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Recht am eigenen Bild:
Risiko in der Streetfotografie

Künstlerische Fotografie darf ein bisschen mehr als Bildjournalismus oder Werbefotografie. Wenn Menschen im Bild zu sehen sind, ist aber ein Minimum an Einverständnis nötig.

Sizilien, alte Herren auf der Piazza

Sizilien, © Anette Zabel, Canon EOS 350D, Blende F/6,3, Belichtung 1/60 Sekunde, ISO 400, Brennweite 51 mm

Annette Zabel aus Bretten schreibt zu diesem Bild: Ziel der Aufnahme war es, die Herren nicht zu stören und diese besondere Situation in einem Bergdorf in Sizilien einzufangen. Gemacht wurde die Aufnahme quasi „aus der Hüfte“, also ohne Blick durch die Kamera.

Es ist nett, die Leute, die man fotografiert, nicht zu stören. Jedenfalls ist es viel netter als das, was der Magnum-Fotograf Bruce Gilden auf den Sidewalks von New York abzieht:

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Bildjournalismus:
Direkter Inhalt

Wenn der Inhalt eines Bildes im Vordergrund steht, haben wir es mit Dokumentarfotografie oder Bildjournalismus zu tun. Ein künstlerischer Anspruch kann durchaus dazu kommen.

Fotografie von allettschuhe an Mahnmal

Sony ILCE7 M2, 1/400s bei f/9, 50mm bei ISO 400 © Adelheid Prünte

Adelheid Prünte aus Menden: An einen wunderschönen Tag im April besuchte ich San Michele, die Friedhofsinsel von Venedig. Dort sind sehr viele Prominente der vergangenen Jahrhunderte beerdigt. Unter anderem auch Serge Diaghilew, der Begründer des Ballets Russes. Am 19. August 1929 starb er in Venedig. Diaghilew war Wegweiser für das moderne Ballett. Mich haben die abgetanzten Ballettschuhe sehr angerührt.

Eine Fotografie, die den Betrachter nicht berührt, ist deswegen nicht generell schlecht. Zwischen Inhalt und Aussage aber steht vielleicht die Definition der „Kunst“. Ein schönes Bild ohne Aussage ist Fashion, Verzierung, Unterhaltung.  Und das Gegenteil ist Dokumentation oder Journalismus – diese Aufgabe kann auch eine Fotografie erledigen, die technisch und als Bild schlecht ist, aber eine wichtige Nachricht transportiert.

In dieser Fotografie ist ein Steinmahnmal oder ein Stück eines Gebäudes zu erkennen, in das mit goldenen Lettern der Name „Diaghilew“ gemeisselt ist. Die Steinfläche liegt im Schatten und nimmt zwei Drittel des Farbbildes ein, im rechten Drittel sind von der Sonne von hinten beleuchtete Ballettschuhe zu sehen, die an das Mahnmal gehängt sind. Weiterlesen

Samuel Aranda erzählt…

Samuel Aranda scheut als Fotojournalist keine Gefahren. Mit grade mal 21 Jahren reiste er für die spanische Nachrichtenagentur EFE in den Nahen Osten, um den Israelisch-Palästinensischen Konflikt zu dokumentieren.

Im letzten Jahr fotografierte der nun 33jährige in Tunesien, Ägypten, Libyen und dem Jemen Szenen aus dem Arabischen Frühling – eine dieser Aufnahmen wurde an der World Press Photo zum Pressefoto des Jahres gekürt. Ein Gespräch über Angst, Privatsphäre und das Geheimnis seines Erfolges.
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Schnappschuß mit Flieger:
Wenn es um Sekunden geht

Wenn Bewegungsabläufe nur Sekunden dauern, muß man mit der Situation gut genug vertraut sein, um Dinge vorhersehen zu können. Dann wird man mit Aufnahmen belohnt, die man so nicht hätte fotografieren können.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Thomas Kremshuber).

Kommentar des Fotografen:

Sprung aus einem Flugzeug. Aufgenommen mit einer Canon EOS 450D, 1/500s, f/16, ISO 400, 8mm, Headmount auf einem Helm, Beissauslöser.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Thomas Kremshuber:

In dem von mir vielzitierten Buch „On Being a Photographer“, das auch hier auf fokussiert auf Deutsch besprochen wurde, führt David Hurn seine Vorgehensweise bei Fotoprojekten aus. David Hurn ist Magnum-Mitglied und ein bekannter Dokumentarfotograf, der u.a. durch seine Aufnahmen in Ungarn in den Fünfziger Jahren bekannt wurde, als das Land von den Sowjets besetzt wurde:

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Segelregatta:
Unsichtbare Spannung

Fotografien mit Rück- oder Detailansichten von Aktionen können durchaus spannend sein. Sie müssen aber einen klaren Kontext vermitteln.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ralf Jäger).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand bei einer Segelregatta auf dem Main bei Offenbach, bei der ich die Gelegenheit hatte, auf einem Ordnerboot mitzufahren. Ich finde, dieses Bild bringt gut die Anspannung und die hohe Konzentration zum Ausdruck, die selbst bei Amateurregatten vorhanden sind. Bei der Kategorie hätte ich vielleicht auch Bildjournalismus nehmen können, aber da war ich mir nicht sicher.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Ralf Jäger:

In diesem Farbbild sind zwei Menschen in einem Gewirr von Kabeln, Leinen und technischen Einrichtungen zu sehen. Wir blicken fast genau von hinten auf den Rücken eines Mannes und wahrscheinlich einer Frau, die – dem Baum nach zu schliessen – auf einem Segelboot unter dem Hauptsegel hindurch die Genua beobachten.

