4 zufällige Bildkritiken zum Thema Klischee:
Alle 19 Artikel zum Thema Klischee auf fokussiert.com:
Wenn Babys fotografiert werden, sollten sie auch der Hauptbestandteil des Bildes sein. Hier stielt die Faust dem Gesicht die Show und sorgt für Irritationen.
Kommentar des Fotografen:
Das ist mein 2 Wochen alter Sohn und ich hatte keine bestimmte Absicht als nur die, ein schönes Foto von ihm zu machen. Ich liebe die Gesichtchen und Körper von Neugeborenen im allgemeinen. Ich kann mich an ihnen nicht satt sehen. Neugeborene berühren mein Herz. Das wollte ich irgendwie dass es durchdringt. Das Bild wurde nachbearbeitet. Belichtungsdaten nicht vorhanden.
Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Luciana Orsini:
Was sehen wir auf diesem Bild? Eine große, fast überdimensioniert abgebildete Hand auf schwarzem Hintergrund. Ach ja, da war noch was. Irgendwo am rechten Bildrand ist auch noch ein kleiner Säuglingskopf.
Das ist jetzt übertrieben, aber es zeigt gleich, was am Bild komisch ist. Es geht ja nicht um eine Hand, die eher zufällig ein Baby streichelt, sondern um ein niedliches, süßes, herzallerliebstes Baby, was in seinem friedlichen Schlummer gezeigt wird:
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Stadtlandschaften lösen sich im Ungefähren auf oder werden in Montagen neu erfunden. Sabine Dorothea Schnell stellt gängige Ansichten über Städte in Frage.
“Im.Mobile” heißt die eine ihrer Serien, obwohl die die Häuser doch zu springen, zu stürzen scheinen. “L.A. Cuts” – das ist die andere Reihe, Los Angeles ausgeschnitten und neu zusammengesetzt. » weiterlesen
Mit dem Bruch von einfachen Klischees kann Spannung aufgebaut und ein inhaltlicher Kontrast erstellt werden. Wie wenig es dazu braucht, zeigt dieses Bild.
Kommentar des Fotografen:
Bergbauer beim mähen seiner Wiese am frühem Morgen, nach einem Unwetter in der Nacht, am Ischlberg in Bad Aussee
Peter Sennhauser meint zum Bild von Alois Peer:
Ein unentschlossener Morgen in den Österreicher Alpen nahe Innsbruck: Die Sonne bricht durch die Wolken, Nebelfetzen ziehen durch die Täler. Die Farbfotografie zeigt im Gegenlicht beinahe nur Schwarz und Weiss und hebt den unmittelbaren Vordergrund als Silhouette von der Tiefe ab: Von rechts unten zieht sich der Grasbewachsene Berghang nach links ins Bild hoch, wo ein Baum steht und mit den untersten Ästen einen Rahmen entlang der oberen Bildkante zeichnet. Etwas links der Bildmitte ist ein Mann zu erkennen, der an der Steuerung einer Mähmaschine den Hang hoch geht und gerade die Hand nach dem Schalthebel ausstreckt.
Die Stimmung dieser Fotografie ist unbestritten stark, der Morgen nach einer Regennacht auf den ersten Blick nicht nur erkenn-, sondern schon fast riechbar:
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Eine junge Frau tanzt gedankenversunken Ballett im romantischen Ballsaal – bis sie die Zeit um sich herum vergisst und der Verfall einsetzt. Eine gut gewählte Geschichte lässt selbst das Klischee von “jungen Frauen in alten Gemäuern” gut dastehen.
