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Geschmackssache:
Der Mythos vom guten Foto

Was macht ein Foto zu einem guten Foto? Eine Antwort auf diese Frage, die nicht jedem gefällt.

Geschmackssache: Der Mythos vom guten Foto

Geschmackssache: Der Mythos vom guten Foto

Kürzlich führte ich eine Diskussion über Fotografie, in der unter anderem darüber gesprochen wurde, ob ein bestimmtes Foto ein gutes Foto sei. Das hat mir etwas zu denken gegeben, denn diese Floskel nutze ich auch hin und wieder, ohne mir weiter Gedanken darüber zu machen. Doch was bedeutet das eigentlich? Und was ist ein „gutes Foto“ eigentlich und wer bestimmt das?

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Fotografisches Knowhow:
Lernen durch Kritik

© Carsten Schröder

© Carsten Schröder

Ob ein Bild im Auge des Betrachters für gut oder weniger gut empfunden wird, hängt von verschiedensten Faktoren ab, auf die hier im Rahmen der Bildkritiken auf fokussiert.com ja sehr oft eingegangen wird.

Was ist überhaupt eine Kritik? Dem Wort lastet in irgendeiner, zu unrechter Weise, ein negativer Touch an.

Bei unseren Bildkritiken geht es um konstruktive Kritik, also die Art Kritik, die man sich anhört/liest, vielleicht auch selbstreflektierend liest, und dann bei den nächsten Aufnahmen evtl. mit in die Fotografie einfließen lassen kann. Kann, nicht muss. Weiterlesen

Siegerfotos im Juli:
Rainshower

Ab Juli haben wir die eingereichten Fotografien erstmals nach einer langen Pause wieder nach Originalität, Umsetzung, fotografischem Eindruck und unseren Vorlieben bewerten können, und wir haben einen Sieger und vier Bilder auf den Rängen.

Die Top-Einreichungen vom Juli 2016: Rainshower, Schwankende Gestalten, Sternboot, Ohne eine Spur von Reue verliess Frau Emma den Tatort, Ackerrillen.

Die Top-Einreichungen vom Juli 2016: Rainshower, Schwankende Gestalten, Sternboot, Ohne eine Spur von Reue verliess Frau Emma den Tatort, Ackerrillen.

Dieser Artikel kommt fast einen Monat zu spät, aber er kommt: Die Kritiker von Fokussiert.com haben bestimmt, welche der im Juli eingereichten Fotografien sie am meisten beeindruckt haben. Auf dem ersten Platz liegt, wenig verwunderlich, das bereits in einer Kritik gewürdigte Nass-Selbstporträt „Rainshower“. Dicht dahinter folgen ein halbabstraktes Street-Bild, eine Konzeptfotografie, eine grafisch anmutende Fotografie aus der Landwirtschaft und eine Lichtmalerei.

Der erste Preis geht damit an Manuel Stülten aus Hamburg, der sich aus den verfügbaren Büchern einen Preis aussuchen kann.  Weiterlesen

Datenpanne:
Bitte nochmals hochladen!

Wer uns seit April eine Fotografie zur Kritik hochgeladen hat, möge den Vorgang wiederholen… leider hat unser Tool gestreikt.

Das Problem auf dem Schnabel nicht gesehen. © MrLewis

Das Problem auf dem Schnabel nicht gesehen. © MrLewis

Asche auf mein Haupt: Was ich, ohne genaues Hinsehen, für einen drastischen Einbruch bei der Einreichung von Fotos für die Bildkritik gehalten habe, entpuppt sich als Datenbank-Panne. Tatsächlich sind die Uploads seit Mitte April nur noch sporadisch bis zu uns durchgedrungen – die Einsender der Beiträge haben aber dennoch eine Bestätigung erhalten!

Das heisst, wir haben zwar die Bilder bei uns, aber wir wissen nicht, von wem sie kamen, wir kennen weder Kategorie noch Titel etc. (das gilt nur für die Bildkritik, nicht für das Fotobuchprojekt). Für den dummen Fehler bitten wir um Entschuldigung. Er hat Folgen:  Weiterlesen

Kostenlose Bildrezension:
„Das Foto meines Lebens“

Wir brauchen mehr Einsendungen für unsere Bildkritik. Schickt uns Eure Fotos, profitiert von einer kostenlosen Bildbesprechung und der Diskussion mit dem Publikum!

