Beiträge

Urlaubsfoto:
Auf- statt über die Schulter

Fotos vom Typ „Blick über die Schulter“ müssen etwas zeigen, wohin zu blicken es sich lohnt. Oder eine interessante Schulter. Das fehlt hier.

Mädchen mit Fernglas

Olympus E-450, 1/500s bei Blende 8 mit 43mm Brennweite und ISO 100. © Oliver Diallo

Oliver Diallo aus Hamburg: Ich habe das Bild in Laboe an der Ostsee aufgenommen. Das Mädchen auf dem Bild ist die Tochter meiner Freundin.

In unserer WordPress-Installation für dieses Blog gibt es ein Werkzeug, mit dem man den wichtigsten Teil eines Fotos markieren kann – die Software sorgt dafür, dass in allen möglichen Bildschnitten dieser Teil enthalten bleibt. Wenn ich bei einer Fotografie nicht weiss, wohin ich das Fadenkreuz setzen soll, stimmt etwas an dem Bild nicht.  Weiterlesen

Curling-Mitzieher:
Gesichter interessieren mehr als Steine

Bewegungsunschärfe als Stilmittel ist namentlich bei Sportfotografien beliebt. Wesentlich ist dabei, dass die Bewegung mit dem richtigen Objekt mitgeht. Das ist nicht zwingend der Ball, Puck oder Stein. Im Gegenteil.

Zwei Curling-Spieler auf dem Eis. Nikon D800 mit 210mm bei 1/8s und Blende 8, ISO400. © Guy Goetzinger

Zwei Curling-Spieler auf dem Eis. Nikon D800 mit 210mm bei 1/25s und Blende 8, ISO400. © Guy Goetzinger

Guy Goetzinger aus Dättwil: An der Curling WM in Basel versuchte ich die Bewegung ins Bild zu bringen. Dazu zog ich die Kamera mit und fixierte den ins Ziel gleitenden Stein.

Bewegung ist in diesem Bild, das ist mal gesagt. Die Dynamik funktioniert vor allem deshalb so gut, weil es Dir „nicht gelungen“ ist, mit dem Stein mitzuziehen – in der Bewegung scharf abgelichtet hast Du dagegen das Gesicht des Spielers, und das ist doch sehr viel interessanter!
Weiterlesen

Schwarz-Weiss-Porträt:
Der Dampflokführer

Bei einem Porträt sollte das Gesicht des Modells zu erkennen sein. Es ist immer das Zentrum des Motivs und der Aufmerksamkeit.

Dampflokführer in Schwarz-weiss fotografiert

Sony Nex 3, 1/25s bei Blende f/5.6, 55mm und 1600 ISO. © Michael Calcada

Michael Calcada aus Springe schreibt zu diesem Bild: Das Bild entstand während einer kurzen Pause auf einer Fahrt mit einer Dampflok.
Ich mag Bilder in SW mit diesem harten Kontrasten. Bei diesem Bild gefällt mir der Effekt besonders, da er für meinen Geschmack gut zur Lichtstimmung, zum Aufnahmeort und der Situation passt.

Die Aufnahme entstand mit einer Sony NEX-3 mit 55mm Objektiv, einer Belichtungszeit von 1/25s bei Blende f 1/5.6 und ISO 1600. An der trotz hohem ISO-Wert langen Belichtungszeit lässt sich ablesen, dass es in der Dampflok ziemlich dunkel war. Selbst wenn außerhalb der Lok die Sonne hinter Wolken versteckt war, ergibt sich dennoch ein sehr hoher Motivkontrast, der an die Grenzen dessen geht, was ein Sensor verarbeiten kann, oder auch darüber hinaus. Weiterlesen

Elefantenporträt:
Die Situation nutzen

Tierfotografie in freier Wildbahn ist etwas ganz besonderes. Sie sollte deswegen unbedingt als solche erkennbar sein.

Foto eines Elefanten in freier Wildbahn ©

Nikon D750: 1/640s bei Blende 4 mit 120mm Brennweite und ISO 100 © Marius Druschke

Marius Druschke schreibt zu diesem Bild: Dieses Bild habe ich auf einer Safari in Südafrika aufgenommen. Im Jeep war der Blickwinkel immer wieder sehr eingeschränkt, so dass ich die Wahl des Ausschnitts nur bedingt beeinflussen konnte. Es war mir wichtig das Gesicht des Elefanten ins Zentrum des Bildes zu rücken. Um so nahe wie möglich ran zu kommen habe ich darauf verzichtet das Tier bis zu den Füßen zu fotografieren. Zum weiteren hervorheben habe ich den Hintergrund etwas Unscharf gestaltet, ohne dass er komplett verschwimmt.

