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Bachlauf-Foto:
Das Motiv isolieren

Landschaftsfotografie bietet viele Nischen für spannende Detailansichten – es muss nicht immer das Tal von vorne bis hinten sein. Gerade bei Wasserläufen ist wesentlich, dass sich der Fotograf für ein Motiv entscheidet.

Kamera: Canon EOS 600D Aufnahmedaten: 25/10s bei Blende 11/1 mit 104/1mm Brennweite und ISO 100

Canon EOS 600D, 2.5s bei Blende 11 mit 104mm Brennweite und ISO 100.

Fabian Rose aus Bingen: Diese Fot ist in unserem Urlaub im Harz entstanden. Es zeigt die Ilse etwas anders. Dies war mit der erste Versuch Bilder mit längerer Verschlusszeit und Stativ zu machen.

Ein Ausschnitt aus einem Bachverlauf zeigt diese Farbaufnahme. Der Fotograf scheint im Gewässer drin zu stehen und hat das Bächlein  aufwärts der Flussrichtung fotografiert. Ungefähr in der horizontalen Mitte der Aufnahme fliesst der Bach übher eine kleine Schwelle aus mehreren Steinen, von denen zwei mit herbstlich-buntem Laub bedeckt sind. Die Belichtungszeit hat das Wasser zu weissen Vorhängen verwischt. In den ruhigen Wasserpartien spiegelt sich ein eigenartig hellgrünes Licht.

Glückwunsch zu Deinem ersten Wasser-Stativ-Langzeit-Bild. Es ist durchaus gelungen und lädt zum Anschauen ein. Die Schwelle in der Bildmitte schafft Rhythmus , und die fein verästelten Flussstufen sorgen für Dynamik.

Technisch gesehen hast Du Dich für klassische Einstellungen in der Landschafts-Detailfotografie entschieden: mittlere Blende für durchgehende Schärfe, etwas längere Brennweite, um das Gewässer zusammenzuziehen und tiefe ISO für eine Langzeit-Belichtung. An diesen Diengen ist nichts auszusetzen, allerdings hätte ich mich für eine etwas längere Belichtungszeit (und damit für eine noch kleinere Blende oder einen Neutralgrau-Filter (Affiliate-Link)) entschieden: Der feine Schaum auf dem Auslauf des „Wasserfalls“ im Bildvordergrund ist irgendwo zwischen den Zeiten hängengeblieben. Er ist nicht wirklich sichtbar, aber auch nicht verschwunden – 2.5 Sekunden reichen dafür nicht aus.

Ebenfalls überprüfen würde ich den Weissabgleich: Hier scheint mir das Grün doch etwas zu intensiv, auch wenn ein frühlingshaftes Blätterdach in der prallen Sonne wahrscheinlich ungefähr diesen Farbton auf den Boden bringt. Lightroom hat bei mir in der Anpassung des Weisstons auf das Wasser dann doch ein etwas wärmeres Licht angenommen.

Weissabgleich des Bachfotos etwas wärmer

Weissabgleich des Bachfotos etwas wärmer

Noch eine handwerkliche Grösse, die ich überprüfenswert finde, ist die Lage des Bildausschnitts, respektive die Neigung des Bodens. Denn auch wenn es bei Wasser ausser bei Seen oder dem Meer mit einem geraden Horizont nicht ganz einfach ist – es gibt, und grade bei fallendem Wasser, Hinweise auf die Lage des virtuellen Horizonts. Dein Bild halte ich für rund fünf Grad nach links gekippt. Das ist nicht absolut eindeutig feststellbar, aber es gibt Indizien.  So geht fallendes Wasser auch in einem Fluss oder einem Bach relativ schnell aus der Flussrichtung in den freien Fall – und damit in eine exakt senkrechte Falllinie – über. Das heisst, dass die geraden Linien unterhalb jedes „Wasserfall-Bogens“ in der Stufe hier im Lot stehen müssten, und demnach, dass der kleine Bogen, den wir genau von vorne sehen, exakt senkrecht stehen muss.

Falllinie des Wassers

Falllinie des Wassers

Wenn man diese fünf Grad korrigiert, kommt dies dabei raus:

Wasserfalllinie, korrigiert

Das geht aber zulasten einiger Teile des Bildes, wie immer, wenn man etwas gerade stellen muss:

Ausschnittwinkel

Fünf Grad nach rechts gekippt: Es fallen Bildanteile weg.

