Fotografieren im Museum:
Bildbetrachtung

Museen bieten aus verschiedenen Gründen ein spannendes Umfeld für Fotografen. Das Licht ist anders, die Räume erst recht und die Menschen darin sowieso.

bildbetrachtung

Walter von Emden aus Eningen schreibt zu diesem Bild: Aufgenommen abends im Kunstmuseum Stuttgart. Gereizt hat mich die besondere Architektur mit Sichtachsen über die Stockwerke und quer durch die Ausstellungsräume – aus einer solchen ist auch dies Bild aufgenommen. Neben Architektur und Exponaten ist das Verhalten der Besucher zur Kunst spannend. Das zeigt auch dieses Bild: eine Besucherin mit „geteiltem“ Blick, die sich doch im Bild widerspiegelt. Das finde ich gut eingefangen. Bzgl. Kompositon und Beschnitt (das Bild ist unbeschnitten) bin ich mir nicht sicher. Bearbeitung in LR Belichtung, Kontrast und Klarheit angehoben.

Dort, wo Menschen Kunst betrachten, lässt sich Kunst schaffen. Woran das liegt? Vielleicht am Licht, an der Stimmung, am Kontext. Weiterlesen

Zeitungschaos:
Die Kälte der Stadt

Ein Blickfang und technische Perfektion ergeben noch keine Fotografie. Hier allerdings funktioniert die Kombination in einem unheimlichen Zusammenspiel mit der menschenfeindlichen Szenerie.

Nacht in Zürich, Zeitungen auf der Strasse. Canon 700D, f/16, ISO800, 35mm, 5 Sekunden, ISO 800, © Thomas Schiefke

Canon 700D, f/16, ISO800, 35mm, 5 Sekunden, ISO 800, © Thomas Schiefke

Thomas Schiefke aus Zürich: Ich beschäftige mich erst seit diesem Jahr mit der Fotografie und das Bild kam bei meiner ersten Night Session mit Stativ raus. Ich schlenderte mitten in der Nacht durch Zürich und dabei ist mir dieses Zeitungs-Chaos in der sonst sehr sauberen Stadt aufgefallen. Als ich mich positioniert hatte kam auch gleich eine Reinigungskraft der Stadt und fing an die Zeitungen wegzufegen, man sieht die leichte Unschärfe unten links. Trotzdem bin ich sehr zufrieden mit dem Bild und würde gerne eine Expertenmeinung dazu hören.

Diese Fotografie hat meinen Blick sofort wegen ihrer Schärfe und zugleich dem verwischten Verkehr im Hintergrund erfasst. Sie ist technisch sehr gut gemacht und damit so kühl wie der Chromstahl der Haltestellen-Infrastruktur hier.

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Buick-Hochzeit:
Ein Spiegel ohne Inhalt

Bei Detailfotografien muss klar sein, was das Motiv ist, was es anzuschauen gilt – sonst wird die Aufnahme zum unfreiwilligen Wimmelbild.

Nikon D5200 Aufnahmedaten: 1/400s bei Blende 5/1 mit 250mm Brennweite und ISO 500 @ Patrick Geldmacher

Nikon D5200 Aufnahmedaten: 1/400s bei Blende 5/1 mit 250mm Brennweite und ISO 500 @ Patrick Geldmacher

Patrick Geldmacher aus Mühltal schreibt zu diesem Bild: Ein Freund von uns hatte für seine Hochzeit einen tollen, alten Buick mit dem das Brautpaar ein- und ausfuhr. Dieser war mit Blumen geschmückt, wie auf dem Bild zu sehen.

Deine Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf: Wir sehen, dass da ein Auto mit Blumen geschmückt ist. Aber mehr sehen wir nicht. Das kann nicht sein.

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Bildjournalismus:
Direkter Inhalt

Wenn der Inhalt eines Bildes im Vordergrund steht, haben wir es mit Dokumentarfotografie oder Bildjournalismus zu tun. Ein künstlerischer Anspruch kann durchaus dazu kommen.