Grosse Tiere in freier Wildbahn zu fotografieren: Wahrscheinlich ein Traum vieler Fotografinnen und Fotografen. Du hast ihn verwirklicht und dieses gelungene Porträt eines Elefanten geschossen.-

Es handelt sich um eine Farbfotografie eines afrikanischen Elefanten. Das Tier ist, von schräg hinten wahrscheinlich im Mittagslicht beschienen, dem Betrachter zugewandt. Der Bildausschnitt zeigt den Kopf bis zu den Stosszähnen und einen kleinen teil der Umgebung, vor allem einen Busch oder Baum, der hinter dem Tier emporragt. Weiterlesen

Schnappschuss ohne Durchblick:
Durchg’schaut

Eine begrenzte Schärfentiefe hat ähnliche Wirkung wie Freistellung. Sie kann Blicke fangen, aber nicht nachhaltig Blicke führen.

durchgschaut

Andreas Spachtholz aus Zangberg schreibt: Das Bild entstand spontan, als ich meine Tochter so interessiert durch das Fernrohr blicken sah. Ich wollte das Bild so gestalten, dass der Betrachter über sie auf die Landschaft gelenkt wird. Deshalb wählte ich die geringe Tiefenschärfe. Leider war für einen zweiten Versuch mit einer kleineren Blende die Zeit nicht mehr da.

Ein junges Mädchen ist auf dieser Farbfotografie von hinten zu sehen, wie es durch ein festmontiertes Münz-Teleskop eine Meeresküste entlang schaut. der Vordergrund mit der Kleinen und einem dunklen Geländer liegt im Schärfebereich, der Hintergrund mit einem Sandstrand voller Felsformationen und in Dunst-Schichtungen in der Ferne aufhellender Küstenwälder liegt in einer leichten Unschärfe.

Das ist ein gelungener Schnappschuss deiner Tochter. Noch viel besser wäre er allerdings, wenn wir auch das Gesicht deiner Tochter sähen, was die Fotografie zu einem schön komponierten Urlaubs-Schnappschuss machen würde. Weiterlesen

Gesten-Foto:
Über den Ausdruck

Kurzbildkritik: Wenn man eine Geste darstellen will, muss man alle Akzente beachten. Dieses Bild ist etwas zu eindimensional.

Mann zeigt sich an die Stirn - Fotografie zur Geste

Die Erleuchtung © Christian Richter

Unser Leser Christian Richter aus dem hessischen Neu-Isenburg hat uns das obige Bild unter dem Titel „Die Erleuchtung” in der Kategorie ‚Portrait‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Nach langem Grübeln kam ihm die Idee …”

Das Bild ist gemäss EXIF mit einer Sigma SD10 bei ISO 100 mit 1/80Sekunde und Blende 1 (so was gab’s zumindest mal von Canon, den Weltrekord in Lichtstärkehat aber inzwischen Leica) aufgenommen worden.

Die Bildanlage ist schon recht mittig, doch der Spannungsbogen zwischen Kopf und Hand mildert das Ganze etwas und läßt die Komposition nicht allzu statisch wirken.

Der Hintergrund ist vielleicht nicht in der Weise bereinigt bzw. freigestellt, wie man es sich für ein Porträt wünschen würde, doch finden wir hier andererseits auch keine allzu störenden Elemente.

Bei der Struktur fiel mir auf, daß das Bild insgesamt etwas unscharf, fast weichgespült wirkt. Hier vermute ich eine sehr aktive Rauschreduktion am Werk.

Was mich hier aber besonders umtreibt, ist Christians Bildbeschreibung bzw. -konzeption.

Dabei geht es ja um Ausdruckspsychologie und da muß ich vielleicht auch einige Rückgriffe auf meinen Zweitberuf eines Psychotherapeuten machen: eine ‚Heureka-Geste‘ beinhaltete demnach ein Erstaunen, ausgedrückt durch aufgerissene, zumeist noch oben gewandte Augen, untermalt von Freude und mit einem Finger, der noch an der Schläfe oder schon in der Luft sein mag.

