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Brücke im Rampenlicht:
Auf Artefakte achten

Auch Bilder, die fast perfekt erscheinen, sollten als letzten Schritt noch eine Inspektion bekommen, damit auch kleinste Artefakte erkannt und ausgebügelt werden.

Brücke

Adelheid Prünte aus Menden schreibt zu diesem Bild:

Die Aufnahme habe ich in Wilhelmshaven um die Mittagszeit bei außergewöhnlichem Licht gemacht.

Kamera: NIKON D4S Aufnahmedaten: 1/640s bei Blende 16/1 mit 60/1mm Brennweite und ISO 800

Das richtige Licht macht ein Foto zu einem besonderen. So auch dieses. Es könnte fast perfekt sein, wenn nicht ein paar kleine Schönheitsfehler am Ende geblieben wären – aber diese sind leicht zu beheben. Weiterlesen

Abstraktion aus der Kamera:
Bewegte Brücke

Mit minimalen Belichtungsverfehlungen lassen sich zeitweilig sehr spannende Fotos machen. Hier hat der Fotograf die Kamera bewegt – und ein paar andere Tricks angewandt.

Oberbaum-Brücke in Berlin in Bewegung

Oberbaum-Brücke in Berlin in Bewegung. © Martin Wolfert

Martin Wolfert aus Waldbronn: Das Foto habe ich in Berlin auf der Oberbaumbrücke mit einer längeren Belichtungszeit mit meiner Fuji X100 (Affiliate-Link) aufgenommen.
Während des Auslösens habe ich die Kamera ein wenig vertikal nach oben gezogen, um den Bewegungseffekt zu erreichen. Das Foto wurde in Photoshop unter Zuhilfenahme verschiedener Ebenen und zwei zusätzlichen Hintergrundbildern stark bearbeitet. Das Ziel meiner Bearbeitung war es, die Lichtstimmung in der Bildmitte vom dunklen Vordergrund zu separieren, und beides abstrakt zu „interpretieren“.

In diesem quadratisch geschnittenen Bild blickt der Betrachter durch den Innenraum einer gedeckten, stark abstrahierten (Holz-) Brücke in den hellen Teil. Dort sind mindestens vier Personen knapp erkennbar, die aus dem Bild heraus auf den Betrachter zuzugehen scheinen. Die Aufnahme wirkt in der Vertikalen stark bewegt, hat etwas von einem Aquarell, weist aber auch einen durchgehenden Schleier eines Marmor-Musters auf und zeigt in der Bildmitte einen seltsam glühenden roten Punkt.

Der Punkt: Er stört mich, muss ich sagen. Wie überhaupt die zweite Bildebene. Aber der Reihe nach: Weiterlesen

Pferderomantik:
Dem Blick Raum geben

Ein schönes Pferdebild mit grosser Lichtstimmung und Gegenlicht-Halo im Haar von Ross und Reiterin. Die beiden könnten aber ein bisschen mehr Platz vertragen.

Pferd und Reiterin im abendlichen Gegenlicht

Gegenlichtsituation Canon EOS 1100D 1/500s bei Blende 4.5 mit 130mm Brennweite und ISO 400 © Larissa Sellmann

Larissa Sellmann schreibt: Dieses Bild habe ich am 28.12. aufgenommen. Es war ein ungewöhnlich warmer und sonniger Tag für Winter, deshalb bin ich mit meiner Freundin losgezogen um Bilder zu machen. Es war dann schon etwas später geworden und das Abendlicht war wirklich gold, als wir die Besitzerin zweier Pferde traafen, die uns spontan erlaubte mit ihnen Bilder zu machen. Als ich diesen Schimmel sah im goldenen Abendlicht sah, hat es mich sofort an ein Einhorn erinnert. Das war die Idee hinter diesem Bild. Einen magischen Moment festzuhalten. :)
Durch die Kritik, die ich bereits bekommen hab, hab ich viel im Bezug auf Kamera Einstellungen und Bearbeitung geändert. Die Kamera wird vorher eingestellt, dies braucht im Moment noch sehr lange, und bearbeitet wird mit Photoshop Elements 14.
Ganz zufrieden bin ich mit dem Bild allerdings noch nicht. Hoffe ihr könnt mir noch mehr Tipps geben :)

Gleich vorweg: Die Farbstimmung und die Pose sind Dir erneut gut gelungen. Ich verliere am Schluss hier noch ein paar Worte zum Wasserzeichen. Aber zuerst:

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Zarte Landschaftsaufnahme:
Emmentaler Panorama im Nebel

Ein weiteres Beispiel für großartige Landschaftsfotografie, diesmal weniger wuchtig als vielmehr zart. Dabei hilft der Nebel, der in der Landschaftsfotografie eine grosse Rolle spielen kann.

