Leserfoto:
Eine verpaßte Chance …

Der Autofokus moderner Kameras kann, so er ein Eigenleben führt, manch interessanten Gestaltungsansatz zunichte machen, wie die heutige Bildbesprechung aufzeigen möchte.

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Einleitung
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Bildteil (5 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unsere Leserin Lissi Gerhardt aus Münster hat uns das obige Bild unter dem Titel „Nur wenige große Dinge verdienen Bewunderung” in der Kategorie ‚Stillleben‘ zur Besprechung eingereicht.

Sie schreibt dazu: „Gesehen im Herbst 2013 in der Arabischen Wüste Ägyptens … Nikon Coolpix L20, Blende F/5.5, Belichtungszeit 1/620 Sek., Brennweite 7mm”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Lissi bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die kleinbildäquivalente Brennweite von etwa 40 mm bei einem Formatfaktor von knapp 5,7.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Leserfoto – „Portrait of a Ghost“:
Lichtstimmung und Ausarbeitung

Nachbearbeitung kann als Kontrast zum Bildgegenstand selbst dienen, wenn dieses absichtlich so eingesetzt ist.

(c) Samuel Heermann

Das Foto ist oberhalb des Comer Sees auf einer Burgruine entstanden, wo Gipsmodelle als Geister aufgestellt worden sind.
Besonders der fotografierte Geist hatte es mir angetan, wie er sich so vor der grandiosen Kulisse des Comer Sees in Szene gesetzt hat.
Schwierig fand ich an dem Foto den sehr hellen Hintergrund und den Geist selber, welcher mir im Gegenlicht seine Schattenseite präsentiert hat.
Das Bild ist in RAW aufgenommen (Nikon D7000 mit Nikkor 18-55 3.5-5.6 ED, 46mm Brennweite, Blende 11, 1/160s, 100 ISO) und dann mit Raw Therapee entwickelt worden.
Im Photoshop habe ich das Bild dann nach S/W konvertiert, den Kontrast etwas angehoben, die Tonwerte korrigiert und einen kleinen Ast am oberen Bildrand wegretouchiert.

Du hast uns hier einen Urlaubsschnappschuß der etwas anderen Art eingereicht. Wo man sonst den Lago di Como als grüne Urlaubskulisse, komplett mit blauem Himmel und farbenfrohen Orten geboten bekommt, hast Du ihn hier schwarz-weiß und mit Geist abgelichtet. Mal etwas anderes. Weiterlesen

Leserfoto:
Dramatisches Chiaroscuro

Wie gezielte Unterbelichtung die atmosphärischen Qualitäten einer Porträtaufnahme verbessern kann, möchte die heutige Bildbesprechung aufzeigen.

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Bildteil

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Dieter Lange aus Leipzig hat uns das obige Bild unter dem Titel „Dominique Leonetti (Lazuli)” in der Kategorie ‚Event/Musik‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Foto entstand beim Burg Herzberg Festival 2010 und zeigt den Sänger und Gitarristen der französischen Band Lazuli. Mich faszinierte an dem Bild die ausdrucksvolle Mimik und Gestik. Das hell bestrahlte rechte Auge entstand durch kleine Taschenlampe, mit der sich Dominique Leonetti selbst bestrahlte. Ich habe bis auf einige Feinheiten (kleine Retuschen, einen geringfügigen Beschnitt und eine winzige Drehung) nichts verändert. Beim Fotografieren von Musikern sind Hände wichtig für mich, sie sagen viel aus.”

Zur Ausrüstung und den Aufnahmedaten liegen bei diesem Bild keine Daten vor.

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Zur Gruppe ‚Lazuli‘ mußte ich mich erst einmal etwas schlau machen (auch ich als Kritiker lerne immer gerne noch etwas dazu) …

Auf der Homepage der Gruppe lesen wir: „Quelque part entre rock progressif, chanson, électro et world, la musique atypique de Lazuli, onirique, exploratrice, nous mène hors des sentiers battus.” (Übersetzung: ‚Irgendwo zwischen Progressive Rock, Chanson, Elektro und World [Music] [angesiedelt,] führt uns die unkonventionelle, traumartige und ’sich herantastende‘ Musik von Lazuli von ausgetretenen Pfaden weg.‘). Auf den Videoclips, die ich sah, singt Dominique Leonetti, der Leadsänger der Gruppe, französisch (schön, aber ungewöhnlich!) und mit unglaublich hoher Stimme (ungewöhnlich, aber schön!).