Bis jetzt haben wir die Aufnahme also neu beweisst und geradegekippt, aber das ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn das wichtigste an der Aufnahme ist die Komposition.

Die ist hier eindeutig auf die drei Steine in der Schwelle des Baches ausgerichtet – aber sie macht sie nicht wirklich und konsequent zum Motiv. Das Problem: an den Rändern franst die Aufnahme aus, es gibt viele Ablenkungen und Kleinigkeiten wie die Ästchen unten rechts oder das tote Stück Holz oben links, die den ganzen Eindruck etwas struppig machen und von der zentralen Bildkomponente ablenken.

Ich habe gelernt, in Detail-Landschaftsaufnahmen zuerst herauszufinden, was mein Motiv ist: In Deinem Fall hier wohl die Schwelle mit den drei Steinen. Danach geht es daran, dieses Motiv aus allen möglichen Blickwinkeln zu betrachten, alle Standorte zu überprüfen und zu sehen, wie es am besten zur Geltung gebracht werden kann. Dabei, sagen meine Lehrer wie Gary Hart, ist besonders wichtig, dass der Rahmen der Komposition keine „Lecks“ hat: Dass nichts in die Aufteilung des Bildes hinein- oder zu harsch hinausragt.

Die drei Steine der Schwell im Bildzentrum sind das Motiv. Sie sollten so gut wie möglich freigestellt werden.

Die drei Steine der Schwell im Bildzentrum sind das Motiv. Sie sollten so gut wie möglich freigestellt werden.

Das ist allerdings der letzte Schritt in der Komposition; zuerst muss die Position gefunden werden, die das Motiv isoliert oder in einen Kontext setzt, die auf jeden Fall am nächsten an das heranreicht, was Du fotografiert haben willst, und dabei am wenigsten Kompromisse eingeht. Fotografie ist auch hier oft die Kunst der Reduktion, auch wenn man bisweilen loslassen und sich von etwas verabschieden muss, was man im Hintergrund des Bildes für einen Gewinn hält. Es lohnt sich übrigens immer, das schon vor Ort und bei der Komposition zu machen und nicht darauf zu vertrauen, dass man aus den x-Megapixeln zu Hause das eigentliche Bild dann schon herauscroppen kann.

Ich hatte ein lehrreiches Erlebnis in  einem Workshop auf Hawaii (mit besagtem Gary Hart) an einem Wasserfall. Mir gefielen die vom Umgebungslicht zum Leuchten gebrachten Farne neben dem Wasserfall, und ich begann, mich immer stärker mit dem Grün zu befassen und das Weiss und Blau des fallenden Wassers nur noch als Kontrast zu nutzen. Nach sicher zwanzig Minuten herumprobieren war mir langsam auch klar geworden, dass die kleinen, braunen Lianen neben dem Farn und die rundblättrigen Pflanzen, die dazwischen wuchsen, das Bild ergaben, das mich interessierte, und es entstand diese Aufnahme, in welcher der Wasserfall zwar vorkommt und unverkennbar ist, aber das Augenmerk auf mein Motiv und die von der Natur so spannend angeordneten Linien gelenkt wird.

Wasserfall: In dieser Fotografie wurde das ursprüngliche Hauptmotiv zum Kontrast degradiert. Die Linien der Lianen greifen die Fallinien des Wassers auf, die leuchtenden grünen Pflanzen setzen grosse Akzente und kleine Punkte. © Peter Sennhauser

Ich will damit sagen, dass das eigentliche Bild (oder Dutzende guter Bilder) vielfach in der Ansicht drin steckt, die man vor sich hat, aber nicht unbedingt gleich die Ansicht ist. Man muss sich zuerst damit beschäftigen, die verschiedenen Schichten und Teilmotive aufdecken und auseinandernehmen, bis man schliesslich erkennt, was es war, was einem am ursprünglichen Überblick so fasziniert hat.

Das geradegestellte und etwas aufgewärmte Bild.

Das geradegestellte und etwas aufgewärmte Bild.

Dein Bild ist ein gutes Beispiel, denn Du hast das Auge gehabt, die Szene zu erkennen, aber vielleicht nicht die Geduld, die Erfahrung oder den Wunsch, daran lange genug zu arbeiten, um das Motiv zu isolieren.  Versuchs mal, es lohnt sich.