Emmental im Nebel – © Tim Schoch

Unser Leser Tim Schoch aus Emmenbrücke im Kanton Luzern hat uns das obige Bild unter dem Titel „Nebel im Emmental” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu:

Bedingt durch das nicht sehr winterliche Wetter habe ich mich am Nebel versucht – was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Der springende Punkt am Nebel ist ja, dass man kaum etwas sieht, aber wie soll man von «kaum etwas» ein spannendes Foto machen? Von den Versuchen gefällt mir dieses Panorama aus dem Emmental richtig gut, weil es diese Stimmung meiner Meinung nach wiedergibt. Was meint ihr dazu? Zu den Daten: 5 Bilder, jeweils 1/1250s, ISO 100, f11 Canon 5d MkII, Canon EF 16-35 f/2.8L II USM

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Tim bereits berichtet. Zu ergänzen wäre allenfalls noch, daß die abgelesene Brennweite beim hier verwendeten Vollformat auch der kleinbildäquivalenten entsprach.

So vermittelt sich der Eindruck, daß diese Bilder ‚keine gelegentlichen Glücksgriffe‘ sind, sondern ‚wirklich Methode haben‘. Ich glaube, daß wir hiervon einiges lernen können. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Landschaftsaufnahme:
Morgens am Klempauer Hofsee

Ein gutes Landschaftsbild wirkt durch seinen Bildaufbau, seine Farben und vor allem durch seine Lichtstimmung. Wer sich mit diesen Dingen weiter auseinandersetzen will, fotografiert am besten in RAW. 

Klempauer Hofsee – Olympus E-PL3 Aufnahmedaten: 1/100s bei ISO 640, © Gregor Boosaus

Gregor Boosaus schreibt zu seinem Bild:

Morgens, auf dem Weg zur Arbeit, fahre ich manchmal an diesem See vorbei.
An diesem Tag lag der See vollkommen still da und ein paar Nebelschleier zogen über ihn hinweg.
Ich habe die Kamera aufs Stativ montiert, ausgerichtet und dann ein paar Fotos von unterschiedlichen Standorten aus gemacht, von denen meiner Meinung nach dieses das Beste ist.

Gregor, Dir ist mit diesem Bild ein gutes Landschaftsfoto gelungen. Es gibt indessen ein paar Punkte, die Du schon bei der Aufnahme berücksichtigten, bzw. im Nachhinein hättest optimieren können.

Zunächst mal zum Motiv:

Der Klempauer Hofsee liegt an der Lübecker Stadtgrenze im Stadtteil Beidendorf. Umgeben von Bäumen, ist der See ideal zur Entspannung vom hektischen Alltag. Weiterlesen

Leserfoto – „Miss Elisabeth“:
Licht, Farben und Komposition

Auf Einzelheiten sollte man immer achten, auch wenn Handeln gefordert ist.

(c) Dirk Wenzel

… neulich im Nebel…

Was mir an Deiner Aufnahme sofort auffiel, waren die Lichtstimmung und die blassen Farben, die dem ganzen einen fast „altmeisterlichen“ Eindruck geben. Es hat das farbliche Flair mancher Werke von Caspar David Friedrich, und der Nebel im Hintergrund verstärkt diesen schwermütigen Eindruck noch. Es könnte ein fast perfektes Foto sein, das sich jeder Hundebesitzer einrahmen und an die Wand hängen würde. Bis auf eine Kleinigkeit. Doch zunächst zur Komposition. Weiterlesen

Leserfoto – „Portrait of a Ghost“:
Lichtstimmung und Ausarbeitung

Nachbearbeitung kann als Kontrast zum Bildgegenstand selbst dienen, wenn dieses absichtlich so eingesetzt ist.

