4 zufällige Bildkritiken zum Thema Kontext:
Alle 9 Artikel zum Thema Kontext auf fokussiert.com:
Eine Verschiebung der inhaltlichen Perspektive und ein Bruch mitden Erwartungen ist ein interessantes fotografisches Werkzeug. Allerdings muss der Fokus dann eindeutig klar werden.
Kommentar des Fotografen:
Mit Fotografien von Kirchen versuche ich, nicht nur das touristische Interessante abzubilden. Vielmehr soll erfassbar werden, dass Kirchen nicht einfach Denkmäler sind, in denen Kunstschätze zu finden sind, sondern dass sie auch als heute immer noch zur Religionsausübung genutzte Orte zu respektieren sind.
Um dies darzustellen, habe ich bei diesem Foto aus dem Dom St. Blasien das alte, vergoldete und prächtig geschnitzte Tabernakel zusammen mit den in einer Runde davor aufgestellten schlichten Holzstühle moderner Bauart und dem Einbauschrank mit billigen Griffen aufgenommen.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Peter Pietruk:
Ein goldenes Tabernakel steht in dieser Farbfotografie in der Nische einer schmucklosen Wand auf einem weissen Möbelstück, das aufgrund seiner kreisrunden Türgriffe wie ein Badezimmer-Beistelltischchen wirkt. Davor sind die Rückenlehnen solider, ebenso schmuckloser brauner Holzstühle im angedeuteten Halbkreis zu sehen.
Diese Fotografie appelliert an keinen meiner Foto-Rezeptoren. Sie ist weder ästhetisch, noch zeigt sie einen spannenden Sachverhalt, noch hat sie einen verblüffenden Effekt aufzuweisen. Darin liegt eine Stärke, aber auch sehr viel Schwäche:
» weiterlesen
Konzeptbilder, deren Inhalt bildliche Umsetzung einer konkreten Aussage ist, müssen so eindeutig wie möglich sein, ohne platt zu wirken.
Kommentar des Fotografen:
Ein Symbolbild zum Niedergang Irlands. Die Belichtungsdaten ergeben sich aus der EXIF-Datei. Das Bild ist selbsterklärend.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Dr. Martin Baumgärtner:
Der Schriftzug “EIRE” (Irland) in massiven, einst weissen und jetzt leicht verwitterten Buchstaben an einer Backsteinmauer. Das “I” hängt leicht schief nach rechts, der Schriftzug, leicht nach links oben im Bild platziert, ist in seiner unteren rechten Hälfte von einem rot-rosa-Spot beleuchtet.
Irland ist in grossen wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Diese Fotografie kann das auf einfache, eindringliche Weise zum Ausdruck bringen. Jedenfalls in Zeiten, in denen der Zusammenhang allgemein klar ist.
Demnach wäre die Aufnahme gerade jetzt und zusammen mit dem grosszügigen Negativraum rechts unten durchaus als Titelbild für einen Artikel in einem Magazin geeignet:
» weiterlesen
Fotografien mit inhaltlicher Bedeutung sind eine spannende Übung für Fotografen: Wie setzt man einen Buchtitel oder eine historische Legende wirksam um?
Kommentar des Fotografen:
Zitat aus Heinrich Bölls Irischem Tagebuch: “Einige hundert Meter oberhalb dieses Hauses die Überreste eines abgestürzten Flugzeu- ges: amerikanische Flieger hatten, um den Bruchteil einer Sekunde zu früh, geglaubt, den freien Ozean vor sich zu haben, die glatte Fläche, die noch zwischen ihnen und der Heimat lag: Europas letzte Klippe wurde ihnen zum Verhängnis, der letzte Zacken dieses Erdteils, den Faulkner in seiner “Legende” ‘jene winzige Eiterstelle, die den Namen Europa trägt’, nennt…”
Die Photographie zeigt die Überreste der Turbine jenes in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts abgestürzten Flugzeugs. Die Aufnahme entstand 1989; es handelt sich um einen Scan einer 6*6 cm Mittelformat-SW-Aufnahme, welche ich mit einer Rolleiflex-Kopiekamera gemacht hatte. Die literarische Verarbeitung dieses Unfalls hat mich immer sehr berührt; die Überreste der Turbine bilden nach über 30 Jahren eine fast organische Einheit mit der Umgebung.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Tom Jung:
Ein weitgehend zerstörter Sternmotor liegt in einer kargen, möglicherweise küstennahen Umgebung in diesem Schwarz-Weiss Bild. Durch den geringen Kontrast des im Nebel, im Schatten oder nach Sonnenuntergang aufgenommenen Bildes scheint sich der Motor in die Umgebung einzufügen, geradezu zu tarnen. » weiterlesen
Exotische Technik in Schwarz-Weiss, in Verbindung mit Landschaft und Mensch: In diesem Bild steckt alles.
Kommentar der Fotografin:
Der größte Schaufelradbagger der Welt ist im Moment in Tagebau Garzweiler eingesetzt. So gut ich konnte habe ich versucht eine Verbindung herzustellen, indem die Kühltürme im Hintergrund zu sehen sind. Reicht das für die Bildaussage ” Einsatz im Tagebau ” – Oder ein neuer Versuch, von einem anderen Standpunkt aus?? Wichtig war mir bei dem Bild auch, dass Grössenverhältnis darzustellen.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Rosemarie Pawlitte:
Das Rad eines gigantischen Schaufelradbaggers ist im harten Kontrast einer hoch stehenden Sonne in diesem Schwarz-Weiss Bild zu sehen. Vor dem Schaufelrad steht ein Mann in etwas ratloser Haltung, in Jackett und nicht in einem Outfit, das hierher passen würde. Links hinter dem Schaufelrad sind Kühltürme einer Industrieanlage zu sehen.
