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Abstraktes Architekturfoto:
Hong Kong Vertigo

Manchmal helfen Regeln gar nichts, um die Faszination einer Fotografie zu ergründen. Hier wird der Blick entlang zweier Hochhäuser in den Nachthimmel zum abstrakten Kunstwerk. Nichts erklärt dem Hirn des Betrachters, was er hier wirklich sieht.

Zwei Fassaden in Hong Kong gegen den Nachthimmel

Pentax K3, 2.5s bei f/11 und ISO 100. © Christoph Merklein

Christoph Merklein aus Würzburg schreibt zu diesem Bild: Ein Blick von unten nach oben. Aufgenommen in Hong Kong im Frühjahr diesen Jahres. Besonderen Wert habe ich hierbei auf die symmetrische Anordnung der Bildelemente gelegt.

Auf den ersten Blick ist bei dieser fast monochromatischen Hochformat-Farbfotografie nicht erkennbar, worum es sich handelt. Auf der linken Seite erstreckt sich eine zweigeteilte Struktur mit komplexer Oberfläche auf den Fluchtpunkt in der Bildmitte zu. Rechts davon streckt sich dem Bildzentrum eine rechteckige, schwarze Struktur entgegen. Den Hintergrund der in braun bis schwarz gehaltenen Fotografie scheint ein dunkler Nebel zu bilden.

Die Beschreibung offenbart bereits, was diese Aufnahme mit einem machen kann: Weiterlesen

Vor dem Abriss:
Staffelung von Raum und Zeit

Um die Ästhetik und Bildwirkung von Industrieruinen soll es in der heutigen Bildbesprechung gehen.

Ausgangsbild

Unser Leser Christian Fehse aus dem niedersächsischen Bramsche hat uns das obige Bild unter dem Titel „Meisterbüro” in der Kategorie ‚Architektur‘ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu:

„Das Bild zeigt den Flur eines Meisterbüros wie man es in vielen großen Werkshallen meist oberhalb eines Tores auf halber Hallenhöhe findet. Dieser Flur wurde 1996 im Sommer vor dem Abriss des gesamten Areals aufgenommen. Zu dem Zeitpunkt war das Werk ungefähr sieben Jahre stillgelegt. Rechts die Türen zu den Büros an der Außenwand, links die Fenster zur Halle. Die Raufasertapete an der Wand bis zur halben Höhe mit glänzender Ölfarbe gestrichen (abwaschbar wegen der dreckigen Finger!). Was mich immer wieder neben der Stille und dem Frieden, den solche verlassenen Bauwerke ausstrahlen, fasziniert, ist wie schnell aus Architektur nur noch Geometrie wird. Nach sieben Jahren ist von der Funktion kaum etwas zu sehen. 40 Jahre haben Leute da gesessen, für die das ‚Werk‘ mit zu dem Wichtigsten im Leben gehört hat und nen paar Jahre später stehe ich machmittags in fast völliger Stille und fotografiere die Symmetrie des Raumes – irgendeiner hat sogar das verrostete Faß passend vor die Klotür gestellt. Ich könnte sowas jeden Tag machen. *gg* Zur Technik: Yashica MAT 124G Aufnahmeobjektiv 80mm f/3.5 (ca. 46mm kleinbild equivalent) wahrscheinlich bei f/8 oder mehr und 1/125s, Film Ilford Delta 100 ISO 100.”

Über Ausrüstung (analoges Mittelformat mit Zwillingsobjektiv als Rolleiflex-Nachbau, für 6×6-Rollenfilm) und Aufnahmedaten hatte Christian bereits berichtet.

Es ist mir eine große Freude, wieder einmal eine ‚gute alte Analogfotografie, noch dazu in Schwarzweiß‘ besprechen zu können – auch hierfür soll bei ‚Fokussiert‘ Platz sein, wie ich meine … doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente … Weiterlesen

„Bahnsteig“:
Bewegung vs. Stillstand

Die Linie ist hervorragend geeignet, den Blick des Betrachters zu lenken, Räume aufzuteilen und Dynamik oder Statik zu symbolisieren. Dem Fotografen bietet sie ein einfaches, aber mächtiges Kompositionselement. Wirkungen und Nebenwirkungen wollen wir uns in der folgenden Bildbesprechung vor Augen halten.

bahnsteig3

Unser Leser Bruno Reuter aus dem unterfränkischen Kleinostheim hat uns das obige Bild unter dem Titel „Bahnsteig” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Beim Betrachten des Bildes \“MTA\“ von Emil Licht erinnerte ich mich an ein ähnliches Bild von mir. Es entstand an einer Bahnstation in Amsterdam. Ich kam gerade die Treppe hoch und habe schnell das Bild gemacht, im nächsten Moment ging der junge Mann im Vordergrund auch weiter. Ich wollte die Mischung aus Stillstand und Bewegung festhalten. Später fiel mir dann auch die extreme blaue Farbe au, die durch die Fenster zu sehen ist.”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten ist hier nichts bekannt. Das von Bruno mit 4996 Pixel mal 3378 Pixel eingereichte Bild ist für normale Monitore doch etwas groß, so daß ich es für unsere Zwecke auf 1000 Pixel mal 676 Pixel verkleinert habe. Unverändert zeigt sich im Vorschaubild ein kräftiges Moiré, was allerdings im Vollbild verschwindet.