(c) Samuel Heermann

Das Foto ist oberhalb des Comer Sees auf einer Burgruine entstanden, wo Gipsmodelle als Geister aufgestellt worden sind.
Besonders der fotografierte Geist hatte es mir angetan, wie er sich so vor der grandiosen Kulisse des Comer Sees in Szene gesetzt hat.
Schwierig fand ich an dem Foto den sehr hellen Hintergrund und den Geist selber, welcher mir im Gegenlicht seine Schattenseite präsentiert hat.
Das Bild ist in RAW aufgenommen (Nikon D7000 mit Nikkor 18-55 3.5-5.6 ED, 46mm Brennweite, Blende 11, 1/160s, 100 ISO) und dann mit Raw Therapee entwickelt worden.
Im Photoshop habe ich das Bild dann nach S/W konvertiert, den Kontrast etwas angehoben, die Tonwerte korrigiert und einen kleinen Ast am oberen Bildrand wegretouchiert.

Du hast uns hier einen Urlaubsschnappschuß der etwas anderen Art eingereicht. Wo man sonst den Lago di Como als grüne Urlaubskulisse, komplett mit blauem Himmel und farbenfrohen Orten geboten bekommt, hast Du ihn hier schwarz-weiß und mit Geist abgelichtet. Mal etwas anderes. Weiterlesen

Leserfoto:
Ein tot fotografiertes Motiv im spannenden Zusammenhang

Formen und Farben vermitteln ein Gefühl für die Natur und das auch in einer Stadt

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© David Witte).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild habe ich während des Sonnenaufgangs am Konstanzer Hafen gemacht. Um die ganze Dynamik dieser spannenden Lichtstimmung einzufangen habe ich eine Belichtungsreihe mit 5 Bildern von 1/15 bis 1/1250 gemacht und diese dann zu einem HDR Bild zusammen gefügt:
Pentax K7, 15 mm, ISO 100, f/4, 1/15, 1/50, 1/125, 1/400, 1/1250

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von David Witte:

Die Imperia am Hafen von Konstanz ist mit Sicherheit DAS Wahrzeichen der Stadt am Bodensee und somit auch schon -zigfach fotografiert worden. David ging mit offenen Augen für Details an diesem Morgen durch die Stadt und liess sich nicht vom Alltäglichen ablenken ohne es zu vernachlässigen. Wer die Figur der Imperia kennt, erkennt sie auch in diesem Bild wieder, ohne dass sie sich in den Vordergrund spielen kann.

Im Vordergrund steht oder besser liegt nämlich dieses an sich unscheinbare Blatt. Die HDR- Bearbeitung hat dem Bild sicherlich gut getan, dass wir sie nicht als solche bemerken, trägt noch sein Übriges dazu bei. Auch in dieser Fotografie spielt wieder der Komplementärkontrast zwischen Orange und Blau ein grosse Rolle. Das warm-farbige Blatt steht im Kontrast zum eher kühlen Wasser und der Steinmauer, wird aber im Sonnenaufgang im Himmel wieder aufgenommen. Dieser Aspekt lässt das Auge wandern und beruhigt es zugleich.

Ausserdem bekommen wir durch die Wahl der Farben einen Eindruck der Umgebung. Das trockene, heruntergefallene Blatt zeigt uns an, wir befinden uns in einem der letzten Monate im Jahr. Die kühlen Farben des Wassers und auch teilweise des Himmels verstärken dieses Gefühl für einen kalten Morgen noch mehr. Die Sonne hinter den Wolken verspricht aber schon etwas aufkommende Wärme und so, wie das Blatt platziert ist scheint es direkt von den Strahlen erwärmt zu werden. Ich habe mal in meiner Version, das Leuchten des Blattes noch etwas verstärkt und die Imperia entzerrt. Dies aber nur als Anregung, ohne das Bild von David schlecht reden zu wollen.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.

Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

Leserfoto:
Die Gunst der blauen Stunde

Nächtliches Farbenspiel benötigt immer einen Anteil Restlicht oder zumindest Fremdlicht.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ragnar Manneck).

Kommentar des Fotografen:

Nächtliches Farbenspiel
Mich faszinierte Lichtstimmung und die Farben und wollte den Eindruck ins Bild setzen.
Eine Aufnahme bei Regen. Kleine Nachbearbeitung mit PSE 8

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Ragnar Manneck:

Ich kann Ragnar gut verstehen, dass er fasziniert von den Farben der Nacht zur Kamera gegriffen hat und dann auch noch sein Stativ mit zu Hilfe zog. Ohne Stativ oder eine andere stabile Auflage besteht keine Chance für stimmungsvolle Nachtaufnahmen. Und die Stimmung ist es, die mir in Ragnars Bild noch ein wenig fehlt.