Bergsee am Abend:
Die Qual der Wahl des Ausschnitts

Gerade bei Landschaftsfotografie ist die Komposition enorm wichtig – erst sie rückt das Motiv ins rechte Licht. Insbesondere der Ausschnitt kann das Foto zum Erfolg oder Scheitern führen.

SONY SLT-A58 - f/10 - 1/20 s - 18mm - ISO 100 - (c) Markus Haltmayr

SONY SLT-A58 – f/10 – 1/20 s – 18mm – ISO 100 – (c) Markus Haltmayr

Markus Haltmayr hat uns die Aufnahme des Schrecksees bei Hinterstein im Allgäu eingereicht. Er schreibt dazu:

„Nach einer sechsstündigen Tour kam ich gerade zur richtigen Zeit an um das Bild aufzunehmen. Es fiel mir schwer mich für einen Ausschnitt zu entscheiden. Daher meine Frage: Was hätte ich besser machen können?“

Die immer wieder aufgeführten Tipps zur erfolgreichen Landschaftsfotografie betonen unter anderem, daß ein Vordergrund das Bild verankert, ihm Perspektive verleiht und so weiter und so weiter. Also versuchen wir automatisch, bei jedem Landschaftsbild einen Vordergrund einzubauen. Das funktioniert leider nicht immer, und wenn man sich bei der Aufnahme wie Du nicht sicher war, hat das einen Grund. Instinkt stimmt häufig. Weiterlesen

Fotografieren nach Zahlen:
Wenn man zu sehr an den Regeln klebt

Auch in der Fotografie sind Regeln dazu da, gebrochen zu werden

manangeltfibo

Wenn wir bei einem Leserfoto Kompositionsmängel ansprechen, legen wir als Maßstab gerne die althergebrachten Regeln von Goldenem Schnitt und Dritteln an, bringen jedoch auch zum Ausdruck, wenn wir diese gekonnt gebrochen sehen. Wir haben Komposition in diesem vereinfachten Sinn hier ebenfalls in Artikeln illustriert.

Vor kurzem brachte denn auch ein Leser anläßlich einer Bildkritik Bruce Barnbaum ins Spiel, und dessen Verdammung von traditionellen Kompositionsregeln. Zufälligerweise hatte ich gerade davor noch einen anderen Artikel gelesen, in dem der Autor diese (in jenem Fall nicht besonders fundiert) in Grund und Boden stampfte, um sie dann durch ein komplizierteres Regelwerk und Gestaltpsychologie zu ersetzen. Weiterlesen

Motive erkennen:
Perspektive finden (Teil 2)

(c) Carsten Schröder

Gute Motive finden sich überall um uns herum. Man muss sie nur erkennen und umsetzen lernen. Im 1. Teil dieses Beitrages habe ich Euch bereits ein paar Beispiele mitsamt ihrer Entstehungsgeschichte vorgestellt. Hier noch ein paar mehr.

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Motive erkennen:
Perspektive finden (Teil 1)

(c) Carsten Schröder

Viele Menschen schauen bloß, manche „sehen“. Sehen in diesem Sinn kann man nicht wirklich lernen – entweder man hat ein fotografisches Auge, oder man hat es nicht – aber man kann jenes fotografisch schulen, und aus Szenen werden dann Motive. Wie man diese umsetzt, ist eine andere Sache. Weiterlesen

Leserfoto – „An der Tränke“:
Übung macht den Meister

Makrofotos brauchen Übung – und die richtige Ausrüstung.

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(c) Jürgen Huber

Nach dem Regen ist Trinken angesagt, auch bei den Kleinsten. Beim Gang durch den heimischen Garten sind mir die perlenden Regentropfen auf den Gräsern aufgefallen, die bei entsprechendem Licht wie Lupen wirken und die Fasern des Grasblattes vergrößert wiedergeben. Während ich versucht habe, die Wassertropfen ausreichend scharf zu fokussieren ist diese kleine Ameise ins Bild gelaufen. In einer Serie von 8 Bildern ist dieses Foto das am besten fokussierte, zumal die Schärfentiefe nur wenige Millimeter beträgt.