Doch zurück zu Dieters Bild. Betrachten wir dazu zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Leserfoto – “Skogen”:
Meister zitieren

Meister gekonnt zu zitieren ist schwierig. Manchmal zitiert man auch unabsichtlich mehrere gleichzeitig.

(c) Erik Mueller

Hommage an Robert Adams

Ab und zu bekommen wir bei fokussiert Aufnahmen zugesandt, die konkret einen Meister der Malerei oder Fotografie zitieren. Solche Fotos zu besprechen ist immer eine besondere Aufgabe für den Kritiker, denn auf der einen Seite muß man das Bild für sich besprechen und stehen lassen können, auf der anderen Seite sollte ja jemand zitiert werden.

Du hast uns hier ein Waldfoto unter dem Titel „Skogen“ eingereicht. „Skogen“ bedeutet auf Schwedisch „Wald“ und ist der Titel eines Portfolios von Robert Adams. Adams, Jahrgang 1937, ist dafür bekannt, daß er die Veränderungen der Landschaft im Westen der USA über Jahrzehnte hinweg festgehalten hat. Weiterlesen

Leserfoto:
Ein Standbild der Bewegung

Wenn Kopf und Herz des Fotografen mit den Möglichkeiten der Kamera ’neue Welten‘ erschaffen, erhebt sich die Fotografie aus der Niederung der naturalistischen Abbildung.

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Bildteil (6 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Marcus Leusch aus Mainz hat uns das obige Bild unter dem Titel „Nichts ist, wie es scheint – Ein Tagtraum” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Wiesbaden/Hbf.: Eine Treppe, die zu zerfließen beginnt, in der Abwärtsbewegung ein Kind, das sich noch einmal umwendet, offenbar erstaunt, aber dennoch heiter, während eine Schattengestalt auf einem Roller aus den Augenwinkeln und ins Nichts zu entfliehen scheint. Ein sicherer Halt wäre vielleicht das Treppengeländer, wenn es nicht schon selbst deformiert wäre und keine Führung mehr besäße. Mit dem Schatten würde es jetzt wohl in dessen Schlepptau mit in die Dunkelheit gezogen werden, wenn der Fotograf vor den Spiegeln diese merkwürdige Begebenheit nicht bloß geträumt hätte … Aufnahmedaten: Nikon D 700, 85 mm-Objektiv bei Blende 4, Belichtungszeit 1/320, ISO 800, Bearbeitung in Lightroom/Photoshop, Kontrast angehoben”

Über die Ausrüstung (vermutlich die Festbrennweite Nikon AF 85 mm/1,4 D IF) und Aufnahmedaten hatte Marcus bereits berichtet. Zu ergänzen wäre allenfalls noch, daß die abgelesene Brennweite bei der hier verwendeten Vollformatkamera auch der kleinbildäquivalenten entsprach.

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Zuckerwürfel (Quelle: div.)Mit schöner Regelmäßigkeit versorgt uns Marcus mit ansehnlichen und lehrreichen Bildern aus seinem Streetportfolio. Dieses hier jedoch, so meine ich, ist ‚ein ganz besonderes Zuckerle‘ …

Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Leserfoto:
Ein Lichtfeuerwerk

Ein Beispiel dafür, daß die Lebendigkeit einer Szene manche Konstruktions- und Belichtungsprobleme überdecken kann, möchte ich in der heutigen Bildbeprechung vorstellen.

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Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Mathias Ondraczek aus Brilon im nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis (was es alles gibt!) hat uns das obige Bild unter dem Titel „turn on the lights” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „ich habe diese Bild anfang Dezember in Amsterdam gemacht (licht festival) die zwei Lichter sind zwei 3D projecktoren die auf das Museum hermitage gerichtet waren!Ich fand diese Aussicht interessanter als das lichtspiel was auf der Fasade projektiert wurde!”

Zu Ausrüstung und Aufnahmedaten liegen uns diesmal leider keine Informationen vor.