Hier sehen wir hingegen herabgezogene Mundwinkel, einen finsteren Ausdruck und starren Blick, was eher als ‚Tocktock-Geste‘ auszulesen wäre …



Leserfoto:
Mit der Unterhose in den Alpen

Wenn nackte Haut reichen soll, um einen Überraschungseffekt zu provozieren, wird eine ansonsten gute Idee schnell zur Karikatur ihrer selbst.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Martin Egg).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto entstand aus einer Idee, Winterequipment in einer etwas ungewohnten Umgebung zu präsentieren. Es soll die Verbindungen zwischen Bergen, Wintersport und deren Attraktivität vermitteln, und das halt in einem nicht-winterlichen Umfeld.
(Leider leider hatten wir zu dem Zeitpunkt nur das harte Sonnenlicht zur Verfügung)

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Martin Egg:

Der eine Teil der Idee ist ja gut: Wintersportequipment in ungewohnter Umgebung zu fotografieren, hat das Potential, gelungene Fotos zu erzielen, die darauf abzielen, zwei Mal hinzuschauen, zu überlegen und dann zu lachen. Wenn dann aber doch nur der Berg in den Alpen im Sommer statt im Winter genommen wird und obendrein noch eine junge, blonde Frau im knappen Top und einer Unterhose, gerät die gute Idee schnell zur Karikatur ihrer selbst.

Martin Egg – nein, sicher nicht der schwäbische Dichter – hat hier vermutlich die Attraktivität des Models mit der des Sportgeräts verwechselt, als er die Frau darum bat, mal die Hose auszuziehen. So wirkt das Bild wie aus einem dieser Amateur-Akt-Kalender, in denen sich Bäuerinnen, Sportlerinnen, Studentinnen oder Handwerkerinnen leicht bekleidet in der dazugehörigen Kulisse räkeln – natürlich immer für einen guten Zweck. Etwas mehr Überraschungseffekt und etwas weniger plumpe Hautbeschau hätten der Idee viel mehr abringen können. Ein gutes Beispiel ist das Künstlerpaar Claudia Ficca und Davide Luciano, die sich in ihrer Heimatstadt Montreal über die vielen Schlaglöcher geärgert hatten und diese dann fotografisch neu in Szene setzten (www.mypotholes.com).

Das zu starke Sonnenlicht hat der Fotograf schon selbst bemerkt. Es zeigt wieder, dass zu einer guten Idee auch die Planung gehört, um die Idee passend umzusetzen. In dem Fall wäre mindestens ein Reflektor, besser noch ein Aufhellblitz von vorne sinnvoll gewesen. Zur allergrößten Not hätte der Fotograf versuchen können, den linken Ski so zu drehen oder zu positionieren, dass durch dessen weiße Fläche etwas mehr Licht ins Gesicht des Models fällt.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Bildbearbeitung:
Abwedeln und Nachbelichten in der Digitalfotografie (2)

Der nachfolgende Artikel befaßt sich mit den Möglichkeiten des Abwedelns und Nachbelichtens. Im vorangegangenen ersten Teil ging es um die Herkunft und Bedeutung dieser Technik. Im heutigen zweiten Teil werden praktische Aspekte mit einem Bearbeitungsbeispiel aufgezeigt.

Praktische Umsetzung
Die zuvor schon angeführte, schonendere Methode besteht im Grundsatz darin, zwei neue Ebenen mit 50% Grau zu füllen und diese der eigentlichen Bildebene zu überlagern. Die als „Weich“ bezeichnete Ebene wird dabei im Modus „Weiches Licht“, die als „Hart“ bezeichnete Ebene im Modus „Ineinanderkopieren“ mit 100% überlagert. Wie sich in den Ebenenbezeichnungen andeutet, kann durch Wahl der Arbeitsebene eine sanftere oder energischere Bearbeitung durchgeführt werden.
Weiterlesen

Christian Patterson:
Redheaded Peckerwood

Christian Pattersons rekonstruierte mit Fotografien und historischem Material einen Kriminalfall, der in den Fünfzigern Amerika erschüttert hatte: Redheaded Peckerwood.

Christian Patterson - House at Night aus der Serie Redheaded Peckerwood

Der Titel Redheaded Peckerwood lässt sich ungefähr mit „rotgesichtiger Prolet“ übersetzen und es mag jeder selbst herausfinden, was es damit auf sich hat. Mit einem Begriff von subjektiver dokumentarischer Fotografie lässt sich das Projekt etwas einordnen.

Weiterlesen

Leserfoto:
Spontanes Baby-Portrait

Bei Babyfotos braucht man als Fotograf meist keine Angst zu haben, das Ergebnis könnte nicht schön werden. Aber scharf sollte das Bild trotzdem an der richtigen Stelle sein.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Fritz Rene).

Kommentar des Fotografen:

Das Bild zeigt meinen 2 Wochen alten Neffen. An diesem Tag hatte ich ihn das erste Mal gesehen und musste diesen Augenblick sofort festhalten.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Fritz Rene:

Manche Dinge brauchen Zeit. Landschaftsfotografen stehen teilweise mehrere Stunden an einem Ort, nur um auf das richtige Wetter zu warten. Aber auch als Portfätfotograf muss manchmal auf die richtige Mimik oder den passenden Augenblick gewartet werden.

Weiterlesen