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Langzeit-Belichtung aus der Hand:
Flatterhaft

Was wir angesichts der digitalen Technik häufig vergessen: Dass man auch mit diesen Kameras spannende Langzeit-Aufnahmen, Mehrfach-Belichtungen und andere kreative „Fehler“ machen kann.

Möwen in Langzeitbelichtung

Nikon D5500,1/4s bei Blende 18 mit 105mm Brennweite und ISO 100 © Ingrid Steinmel

Ingrid Steinmel aus Kriftel schreibt zu diesem Bild: Aufgenommen bei Sonnenuntergang in Ahlbeck auf Usedom mit einer Nikon D5500 mit AF-S Nikkor 18 – 105 mm. Eine Frau warf von der Seebrücke aus Brotstückchen in die Luft und ich habe einige Aufnahmen von den Lachmöwen, die nach dem Brot gejagt haben, gemacht. Dieses Bild gefällt mir besonders gut, weil zwei der Vögel noch erkennbar sind, der Rest aber nur noch schwirrende Formen vor einem tiefblauen Meer. Die Bildaufteilung ist unter den Umständen Glücksache, von daher konzentriert sich das Geschehen in den oberen zwei Drittel. Mich würde interessieren, ob ich es mit der Nachbearbeitung hinsichtlich der Farben übertrieben habe.

Ich hatte diese Ausnahme markiert und wollte sie schon für später reservieren, wenn ich wieder an einem kalibrierten Bildschirm sitze. Schliesslich fragst Du nach den Farben. Und die wollte ich nicht am Notebook-Computer im Zug beurteilen. Und dann dachte ich: Kann man es denn mit der Farbe übertreiben?

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Void:
Emotion in Licht und Schatten

Fotografie kann abstrahieren, und sie kann impressionistisch funktionieren. Diese Aufnahme will Stimmung vermitteln, nicht etwas zeigen. Trotzdem hält sie sich an einige Regeln.

© Rolf Kretzschmar, „Void“, Olympus C3040Z Aufnahmedaten: 1s bei Blende 18 mit 7.3mm (KB-Äquivalent rund 35mm) Brennweite und ISO 277

Rolf Kretzschmar aus Aachen schreibt zu diesem Bild: Das Foto habe ich aus mehreren Fotos ausgesucht, die am selben Ort zur selben Zeit aufgenommen wurden.
Ort ist der „Turm der Stille“ im Jüdischen Museum Berlin, zu der Zeit, als das Museum noch neu und leer war.
Der Ort hat eine unglaubliche Aura: Ich stehe in einer der drei Ecken des viele Meter hohen Raumes, der nur eine kleine Lichtöffnung an der Spitze hat. Menschen betreten den Raum durch eine schwere Metall(?)tür, und verschwinden wieder. Niemand spricht, als wäre es verboten…. Das Verschwinden der Menschen (ich werde allein gelassen) macht mir Angst. Ich bin plötzlich den Menschen, denen dieser Raum gewidmet ist, nahe.
Kann man dies durch ein Foto vermitteln? Aus fünf Fotos habe ich mich für diese Version entschieden.
Gerne hätte ich gewusst, ob ich die richtige Entscheidung getroffen habe. (Falls gewünscht, schicke ich einen Dropbox-Link zu den anderen Fotos.) Seit Jahren suche ich immer wieder nach Motiven, bei denen Menschen ins Bild kommen oder verschwinden (Siehe „Tanz in Venedig“). Leider waren die Ergebnisse mit meiner alten Olympus 3040Z alle besser als die mit meiner Lumix GH4. Das Foto ist völlig unbearbeitet.

Zu dieser Farbfotografie wird zunächst einiges klarer, wenn man die Technik anschaut, mit der sie entstanden ist. Es handelt sich um eine Olympus-Digitalkamera aus dem Jahre 2001, die damals typische, heute sehr bescheidene 3,3 Megapixel aufzeichnet und einen Cropfaktor von 4.8 aufweist. Die Aufnahme wurde mit rund einer Sekunde, ich schätze aus der Hand, belichtet, und das bei einer Empfindlichkeit von nicht ganz 300 ISO. Der Bildwinkel liegt bei einem leichten Weitwinkel von auf Kleinbild-Standardformat umgerechnet 35 Millimetern.

