang des Fotos gut in einem RAW Platz hat (max. 10 Blendenstufen), ist diese Bearbeitungstechnik absolut praktikabel. Es gibt aber noch zwei weitere Techniken, die diese Arbeit dem Fotografen teilweise abnehmen: HDR und Exposure Blending. Beide Techniken sind unter dem Begriff DRI zusammengefasst. Für den Fotografen sind die Bearbeitungsschritte zuerst dieselben:

1. Man benötigt mindestens 2, besser aber 3 unterschiedlich belichtete Bilder mit idealerweise 2 Blendenstufen Differenz. Bei noch grösseren Kontrastumfängen können es aber auch entsprechend mehr sein. Nun kann man mit Stativ und Belichtungsreihen relativ einfach die unterschiedlichen Belichtungen machen. Bei Motiven mit weniger als 10 Blendenstufen Kontrastumfang (und das sind ziemlich viele) reicht aber auch ein einzelnes RAW für eine DRI-Bearbeitung. Bei einigen HDR-Programmen kann man sogar das RAW direkt als Ausgangslage verwenden. Ich empfehle aber immer den Umweg über (16bit-)TIFs. Einfach den RAW-Converter starten und mit der Belichtungskorrektur das RAW in 2-3 unterschiedlich belichtete TIFs abspeichern.

2. Das HDR/DRI-Programm starten und die unterschiedlichen Belichtungen laden. Es gibt auf dem Markt sehr viele verschiedene HDR-Programme, Freeware und kostenpflichtige. Ich persönlich arbeite mit dem kostenpflichtigen Photomatix, mit dem ich sehr gute Ergebnisse erziele.

3. Nun geht’s ans Bearbeiten. Je nach HDR/DRI-Software gibt es unterschiedliche Parameter, um dem Bild die Kontrastanpassung zu verpassen, die man wünscht. Das hier ist der heikelste Teil, weil man sehr viel falsch machen kann.

Das wichtigste ist, dass das Bild immer noch natürlich und glaubwürdig aussieht. Es geht ja darum, das Foto so zu bearbeiten, dass es möglichst so aussieht wie wir die Realität mit unseren Augen sehen. Detailzeichnung auch im tiefsten Schatten ist dabei ebenso unnatürlich wie Wolken, die aussehen als stünde der Weltuntergang unmittelbar bevor.

Wichtig ist auch, sogenannte Halos zu vermeiden. Halos sehen aus wie Auren, die um dunklere Objekte vor einem hellen Hintergrund erscheinen. Sie entstehen durch das aufhellen und sehen sehr unnatürlich aus.

Es sind hauptsächlich die angesprochenen Fehler, die HDR-Anfänger immer wieder machen und der Technologie dadurch unter den seriöseren Fotografen einen eher schlechten Ruf vermitteln. Dabei steckt sehr viel Potential in der HDR-Technik. Aber es braucht, wie so oft, die nötige Erfahrung, um gute Ergebnisse erzielen zu können.

4. Wenn man nun ein zufriedenstellendes HDR- oder Exposure-Blending-Ergebnis erreicht hat, speichert man das Bild am besten wieder als 16bit-TIF ab und geht an die Feinabstimmung mit Photoshop & Co. Immer mal wieder muss man Halos entfernen und gewisse Partien abdunkeln oder aufhellen. Ist dies erledigt, hat man nun ein fertiges DRI-Bild.

Anmerkung zum Beispiel oben, weil hier in der verkleinerten Auflösung das finale HDR mit Tone Mapping vielleicht nicht überzeugend wirkt: Wenn man das HDR vergrössert, sieht man deutlich mehr Details als auf allen anderen Bearbeitungsvarianten. Das liegt daran, dass mit dem Tone-Mapping gezielt lokale Details verstärkt werden, indem deren Kontrast unabhängig vom Rest des Bildes erhöht wird. Unser Auge kann diese feinen Details in der Realität bestens erkennen, aber wenn deren Kontrastumfang auf JPEG-Niveau zusammengequetscht wird, verschwinden viele Feinheiten, die eigentlich noch im RAW gespeichert wären. Für mich ist diese Detailverstärkung der unschlagbare Vorteil der HDR-Technologie – wenn man auch Gefahr läuft, das Foto schlussendlich unrealistisch wirken zu lassen.

