Buchrezension «Ohne Kamera»:
Über Scanography hinaus

Das Fotobuch „Ohne Kamera“ führt uns in eine eigene visuelle Sphäre irgendwo zwischen digitalem Kupferstich und Scanography. Es zeigt das Werk des Scanner-Fotografen Walter Spagerer.

Cover - (c) Walter Spagerer

Cover – (c) Walter Spagerer

Ich habe hier und da über die Jahre versucht, mit meinem Scanner Kunst zu produzieren. Es kam auch ab und an mal etwas Brauchbares dabei heraus, aber häufig sahen die Ergebnisse aus, als hätte ich etwas irgendwie kopiert. Spagerers Buch hat diesen Bemühungen neues Leben eingehaucht, denn er stellt eindrücklich da, was mit einem Scanner alles möglich ist. Weiterlesen

Buchrezension «New York Sleeps»:
Augenschmaus in Schwarzweiß

Den urbanen Raum von Menschen optisch zu „befreien“ mag vielleicht nicht neu sein, aber wenn die Idee mit besonderer Ausrüstung und Film umgesetzt wird, entstehen dennoch faszinierende Fotos, die einen in ihren Bann ziehen. Eine eigentlich totfotografierte Stadt plus ein von anderen auch umgesetztes Konzept vereinen sich in den Bildern Christopher Thomas‘ so zu Motiven, derer man nicht nur nicht müde wird, man möchte sie sammeln.

Brooklyn Bridge - (c) Christopher Thomas

Brooklyn Bridge – (c) Christopher Thomas

„I want to wake up in a city
That never sleeps“

~ Frank Sinatra, „New York, New York“

Jeder, der schon einmal in New York City war, weiß, daß diese Stadt tatsächlich irgendwie nie zur Ruhe kommt. Der Verkehr hört nie auf, und wenn einen nach einer langen Nacht morgens um 3 Uhr noch einmal der Hunger packt, findet man irgendwo irgendein Geschäft, das offen hat. Weiterlesen

Buchrezension «Außen Wildnis Innen»:
Gemischte Gefühle

Allein der künstlerische Gedanke in diesem Buch genügt nicht, wenn seine Umsetzung in anderen nichts auslöst.

Cover

Cover

“Geheimnisvoll am lichten Tag
Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben,
Und was sie deinem Geist nicht offenbaren mag,
Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben.“

Johann Wolfgang von Goethe, „Faust, Der Tragödie erster Teil“, 1808

Ich habe dieses Faust-Zitat immer so interpretiert, daß man Natur aus dem Bauch heraus erfahren muß; analytisch funktioniert es nicht, insbesondere beim Fotografieren. Viele der bekanntesten Naturfotos lösen denn auch in einem ein Gefühl aus.

Ich will ganz ehrlich sein, mit diesen Bildern habe ich gehadert. Es ist nicht leicht, zu ihnen einen Zugang zu finden, und bis zuletzt habe ich damit gekämpft. Was Schwedes uns zeigt, ist ihre Version der Natur, aufgenommen über Jahre hinweg an Stellen, die sie selbst in der Nähe ihres Wohnorts entdeckt und immer wieder aufgesucht hat. Im Grunde genommen an sich ein interessanter Ansatz. Weiterlesen

Buchrezension «Otto»:
Wir sind dann mal weg

Fast 900.000 unglaubliche Kilometer haben Gunther und Christine Holtorf mit ihrem Mercedes Geländewagen der G-Klasse auf DER Weltreise überhaupt zurückgelegt. Das Fotobuch „Otto“ läßt uns daran teilhaben.