Libellenbild

Libelle auf Schilfblatt © 2016 Brigitte Hoffstadt

In einem knappen Monat wird fokussiert.com neun Jahre alt und damit zum Beweis einer Theorie: Derjenigen, dass aller Demokratisierung der Medien und einem Überfluss an Fotoblogs zum Trotz ein Bedürfnis nach vertiefter Auseinandersetzung mit dem eigenen Schaffen besteht. Anders gesagt: Weiterlesen

Im „Netz“:
Der Teppichweber

Allein schon der Fokus kann aus einem vorhersagbaren Bild etwas vollständig anderes, einen „Hingucker“, machen.

Ausgangsfoto

Ausgangsfoto

Unser Leser Bernd Plumhof aus dem rheinland-pfälzischen Gutweiler hat uns das obige Bild unter dem Titel „Teppichweber” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Beim Spaziergang durch Mahdias Gassen (Tunesien) betrat ich eine der Webstuben und habe mich bei der Aufnahme diesmal auf die Fäden konzentriert. Ein Bild der Ruhe, trotzdem gehen die Augen hin und her, suchen das verschwommene Gesicht und kehren immer wieder zu den weißen Baumwollfäden zurück … Leica Digilux2 mit Festobjektiv; 22,5 (KB 45 mm); 1/60 s.; Blende 2,8; ISO 400.

Anderen Leuten beim Arbeiten zuzusehen, besonders, wenn das, was sie tun, nicht in den heimischen Kulturkreis paßt, ist immer faszinierend. Heimischen Töpfern oder Glasbläsern könnte ich stundenlang zuschauen, genauso wie Straßenverkäufern in Mexiko beispielsweise, die von Hand Tacos pressen. Dieses Foto hast Du von einem Teppichweber gemacht, und das hätte ein ganz banaler Urlaubsschnappschuß sein können, wenn da nicht die Art der Aufnahme wäre. Weiterlesen

Haustierfotografie:
Katzencontent, einmal anders

Milly und Molly wollen raus. Und ihre Schnauzen ergeben ein ebenso interessantes wie symbolträchtiges Haustierbild: Die Mäuse schnuppern den Duft der Freiheit.

Mäuseschnautzen hinter Gitter - Haustierfotografie

Molly und Milly wollen raus. Nikon D7000/AF-S Micro 105mm 1:2.8 G ED.

Carsten Fuchs aus Hamburg hat dieses Bild unter dem Titel  „Freiheit atmen” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Während meine Tochter den Mäusekäfig nach dem Saubermachen wieder einrichtete, setzte ich die Box mit den ausquartierten Mäusen Milly und Molly auf die Fensterbank. Die tobenden Mäuse mit strahlenden Barthaaren und Kirchenfenstern in einem speziellen Gegenlicht ließen mich die Kamera holen und draufhalten. Aus der Serie reiche ich hier das erste von zwei Bildern ein, die herausstachen. Die (zu?) hohe Dynamik des verdeckten Gegenlichts und die Form der Luftschlitze ergeben hier in meine Augen einen neuen Blick auf die beiden nicht gleich zu erkennenden süssen Mäuseschnauzen mit Bartbokeh. Das Bild ist auf drei (statt vier) Rundbögen beschnitten, mit LR in S/W entwickelt. Dabei habe ich die ‚Klarheit‘ erhöht und die sehr hellen Stellen oberhalb der Nase etwas abgedunkelt. Das sind für mich Schnappschüsse, da das ganze zufällig entstand und überraschende Bilder ‚verursachte‘. Außerdem war es verdammt schwierig, die beiden Hektikerinnen zu erwischen…

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Versunken im Augenblick:
Straßenszene in Tunesien

Der Aufnahmestandpunkt und der Augenblick, in dem man auf den Auslöser drückt, bestimmen maßgeblich das fotografische Endergebnis. Wenn beide perfekt zusammenkommen, sieht man das im Bild.

Leica Digilux2 mit Festobjektiv, BW 22,5 (KB 45 mm); 1/500 s; Blende 8; ISO 100 – © Bernd Plumhof

Anmerkung: Dieser Beitrag schließt sich inhaltlich an eine andere Bildkritik an, die ich vor Jahren über ein Foto von Bernd geschrieben habe. Gleicher Markt, anderes Motiv.

Unser Leser Bernd Plumhof aus dem rheinland-pfälzischen Gutweiler hat uns das obige Bild unter dem Titel „Straßenszene in Tunesien” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu:

„Hier in Douz spielt sich ein großer Teil des Tages auf bzw. an der Straße ab. Auf dem Pflaster hocken die Männer konzentriert beim ‚Zocken‘. Vom Geschehen um sie herum haben sie sich innerlich distanziert. Ein paar Fußgänger, Mopeds und Fahrräder im Hintergrund deuten das an. Die Männer sitzen – ungewohnt – nicht im Schatten des mächtigen Baums, da musste ich einfach den Auslöser drücken, ohne viel zu fragen.”