Ein Bild, in dem alles drinsteckt:
» weiterlesen
Einfache Effekte – wie eine Drehung – können Fotografien spannender machen. Dabei sollte der Eindruck einer “Fälschung” vermieden werden.
Kommentar des Fotografen:
Jahrmarktsstillleben Das Bild entstand letztes Jahr auf dem hiesigen Jahrmarkt. Ich mache gerne Aufnahmen von Spiegelungen und die Pfütze samt Flasche stach mir sofort ins Auge. Das Bild hab ich um 180° gedreht, finde es so noch fesselnder :-).
Peter Sennhauser meint zum Bild von Thomas Renner:
Eine Spiegelung von Passanten in einer Pfütze auf der Strasse. Das Bild im Querformat ist geprägt von kräftigen Farben, einer spürbaren Jahrmarktstimmung und einer kleinen Bierflasche im Vordergrund, die seltsam schlecht einzuordnen ist: Sie scheint über der Spiegelung der Passanten in der Luft zu schweben.
Mein erster Gedanke, nachdem ich das Bild eine Weile logisch zu erfassen versucht hatte:
» weiterlesen
Der Zusammenhang und Vergleich verschiedener Objekte kann einer Fotografie gleichzeitig Kontext und Dimensionen verleihen.
Kommentar der Fotografin:
Das Kletterparadies im Landschaftspark Duisburg. War interessant Ihnen zuzuschauen. Ich bin unsicher, ob an diesem Bild etwas fehlt, was die Bildaussage unterstützt… etwas mehr Klettermauer?
Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Rose – Marie Pawlitte:
Aus dem Hintergrund ragt ein altes Fabrikgebäude oder eine große Maschine weit über drei junge Männer, die in verschiedenen Körperhaltungen auf einer dicken Steinwand stehen.
Obwohl wir nicht viel von ihrer Umgebung sehen können, sagen uns ihre Helme und ihre Ausrüstung, dass sie klettern.
» weiterlesen
Was für eine Aussage ein Foto hat, liegt letztlich am Betrachtenden. Was für Person A ein ausdrucksstarkes Porträt sein mag, ist für Person B deprimierend, und umgekehrt mag dieses Foto eines brasilianischen Militärpolizisten vor dem Wort „Friede“ für die eine ein nachdenklicher Widerspruch und für die andere ein Klischee sein.
Kommentar des Fotografen:
Auch wenn er, wie ich, nur auf den Bus gewartet hat, hat der “Kontrast” zwischen brasilianischem Militärpolizisten und Friedens-Graffiti mein Interesse geweckt. Wieweit er diesen Auftrag im Rücken umsetzen kann, bleibt offen. Abgesehen von technischen Mängeln (Unschärfe rechts wg. defektem Objektiv), würde mich interessieren, ob ich hier nur ein Klischee abgelichtet habe. Vielen Dank für eure Meinung. Das Foto ist nur etwas beschnitten worden, um einen Mülleimer rechts zu entfernen.
Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Markus Kohlhoff:
Fotos kann man aus verschiedenen Gesichtspunkten heraus betrachten – und beurteilen. Kontext etwa kann sehr wichtig sein, und die Warte des Betrachters.
Ein berühmtes Beispiel ist Robert Doisneaus Foto „Au Cafe, Chez Fraysse, Rue de Seine, Paris“ (1958):
» weiterlesen
Strassenfotografie erzählt kleine Geschichten in einem einzigen Bild. Die Kunst besteht darin, den roten Faden zu legen.
Kommentar des Fotografen:
Dieses Bild habe ich Anfang Januar in der Hamburger U-Bahn aufgenommen. Ich war schon eine Weile im Wagen, als mir die symbolhafte Wirkung der schwarzen Kapuze bewusst wurde. Sofort änderte ich meinen Sitzplatz, fokussierte und machte das Bild. Es gefällt mir besonders die einsame, melancholische Stimmung des Bildes. Interessant macht es meiner Meinung auch die Gegensätze, die es vereint. Die Kapuze ist ein Symbol der Abgrenzung von der Außenwelt, allerdings in einem menschenleeren Wagen, in dem man sich nicht abzugrenzen braucht/kann. Außerdem die Leere selbst, wo doch die Wagen der U-Bahn sonst gewiss immer überfüllt sind.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Jakob Hieke:
Du hast in der U-Bahn – also gewissermassen auf der Strasse – eine Szene gesehen, die Dir symbolhaft erschien und hast blitzschnell reagiert und sie mit der Kamera eingefangen.
Leider ist das Resultat nicht ganz das, was Dir vorschwebte. Denn als Betrachter erschliesst sich mir die Aussage der Aufnahme erst, nachdem ich Deine Erklärung gelesen habe. Ich komme darauf zurück, warum.
Ich habe mir grade das Bildmagazin “Hamburger Eyes” gekauft:
» weiterlesen
Ein gelungenes Reisebild, das sehr praktisch eines zeigt: Die Vor- und Nachteile der Schärfentiefe.
Kommentar des Fotografen:
Das Bild zeigt die Figur des Eros auf dem Brunnen der Thermen von Kallithea, Rhodos. Es handelt sich hier um einen Ausschnitt des Originals. Das Motiv reizte mich aufgrund des einfallenden Lichts, welches der Statue “Leben” einzuhauchen scheint. Auch die Bilddiagonale, die von links unten (der Hand mit den gespreizten Fingern vor dem hellen runden Fenster) bis nach rechts oben zum Kopf führt (dem Punkt, wo der Blick zur Ruhe kommen soll) fand ich sehr attraktiv.
» weiterlesen