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Von drinnen nach draussen:
Kontrastbarriere

Der Blick von einem schattigen in einen sonnengefluteten Raum bietet fotografisch höchste Herausforderungen: Der Kontrastumfang ist zu hoch für den Sensor. Ein bisschen Tricksen, HDR, ein Blitz oder RAW helfen weiter.

Blick aus der Scheune nach draussen

Von drinnen nach draussen: Olympus E-M10 Mark II 1/640s bei Blende 4/1 mit 15mm Brennweite und ISO 200, © Carsten Krebs

Carsten Krebs aus Berlin schreibt zu diesem Bild: Das Bild bei uns in der Scheune entstanden und beschreibt für mich ganz gut den Sommer. Das Heu in der dunklen Scheune und der heiße Sommer mit dem Rasensprenger draussen vor der Tür. Allgemein finde ich sehr häufig den Kontrast zwischen draussen und drinnen sehr interessant, wenn man durch eine (alte) Tür oder Fenster hinausschaut. In der Regel gelingt es mir aber nicht dieses in einem Bild auch umzusetzen. In diesem Fall hatte ich jedoch das Gefühl, dass es einigermaßen geklappt hat.

Du bist da einem der grundlegenden Probleme der Frage nach dem Kontrastumfang auf der Spur. Tatsächlich ist kaum etwas so schwierig, wie vernünftige Fotos aus einem dunklen Raum ins Helle hinaus oder umgekehrt zu schiessen. Fangen wir vorne an: Weiterlesen

Fassadensuchbild:
Ein Fall für HDR

„Wimmelbilder“, Fotografien mit reichem Gehalt, sollten dem Betrachter so viel davon wie möglich optisch erschliessen. Hier wäre eine Aufhellung des Innenraums der Apotheke wünschbar.

Farmacia Ruiz Lopez in Cordoba

Farmacia Ruiz Lopez in Cordoba © Frank Braad Nikon D80 , 1/125s bei Blende f/5.6 mit 38mm Brennweite und ISO 160

Farmacia Ruiz LopezFrank Braad aus Aalten (Niederlande) schreibt zu diesem Bild: Die geometrischen Formen dieserApothekenfassade bekommen durch die beobachtende Figur einen zusätzlichen Akzent

 

Ich mag Fotografien, die Geschichten erzählen. Und seien sie noch so kurz.

In dieser Farbfotografie sehen wir einen Teil der Fassade eines Gebäudes mit einem Wandmosaik/Gemälde, einer offen stehenden Türe und einer Person rechts neben der Türe, die vor einem Informationskasten an der Hauswand steht, aber den Kopf leicht nach links gedreht hat und in den Raum hineinschaut.  Das Wandgemälde und die Verzierung über der Türe, wie auch die Beschriftung des Informationskastens zeigen, dass es sich um eine Botica, eine Apotheke, handelt; das Wandgemälde lässt noch dazu starke maurische Einflüsse erkennen.

Was die Fototechnik betrifft, ist an dem Bild zunächst alles in Ordnung, obschon das sehr dunkle Innere hinter der offenen Türe irritiert – ich komme darauf zurück. Das Bild scheint zur besten Zeit am frühen Abend nach Sonnenuntergang aufgenommen worden zu sein, es fehlen harsche Schatten und Kontraste.  Weiterlesen

Schwarz-Weiss-Porträt:
Der Dampflokführer

Bei einem Porträt sollte das Gesicht des Modells zu erkennen sein. Es ist immer das Zentrum des Motivs und der Aufmerksamkeit.

Dampflokführer in Schwarz-weiss fotografiert

Sony Nex 3, 1/25s bei Blende f/5.6, 55mm und 1600 ISO. © Michael Calcada

Michael Calcada aus Springe schreibt zu diesem Bild: Das Bild entstand während einer kurzen Pause auf einer Fahrt mit einer Dampflok.
Ich mag Bilder in SW mit diesem harten Kontrasten. Bei diesem Bild gefällt mir der Effekt besonders, da er für meinen Geschmack gut zur Lichtstimmung, zum Aufnahmeort und der Situation passt.