Die Belichtung zeigt sich dem Betrachter ausgewogen. Ein Blick auf das Histogramm bestätigt diesen Eindruck. Die Mehrheit der Tonwerte bewegt sich in den Zonen I bis VII. Geringfügige Abbrüche sind lediglich im Lichterbereich zu verzeichnen. Da es sich hierbei um die Lampen oberhalb des einfahrenden Zuges handelt, sehe ich dies als unproblematisch an. Einzig die Bahnhofsuhr scheint etwas überblendet. Hier hätte man eventuell in der Nachbearbeitung über das Werkzeug “Lichter wiederherstellen” nachjustieren können.

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Holocaust Denkmal in Schwarzweiß:
Standpunkt und Perspektive

Totfotografierte oder schwierig zu fotografierende Motive kann man interessant gestalten, indem man „einfach“ seinen Standpunkt oder den Blickwinkel verändert.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© kirsten heinrich).

Kommentar des Fotografen:

Das Berliner Stelenfeld lockt uns wohl alle immer wieder. Ich war dort mehrfach, war nie mit meinen Ergebnissen zufrieden.
Hier habe ich erstmals eine Möglichkeit gesehen, den ablenkenden Hintergrund aus dem Bild zu halten ohne an Wirkung zu verlieren. 17 mm 1/15 f 9 iso 200

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von kirsten heinrich:

Ab und zu finden wir hier auf fokussiert Aufnahmen von vielfotografierten Motiven, bei denen die Hauptkritik aus der Leserschaft lautet: haben wir alles schon zig-mal gesehen. Ein Beispiel aus jüngerer Zeit war eines, das nachts vom Kölner Dom aufgenommen wurde. Weiterlesen

Fotografische Komposition (2/3):
Optische Spannung im Bild

Im ersten Teil über die Grundregeln der Bildgestaltung wurde aufgezeigt, wie mittels Goldenem Schnitt eine optische Spannung im Bild erzeugt werden kann. Der zweite Teil widmet sich nun der Perspektive.

Perspektive und Blickwinkel
Egal, ob man eine Stadtszene fotografiert oder ein Porträt – man muß sich darüber klar sein, wo die Horizontallinie verläuft, und in welchem Verhältnis zu ihr die anderen Elemente angeordnet sind. Weiterlesen

Venedig bei Nacht:
Der Canale in „manuellem HDR“

Liebe zum Detail lohnt sich, auch wenn das Ergebnis nicht vollkommen perfekt ist.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Claudia Portmann-Caminada).

Kommentar des Fotografen:

Mein Ziel war es, von der Rialtobrücke aus die wunderbare Architektur Venedigs, das Leben am und auf dem Wasser und gleichzeitig auch die Ruhe des Canale auf meinem Bild festzuhalten. Dies „by night“. HDR Software macht mich meistens nicht glücklich. Ich habe eine Belichtungsreihe von 3 Fotos erstellt und diese manuell in CS5 zusammengefügt. Ich bin gespannt, was Profis zu meinem Bild sagen. Bei der Wahl der Kategorie bin ich unschlüssig.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Claudia Portmann-Caminada:

Zunächst einmal Glückwunsch zu diesem meines Erachtens beeindruckenden Foto. Wie schon oft erwähnt ist es extrem schwierig, von bekannten Motiven noch interessante Fotos zu machen, und wenn sie dann noch so bekannt sind wie der Canale, fast unmöglich. Trotzdem hast Du es geschafft, mir hier etwas Neues zu bieten – Hut ab!