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Mathias Ondraczek: 'Berliner Momente'Mancher von Euch wird sich vielleicht noch an Mathias‘ ‚Berliner Momente‘ (siehe nebenstehendes Bild) erinnern, die wir im August 2013 hier besprochen und diskutiert haben – eine recht atmosphärische, aber aus meiner Sicht auch zu düster ausgearbeitete und damit zu viel verbergende Fotografie.

Doch kehren wir zur heutigen Aufnahme zurück und betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente … Weiterlesen

Leserfoto – «Ain’t No Grave»:
Inspiration und Ausführung

Die Nachbearbeitung ist entscheidend dafür, wie ein Bild auf andere wirkt.

(c) Ekhard Eitel

Dornum (Ostfriesland), die Sammlung ausrangierter Grabkreuze unter der Friedhofslinde erinnert mich an einen Song. „There ain’t no grave can hold my body down“, von Johnny Cash.
Wunderbares Licht! Werde versuchen die Modulation von Licht und Schatten in einer Belichtungsreihe festzuhalten.
Über meinen Kopfhörer läuft „Ain´t no grave“.
Kameradaten: Sony SLT-A-77V; ISO 100; 35 mm; f/6,3; 1/200 sec; plus 2 EV/minus 2 EV. Die Bildbearbeitung erfolgt mit Lightroom, HDR Efex Pro und Photoshop. Um einen weicheren Look zu erzielen, kopiere ich ganz zum Schluß die fertige Ebene und bearbeite diese mit dem Gaußschen Weichzeichner bei etwa 25px und reduziere anschließend bei dieser Ebenenkopie die Deckkraft auf etwa 20%.
(Edit: Bei der Auswahl der Bildkategorie im Formular tue ich mir schwer. Vermisse HDR.)

Der von Dir angesprochene Johnny Cash Song ist eines meiner Lieblingslieder seinerseits, unter anderem, weil er es mit leicht brüchiger Stimme singt – er klingt, als säße ihm der Tod bereits im Nacken. Soweit ich weiß, hat er das Lied sehr kurz vor seinem Tod 2003 aufgenommen, es wurde allerdings erst ein paar Jahre später mit anderen auf einem posthum veröffentlichten Album („American VI: Ain’t No Grave“) auf den Markt gebracht. Insofern eine naheliegende Inspiration für den Titel Deines Bildes. Weiterlesen

Leserfoto:
Spannungsbögen auf engem Raum

Gerade flüchtige und im Sinne von Standardmotiven unscheinbare Szenen haben das Potential zu wirksamen Bildern, wie die heutige Besprechung aufzeigen möchte.

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Bildteil (6 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Bernd Plumhof aus dem rheinland-pfälzischen Gutweiler hat uns das obige Bild unter dem Titel „Bitte recht freundlich” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Beim Besuch einer Dali-Ausstellung in Singapur erwartet den Besucher am Eingang das von starken Scheinwerfern angestrahlte Gesicht des Künstlers. Meiner Freundin, die das leicht verzerrte Gesicht Dalis betrachtete, rief ich zu, sie möge sich bitte für ein Foto umdrehen. Ihrem Blick in die Scheinwerfer folgte sogleich der Auslöser mit 1/30s bei Blende 4 und 50mm Brennweite (ISO 3200). Das Bild habe ich leicht beschnitten und in Schwarz-Weiß konvertiert, damit störende Farben nicht von der Komposition ablenken. Ich persönlich mag das Bild auch wegen der Staffelung vom Gesicht im Mittelpunkt, dem Schatten und den in gleicher Linie liegenden Augen Dalis. Nikon D700 mit Nikkor 24-120 4,0”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Bernd bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch, daß sich die abgelesene und kleinbildäquivalente Brennweite beim hier verwendeten Kleinbildvollformat entsprachen.