Die Aufnahme kann als Low-Key-Fotografie durchgehen, weil sie sehr geringe helle Bildanteile hat und ganz bewusst dunkel wirken soll. Als Langzeitbelichtung aus der Hand fotografiert weist sie eine gewisse Unschärfe auf, die aber nicht störend wirkt. der Motivgehalt liegt an der Grenze zum Abstrakten, ist aber noch als Ausgang eines dunklen Raums, in dem sich der Kamerastandort befindet, erkennbar. Am Boden des Raums bildet ein gleissender, in der Türöffnung bis zum Weiss ausgebrannter Lichtkeil den Durchgang ab. Die rechts neben dem Fotografen in der Raumtiefe verlaufende Wand ist nur anhand dieses Einschnitts überhaupt erkennbar, sie wird durch die Türöffnung durchbrochen. An der nach aussen geöffneten Türe zeichnet sich eine Lichtspiegelung von aussen ab. Ausserdem ist erkennbar, dass die Türöffnung nicht rechtwinklig, sondern gegen obern schmäler ist. Im Widerschein des Lichts vom Boden, der die Wand neben der Tür aus der vollkommenen Dunkelheit heraushebt, sind die Wände als roher Beton erkennbar. Der Boden hat ebenso wie die Türe einen leichten Braun/Rotton. Der Türrahmen gehört zu den wenigen bildhaften Linien, welche die Aufnahme als nicht vollends abstraktes Bild und als nicht vollkommen unscharf outen.

Streng gesehen ist die Aufnahme mit einer Sekunde Belichtungszeit aus der Hand nicht ohne Unschärfe zu machen. Sie weist auch eine etwa an der Lichtkante auf dem Boden erkennbare Verwackelung auf und ist  damit „missglückt“.  Weil es dem Fotografen aber gar nicht um eine makellos bildhafte Darstellung des Raumes geht, und weil das aufgrund der Lichtverhältnisse für den Betrachter klar erkennbar ist (sonst hätte man hier mit Blitz/Beleuchtungsinstallationen/vom Stativ mit extrem langer Belichtungszeit fotografiert), wird die technische Imperfektion zum Stilmittel.

Kompakte fotografieren „abstrakter“

Bisweilen sind für Abstrakte Aufnahmen und Impressionistisches wie dieses Bild die kompakten Point-and-Shoot-Kameras besser geeignet als die grossen, einstellungsreichen Spiegelreflex. Denn sie sind genau darauf ausgerichtet, auch noch unter schwierigsten Umständen ein für den Normalverbraucher „akzeptables“ Bild zu liefern, während die SLR kompromisslos auf Foto-Qualität ausgerichtet sind. Will heissen: Die Automatik einer Kompakten stellt auch schon mal den ISO-Wert extrem hoch, die Kamera löst auch aus, wenn der Fokus nicht richtig gesetzt ist etc pepe.

Diese technischen „Grenzwerte“ musst Du bei einer SLR manchmal erzwingen, vielfach aber zumindest selber einstellen, via Belichtungskorrektur etwa drei Blenden abdunkeln, den ISO-Wert erhöhen, die Blende weiter öffnen und eben, beispielsweise bei meinen Nikons, tief im Menu einstellen, dass die Kamera auch dann auslöst, wenn der Fokus nicht perfekt sitzt. Wenn Du häufig solche Situationen antriffst und abstrakt fotografieren willst, übe sie mit der Lumix. Letztlich erhältst Du näher an Deiner Vorstellung liegende Fotografien, wenn Du den Look über die manuelle Einstellung der modernen Kamera ansteuerst.