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Nachtfotografie mit digitaler Ausrüstung (3/3):
HDR im Dunkeln

Das folgende, dreiteilige Tutorial beschreibt zum einen die technischen Aspekte der digitalen Nachtfotografie im Stadium der Ausrüstung, Vorbereitung und Aufnahmemeisterung, zeigt zum anderen Ausarbeitungsmöglichkeiten im Sinne einer um HDR‐ und Ebenentechniken erweiterten Schwarzweißfotografie auf.

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3. Möglichkeiten der Ausarbeitung

Nun sind „alle Aufnahmen im Kasten“, wir sind ebenso glücklich wie erschöpft (unterschätzt bitte nicht, wie anstrengend eine solch konzentrierte Tätigkeit ist!) nach Hause gekommen – und jetzt ist alles gut? Leider nicht, denn die Vertreter der unverfälschten „out‐of‐camera‐Philosophie“ (daß das Bild also mit der Aufnahme bereits fertig zu sein habe) werden bei der Nachtfotografie meines Erachtens nicht unbedingt glücklich werden. Ein Gutteil der Anstrengung (gefühlt ein Drittel bis eine Hälfte des gesamten Zeitaufwandes) steht uns im Sinne der Ausarbeitung noch bevor. Maßgeblich für den zu leistenden Aufwand bei der Ausarbeitung ist natürlich der Zweck, den wir mit unseren Fotografien verfolgen. Jemand, der seine Bilder nur kleinformatig im Internet präsentieren möchte und darauf baut, daß in diesem Medium viele Artefakte verschluckt werden, kann sich da kürzer fassen. Mein Anspruch ist hingegen, daß meine Nachtaufnahmen auch im großformatigen Druck (also im Auge des Kritikers, Galeristen und Ausstellungsbesuchers) hinsichtlich ihrer Artefaktüberlagerung bestehen können und daß die mit digitalen Mitteln angefertigten Aufnahmen sich dem Ideal der monochromen Analogfotografie (mit weicher und ansehnlicher Lichterzeichnung sowie einer den plastischen Eindruck unterstreichenden Körnigkeit) möglichst annähern. !–more–>

Je nach besagtem Anspruch werden sich Eure und meine Wege hier möglicherweise trennen, aber ich will meinen Workflow doch zumindest in Grundzügen beschreiben, mit dem Fokus auf Artefaktminderung und ohne in die „allerletzten Niederungen der Schwarzweiß‐ und HDR‐Fotografie sowie der Druckerprofilierung und ‐steuerung“ einzusteigen – vieles wäre hierzu noch zu sagen, würde den Rahmen dieses Übersichtsartikels aber sprengen. Planmäßig beginnt die Ausarbeitung mit der RAW‐Konvertierung. Ich arbeite derzeit noch mit Adobe Camera Raw auf Basis von Photoshop CS5 und bin damit soweit zufrieden. Als Grundeinstellung für die Bildspeicherung haben sich der Farbraum Adobe RGB (1998), eine Farbtiefe von 16 Bit pro Kanal, eine Auflösung von 360 Pixeln pro Zoll sowie das unkomprimierte TIFF‐Format bewährt. Standardmäßig hebe ich den Kontrast um 25 Punkte, die Dynamik und Sättigung um jeweils 20 Punkte an. Der Rest bleibt unverändert, denn der Feinschliff der Tonalität erfolgt in Photoshop. Eine erste bzw. Grundschärfung ist allerdings zu empfehlen, die an das jeweilige Kameramodell angepaßt sein sollte – bei der 5D Mark II sind „50 | 1.0 | 50 | 0“ gute Werte. Das Luminanzrauschen korrigiere ich an dieser Stelle nicht, weil es mir zu grob und zu wenig selektiv ist (sich also nicht auf die rauschanfälligen Schatten beschränkt, sondern auch die bildwichtigen Mitten weichspült). Das Farbrauschen hingegen kann man ohne wesentlichen Detailverlust mit Werten von „10 | 50“ in der Regel gut abfangen.