Fotografie von allettschuhe an Mahnmal

Sony ILCE7 M2, 1/400s bei f/9, 50mm bei ISO 400 © Adelheid Prünte

Adelheid Prünte aus Menden: An einen wunderschönen Tag im April besuchte ich San Michele, die Friedhofsinsel von Venedig. Dort sind sehr viele Prominente der vergangenen Jahrhunderte beerdigt. Unter anderem auch Serge Diaghilew, der Begründer des Ballets Russes. Am 19. August 1929 starb er in Venedig. Diaghilew war Wegweiser für das moderne Ballett. Mich haben die abgetanzten Ballettschuhe sehr angerührt.

Eine Fotografie, die den Betrachter nicht berührt, ist deswegen nicht generell schlecht. Zwischen Inhalt und Aussage aber steht vielleicht die Definition der „Kunst“. Ein schönes Bild ohne Aussage ist Fashion, Verzierung, Unterhaltung.  Und das Gegenteil ist Dokumentation oder Journalismus – diese Aufgabe kann auch eine Fotografie erledigen, die technisch und als Bild schlecht ist, aber eine wichtige Nachricht transportiert.

In dieser Fotografie ist ein Steinmahnmal oder ein Stück eines Gebäudes zu erkennen, in das mit goldenen Lettern der Name „Diaghilew“ gemeisselt ist. Die Steinfläche liegt im Schatten und nimmt zwei Drittel des Farbbildes ein, im rechten Drittel sind von der Sonne von hinten beleuchtete Ballettschuhe zu sehen, die an das Mahnmal gehängt sind. Weiterlesen

Das Schiff im Wohnviertel:
„Magna Anibong“

Ein Foto, das von Farben lebt, sollte auch entsprechend nachbearbeitet werden.

Canon EOS 500D, Kitobjektiv 18-55mm, 200 ISO, Blende 7, 1/100s und wegen der Mittagszeit in den Tropen eine Belichtungskorrektur von -2 EV - (c) Thorsten Kallnischkies

Canon EOS 500D, Kitobjektiv 18-55mm, 200 ISO, Blende 7, 1/100s und wegen der Mittagszeit in den Tropen eine Belichtungskorrektur von -2 EV – (c) Thorsten Kallnischkies

Thorsten Kallnischkies aus Berlin schreibt zu diesem Bild:

„Ich bin beruflich immer wieder im Ausland unterwegs, diesmal im Zusammenhang mit Aufräumarbeiten nach dem Taifun Hayian, der im November 2013 über die Philippinen hinweggezogen ist und große Verwüstungen hinterlassen und leider auch viele Menschen das Leben gekostet hat. Im Stadteil Anibong in Tacloban wurden sieben Schiffe an Land gespült. Hier stand kein Stein mehr auf dem Anderen. Ein halbes Jahr nach dem Taifun entstand diese Aufnahme, das Leben geht fast weiter wie vor der Katastrophe.

Leider ist die JPG-Datei vom Farbeindruck viel flacher als beim Original in PaintShopPro, möglicherweise habe ich noch nicht die richtigen Einstellungen zum JPG-Export gefunden.
Ich würde mich sehr über Tips freuen, wie ich solche Themen besser „ins Bild setzen“ kann.“

Das Schiff neben den Hütten, die es auch optisch fast verdrängt, war der Blickfang, der mich dazu bewogen hat, Dein Foto auszusuchen. Es wirkt bei der mir vorliegenen Auflösung etwas verschwommen, und die Farben wirken ausgebleicht. Weiterlesen

«Playing Bass»:
Bühnenaufnahme mit zuviel Raum

Bei manchen Fotos macht der Beschnitt das Bild

(c) Olaf Veit

Nikon D800 – F 3.2 – 1/125 Sek.- 100.0 mm – ISO-4000

 

Die Aufnahme entstand während eines Polo Hofer Konzertes. Ich habe diese in schwarzweiss umgewandelt und wäre froh über eine Beurteilung.