Als ich Dein Foto zum ersten Mal sah, dachte ich, es handele sich um Statisten in einem Film oder etwas ähnliches. Dann realisiert man, daß die Gruppe authentisch sein muß. Was sie genau spielen, konnte ich nicht ausmachen – Karten scheinen es jedenfalls nicht zu sein. Weiterlesen

Abstraktion aus der Kamera:
Bewegte Brücke

Mit minimalen Belichtungsverfehlungen lassen sich zeitweilig sehr spannende Fotos machen. Hier hat der Fotograf die Kamera bewegt – und ein paar andere Tricks angewandt.

Oberbaum-Brücke in Berlin in Bewegung

Oberbaum-Brücke in Berlin in Bewegung. © Martin Wolfert

Martin Wolfert aus Waldbronn: Das Foto habe ich in Berlin auf der Oberbaumbrücke mit einer längeren Belichtungszeit mit meiner Fuji X100 (Affiliate-Link) aufgenommen.
Während des Auslösens habe ich die Kamera ein wenig vertikal nach oben gezogen, um den Bewegungseffekt zu erreichen. Das Foto wurde in Photoshop unter Zuhilfenahme verschiedener Ebenen und zwei zusätzlichen Hintergrundbildern stark bearbeitet. Das Ziel meiner Bearbeitung war es, die Lichtstimmung in der Bildmitte vom dunklen Vordergrund zu separieren, und beides abstrakt zu „interpretieren“.

In diesem quadratisch geschnittenen Bild blickt der Betrachter durch den Innenraum einer gedeckten, stark abstrahierten (Holz-) Brücke in den hellen Teil. Dort sind mindestens vier Personen knapp erkennbar, die aus dem Bild heraus auf den Betrachter zuzugehen scheinen. Die Aufnahme wirkt in der Vertikalen stark bewegt, hat etwas von einem Aquarell, weist aber auch einen durchgehenden Schleier eines Marmor-Musters auf und zeigt in der Bildmitte einen seltsam glühenden roten Punkt.

Der Punkt: Er stört mich, muss ich sagen. Wie überhaupt die zweite Bildebene. Aber der Reihe nach: Weiterlesen

Gesten-Foto:
Über den Ausdruck

Kurzbildkritik: Wenn man eine Geste darstellen will, muss man alle Akzente beachten. Dieses Bild ist etwas zu eindimensional.

Mann zeigt sich an die Stirn - Fotografie zur Geste

Die Erleuchtung © Christian Richter

Unser Leser Christian Richter aus dem hessischen Neu-Isenburg hat uns das obige Bild unter dem Titel „Die Erleuchtung” in der Kategorie ‚Portrait‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Nach langem Grübeln kam ihm die Idee …”

Das Bild ist gemäss EXIF mit einer Sigma SD10 bei ISO 100 mit 1/80Sekunde und Blende 1 (so was gab’s zumindest mal von Canon, den Weltrekord in Lichtstärkehat aber inzwischen Leica) aufgenommen worden.

Die Bildanlage ist schon recht mittig, doch der Spannungsbogen zwischen Kopf und Hand mildert das Ganze etwas und läßt die Komposition nicht allzu statisch wirken.

Der Hintergrund ist vielleicht nicht in der Weise bereinigt bzw. freigestellt, wie man es sich für ein Porträt wünschen würde, doch finden wir hier andererseits auch keine allzu störenden Elemente.

Bei der Struktur fiel mir auf, daß das Bild insgesamt etwas unscharf, fast weichgespült wirkt. Hier vermute ich eine sehr aktive Rauschreduktion am Werk.

Was mich hier aber besonders umtreibt, ist Christians Bildbeschreibung bzw. -konzeption.

Dabei geht es ja um Ausdruckspsychologie und da muß ich vielleicht auch einige Rückgriffe auf meinen Zweitberuf eines Psychotherapeuten machen: eine ‚Heureka-Geste‘ beinhaltete demnach ein Erstaunen, ausgedrückt durch aufgerissene, zumeist noch oben gewandte Augen, untermalt von Freude und mit einem Finger, der noch an der Schläfe oder schon in der Luft sein mag.

Hier sehen wir hingegen herabgezogene Mundwinkel, einen finsteren Ausdruck und starren Blick, was eher als ‚Tocktock-Geste‘ auszulesen wäre …