Anhand eines zweiten Beispiels will ich zeigen, dass man HDR auch bei einem kleineren Kontrastumfang einsetzen kann (die seriösen Fotografen werden an diesem Punkt wahrscheinlich aufschreien und mir sagen wollen, dass man damit einem technisch einwandfreien Bild jegliche Dynamik nimmt). Sehen wir selbst:

Auf den ersten Blick wirkt auch hier die HDR-Version (unten rechts – Klick auf die Bilder öffnet Vollansicht) ähnlich wie das Exposure Blending. Bei näherer Betrachtung fällt aber auf, dass hier am meisten Dynamik von allen Varianten vorhanden ist. Zudem sind die zahlreichen Details viel besser erkennbar.

Ich hoffe, mit meinen Beispielbildern dem einen oder anderen Fotografen die Technologie schmackhaft gemacht zu haben. Meiner Meinung nach wird DRI zu unrecht als Kinderspielzeug oder Effekttool abgetan. Man kann extrem viel aus seinen Bildern herausholen, selbst wenn man nur ein RAW zu verfügung hat.

Ich empfehle aber trotzdem die Variante Stativ + Belichtungsreihe, weil man bei höheren Kontrasten so die besseren Ergebnisse erzielen kann. Für Portraits eignet sich HDR übrigens nicht besonders gut. Hier arbeitet man besser mit den konventionellen Mitteln. Auch Exposure Blending ist durchaus empfehlenswert, wenn etwas besonders glaubwürdig wirken muss.

 

Alle 7 Artikel von Gastautor auf fokussiert.com:

HDR-Tricks vom Experten:
Kontrastreiche Welt

Gastautor, 6. Oktober 2009 um 13.09 Uhr , 11 Kommentare Kommentare

David Kaplan bricht eine Lanze für die Anwendung von HDR, wo immer es einen Gewinn für das Bild bringt. Und das kann sogar bei einer einzelnen Aufnahme in RAW der Fall sein.

Von David Kaplan

Mittlerweile ist HDR (High Dynamic Range) oder DRI (Dynamic Range Increase) wohl den meisten Fotografen ein Begriff. Die Technik dient in allererster Linie dazu, Szenen mit sehr hohem Kontrastumfang ansehnlich in ein Bild zu bekommen. Und das geht auch mit einem einzelnen RAW-Bild, wie wir hier sehen und gleich im Detail erörtern werden:

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Adobe Photoshop CS4 im Test:
Die Top 5 Neuerungen

Gastautor, 15. Januar 2009 um 14.33 Uhr , 1 Kommentar Kommentare

Von Samuel Raymann

Als Interface Designer arbeite ich seit Jahren täglich mit Photoshop und weiteren Adobe-Programmen. Mit Spannung habe ich elfte Version des Bildbearbeitungsgiganten erwartet und getestet. In diesem Beitrag beschreibe ich meine Top 5 Neuerungen:

Platz 5: Tabs

Eine kleine aber feine Neuerung ist der Zugriff auf mehrere geöffnete Dokumente. Wie bei einem Browser erscheinen diese als Tabs am oberen Bildrand und vereinfachen den Wechsel zwischen den geöffneten Bildern. Wird eine neue Datei geöffnet, erscheint sie als aktiver Tab neben den bereits geöffneten. Wem diese Darstellung nicht gefällt, kann unter Voreinstellungen > Benutzeroberfläche die Checkbox “Dokumente als Registerkarte öffnen” deaktivieren. Per drag & drop lassen sich Ebenen und Ordner von einem Tab in den andern kopieren.

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Mittelformat:
Mehr Aufwand und -sehen

Gastautor, 22. August 2008 um 10.30 Uhr , 4 Kommentare Kommentare

In seiner Wahlheimat Shanghai hat Blogger Lukas Hadorn nicht nur die Fotografie entdeckt – sondern auch eine analoge Mittelformatkamera: Die «Seagull» oder «Haiou». Erfahrungsbericht einer Liebesbeziehung (Teil II).

Von Lukas Hadorn, Shanghai (zu Teil I)


Der Blick in die Zauberbox (© Lukas Hadorn)

Zu Beginn war ich natürlich völlig aufgeschmissen. Wie öffnet man das Teil? Wo kommt der Film rein? Und was für ein Film? Wie soll ich den einspannen, und wie bewegt er sich vorwärts?

