Bildkritiken lesen

Orang Utan:
Ein Bild auf den Punkt bringen

Mit wenigen Schritten kann man in Lightroom ein gutes Ausgangsfoto extrem aufwerten. Bildschnitt, Kontraste und Lichtführung bringen das Bild auf den Punkt.

orangutan

Simon K aus Heusweiler schreibt zu diesem Bild: „Orang Utans sind sehr gefährdete Tiere. Mein Traum ist es einen in freier Wildbahn zu sehen. Leider war mir das bisher nur in Zoos möglich, doch dort sehe ich immer öfters eine Traurigkeit in ihren Augen.“

Du hast bei Deinem Foto ein gutes Auge gehabt und die Motiv-Situation des Orang Utans erkannt und im Bild festgehalten. Es scheint, dass der Orang Utan Blickkontakt zum Betrachter aufnimmt, was meiner Meinung nach das existentielle an diesem Foto ist. Dass er einen traurigen Blick hat, finde ich eigentlich nicht.

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Ameisen-Dinner:
Wie gross ist ein Makrofoto?

Makrofotografie will Kleines möglichst gross abbilden. Ein hochwertiger, grosser Sensor tut dies aber etwas weniger stark als ein kleiner. Und es ist nur eine mässig gute Idee, das Foto nach der Aufnahme weiter zu vergrössern.

Ameisen beim Fressen Makrofotografie

Canon EOS 50D mit Tamron SP 90mm F/2.8 Di VC USD MACRO1:1 bei Blende 9, Belichtungszeit 1/125, 90.0 mm und ISO 800. © Markus Kellmann

Markus Kellmann aus Harpstedt schreibt zu diesem Bild:  Das Foto der Ameisen ist mir diesen Sommer gelungen. Nachdem ich lange erfolglos versucht habe sie an ihrem Loch zu fotografieren, habe ich einen Trick angewendet, um sie länger in Ruhe vor mir zu haben. Ich habe einen Tropfen Sirup auf die Steine geträufelt…und schon waren sie da…und blieben auch.

Was ist der Vergrösserungsfaktor eines Makro-Objektivs? Und was ist ein formatfüllendes Motiv? Dieses Bild wirft solche Fragen auf.

Farbfotografie fressender Ameisen: Wir sehen im Bildzentrum zwei Tiere, die an einem roten Berg in der rechten Bildseite zu fressen scheinen. Das vorne in der Schärfentiefen-Ebene liegende Tier spiegelt sich in der roten Masse, die bei genauem Hinsehen eine Flüssigkeit mit grosser Oberflächenspannung zu sein scheint. Weiterlesen

Mondfotografie:
Nike und der Trabant

Aber, aber. Composite-Bilder mit dem Mond sind ein No-Go, Franz. Wo doch so schon jedes Mond-Bild als „Photoshop! Photoshop!“ verschrieen wird…

1/15s bei 1600 ISO mit 34mm und Blende 4 - © Franz Schmied

1/15s bei 1600 ISO mit 34mm und Blende 4 – © Franz Schmied

Franz Schmied aus Ottensheim: Heute war der Mond am grössten. Ihn zu fotografieren war ja leicht, aber einen guten Vordergrund zu finden war etwas schwieriger.
Die Nike war dann ideal. Allerdings war der Mond viel zu hell, wenn bei der Nike die Belichtung stimmte, also den Mond noch einmal mit einem 500stel und Blende 11…

Man soll nicht päpstlicher sein als der Papst – aber einen Supermond ins Bild zu klonen, tsss.

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Dies ist kein Plakat:
Blick durch die Dimensionen

Wie sehr die Simulation von Räumlichkeit uns in der Fotografie fasziniert, zeigt diese zweidimensionale Abbildung eines dreidimensionalen Plakats mit der zweidimensionalen Abbildung eines dreidimensionalen Menschen. Alles klar?