Kommentar des Fotografen:
Aufgenommen in einer location aus dem 19 jahrhundert, schon seit jahrzenten leerstehend. War früher ein ballsaal und vergnügungsstätte mit allem drumherum. Dieses bild entstand aus einer belichtungsreihe (1/60, 1/250, 1/15), in der das model die pose hielt. Ich wartete auf den tag, an dem sonne schien und in das große fenster hinter der bühne fiel. Den staub ein bißchen aufgewedelt und das model positioniert. Die belichtungsreihe wurde im photoshop per hand (ebenen und masken) bearbeitet. Durch die handarbeit konnte ich lichter und tiefen gezielt herausarbeiten. Wir hatten 7 grad minus draussen und das model war sehr tapfer!
Profi Robert Kneschke meint zum Bild von heike brauer:
Willkommen zur gefühlt 3756. Folge von “Junge Frau in alten Gemäuern”. Warum das oft nicht gut geht, hatte ich in einer früheren Bildkritik ausführlich erklärt.
Warum es manchmal doch klappt, zeigt das Foto von Heike Brauer. Bei vielen Varianten der “Reine Haut und verfallene Häuser”-Fotos passen die Umgebung und die Person nicht zueinander. Hier passt beides im Gegenteil perfekt zueinander:
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“Sitting Bull” und “Wounded Knee” – da sehen wir stolze Bilder im Kopf. Markus Klingenhäger hat die heutige Situation der Ureinwohner Nordamerikas untersucht.
Die “Native Americans” leben zwischen den Kulturen. Markus Klingenhägers Fotoserie zeichnet ein differenziertes Bild der Indianer jenseits von Klischee und Romantik, aktuell im Berliner C/O zu sehen. » weiterlesen
Wenig spricht dagegen, Ikonen zu fotografieren. Am Fotografen liegt es indes dafür zu sorgen, dass sie nicht zum Klischee werden.
Kommentar des Fotografen:
Das Bild entstand in NYC, im Grand Central Terminal. Ein viel fotografiertes Motiv – klar ist es unglaublich schwer mit sowas “herauszustechen”. Trotzdem hat mir die “geschäftige” Stimmung gut gefallen. Irgendwie lässt das Bild (v.a. in der finalen Bearbeitung) an alte Tage erinnern, als GCT vmtl. eine noch viel bedeutendere Rolle für die Stadt gespielt hat als heute. Blende f /8 ISO 400 (war notwendig, leider rauscht die Alpha200 da schon deutlich – schadet dem “Antik-Look” aber vlt gar nicht) Verschlusszeit = 1/8 sekunde (länger wollte ich nicht, da sonst die Leute zu sehr verschwimmen) EV = -0,3 (Das mittelfenster brennt sowieso schon so leicht aus – ich wollte dem ein bisschen entgegen wirken)
Peter Sennhauser meint zum Bild von Alexander Holzknecht:
Die Halle der Grand Central Station (Grand Central Terminal, korrekterweise) in Manhattan, New York im Überblick von einer der beiden Treppen, die zu den Zwischenböden führen. Die Aufnahme in Schwarz-Weiss hält sich strikt an die Strukturen des Gebäudes und vermeidet Verzerrungen und stürzende Linien.
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Bewusste Brüche mit Erwartungen der Betrachter können eine Fotografie zum Blickfang machen – wie im Fall dieses Schwarz-Weissen Bildes eines radschlagenden Pfaus.
Kommentar des Fotografen:
Dieses Bild entstand im Wildpark Poing. Neben mir waren noch eine Handvoll anderer Leute, welche diesen Pfau photographierten. Auch ich habe schon Pfauenbilder auf meiner Festplatte und wollte daher etwas anders machen, als das bekannte Motiv von vorne mit diesen wunderschönen Farben. Daher wählte ich für dieses Bild Offenblende und einen seitlichen Winkel um einen starken Schärfeverlauf zu erzeugen. Ebenso entschied ich mich gegen Farbe und für s/w um das Augenmerk auf die Symmetrie und Kontraste zu lenken.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Stephan Bremicker:
Ein männlicher Pfau schlägt das sprichwörtliche Rad: Der Vogel ist in dieser quadratisch geschnittenen Aufnahme in Schwarz-Weiss leicht seitlich von rechts und mit offener Blende fotografiert worden. Sein Kopf liegt im linken unteren Bilddrittel in der Schärfe, die Zeichnung des Gefieders im Gesicht wird durch die Kontraststärke in der farblosen Umsetzung hervorgehoben.