Einschub: Ich finde das grundsätzlich bemerkenswert, wie klar sich eine Absicht zur Abstrahierung von einem Zufall unterscheiden lässt. Ich habe bisher noch keine Methode gefunden, an was man es benennen könnte. Wir erhalten aber monatlich viele Fotografien von Leserinnen und Lesern, bei denen sich klar eine gewollte oder immerhin eine gelungene Abstrahierung von den vielen zufälligen, die „auch noch ganz gut“ wirken, abheben.

tdsdrittel

Die Komposition der Aufnahme ist innerhalb der klassischen Regeln verlaufend, nämlich in den Dritteln: Der Türausschnitt begrenzt die Drittelslinien.

Wenn wir hier also davon ausgehen, dass jedem Betrachter und jeder Betrachterin sofort bewusst ist, dass diese Aufnahme nicht „etwas“ zeigen soll und das nicht mit ausreichend Licht oder scharf tut, dann haben wir ein impressionistisches Bild, das auf einer Situation oder einem Gegenstand beruht, aber ein Gefühl, eine Stimmung ausdrücken will. Das ist selbstredend eine Eigenschaft einer jeden künstlerischen Fotografie: Es geht immer um die Emotion, die transportiert wird, sonst spräche man von Grafik oder von Dokumentation.

Du beschreibst die Wirkung, die der Raum auf Dich hatte, die Situation, in der Du Dich befandest, und die Emotion, die beides ausgelöst hat. Und Du beschreibst das in Worten zur Erläuterung der Fotografie. Die Frage lautet, ob Du das richtige Bild ausgewählt hast, um die beschriebene Stimmung wiederzugeben.

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Zum einen dürfte diese Wirkung individuell sehr unterschiedlich sein; ich kann aber bestätigen, dass die von Dir beabsichtigte Wirkung sich bei mir eingestellt hat und ich auf die Fotografie auch ohne Beschreibung sofort aufmerksam wurde. Zum einen wirkt sie durch die Dunkelheit, den Low-Key, bedrohlich, nicht umsonst handelt es sich um das Stilmittel des Film Noir. Zugleich aber gerät das keilförmig eindringende, von aussen und vor allem von rechts eindringende Licht zum Hoffnungsschimmer. Schmale Lichteinfälle  werden in der Kunst nicht erst seit der Romantik und auch nicht ausschliesslich in christlich-religiösem Zusammenhang im Barock als Darstellung von Verheissung und Göttlichkeit eingesetzt. Im Englischen heissen durch die Wolkendecke brechende Sonnenstrahlen, die aufgrund von athmosphärischer Feuchtigkeit besonders klar zu sehen sind, „Godbeams“, Gottesstrahlen, genannt.

Bemerkenswert ist auch der Lichteinfall und seine Wirkung. Das Licht kommt von rechts, aus dem Osten, aus der Richtung der aufgehenden Sonne; das Licht lässt auf einen „zunehmenden Mond“ schliessen. Für uns in der westlichen Gesellschaft sind das positive Signale im Gegensatz zu abnehmendem Lichteinfall von Links, was Abend, Sonnenuntergang, abnehmender Mond bedeutet.

Deine Frage zu dem Bild bezieht sich nicht auf die Bearbeitung oder die Komposition, sondern auf die Auswahl des Bildes aus mehreren, mit denen Du die Stimmung auszudrücken versuchst, die Dich überfiel in dem Raum.

Ich habe Dein Angebot angenommen und mir die andern Aufnahmen zuschicken lassen, und ich komme zum gleichen Schluss wie Du: Dies ist das beste Bildfür den impressionistischen Zweck, den es hat. Zwar sind auf einigen der andern Fotografien Menschen zu sehen, aber sie verstärken nicht die Emotion, sondern relativieren den Raum.

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Demnach ist der Türausschnitt, der hier isoliert betrachtet gross und breit erscheint und damit den Raum noch viel grösser, und die Leere, die Du mit dem Titel „Void“ ausdrückst, nahezu fühlbar macht, eigentlich verhältnismässig klein. Der Grössenvergleich mit den Menschen setzt auch die Höhe des Raums, der durch Deine Bildkomposition wie ein nach oben offenes Nichts erscheint, wie der Negativraum an sich, plötzlich wieder zu einer Kammer.