Aufgenommen habe ich das Bild vor wenigen Tagen mit einer EOS 60D (F 5,6 ; 1/250; ISO 160; 135 mm Brennweite, entspr. 216 mm bei KB) im Format 3:2 und leicht ausschnittvergrößert. Jürgen Huber

„Makro“ ist eines dieser Fotogenres, wofür man tatsächlich spezielle Ausrüstung braucht – und viel Übung. Es hört sich zwar einfach an, einer Fliege eine Kamera ins Gesicht zu halten, aber aufgrund der technischen Grenzen der Fotografie muß man sich im klaren sein, welche Punkte man für eine erfolgreiche Makroaufnahme beachten sollte, BEVOR man auf den Auslöser drückt. Ob man schlußendlich Wassertropfen, Ameisen, oder beides fotografiert, spielt dabei grundsätzlich keine Rolle. Weiterlesen

Leserfoto – „Miss Elisabeth“:
Licht, Farben und Komposition

Auf Einzelheiten sollte man immer achten, auch wenn Handeln gefordert ist.

(c) Dirk Wenzel

… neulich im Nebel…

Was mir an Deiner Aufnahme sofort auffiel, waren die Lichtstimmung und die blassen Farben, die dem ganzen einen fast „altmeisterlichen“ Eindruck geben. Es hat das farbliche Flair mancher Werke von Caspar David Friedrich, und der Nebel im Hintergrund verstärkt diesen schwermütigen Eindruck noch. Es könnte ein fast perfektes Foto sein, das sich jeder Hundebesitzer einrahmen und an die Wand hängen würde. Bis auf eine Kleinigkeit. Doch zunächst zur Komposition. Weiterlesen

Leserfoto – Herbstidylle am Wegesrand:
Nimm Dir die Zeit

Wenn die Zeit hat, sollte man die richtigen kompositionellen Entscheidungen bei der Aufnahme treffen, damit man Korrekturen in der Nachbearbeitung auf ein Minimum beschränken kann.

(c) Marcus Leusch

Berghausen bei Aarbergen (Hessen): Eher zufällig sprang mir im Morgennebel dieses Motiv auf einer abgelegenen Koppel in die Augen. Es dauerte eine Weile, bis sich die Pferde in eine Position bewegt hatten, die mir für eine Fotografie geeignet erschien. Die Szene reizte mich neben den besonderen Beleuchtungsverhältnissen (Nebelwand im Hintergrund) wegen ihres beschaulichen, unaufgeregten Charakters – für mich eine ungewöhnliche Aufnahme, da ich doch eher zur Streetfotografie neige und solche Naturszenen bislang eine Ausnahme darstellen … Insofern bin ich mir auch recht unsicher, ob ich mich da mit meiner Bildauffassung auf einem guten Weg befinde …? Weiterlesen

Friederike von Rauch:
Allein im Museum

Wir wähnen uns in dunklen Katakomben, sind jedoch im Museum – ganz alleine, nur mit mit Friederike von Rauchs Fotografien.

Aus: Sleeping Beauties © Friederike von Rauch

Im Film „Nachts im Museum“ kommt zur Gruselstunde Leben in die alten Knochen. Bei Friederike von Rauch können wir spüren, wie die Räume mit ihren manchmal figurenähnlichen Gegenständen darin ein Eigenleben gewinnen.

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Leserfoto:
Standhafte Möwen – schräg im Wind

Der kreative Einsatz von Farben und Bildaufbau entbinden den Fotografen nicht von den restlichen technischen Anforderungen an ein gelungenes Foto.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Daniela Popoaie).

Kommentar des Fotografen:

Das Foto wurde auf Long Island New York im Robert Moses State Park im September 2010 aufgenommen. Das Licht war sehr besonders an diesem Tag, der Himmel zeigte sich in vielen verschiedenen Blautönen, das Meer war sehr unruhig, es ging ein starker Wind und dann kamen plötzlich noch tausende von Monarchfalter geflogen die auf Ihrer Wanderung von den Rocky Mountains zu den Bergen der Transvolcanic Region in Zentral-Mexico unterwegs waren. Es war sehr beindruckend. Ich wollte so viel wie möglich in einem Bild einfangen.

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Daniela Popoaie:

Daniela tut auf jeden Fall gut daran, immer die Kamera parat zu haben. Wenn ich ihre Bemerkungen zum Bild lese, erkenne ich auch, dass sie sich für das Drumherum interessiert und sich viele Gedanken macht. Weiterlesen