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Texturen und Negativraum können ein einfaches Motiv in einen spannenden Kontext setzen.
Kommentar des Fotografen:
Das Foto entstand im Hafen von Muskat/Oman. Mir gefällt der Kontrast zwischen den beiden jungen Arabern in ihrer landestypyschen Kleidung mit Kamelreitgerte und diesem tristen Verbundpflaster.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Peter Justinger:
Zwei Männer in traditioneller Kleidung der Gegend am persischen Golf, in Sandalen und mit Kopftüchern schlendern nebeneinander in der rechten unteren Ecke dieses schwarz-weiss-Bildes. Der rechte der beiden blickt leicht von seinem Begleiter abgewandt nach unten aus dem Bild. Er hält einen langen, dünnen Gegenstand, eine Rute oder eine feine Reitpeitsche, in seiner rechten Hand.
Der Standort des Fotografen ist leicht erhöht über den beiden. Der gesamte Rest des Bildes besteht aus einer Fläche von lückenlosen Verbundpflastersteinen. Darauf sind mehrere dunklere Flächen und Fahrspuren, aber auch Stellen mit beschädigten Steinen zu sehen.
Zwei Männer in ihrer natürlichen Umgebung: Der Wüste…
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Was für eine Aussage ein Foto hat, liegt letztlich am Betrachtenden. Was für Person A ein ausdrucksstarkes Porträt sein mag, ist für Person B deprimierend, und umgekehrt mag dieses Foto eines brasilianischen Militärpolizisten vor dem Wort „Friede“ für die eine ein nachdenklicher Widerspruch und für die andere ein Klischee sein.
Kommentar des Fotografen:
Auch wenn er, wie ich, nur auf den Bus gewartet hat, hat der “Kontrast” zwischen brasilianischem Militärpolizisten und Friedens-Graffiti mein Interesse geweckt. Wieweit er diesen Auftrag im Rücken umsetzen kann, bleibt offen. Abgesehen von technischen Mängeln (Unschärfe rechts wg. defektem Objektiv), würde mich interessieren, ob ich hier nur ein Klischee abgelichtet habe. Vielen Dank für eure Meinung. Das Foto ist nur etwas beschnitten worden, um einen Mülleimer rechts zu entfernen.
Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Markus Kohlhoff:
Fotos kann man aus verschiedenen Gesichtspunkten heraus betrachten – und beurteilen. Kontext etwa kann sehr wichtig sein, und die Warte des Betrachters.
Ein berühmtes Beispiel ist Robert Doisneaus Foto „Au Cafe, Chez Fraysse, Rue de Seine, Paris“ (1958):
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Wenn es um ein Foto eines schweißüberströmten Mannes geht, werden wir um Klischees nicht herumkommen. Aber die gute Nachricht ist: Klischees verkaufen sich weiterhin.
Kommentar des Fotografen:
Pas Portrait ist in meinem kleinem Hobby-Studio entstanden. Wollte den schweissüberströmten (Wasserzerstäuber) Mann ablichten. Dabei sollte das Motiv nicht in der Bildmitte zu liegen kommen. Mit Photoshop habe ich mir ein stimmige Farbe ausgewählt, die das Bild noch interessanter machen sollte. Ist das geglückt?
Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Thilo Burger:
Du hast Dir – nüchtern betrachtet – ein sehr schlichtes Motiv ausgesucht: Einen Bauch. Einen schweißüberströmen Männerbauch. Aber wie so oft liegt in der Reduktion auf das Wesentliche ein Reiz, der auf in diesem Bild enthalten ist.
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