Die Frage, welches Deiner Bilder am besten zu Deinem Eindruck passt und ihn ausdrückt, hast Du richtig beantwortet. Die Aufnahme an sich ist ein sehenswertes Bild, mit dem man sich eine Weile auseinandersetzen muss.

Bachlauf-Foto:
Das Motiv isolieren

Landschaftsfotografie bietet viele Nischen für spannende Detailansichten – es muss nicht immer das Tal von vorne bis hinten sein. Gerade bei Wasserläufen ist wesentlich, dass sich der Fotograf für ein Motiv entscheidet.

Kamera: Canon EOS 600D Aufnahmedaten: 25/10s bei Blende 11/1 mit 104/1mm Brennweite und ISO 100

Canon EOS 600D, 2.5s bei Blende 11 mit 104mm Brennweite und ISO 100.

Fabian Rose aus Bingen: Diese Fot ist in unserem Urlaub im Harz entstanden. Es zeigt die Ilse etwas anders. Dies war mit der erste Versuch Bilder mit längerer Verschlusszeit und Stativ zu machen.

Ein Ausschnitt aus einem Bachverlauf zeigt diese Farbaufnahme. Der Fotograf scheint im Gewässer drin zu stehen und hat das Bächlein  aufwärts der Flussrichtung fotografiert. Ungefähr in der horizontalen Mitte der Aufnahme fliesst der Bach übher eine kleine Schwelle aus mehreren Steinen, von denen zwei mit herbstlich-buntem Laub bedeckt sind. Die Belichtungszeit hat das Wasser zu weissen Vorhängen verwischt. In den ruhigen Wasserpartien spiegelt sich ein eigenartig hellgrünes Licht.

Glückwunsch zu Deinem ersten Wasser-Stativ-Langzeit-Bild. Es ist durchaus gelungen und lädt zum Anschauen ein. Die Schwelle in der Bildmitte schafft Rhythmus , und die fein verästelten Flussstufen sorgen für Dynamik.

Technisch gesehen hast Du Dich für klassische Einstellungen in der Landschafts-Detailfotografie entschieden: mittlere Blende für durchgehende Schärfe, etwas längere Brennweite, um das Gewässer zusammenzuziehen und tiefe ISO für eine Langzeit-Belichtung. An diesen Diengen ist nichts auszusetzen, allerdings hätte ich mich für eine etwas längere Belichtungszeit (und damit für eine noch kleinere Blende oder einen Neutralgrau-Filter (Affiliate-Link)) entschieden: Der feine Schaum auf dem Auslauf des „Wasserfalls“ im Bildvordergrund ist irgendwo zwischen den Zeiten hängengeblieben. Er ist nicht wirklich sichtbar, aber auch nicht verschwunden – 2.5 Sekunden reichen dafür nicht aus.

Ebenfalls überprüfen würde ich den Weissabgleich: Hier scheint mir das Grün doch etwas zu intensiv, auch wenn ein frühlingshaftes Blätterdach in der prallen Sonne wahrscheinlich ungefähr diesen Farbton auf den Boden bringt. Lightroom hat bei mir in der Anpassung des Weisstons auf das Wasser dann doch ein etwas wärmeres Licht angenommen.

Weissabgleich des Bachfotos etwas wärmer

Weissabgleich des Bachfotos etwas wärmer

Noch eine handwerkliche Grösse, die ich überprüfenswert finde, ist die Lage des Bildausschnitts, respektive die Neigung des Bodens. Denn auch wenn es bei Wasser ausser bei Seen oder dem Meer mit einem geraden Horizont nicht ganz einfach ist – es gibt, und grade bei fallendem Wasser, Hinweise auf die Lage des virtuellen Horizonts. Dein Bild halte ich für rund fünf Grad nach links gekippt. Das ist nicht absolut eindeutig feststellbar, aber es gibt Indizien.  So geht fallendes Wasser auch in einem Fluss oder einem Bach relativ schnell aus der Flussrichtung in den freien Fall – und damit in eine exakt senkrechte Falllinie – über. Das heisst, dass die geraden Linien unterhalb jedes „Wasserfall-Bogens“ in der Stufe hier im Lot stehen müssten, und demnach, dass der kleine Bogen, den wir genau von vorne sehen, exakt senkrecht stehen muss.