Du schreibst, HDR Software mache Dich meistens nicht glücklich. Wenn ich Dir auch insofern recht geben muß, daß oft unerwünschte Effekte mit ins Bild kommen, hätte HDR, etwa durch Photomatix hergestellt, hier sicherlich auch einen interessanten Effekt ergeben:

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Regelbrüche:
Den Pfeffer dosieren

Fotografische Regeln können und sollen manchmal gebrochen werden. Das muss allerdings Sinn machen und im richtigen Mass erfolgen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Andrea Gerber).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Foto entstand bei einem Spaziergang. Wenn ich die Kamera dabei habe, drehe ich mich öfters mal zurück, um eine neue Perspektive auf die gerade passierte Landschaft zu bekommen. Und da fiel mein Blick sofort auf diesen geschlängelten Weg. Viel bearbeitet habe ich es nicht, nur Kontraste erhöht, in S/W umgewandelt und ins Quadrat gebracht. Mir gefällt es am Besten mit fettem weissen Rahmen drumherum, den habe ich für euch aber weggelassen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Andrea Gerber:

Ein Feldweg schlängelt sich in diesem quadratischen Schwarz-Weiss-Bild in drei Mäandern durch eine hochsommerliche Wiese. Am unteren Bildrand formatfüllend, zieht sich das Band der Fahrspuren, zwischen denen etwas Gras wächst, mittig in den Bildhintergrund. Dort ist ein Waldrand und der stark nach links kippende Horizont erkennbar.

Ich bin mir nicht sicher, ob die Kategorisierung „Landschaftsfotografie“ hier ideal ist, aber bis zu einem gewissen Grad definiert die Einteilung ja auch die Absicht der Fotografin.

Die Aufnahme hat auf jeden Fall einen attraktiven Blickfang:

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Winterlandschaft:
Reduktion ins Detail

Minimalismus wirkt besonders, wenn er nicht simplifiziert. Vielschichtigkeit ist eine seltene Qualität.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alexander Fechner).

Kommentar des Fotografen:

Brandenburg – Dez 2010

Peter Sennhauser meint zum Bild von Alexander Fechner:

Eine Winterlandschaft, weiss in weiss, in der Horizontalen zweigeteilt durch eine aus der linken Bildseite in einen Fluchtpunkt etwa im Goldenen Schnitt rechts verlaufenden Baumreihe. Die Bäume sind von überfrierendem Nebel ebenfalls weiss eingefärbt und heben sich mit der Schattenseite zum Betrachter in dunklem Blau vom helleren, von Wolken durchzogenen Himmel der oberen Bildhälfte ab.

Diese Fotografie kann ich mir an vielen (prominenten) Orten publiziert vorstellen:

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Bus-Schnappschuss:
Lomographische Spannung

Schnappschüsse weisen bisweilen eine kaum erklärbare Ästhetik auf. Eine Analyse lohnt sich.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Simon Näher).

Kommentar des Fotografen:

Etwas, das mir am Morgen oft passiert: der Bus fährt mir vor der Nase weg. Diesmal ist mir der Bus nach einer Tour mit der Kamera durch die Stadt vor der Nase davon gefahren, die Kamera hatte ich noch griffbereit. Mir gefällt die leichte Unschärfe und die Spiegelungen in den Fenstern. In Varianten sehe ich diese Spiegelungen in den Fenstern der mir davon fahrenden Bussen oft…

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Simon Näher:

Ein (Zürcher?) Stadtbus fährt dicht an der Kamera vorbei nach rechts oben im Bild. Im Vordergrund ist der Rand des Gehsteigs und ein Stück Zebrastreifen zu erkennen, der Bus selber löst sich nach rechts oben in etwas Bewegungsunschärfe und gleichzeitig in der Spiegelung der Fassade von der andern Strassenseite auf. In diesem weichen Übergang hängt eine Verkehrsampel, die durch eine im Bus sitzende Person von der Bewegungsunschärfe im untersten Drittel ebenfalls leicht verwischt ist.

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Hochzeitsfoto:
Traumszene

Bisweilen lässt sich mit gezielter Überbelichtung auch jenseits von klassischem Highkey Spannung erzeugen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Tobias Senger).

Kommentar des Fotografen:

Auf der Suche nach einer passenden Kulisse für ein Hochzeitsfotoshooting haben wir einige Probeaufnahmen auf dem Dach einer Kunsthalle geschossen. Die langen Fluchten und Treppen des Gebäudes hatten es mir angetan. Das Gegenlicht und die dadurch entstehende Überbelichtung des Bilds am Ende der Treppe wirkt hier meiner Meinung nach wie aus eine Traumszene. Man weiß nicht was die Person am Ende der Treppe erwarten wird. Das Bild habe ich noch bearbeitet indem in die Farbe der Person in der Sätting verstärkt habe und die Sätting im übrigen Bild etwas reduziert habe.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Tobias Senger:

Eine Junge Frau auf einer Treppenflucht, von unten gegen das helle Tageslicht fotografiert, blickt über die Schulter wie abwartend zum Fotografen. Die Fotografie brennt hinter der Protagonistin in gleissendem Licht vollständig aus. Der Fokus liegt im Vordergrund auf den Treppenstufen und den zahlreichen Linien, die in starken Diagonalen zu ihr und zum Fluchtpunkt hin verlaufen.

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