Die Aufnahme entstand mit einer Sony NEX-3 mit 55mm Objektiv, einer Belichtungszeit von 1/25s bei Blende f 1/5.6 und ISO 1600. An der trotz hohem ISO-Wert langen Belichtungszeit lässt sich ablesen, dass es in der Dampflok ziemlich dunkel war. Selbst wenn außerhalb der Lok die Sonne hinter Wolken versteckt war, ergibt sich dennoch ein sehr hoher Motivkontrast, der an die Grenzen dessen geht, was ein Sensor verarbeiten kann, oder auch darüber hinaus. Weiterlesen

Bildkritik Eichenporträt:
Schönheit am Rande des Waldes

Bei diesem Porträt einer alleinstehenden Eiche genügt ein bisschen mehr Tiefe, um einem symbolträchtigen Motiv den letzten Schliff zu verleihen.

Canon PowerShot S5 IS - ISO 80 - f/ 3,5 - 1/100 s – ca.18 mm (KB) – © Dr. Gerald Kaiser

Canon PowerShot S5 IS – ISO 80 – f/ 3,5 – 1/100 s – ca.18 mm (KB) – © Dr. Gerald Kaiser

Unser Leser Dr. Gerald Kaiser aus Elmenhorst hat uns das obige Bild unter dem Titel „eiche im gutspark 2012” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu: „die aufnahme entstand im rahmen eines openairgottesdienstes kurz nach dem tode meines vaters”.

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Leserfoto – „Das steinerne Böse“:
Farbe und Kontrast

Wann und wie sollte man nachbearbeiten?

(c) Moritz Griebl
Dieses Foto ist auf einer Reise durch Albanien im Jahr 2013 entstanden. Mitten in der Hauptstadt Tirana leiß sich der ehemalige Diktator Enver Hoxa eine Art Pyramide bauen, um sich dort ein Denkmal zu setzen. Nach dem zusammenbruch des Ostblocks eroberte sich das Volk diesen Ort zurück und es wurden Technopartys in der Pyramide gefeiert. Jetzt steht es wei eine Art Mahnmal in der Stadt und erinnert an die Schreckensherrschaft. Etwas ähnliches wollte ich auch mit diesem Bild ausdrücken, bei dem einem dieses grausige Gesicht aus Stein direkt anblickt.

Vor ein paar Jahren sind mein Sohn und ich durch Berlin gelaufen, und haben fast nichts anderes als Graffiti fotografiert. Für viele Hauseigentümer dort ist es Verschandelung ihres Eigentums, für andere Ausdruck der Volksseele – und für den Fotografen ein willkommenes Sujet fast überall in den Großstädten der Welt. Da mir visuell der Bezug zu Tirana fehlt, werde ich das Bild aufgrund dessen beurteilen, was sich mir zeigt.
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Leserfoto – Beelitzer Heilstätten:
Auf halben Wege stehen geblieben

Bilder kommen selten perfekt aus der Kamera, und deshalb erspart ein attraktives Motiv allein effektive Nachbearbeitung grundsätzlich nicht. Zu einem guten Foto gehört mehr.

(c) Tobias Scheck

Das Bild wurde wärend einer Fototour in den Ruinen der Beelitzer Heilstätten aufgenommen.
Was mich an dem Bild fesselt, sind zum einen die, wenn auch schwach zu erkennen, knalligen Farben
und zum anderen das Ungewisse, was einen hinter der Tür erwarten könnte. Mein Ziel war es
genau diese Ungewissheit einzufangen und im Bild festzuhalten.

Verlassene Gebäude üben auf uns einen Zauber aus, dem wir uns nur schwer entziehen können. Hier kann man Geschichte fühlen und sehen, und der langsam fortschreitende Verfall und etwa zurückgelassene Artefakte bieten sich als Motive regelrecht an. Viele auf „UrbEx“ („urban exploration“) spezialisierte Fotografen nehmen für Aufnahmen sogar in Kauf, wegen unerlaubten Betretens verhaftet zu werden und ein Bußgeld zu kassieren. Orte und Zugang zu ihnen werden oft als „Betriebsgeheimnis“ gehütet.

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Leserfoto:
Melancholie einer Industriebrache

Unsere heutige Bildbesprechung zeigt ein gelungenes Beispiel eines industriellen Stillebens.