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Bernd hatte uns schon einige Bilder zur Besprechung eingesandt. Bei diesem hier sehe ich vergleichsweise die deutlichste Tendenz in Richtung eines eigenständigen Gestaltungsansatzes, der sich nicht in der ‚Beliebigkeit des schon vielfach und manierlich abfotografierten Standardmotivs‘ verliert. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Staatsgalerie Stuttgart:
Experimente mit dem Licht

So etwa um 1920 entdeckten Künstler ganz unterschiedlicher Richtungen die Fotografie als Experimentierfeld und Ausdrucksmittel. Wir denken da nur zum Beispiel an Christian Schad, Man Ray oder László Moholy-Nagy.

Anton Stankowski, Begrüßung Zürich Riedenplatz, 1932-1980, schwarzweiß Fotografie, 31,6 x 24,2 cm, Staatsgalerie Stuttgart, Graphische Sammlung © Stankowski-Stiftung 2014Beispiele für dieses experimentelle Gestalten mit Licht sehen wir aktuell in der Stuttgarter Staatsgalerie – von 16 Künstlern aus der Zeit von 1920 bis etwa 1980.

Am Beginn dieser Entwicklung steht die Neuentdeckung des bereits in der Frühzeit der Fotografie verwendeten Fotogramms, so teilt die Staatsgalerie Stuttgart mit. Die Präsentation beginnt mit dieser Phase des künstlerischen Experimentierens und zeigt Fotogramme von Man Ray, László Moholy-Nagy, der ab 1923 am Bauhaus lehrt und sich dort intensiv mit der Fotografie und der „reinen Gestaltung des Lichtes“ beschäftigt, sowie Victor Vasarely und Anton Stankowski. Christian Schad ist durch eines seiner späteren Fotogramme vertreten, das der zweiten intensiven Beschäftigung mit dem Thema ab 1960 entstammt.

[photos]

Die Staatsgalerie Stuttgart verfügt über einen umfangreichen Bestand an konzeptionellen Werken Sechziger- und Siebzigerjahre, den es ebenfalls wieder zu entdecken gilt. Weiterlesen

Leserfoto – Hamburger Rathaus bei Nacht in HDR:
Effekt und Details

Man sollte, wenn man sich die Zeit nehmen kann, auf Kleinigkeiten achten.

(c) Borg Enders

Als ich meine Nikon D300s vor einigen Jahren gekauft hatte, wollte ich natürlich auch die neuen Kamerafeatures ausprobieren.
Hier mein erster Versuch an einem HDR.
Aufgenommen hatte ich 9 Bilder mit einem Belichtungsunterschied von jeweils +1/3 mit der Belichtungsreihenfunktion.
Diese Bilder wurden dann damals in Adobe Photoshop Elements zusammengefügt.
Leider ist dieses erste HDR auch eins der wenigen HDR Bilder, die mir gelungen sind.
Was denkt ihr? Braucht man 9 Bilder für ein gutes HDR oder anders was sind Tipps, um gute (nicht überzogene) HDRs hinzubekommen?

Vielen Dank schon mal!

HDR-Bilder („High Dynamic Range“) sind ein andauerndes Thema hier bei fokussiert. Wir haben Tutorien darüber veröffentlicht, Kritiken geschrieben, und mit unseren Lesern angeregt diskutiert. Unterm Strich ist HDR Geschmackssache, und seit sie in Mode kam, ist sie eine dieser Bearbeitungsmöglichkeiten, die jeder schon mal irgendwie ausprobiert hat, oder ausprobieren wollte. Wenn sie gut gemacht sind, haben sie einen gewissen „Wow“-Effekt. Wenn sie schlecht gemacht sind, bestechen sie auf negative Art durch überzogene Farben und Aureolen.

Zunächst einmal zu Deiner Frage, wieviele Fotos für ein gutes HDR eigentlich erforderlich sind: auch, wenn Deine Kamera eine Belichtungsreihe von neun Bildern in +/- 1/3 Schritten aufnehmen kann, benötigst Du so viele nicht. Fünf Aufnahmen im Abstand von +/-1 reichen vollkommen. Du kannst es selbst ausprobieren – das menschliche Auge kann diese Feinheiten fast nicht unterscheiden. Ich selbst habe festgestellt, daß es sogar manchmal komplett ausreicht, eine einzige RAW-Datei zu duplizieren und via Photomatix in ein Pseudo-HDR zu verwandeln. Der Effekt wird nicht ganz so stark, aber es fällt kaum auf. Weiterlesen