E-620 Aufnahmedaten: 1/800s bei Blende 50/10 mit 29/1mm Brennweite und ISO 200

Olympus E-620 1/800s bei Blende 5 mit 29mm Brennweite und ISO 200 © Henrik Lauber

Henrik Lauber aus Nienburg schreibt zu diesem Bild: Am Rande einer Straße im Gewerbegebiet fand ich dieses Plakat, das wohl schon eine Weile dort hing. Es wirbt für nichts mehr und trotzig kleben die letzten Reste an einer Holzwand, die nass und schmutzig in einem krassen Gegensatz zu dem edlen Ambiente des Werbebildes steht. Genau diesen Gegensatz fand ich interessant. Die kurze Belichtungszeit habe ich gewählt, weil ich festgestellt habe, dass Bilder in der Hundertprozentansicht oft irgendwie verwackelt sind. Das macht keinen Spaß, deshalb ging ich hier auf Nummer sicher.

Was sehen wir hier eigentlich? Was ist in dieser Fotografie abgebildet? Diese Frage stellt sich unweigerlich beim Betrachten. Das hier sind keine Frauenbeine. Es ist aber auch kein Plakat. Es ist die Fotografie eines Plakats mit Frauenbeinen. Weiterlesen

Annakolibri:
„Schnellschuss“, gelungen

Kolibris im Flug zu fotografieren, ist schwierig, obwohl sie vor den Futterblüten stehen bleiben. Hier ist es mit kurzer Verschlusszeit gelungen.

Annakolibri im Flug

Annakolibri – Canon EOS 100D 1/4000s bei Blende 5.6 mit 250mm Brennweite und ISO 640. © Matthias Hoffmann

Matthias Hoffmann aus San Carlos schreibt zu diesem Bild: Ein Schnappschuss bei uns im Garten. Der Kolibri nascht an einem mexikanischen Salbei. Das ganze ist mit verhältnismäßig einfachen Mitteln aufgenommen: Canon 100D und 55-250mm Objektiv (zusammen unter $600), kein Blitz, da hilft die kalifornische Sonne.

 

Heimweh ist das erste, was mich beim Anblick dieser Vogel-Fotografie (Affiliate-Link) ankommt – selbst im kühlen San Francisco waren die surrenden Winzvögel häufige Gäste an meiner Feuerleiter (Zuckerwasser vorausgesetzt). Sie sind nicht einfach zu fotografieren, aus mehreren Gründen.  Weiterlesen

Fassadenspiegel:
Mehr offen lassen

Spiegelnde Fassaden sind namentlich in klassischer Nachbarschaft ein beliebtes Fotomotiv und eine Kunstart der Architektur. In der Fotografie lassen sie mehr mit sich machen, als einfach nur abzudrücken.

Glasfassade mit gespiegelter Klassik

Nikon D3100 1/80s bei Blende 9 mit 28mm Brennweite und ISO 200 © Markus Geier

Markus Geier aus Ober-Olm: In der Glasfront des quaderförmigen Komplexes spiegeln sich die Fronten der gegenüber liegenden Gebäude derart, dass der Eindruck einer Komposition aus Alt und Neu entsteht.

Stürzende Linien sind in der Architekturfotografie (nicht immer) ein Problem. Hier hätte sich aber weite mehr als die Verzerrung durch die verkippte Kamera überarbeiten lassen.

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Milchstraße:
Blick nach oben

Das Fotografieren des Sternenhimmels ist mit besonderen Herausforderungen verbunden. Bei deren technischer Bewältigung sollte man jedoch kompositorische Überlegungen nicht aus dem Blick verlieren.