Cover

Cover

Schon seit Jahren habe ich die Angewohnheit, meinen Autos Namen zu geben. Wir hatten schon alles mögliche, von „Erlkönig“ bis „Midori“. Die abergläubische Hoffnung war stets, daß das Auto irgendwie länger lebt. Bei „Otto“ hat das funktioniert – 26 Jahre lang hat er Gunther und Christine Holtorf treu gedient. Das gleichnamige Buch illustriert ihre Reise in so ziemlich aller Herren Länder (mit nur wenigen Ausnahmen, die Sicherheitsmängeln geschuldet waren), und es war buchstäblich das, was Amerikaner „trip of a lifetime“ nennen, also die Reise ihres Lebens. Weiterlesen

Buchrezension «Landschaftsfotografie Erleben»:
Ein Dialog mit der Natur

Gute Landschaftsbilder vermitteln dem Betrachter den intuitiven Augenblick, in dem sich alles zu der Entscheidung verbunden hat, auf den Auslöser zu drücken. Stille kann man sehen, so wie man Schönheit fühlen kann; Raymond Clement macht es vor.

Cover

Cover

Es gibt eine Szene in „Avatar“, in der Jake Sully in der Gestalt seines Na’vi Alter Egos mit Eywa, der von den Na’vi verehrten Natur-Muttergöttin, in einer Art bioelektrischer Verbindung kommuniziert. Obwohl ich bei Gott kein Fan des Films bin, in den mich mein damals dreizehnjähriger Sohn geschleppt hat, war dieser Moment das erste, was mir in den Sinn kam, als ich die Bilder von Raymond Clement sah. Er hat diese Verbindung mit der Natur seines heimischen Luxemburg, und das ist in jedem einzelnen Foto sichtbar. Weiterlesen

Buchrezension «Surfing»:
Vom Zeitvertreib zum Kulturphänomen

Kein Sport hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten so rapide und nachhaltig verändert wie das Wellenreiten, oder „Surfing“. Was als Freizeitvergnügen von polynesischen Ureinwohnern begann, hat sich nicht nur zu einem Markt entwickelt, der jedes Jahr Milliarden für Surfboards und Gear umsetzt, sondern es ist für viele Leute nach wie vor ein Lebensstil. Jim Heimann hat die Geschichte des Sports informativ und großzügig bebildert zusammengefaßt.

Cover - (c) Jim Heimann

Cover – (c) Jim Heimann

«Catch a wave, and you’re sitting on the top of the world. » (Beach Boys, “Catch a Wave”)

Surfer sind cool, sexy, trendy – jeder will mit ihnen abhängen, oder mehr noch: er will sein wie sie. Besonders in Hawaii, wo modernes Surfen entstanden ist, und in Australien – das Land, das den Surf-Sport mittlerweile in einer feindlichen Rivalität mit Hawaii dominiert – aber auch darüber hinaus hat sich Surfing zum Kulturphänomen, Mythos, Kult verklärt. Weiterlesen

Buchrezension «Bedouin»:
Zwischen Felsen und widrigem Ort

200.000 Beduinen leben in der Negev Wüsten in Israel buchstäblich im Abraum ihrer Existenz. Stefan Loeber hat ihr Leben eindrücklich festgehalten.

Cover - (c) Stefan Loeber

Cover – (c) Stefan Loeber

Level: Alle
Genre: Fotobuch
Benutzbarkeit*: 8
Preislevel**: €€
Eine aufrüttelnde Dokumentation des Lebens der Beduinen in der Negev Wüste in Israel.
* 1 – eher nicht, 5 – geht so, 10 – super
** € (sehr billig) bis €€€€€ (überteuert)

Es gibt einen Ausdruck im Englischen, „between a rock and a hard place“, der mir in den Sinn kam, als ich die Fotos von Stefan Loeber sah. Übersetzt wird das gerne mit „in der Zwickmühle“ oder „zwischen Hammer und Amboß“. Hier schien das Bild eines Mörsers passender, denn die Menschen, die er uns auf 112 Seiten näherbringt, werden von der sie umgebenden Gesellschaft mehr oder weniger zerrieben. Weiterlesen

Buchrezension «Meilensteine»:
Lust auf Fotografie

In den fast 200 Jahren seit der Erfindung der Fotografie gab es Momente – und Menschen  –  die das Medium nachhaltig geprägt und richtungsweisend verändert haben. Florian Heine hat sie in seinem Buch gesammelt.