Falllinie des Wassers

Falllinie des Wassers

Wenn man diese fünf Grad korrigiert, kommt dies dabei raus:

Wasserfalllinie, korrigiert

Das geht aber zulasten einiger Teile des Bildes, wie immer, wenn man etwas gerade stellen muss:

Ausschnittwinkel

Fünf Grad nach rechts gekippt: Es fallen Bildanteile weg.

Bis jetzt haben wir die Aufnahme also neu beweisst und geradegekippt, aber das ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Denn das wichtigste an der Aufnahme ist die Komposition.

Die ist hier eindeutig auf die drei Steine in der Schwelle des Baches ausgerichtet – aber sie macht sie nicht wirklich und konsequent zum Motiv. Das Problem: an den Rändern franst die Aufnahme aus, es gibt viele Ablenkungen und Kleinigkeiten wie die Ästchen unten rechts oder das tote Stück Holz oben links, die den ganzen Eindruck etwas struppig machen und von der zentralen Bildkomponente ablenken.

Ich habe gelernt, in Detail-Landschaftsaufnahmen zuerst herauszufinden, was mein Motiv ist: In Deinem Fall hier wohl die Schwelle mit den drei Steinen. Danach geht es daran, dieses Motiv aus allen möglichen Blickwinkeln zu betrachten, alle Standorte zu überprüfen und zu sehen, wie es am besten zur Geltung gebracht werden kann. Dabei, sagen meine Lehrer wie Gary Hart, ist besonders wichtig, dass der Rahmen der Komposition keine „Lecks“ hat: Dass nichts in die Aufteilung des Bildes hinein- oder zu harsch hinausragt.

Die drei Steine der Schwell im Bildzentrum sind das Motiv. Sie sollten so gut wie möglich freigestellt werden.

Die drei Steine der Schwell im Bildzentrum sind das Motiv. Sie sollten so gut wie möglich freigestellt werden.

Das ist allerdings der letzte Schritt in der Komposition; zuerst muss die Position gefunden werden, die das Motiv isoliert oder in einen Kontext setzt, die auf jeden Fall am nächsten an das heranreicht, was Du fotografiert haben willst, und dabei am wenigsten Kompromisse eingeht. Fotografie ist auch hier oft die Kunst der Reduktion, auch wenn man bisweilen loslassen und sich von etwas verabschieden muss, was man im Hintergrund des Bildes für einen Gewinn hält. Es lohnt sich übrigens immer, das schon vor Ort und bei der Komposition zu machen und nicht darauf zu vertrauen, dass man aus den x-Megapixeln zu Hause das eigentliche Bild dann schon herauscroppen kann.

Ich hatte ein lehrreiches Erlebnis in  einem Workshop auf Hawaii (mit besagtem Gary Hart) an einem Wasserfall. Mir gefielen die vom Umgebungslicht zum Leuchten gebrachten Farne neben dem Wasserfall, und ich begann, mich immer stärker mit dem Grün zu befassen und das Weiss und Blau des fallenden Wassers nur noch als Kontrast zu nutzen. Nach sicher zwanzig Minuten herumprobieren war mir langsam auch klar geworden, dass die kleinen, braunen Lianen neben dem Farn und die rundblättrigen Pflanzen, die dazwischen wuchsen, das Bild ergaben, das mich interessierte, und es entstand diese Aufnahme, in welcher der Wasserfall zwar vorkommt und unverkennbar ist, aber das Augenmerk auf mein Motiv und die von der Natur so spannend angeordneten Linien gelenkt wird.