Nachdem ich die Basisfunktionen einmal erlernt hatte, stellte sich das nächste Problem: Ist ja schön und gut, wenn man Verschluszeit und Blende manuell einstellen kann – aber auf welche Werte? Ich suchte im Internet, fragte bei alten Hasen nach und lernte Weisheiten, die einem längst vergangenen Zeitalter der Fotografie zu entstammen schienen (“Die Sonne lacht – nimm Blende 8″). Ich befand mich auf einem Retro-Trip der Fotografie und liebte jeden Moment daran:

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Mittelformat:
Von Canon zur “Möwe”

Gastautor, 21. August 2008 um 20.34 Uhr , 2 Kommentare Kommentare

In seiner Wahlheimat Shanghai hat Blogger Lukas Hadorn nicht nur die Fotografie entdeckt – sondern auch eine analoge Mittelformatkamera: Die “Seagull” oder “Haiou”. Erfahrungsbericht einer Liebesbeziehung (Teil I).

Von Lukas Hadorn, Shanghai


Chinesische Haiou (© L. Hadorn)

Verschlusszeit? Blende? Fokus? Bis vor ein paar Monaten waren dies Begriffe, die ich zwar zweifelsfrei der Fotografie zuordnen konnte, aber damit hatte es sich auch schon.

Ich besass eine digitale Kompaktkamera, mit der ich Bilder im Automatikmodus knipste.

Das Thema “manuelle Einstellung” reduzierte sich für mich auf die Entscheidung, mit oder ohne Blitz zu fotografieren:

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Apple Aperture 2.1:
Neu mit offener Plug-In-Architektur

Gastautor, 31. März 2008 um 13.14 Uhr , 0 Kommentare Kommentare

Mit dem Update auf Aperture 2.1 führt Apple eine offene Plug-In-Architektur ein. Mit der Aktualisierung wird ein erstes Modul mitgeliefert, welches die partielle Korrektur mit einem Pinselwerkzeug – Abwedeln und Nachbelichten – erlaubt.

Abwedeln und nachbelichten mit Apple Aperture 2.1
Apples Aperture 2.1 lässt das Abwedeln zu – wie anno dazumal in der Dunkelkammer. (Screenshot Michel Rossier)

Von Michel Rossier

Vor einigen Wochen erst veröffentlichte Apple Aperture 2, welches dem Bildnachbearbeitungsprogramm namentlich Gewinne in Sachen Geschwindigkeit und Übersichtlichkeit brachte. Nun reichen die Kalifornier bereits die Version 2.1 nach, die eine neue, offene Plug-In-Architektur einführt. Damit wird es Drittanbietern ermöglicht, Anwendungen und Funktionen für Aperture entwickeln können. Apple wird dazu ein sogenanntes Software Development Kit (SDK) veröffentlichen.

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Apple Aperture 2 Schneller und übersichtlicher

Gastautor, 15. Februar 2008 um 12.34 Uhr , 2 Kommentare Kommentare

Mit der neuen Version von Aperture verbesserte Apple die Geschwindigkeit und sorgte für ein übersichtlicheres Interface. Und auch mit den rund 100 neuen Funktionen rückt Aperture weiter auf zu Adobe Lightroom.

Von Michel Rossier

Screenshot aus Aperture 2 von Apple
Leistungsstarke Bildbearbeitung: Aperture 2 von Apple

Das erste was bei Aperture 2 auffällt, ist die aufgeräumtere Benutzeroberfläche des Programms im Vergleich zu den Vorversionen (und auch im Vergleich zu Adobe Lightroom). Die Bereiche für Projekte, Metadaten und Anpassungen sind nun auf der linken Seite zügig über Reiterkarten aufrufbar.

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Fragen zur Fotografie

Gastautor, 22. September 2007 um 8.20 Uhr , 0 Kommentare Kommentare

Unter dem Titel “Foto.Kunst” präsentiert die Sammlung Essl in Klosterneuburg (Österreich) zur Zeit einige beeindruckende Werke zeitgenössischer Fotografie. Sie sollen aktuelle Fragen zur Entwicklung der Fotokunst aufwerfen.

Von Daniel K. Gebhart

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SAM TAYLOR-WOOD: Bram Stoker’s Chair II (2005)
© Sam Taylor-Wood – Sammlung Essl, Inv. Nr. 5391

Die sechs Themenbereiche “Objektiv Betrachtet – Information versus Manipulation”, “Innen/Außen – Architektur und Urbanität”, “Kultur-Landschaft – Naturfotografie”, “The Exposed Body – Körper, Öffentlichkeit, Gesellschaft”, “Eigen.Art – Selbstinszenierung” und “Geschichten.Erzählen – Strategien des Erzählens in der Fotografie” stecken der Vielfalt der Sammlung so gut wie keine Grenzen und führen räumlich getrennt angenehm durch die Ausstellung.

Sie sollen Fragen aufwerfen:

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