Cover - (c) Florian Heine

Cover – (c) Florian Heine

Level: Alle
Genre: Lehrbuch
Benutzbarkeit*: 8
Preislevel**:
Ein Kurzabriß wichtiger Momente – und Menschen – die die Fotografie, wie wir sie kennen, nachhaltig geprägt haben.
* 1 – eher nicht, 5 – geht so, 10 – super
** € (sehr billig) bis €€€€€ (überteuert)

Es ist nicht einfach, Meilensteine der Fotografie in einem Buch abschließend festzuhalten, und schon garnicht auf weniger als 200 Seiten. Man muß sich auf ein paar wesentliche Zeitpunkte und Fotografen/Fotografinnen konzentrieren, und es ist praktisch nicht zu verhindern, daß man ob der getroffenen Auswahl ein paar wegläßt, die andere hinzugefügt hätten.

Heine stellt auch nicht den Anspruch, ein definitives und abschließendes Werk über Fotografiegeschichte geschaffen zu haben, was sowieso eine mehrbändige Enzyklopädie füllen würde, sondern einen Querschnitt, und, in den Worten von Martin Parr, der das Vorwort verfaßt hat, Lust auf Fotografie machen. Das ist ihm meines Erachtens gelungen. Weiterlesen

Buchrezension «Eine Geschichte des Fotojournalismus»:
Die Kamera als Zeitzeuge

In einer Zeit, in der man überall mit Fotos und Video regelrecht überrannt wird, vergißt man gerne, daß es vor dem modernen Phänomen des „Citizen Journalist“ Leute gab, die sich an vorderster Front mit anfänglich primitivster Fototechnik – damals allerdings jeweils das Neueste vom Neuesten ins Getümmel gestürzt haben, und, daß das zu der Zeit revolutionär war.

Cover - (c) Wolfgang Pensold

Cover – (c) Wolfgang Pensold

Level: Alle
Genre: Lehrbuch
Benutzbarkeit*: 9
Preislevel**: €€
Eine Zeitreise durch fast zwei Jahrhunderte Fotojournalismus.
* 1 – eher nicht, 5 – geht so, 10 – super
** € (sehr billig) bis €€€€€ (überteuert)

Mit der Fotografie wurde auch der Fotojournalist geboren, und Pensold schlägt über 200 Seiten für uns den Bogen vom Krimkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts und Roger Fenton, der damals mit Kollodiumplatten im Pferdewagen loszog, zum anonymen „Citizen Journalist“, der breiten Masse von uns, die ihre Smartphones auf alles draufhalten, was aktuell und berichtenswert erscheint. Weiterlesen

Buchrezension «Genesis»:
Mahnung und Liebeserklärung

Eine Mahnung an die Menschen, zugleich aber auch eine Liebeserklärung an den Planeten Erde im Großformat.

(c) Sebastiao Salgado

(c) Sebastiao Salgado

Level: Alle
Genre: Fotobuch
Benutzbarkeit*: 8
Preislevel**: €€
Eine großformatige Liebeserklärung an den Planeten Erde in atemberaubenden Schwarzweißbildern.
* 1 – eher nicht, 5 – geht so, 10 – super
** € (sehr billig) bis €€€€€ (überteuert)

Das Wort „Genesis“ bedeutet „Entstehung“, „Anfang“ oder „Ursprung“. Viele werden dieses Wort als Name für die biblische Schöpfungsgeschichte (1. Buch Mose) kennen, in der beschrieben wird, wie sich die Anhänger des jüdischen und christlichen Glaubens die Entstehung der Welt und des Menschen vorstellen.

Das Buch „Genesis“ des brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado hat nichts mit Religion zu tun und handelt auch nicht von der Entstehung der Welt. Dennoch ist der Name wohlüberlegt gewählt, denn es geht um „die Schöpfung“, also um die Welt und den Menschen. Weiterlesen