Wasserfall: In dieser Fotografie wurde das ursprüngliche Hauptmotiv zum Kontrast degradiert. Die Linien der Lianen greifen die Fallinien des Wassers auf, die leuchtenden grünen Pflanzen setzen grosse Akzente und kleine Punkte. © Peter Sennhauser

Ich will damit sagen, dass das eigentliche Bild (oder Dutzende guter Bilder) vielfach in der Ansicht drin steckt, die man vor sich hat, aber nicht unbedingt gleich die Ansicht ist. Man muss sich zuerst damit beschäftigen, die verschiedenen Schichten und Teilmotive aufdecken und auseinandernehmen, bis man schliesslich erkennt, was es war, was einem am ursprünglichen Überblick so fasziniert hat.

Das geradegestellte und etwas aufgewärmte Bild.

Das geradegestellte und etwas aufgewärmte Bild.

Dein Bild ist ein gutes Beispiel, denn Du hast das Auge gehabt, die Szene zu erkennen, aber vielleicht nicht die Geduld, die Erfahrung oder den Wunsch, daran lange genug zu arbeiten, um das Motiv zu isolieren.  Versuchs mal, es lohnt sich.

Das Sternenboot:
Lichtschreiben mit Phantasie

Lightwriting funktioniert mit Langzeit-Belichtungen in der Nacht. Und Sternspuren erzeugt man auch so ab. Warum also nicht beides kombinieren?

Lightwriting-Fotografie das Boot MIa

DAs Boot Mia. Canon EOS 5D Mark III 30s bei Blende 2.8 mit 24mm Brennweite und ISO 800

Florian Beyer aus Altdöbern schreibt: Das Foto ist eine Lightwritingaufnahme, kombiniert mit Sternenspuren. Die blauen Lichter deuten Wellen an, in denen das Boot Mia in See sticht. Hierbei handelt es sich um einen Aussichtspunkt am zukünftigen Cottbuser Ostsee. Zukünftig, weil hier bis vor kurzem noch ein Tagebau im Betrieb war. Die angedeuteten Wellen in Verbindung mit den Sternenspuren sollen bereits einen Blick auf die Zukunft der Landschaft geben.

Ich habe nachgefragt: Erstens konnte ich nicht glauben, dass die Lichtschreiberei (Affiliate-Link) in dieser Fotografie parallel zur Langzeitbelichtung der Sterne (Affiliate-Link) stattgefunden hat. Und zweitens habe ich nicht gewusst, wie man die nach hinten auslaufenden Sternspuren überhaupt erzielt.  Weiterlesen

Langzeitfotografie Buhne Altnau:
Gleichmass ist der Feind des Kontrasts

Wer eine Alternative Foto-Kompositionen mit geometrischen Mustern sucht, läuft schnell Gefahr, der Mitte und den Diagonalen durch die Ecken zu verfallen. Das geht meist nur im Quadrat gut.

Buhne in Altnau

Nikon D7000 60s bei Blende 11 mit 17mm Brennweite und ISO 100 © Pirmin Dewor

Pirmin Dewor aus Wolfegg schreibt zu diesem Bild: Dieses Foto habe ich in Altnau (Schweiz) am 18.06.2016 aufgenommen. Weil der Bodensee gerade einen sehr hohen Wasserstand aufweist, war meine Intention, die Buhne von Wasser umgeben abzulichten. Mir war bewusst, dass es bereits viele Fotots von dieser Buhne gibt, aber alle im Querformat und diagonal aufgenommen. Mein Anreiz war es, eine andere Perspektive zu finden. In dieser sollte die Buhne nicht nur diagonal zu sehen sein. Der lange Steg von Altnau sollte sich zudem im Hintergrund leicht abzeichnen. Für meinen Perspektivenwechsel musste ich nasse Schuhe in Kauf nehmen, um die Kamera passend zu platzieren. In dieser Ausrichtung findet sich eine verjüngende Diagonale der Buhne wieder, die gleichzeitig eine geraden Ausrichtung aufweist. Im Horizont ist noch schwach der bekannte und sehr lange Anlegesteg zu sehen. Diese Perspektive macht das Bild für mich sehr interessant. Aufgenommen wurde das Bild mit einer Nikon D7000 und einem Sigma 17-70 2.8-4 Objektiv. Zusätzlich verwendete ich einen 3,0 Graufilter und einen Verlaufsfilter für die Langzeitbelichtung. Für mich liegt die Schwierigkeit noch in der Bildkomposition, da ich erst seit zwei Monaten intensiver fotografiere.