Ausgangsbild

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„Letzte Spuren eines Kosmetikherstellers“ nennt unser Leser Matthias Binder aus dem sachsen-anhaltinischen Zeitz sein Bild, welches er uns in der Kategorie ‚Stilleben‘ zur Besprechung eingereicht hat. Er schreibt dazu ergänzend: „Glaubt man den Gerüchten, so werden im kommenden Monat die ehemaligen Zitza Zeitz Werke (vormals Firma Oehmig-Weidlich Zeitz) abgerissen. Für mich ein Grund die Fabrikgebäude nochmals aufzusuchen, um letzte Spuren des Kosmetikhersteller zu suchen. Anfang der neunziger Jahre wurde die Produktion eingestellt. Eines der letzten Produkte war die Herren-Kosmetikserie ‚Macho‘. In einem der Produktionsräume habe ich dieses Motiv entdeckt. Die Tageszeitung ‚Neue Zeit‘ sowie auch die Pflegeserie ‚Macho‘ haben den Sprung in die neue Zeit nicht geschafft. Beide gibt es heute nicht mehr.“

Über die Ausrüstung und Aufnahmedaten erfahren wir nichts. Die geringe Schärfentiefe und das schöne Bokeh lassen aber an eine lichtstarke und wertige Optik denken. Matthias betreibt die Fotografie ernsthaft, wie seine durchaus sehenswerte Website mit Portfolio und Blog erkennen läßt.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Leserfoto:
wunderschöne, klirrende Kälte

Der Schnee blendet, die Luft ist klirrend kalt und die Landschaft ist in blaues Licht getaucht. Doch wie zeigt man Kälte in Schwarz/Weiss?
© Rainer Bachmann
Kommentar des Fotografen:

Diese drei Bäume hoben sich schön vor einer frischverschneiten Waldlandschaft ab. Dazu kam ziemlich heftiges, diffuses Seiten- bis Gegenlicht. Ich hatte das Bild im Prinzip schon in Schwarzweiß im Kopf, war mir aber ob des starken Lichts und der glitzernden Schneedecke nicht sicher, ob auch alle verschiedenen Grauwerte rüberkommen würden, oder das ganze Bild in einem zu harten Kontrast ´absaufen´ würde. Ich bin eigentlich ganz glücklich damit und habe das Bild nicht punktuell bearbeitet, sondern lediglich den Kontrast ein wenig erhöht, so daß die drei Bäume sich schön abheben. Kann damit auch ein Profi leben?

Marke: Canon
Modell: Canon EOS 500D
Belichtungszeit: 1/200
ISO: 100
Blende: 11/1
Brennweite: 46/1

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Das Bild von Rainer zeigt eine Winterlandschaft wie man sie in ländlichen Gegenden finden kann: ein satter Nadelwald im Hindergrund und davor ein paar vereinzelte kahle Laubbäume. Weiterlesen

Leserfoto:
Film Noir Schnappschuß – Geschichten erzählen

Verfallene Gebäude allein sind interessante Fotomotive. Wenn man dann innerhalb des Gebäudes noch eine Geschichte findet, die das Foto erzählen kann, muß man sich anstrengen, kein gutes Bild zu machen.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Pihan Sascha)

Kommentar des Fotografen:

Die aschaffenburger Jäger und Artillerie Kaserne der USA. Lange verlassen und ziemlich verfallen. Zum Glück nicht so verfallen, dass man nicht mal auf einen kleinen Phototrip rein kann. Die Puppe habe ich im ersten Stockwerk auf der Fensterbank gesehen und war sofort begeistert.Einzig die Szenerie im Hintergrund hat nicht so gut zur Gesamtstimmung gepasst, weshalb ich ein wenig nachgeholfen habe.

Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Pihan Sascha:

Verlassene Gebäude sind ein beliebter Tummelplatz für Fotografen. Insbesondere, wenn stellenweise Farbe abgeblättert ist oder noch Artefakte der ehemaligen Bewohner herumliegen, kann man in so einer Umgebung ohne weiteres Stunden zubringen und muß sich wirklich bemühen, KEINE guten Aufnahmen zu machen.

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Bildbearbeitung:
Abwedeln und Nachbelichten in der Digitalfotografie (2)

Der nachfolgende Artikel befaßt sich mit den Möglichkeiten des Abwedelns und Nachbelichtens. Im vorangegangenen ersten Teil ging es um die Herkunft und Bedeutung dieser Technik. Im heutigen zweiten Teil werden praktische Aspekte mit einem Bearbeitungsbeispiel aufgezeigt.

Praktische Umsetzung
Die zuvor schon angeführte, schonendere Methode besteht im Grundsatz darin, zwei neue Ebenen mit 50% Grau zu füllen und diese der eigentlichen Bildebene zu überlagern. Die als „Weich“ bezeichnete Ebene wird dabei im Modus „Weiches Licht“, die als „Hart“ bezeichnete Ebene im Modus „Ineinanderkopieren“ mit 100% überlagert. Wie sich in den Ebenenbezeichnungen andeutet, kann durch Wahl der Arbeitsebene eine sanftere oder energischere Bearbeitung durchgeführt werden.
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