Du hast uns eine Bühnenaufnahme eines Konzerts eingereicht, in der der Bassist einer Band „im Augenblick“ zu sehen ist. Er hat die Augen geschlossen, spielt vielleicht ein Solo – man weiß es nicht. Polo Hofer mußte ich zugegebenermaßen erst einmal nachschlagen; es handelt sich um einen Schweizer Mundart-Rocker, und der abgebildete Musiker ist demnach Teil seiner Band. Persönlich mag ich diese Art von Musik, speziell etwa so Leute wie Hubert von Goisern, und wünschte mir, es gäbe mehr ihrer Sorte anstatt des vorherrschenden pseudo-englischen Musikbreis, den man sonst geboten bekommt. Weiterlesen

Leserfoto – „Nudelsuppe“:
Qual der Wahl des Beschnitts

Manchmal ist der beste Beschnitt, keinen vorzunehmen.

(c) Alexander Sprinz

Letztes Jahr in Thailand im Heimatdorf meiner Frau. Eine kleine Suppenküche, jeder kennt jeden und es wird immer gerne und ausführlich über die Alltagsthemen diskutiert.

Analog fotografiert mit einer Minox 35GL und Kodak Gold 200. Entwicklung und Scan stammen vom Großlabor. Bearbeitung mit Gimp, geradegestellt, beschnitten, selektiv konvertiert nach BW mit Betonung auf den roten Kanal, Tiefen etwas angehoben und eine leichte Vignette dazu. Falls für das Fokussiert.com-Team von Interesse, das Ausgangsbild gibt es hier: http://www.rotemorgen.de/wp-content/uploads/2014/03/Bild011_Neg.Nr_.9.jpg

Ich höre häufig die Kritik an der Kritik, daß immer nur empfohlen werde, das Bild zu beschneiden. Vorliegendes Leserfoto ist ein exzellentes Beispiel, wie dieser Entscheidungsprozeß ablaufen mag, und wann man sich gegen einen Beschnitt entscheiden kann.

Du hast hier einen Schnappschuß aus Thailand eingereicht. Zu sehen sind mehrere Leute unter einem Wellblechdach. Eine Frau steht an einem Tisch und bereitet etwas zu. Eine andere neben ihr läuft mit einer Schale Suppe auf zwei wartende Männer zu, die wiederum rechts auf einem Tisch sitzen. Niemand scheint Dich als Fotografen wahrzunehmen. Das Foto ist körnig, und Du hast Dich für eine Schwarzweißumwandlung entschieden, was den Dokumentarcharakter des Bildes noch unterstreicht. Weiterlesen

Leserfoto:
Scheibchenweise …

Die Verwendung von Bewegungsartefakten und Primärfarben zur Veranschaulichung der Bilddynamik möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (7 Bilder)