Diese Fotografie zeigt eine Buhne, und mir bringt sie zugleich einige neue Wörter bei: „Buhne“, auch als Stack, Höft, Kribbe, Schlenge oder im Alpenraum Schlacht bezeichnet, ist laut einschlägigen Websites ein Küstenschutzbau.

Solche von Menschenhand geschaffenen Bauwerke an Ufern und Küsten sind beliebte Fotomotive, weil sie mit ihrer redundanten Ordnung einen Kontrast zur natürlichen Uferlinie bilden und dennoch meistens selber aus Naturstoffen bestehend nicht zu stark abfallen.  Weiterlesen

Feierabend am Pier:
Nichts steht still

Nachtfotografie ist dank Digitalkameras einfacher geworden, aber lange Belichtungszeiten sind noch immer eine Herausforderung. Hier ist die zu verbreitete Bewegungsunschärfe ein Problem.

Nachtfotografie zweier Fischer am Ufer in Myanmar

Nikon D600, f/2.8,ISO 1600, 5s, 14mm – © Reto Meier

Reto Meier aus Biel/Bienne CH: Das Bild ist auf meiner letzten Reise in Myanmar entstanden. Meine Reisekollegen und ich sind am Abend noch zum Fluss runter und sind dabei diesen Fischern begegnet. Sie sassen so still da, dass eine „Langzeitbelichtung“ möglich war. Das Licht kommt von einer Strassenlampe und einer Taschenlampe.
Bearbeitet wurde, ausser dem Anpassen der Farben, nichts.

Ein sehr stimmungsvolles, aufmerksamkeiterheischendes Bild, in dem leider fast sämtliche Teile von Bewegungsunschärfe oder Verwackelung betroffen sind: Weiterlesen

Mittägliche Langzeitbelichtung:
Der Strandkorb

Mit einem «schwarzen Glas» vor dem Objektiv eine Langzeitaufnahme am heiter hellen Tag zu erzwingen: Damit hat Heino hier eine originelle Sommer-Endstimmung konzipiert.

Strandkorb am scheinbar menschenleeren Strand. Tatsächlich handelt es sich um eine Langzeitbelichtung

Strandkorb am gar nicht so menschenleeren Strand. © Heino Klinnert, ISO 100, 24 mm, f8 und 172 Sek

Heino Klinnert aus Blaustein schreibt: Das Bild entstand im letzten September auf Usedom. Entsprechend dem Titel «Ende des Sommers» war meine Idee, einen einzelnen Strandkorb vor menschenleerer Uferkulisse abzulichten. Die Farb- bzw. Lichtstimmung sollte den jahreszeitlichen und nachmittäglichen Charakter unterstützten. Da der Strand durchaus gut frequentiert war, konnte der Ansatz nur durch Einsatz von ND-Filtern gelingen. In der Kombination zweier Filter wurde die Belichtungszeit um den Faktor 60’000 verlängert. Da ich die restlichen Urlauber ausschließlich mittels der Belichtungszeit eliminieren wollte, gab einzig dies den Ausschlag für die letztlich gewählte Belichtunszeit. Förderlich empfinde ich bei Einsatz der Filter, dass durch die Bewegung der Wolken der Aspekt eines zeitlichen Ablaufes (die Zeit vergeht, während der Strandkorb einsam am Strand zurückbleibt) in das Bild Einzug hält.

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Konstanzer Rheintorturm als Abstrakt:
Einen Dreh anders

Über Linien und Farbklekse hinaus: gute Abstrakte verraten einen eigenen künstlerischen Gedankengang.