Südtiroler Bergstraße @ Fabian Suffel

Südtiroler Bergstraße @ Fabian Suffel

Unser Leser Fabian Suffel aus Stuttgart hat das obige Bild in der Kategorie Landschaft zur Besprechung eingereicht. Er schreibt hierzu:

„Ich beschäftige mich schon längere Zeit mit der Nachtfotografie und wollte daher schon recht lange die Milchstraße ablichten. Nach mehreren Versuchen bei mir in der Gegend musste ich einsehen, dass dieses Unterfangen wohl leider aufgrund der Lichtverschmutzung nicht so realisierbar war, wie ich es mir vorgestellt hatte. Nachdem ich nun für ein paar Tage in Südtirol war, nutze ich die Chance und fuhr auf einen kleinen Pass hinauf. Dort war es dann endlich dunkel genug, um ein solches Ergebnis erzielen zu können.“

Zum Einsatz kam die digitale Kleinbildkamera Canon EOS 6D mit einem starken Weitwinkel von 14 mm Brennweite. Die Belichtung erfolgte über 20 Sekunden bei einer Empfindlichkeit von ISO 5000 und Blende 3.2. Fabian bat um eine schwerpunktmäßige Besprechung des Bildes im Hinblick auf die Komposition und Nachbearbeitung. Weiterlesen

Zeitungschaos:
Die Kälte der Stadt

Ein Blickfang und technische Perfektion ergeben noch keine Fotografie. Hier allerdings funktioniert die Kombination in einem unheimlichen Zusammenspiel mit der menschenfeindlichen Szenerie.

Nacht in Zürich, Zeitungen auf der Strasse. Canon 700D, f/16, ISO800, 35mm, 5 Sekunden, ISO 800, © Thomas Schiefke

Canon 700D, f/16, ISO800, 35mm, 5 Sekunden, ISO 800, © Thomas Schiefke

Thomas Schiefke aus Zürich: Ich beschäftige mich erst seit diesem Jahr mit der Fotografie und das Bild kam bei meiner ersten Night Session mit Stativ raus. Ich schlenderte mitten in der Nacht durch Zürich und dabei ist mir dieses Zeitungs-Chaos in der sonst sehr sauberen Stadt aufgefallen. Als ich mich positioniert hatte kam auch gleich eine Reinigungskraft der Stadt und fing an die Zeitungen wegzufegen, man sieht die leichte Unschärfe unten links. Trotzdem bin ich sehr zufrieden mit dem Bild und würde gerne eine Expertenmeinung dazu hören.

Diese Fotografie hat meinen Blick sofort wegen ihrer Schärfe und zugleich dem verwischten Verkehr im Hintergrund erfasst. Sie ist technisch sehr gut gemacht und damit so kühl wie der Chromstahl der Haltestellen-Infrastruktur hier.

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Upload-Gewinner September:
Abstraktion gewinnt Preis

 Michael Gündling hat mit seinem abstrakten Foto den Monatspreis im September gewonnen. Dicht gefolgt von einem nicht weniger interessanten Foto und einer gelungenen Naturaufnahme.

siegerseptember

Die Bildkritiker haben sich im September für den Upload des Fotos einer Container-Wand mit Spray-Ziffer, Rostspuren und Kette entschieden: Michael Gündling stellte uns die Frage, ob denn solche Abstraktion durch den Sucher-Ausschnitt zulässig sei und ob das Bild die Wirkung hat, die er sich vorstellt. Nun, mit dem Monatspreis ist die Frage wohl beantwortet. Weiterlesen

Buick-Hochzeit:
Ein Spiegel ohne Inhalt

Bei Detailfotografien muss klar sein, was das Motiv ist, was es anzuschauen gilt – sonst wird die Aufnahme zum unfreiwilligen Wimmelbild.

Nikon D5200 Aufnahmedaten: 1/400s bei Blende 5/1 mit 250mm Brennweite und ISO 500 @ Patrick Geldmacher

Nikon D5200 Aufnahmedaten: 1/400s bei Blende 5/1 mit 250mm Brennweite und ISO 500 @ Patrick Geldmacher

Patrick Geldmacher aus Mühltal schreibt zu diesem Bild: Ein Freund von uns hatte für seine Hochzeit einen tollen, alten Buick mit dem das Brautpaar ein- und ausfuhr. Dieser war mit Blumen geschmückt, wie auf dem Bild zu sehen.

Deine Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf: Wir sehen, dass da ein Auto mit Blumen geschmückt ist. Aber mehr sehen wir nicht. Das kann nicht sein.

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