 
Ausgangsbild

***

Unser Leser Christoph Koch aus Freiburg hat uns das obige Bild unter dem Titel „Dynamics” in der Kategorie ‚Bildjournalismus‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Ich fotografiere seit ca 2-3 Jahren hobby-mäßig; momentan mit einer Canon EOS600D. Das Bild ist Ende November im Rahmen einer (Bild-)reportrage für eine lokale Zeitung entstanden. Ein Freund von mir ist da Volontär und meinte, ich könne doch sicher für seinen Artikel über den Mixed Martial Arts Sport ein paar Bilder machen. Es war das erste Mal, dass ich mit einem geliehenen Blitz (Speedlite 430 EX II) Bilder machte. Die Grundlagen (Blitzen auf den ersten/zweiten Verschlussvorhand; Decke als Diffusor nutzen etc.) habe ich mir noch kurz vorher im Internet angelesen. ;-) Das Bild entstand während des etwa 2-stündigen Trainings in einer mit wenigen – teilweise flackernden – Neonröhren ausgeleuchteten Trainingshalle. Auch wenn MMA ja ein durchaus ‚gewaltvoller‘ Sport ist, war ich von der friedlichen Atmosphäre, sowie von dem Fokus und der Achtsamkeit der Sportler sehr beeindruckt. Viele Bilder strahlen durchaus eine gewisse Harmonie. Wichtig war mir aber auch die Dynamik, die Schnelligkeit und die Konzentration darzustellen (widerspricht sich das?), weshalb ich in diesem Beispiel den Kontrast und die Sättigung (übertrieben?) hochgeregelt habe. Ich bin mir noch etwas unsicher, was den Bildausschnitt angeht, ob die Sättigung ‚too much‘ ist, ob es zuviel Wischbewegungen sind (das Gesicht des Gegners ist ja z.B. gar nicht zu sehen), ob mein Hauptmotiv das Gesicht des am Boden liegenden oder eher die viele Bewegung ist etc. Also: HILFE!”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 600D mit Zoomobjektiv Sigma 18-200mm f/3.5-6.3 DC OS verwendet. Die Brennweite betrug 51 mm (entsprechend knapp 82 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 0,4 Sekunde (mit Blitz, im Sinne der nachgezogenen Bewegungsspuren vermutlich ‚auf den zweiten Vorhang ausgelöst‘) bei Blende f/8,0 und ISO 400.

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Christoph hat dieses experimentelle Bild auch in seinen FC-Account eingestellt, wo es bisher nur wenig Beachtung und keine Kommentierung erfuhr – zu Unrecht, wie ich angesichts der dynamischen Stilmittel meine. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Leserfoto:
Blick auf ein dunkles Kapitel des Arbeitslebens

Eine in der Bildanlage gelungene, dramatische, aber doch auch überarbeitungswürdige Arbeit möchte ich euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Thorsten Kallnischkies aus Berlin hat uns das obige Bild unter dem Titel „Schrottrecycling in Indien” in der Kategorie ‚Bildjournalismus‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Bild habe ich im Mai 2013 aufgenommen, als ich in der Nähe von Kalkutta einige Industriestandorte besucht habe. Ich versuche, für meine Berichte immer, auch Menschen bei der Arbeit zu fotografieren. Ich hoffe, das ist mir einigermaßen gelungen.”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 500D mit dem Kitobjektiv EF-S 18-55mm f/3.5-5.6 verwendet. Die Brennweite betrug 42 mm (entsprechend gut 67 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1,6), die Belichtungsdaten waren 1/100 Sekunde bei Blende f/5,0 und ISO 400.

***

„Sehr düster wirkt das Bild, vieles bleibt hier im Dunkeln, obwohl Thorsten unseren Blick vernehmlich auf Aspekte der Elends- und Kinderarbeit in der Dritten Welt lenken wollte”, dachte ich spontan. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Leserfoto:
Nebelstimmung

Reiz und Tücke des Nebelmotivs wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Michael Fröhlich aus Waren (Müritz) in Mecklenburg-Vorpommern hat uns das obige Bild unter dem Titel „30 42” in der Kategorie ‚Bildjournalismus‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Dieses Foto entstand während einer Reise nach Tuschetien, einer kleinen Bergregion in Georgien im Kaukasus. Gemeinsam mit den tuschetischen Hirten überquerten wir den 2926 hohen Abano-Pass, um die Schafherde über den Winter ins Tal zu treiben. Ich habe dieses Bild ausgewählt, weil es für mich mit am besten die Stimmung während des Abtriebs zum Ausdruck bringt. Die extremen Witterungsbedingungen, die sich in die Länge ziehende Schafherde, die einen geradezu hypnotisch immer weiter voran zieht, und dazwischen immer wieder diese verfallenen Schilder, die das einzige Anzeichen für Zivilisation sind und einen nicht die Hoffnung verlieren lassen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Fotografiert habe ich mit der Canon EOS 5d Mark II und dem 24-105mm von Canon, ISO 400, f11, 1/250sek.”

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