Detailansichten von Menschen und Aktionen sind eine gute Methode, an viel fotografierten Anlässen von den Klischees wegzukommen und eine eigene Ansicht zu kreieren. Das hast Du mit dieser Fotografie versucht – aber sie „funktioniert“ leider überhaupt nicht:

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Bildjournalismus:
Auch Mitzieher brauchen Schärfe

Bewegungsunschärfe bietet ein hauptsächliches Problem bei der Aufnahme: Das bewegte Objekt sollte im Gegensatz zum verwischten Hintergrund scharf bleiben.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Peter von Känel).

Kommentar des Fotografen:

Speed. Korat, Thailand. Das Bild lebt von den Farben und der Atmosphäre. Der Dreiradfahrer bewegt sich geschickt durch den Abendverkehr. Durchs Mitziehen vermischen sich die Farben und Lichter. Schwache Vignette hinzugefügt.

Profi Stuart Schwartz meint zum Bild von Peter von Känel:

Ein Mann in Sommerlicher Kleidung fährt in dieser durchgehend bewegungs-unscharfen Fotografie auf einer schwarzen Fahrradrikscha von links nach rechts auf einer Strasse in der Stadt durchs Bild. Die Rikscha mit Dach scheint mit einem Sack oder einer hellen Decke bepackt zu sein und macht einen robusten, leicht altmodischen Eindruck. Das Licht ist sehr gedämpft, es scheint Dämmerung zu herrschen, im Hintergrund sind die brennenden Lichter in den Ladengeschäften als weisse Linien zu erkennen.

Du hast hier versucht, die schnelle Fahrt der Rikscha mit einem Mitzieher einzufangen und dabei eine längere Belichtungszeit gewählt. Das war durchaus erfolgreich, und die Aufnahme zeigt eindeutige Bewegung des Fahrrads. Der Wischeffekt ist wie geünscht entstanden.

Aber in diesem Fall funktionieren einige Dinge der Technik nicht vollständig zugunsten des Bildes.

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Bieler Fototage 2010:
Wider die Vereinheitlichung

Die Bieler Fototage stehen 2010 unter dem Stichwort „Kollateral“. Es werden Fotografen ausgestellt, die der Vereinheitlichung der Bilder widerstehen wollen.


© Olivier Culmann, Autour, 2001-2002

Die Bieler Fototage noch bis zum 26. September vereinen an unterschiedlichen Orten der Stadt insgesamt 21 Ausstellungen. Das Adjektiv „kollateral“ steht für die gleiche Herkunft, für nebeneinander und parallel oder auch indirekt.

[photos title=“Bieler Fototage“ pics=“2 3 4 5″]

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Magnum in Berlin:
Fotojournalismus im Wandel

Die Digitalisierung der Fotografie verändert den Bildjournalismus. Diesen Wandel spiegelt die aktuelle Ausstellung der legendären Fotoagentur Magnum in Berlin.

Trent Parke: Australia. Gold Coast. Broadbeach. 2006 © MAGNUM Photos . Agentur Focus

„Shifting Media“ heißt die Ausstellung im Berliner C/O – das Medium verändert sich und die Fotografie bekommt eine neue Rolle. Wenn jeder Handy-Nutzer Bilder von aktuellen Geschehnissen in die Welt schicken kann, werden Bildreporter zunehmend überflüssig. Weiterlesen

Swiss Photo Award:
Prostitution im Tessin

Der Swiss Photo Award ging in diesem Jahr an Jacek Pulawski. Seine prämierte Reportage: ein Wochenende mit einem Transsexuellen aus Chiasso.

Jacek Pulawski – aus: Un weekend con un transessuale di Chiasso (Quadrantaria in Ticino)

Zum zwölften Mal vergab Ewz.Selection den Swiss Photo Award für die besten Arbeiten des vergangenen Jahres mit insgesamt 35.000 Franken Preisgeldern. Achtung: Die Arbeiten aller 18 nominierten Fotografinnen und Fotografen sind nur bis 16. Mai in Zürich ausgestellt.

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Fotografien aus 12 Monaten:
Worldpressphoto Awards 2010

Die besten Presse-Fotos des Jahres 2009 sind gekürt. Alle sind dramatisch, viele sind leider blutig und schockierend. Das Top-Bild allerdings ist ebenso stimmungsvoll wie politisch bedeutend.

Klick für Legende und Vollansicht. (Bilder keystone)

Die World Press Photo-Organisation hat die Siegerbilder des Jahres 2009 bekannt gegeben. Es handelt sich bei diesen Fotos um ausgesprochen journalistische Arbeiten:

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