Canon PowerShot G1 X, 4s, ISO 100, f/16, 15.1 mm - (c) Lutz Rauschnick

Zusammen mit einem Jazzmusiker arbeite ich an einem Projekt „Raum und Zeit“, bei dem ich seine fast kontemplative Gitarrenmusik in Serien von Fotos umsetze. Dies ist eine Aufnahme aus der Reihe „Konstanzer Rheintorturm“ (insgesamt ca. 80 Bilder). Mit meiner Canon G1X (Objektiv 15.1-60.4) habe ich bei Blende 16 und ISO 100 vier Sekunden aus der Hand belichtet und dabei nach zwei Sekunden die Kamera um 90 Grad nach rechts gedreht.

Wenn wir im Backend Bilder auswählen, sehen wir zunächst nur die Titel. Du hast uns dieses hier mit dem Titel „Konstanzer Rheintorturm“ geschickt, und eben jenen habe ich erwartet – und ein Abstrakt desselben gefunden.

Abstrakte Kunst/Fotografie ist meiner Meinung nach eine der schwierigeren Kategorien, denn es sieht alles so leicht aus. Man nimmt ein paar Linien ins Foto, ein paar Farbklekse, schon ist das Motiv komponiert. Das nehmen viele jedenfalls an („Mein Hund könnte das malen,“ sagte mal eine Freundin zu mir, als wir eine Ausstellung besucht haben), und vieles auf flickr und anderswo sieht auch so aus. Doch gute Abstrakte zu fotografieren ist aus eigener Erfahrung nicht einfach, und die Meinungen gehen zum fertigen Werk meist weiter auseinander als in anderen Kategorien. Weiterlesen

Wasserfall im Panoramaformat:
„Green as the Falls“ – Weniger mittig

Ausrüstung macht nicht das Bild; Dein Auge und fotografisches Können machen das Bild.

Ausgangsbild

SONY SLT-A57 – 2 s – ISO100 – f/11 – 45mm – (c) Niko Zens

Dieses Bild ist auf einem Wanderweg in Richtung Trimbs entstanden. Man wäre an diesem Motiv einfach vorbei gelaufen, hätte nicht am Wegrand ein Schild mit der Aufschrift „Foto-Stelle“ gestanden, welches einen 50m abseits des Weges führte. Das Bild ist beinahe ein richtiges „Low-Budget-Foto“, ich bin erst 17 Jahre alt und bin somit gezwungen mein Hobby möglichst effizient zu betreiben ;) Das Objektiv, mit welchem ich hier fotografiert habe, ist ein Minolta AF 28-85mm 3,5-4,5 welches ich für einen kleinen, zweistelligen Betrag auf dem Flohmarkt gefunden habe. Hier kam ein ebenfalls ziemlich günstiger Hoya ND-Filter zum Einsatz, platziert war die Kamera auf einem günstigen Einsteigerstativ.. Ich frag‘ mich oft, ob man mehr braucht.

 

Du hast uns das vorliegende Foto mit dem Titel „Green as the Falls“ in der Kategorie „Landschaft“ eingereicht. Zu sehen ist ein weich verschwommener kleiner Wasserfall, eingerahmt von Grün, augenscheinlich im Wald aufgenommen. Aus dem Kontext des Bildes heraus kann man nicht erkennen, um welchen Wasserfall es sich genau handelt, aber das ist auch hier nicht sehr wichtig. Ich mag, wie sich das Wasser im Vordergrund in Wirbeln bewegt, fast schon wie marmoriert. Weiterlesen

Lina Kim/Michael Wesely:
Schattenloses Brasília

Ein schattenloses Brasília: Die Langzeitbelichtungen von Lina Kim und Michael Wesely zeigen die utopische Hauptstadt, als ob die Sonne niemals unterginge.

Eixo Monumental, 2004, copyright Lina Kim & Michael Wesely, VG BildKunst 2012 courtesy Kunsthalle zu Kiel

Über sieben Jahre reisten Lina Kim und Michael Wesely in die vom Architekten Oscar Niemeyer entworfene brasilianische Hauptstadt. Die großformatigen Bilder entstanden in aufwändigen Verfahren.

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