Als nächster Schritt erfolgt die Verrechnung der Belichtungsreihe zu einem HDR‐Bild in Photomatix. Hierbei kommen besagte 16‐Bit‐TIFF‐Bilder zur Anwendung, Das ist zwar rechnerintensiv, bringt aber die besten Ergebnisse. In den dortigen Grundeinstellungen setze ich die Häkchen bei „Rauschen reduzieren (nur unterbelichtete Bilder)“ und bei „Chromatische Aberrationen reduzieren“. Bei der nachfolgenden Rückrechnung des HDR‐Bildes in den Niedrigkontrastraum ist Zurückhaltung angesagt. Die Regler sollten sehr behutsam ausgesteuert werden, um jene ebenso gruseligen wie in Amateurkreisen leider weitverbreiteten HDR‐Artefakte wie „Mickey‐Mouse‐Farben wie im LSD‐Rausch, heiligenscheinartige Halos an den Kontrastkanten oder massive Rauschverstärkung in den dunklen und mittleren Partien“ zu vermeiden (Sofie Dittmann hat hier schon Segensreiches zu diesem Thema geschrieben).

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Die HDR‐Technik verwende ich also nicht, um damit irgendwelche surrealistischen Effekte zu erzielen, die in ihrer steten Wiederholung sowieso schon längst schal geworden sind und in professionellen Kreisen allenfalls noch belächelt werden. Mir geht es eher darum, den in der Nachtfotografie immensen Dynamikumfang behutsam auf ein im Monitor und Ausdruck darstellbares Normalmaß zusammenzustauchen, dabei die natürliche Lichtstimmung zu erhalten und insbesondere die sich durch Anhebung des Mikrokontrastes in den bildwichtigen Partien ergebenden Möglichkeiten zu nutzen, da die Feinstruktur in einfachen Nachtaufnahmen oft flau bleibt.

Dies waren bisher samt und sonders Vorbereitungen, nun kommen wir langsam zur „Kür“. An Material habe ich, um dies nochmals zu rekapitulieren …

  • Drei Rohaufnahmen als CR2
  • Eine normalbelichtete Aufnahme als 16‐Bit‐TIFF
  • Eine um zwei Blendenstufen überbelichtete Aufnahme als 16‐Bit‐TIFF
  • Eine um zwei Blendenstufen unterbelichtete Aufnahme als 16‐Bit‐TIFF
  • Eine aus den drei vorgenannten Aufnahmen errechnetes HDR‐Bild
  • Eine in den Normalkontrastraum zurückgerechnetes Bild als 16‐Bit‐TIFF
  • Dieser Datenbestand umfaßt bei der 5D Mark II gut 600 MB pro Einstellung, was die Festplattenindustrie freut

Nun gilt es, in Photoshop das „Beste aus allen Bildarten“ herauszuholen. Ich nehme dazu standardmäßig das in den Normalkontrastraum zurückgerechnete Bild (Nr. 6 in der obigen Liste) als Ausgangsbild für die weitere Bearbeitung, da sich dort in den mittleren Tonwertbereichen jene Verstärkung des Mikrokontrastes findet, welche die Feinstruktur bei erträglichem Artefaktniveau hervorhebt. In der 100%‐Ansicht von Photoshop lassen sich dann aber oftmals typische „Problembereiche“ erkennen …

  • Eine problematische, weil ausgestanzte und strukturlose Zeichnung der Spitzlichter
  • Ein merkliches Luminanzrauschen im Bereichs der Objektschatten, weniger im Himmel
  • Bisweilen ein deutliches Moiré im Himmelsbereich

Hier hilft nun die eingangs erwähnte Kombination mit der „Ebenentechnik“. Sofern artefaktüberlagert, übernehme ich also die Himmelspartie aus der überbelichteten (Nr. 3 in der obigen Liste), die Bereiche tiefer Schatten aus der normalbelichteten (Nr. 2 in der obigen Liste) und die Spitzlichter aus der unterbelichteten Aufnahme (Nr. 4 in der obigen Liste). Praktisch geht dies so vonstatten, daß die jeweilige Aufnahme in Photoshop als separate Ebene unter dem Ausgangsbild liegt. Auf der Ebene des Ausgangsbildes werden dann mit einem als Pinsel mit weicher Kante und angepaßter Deckkraft (80‐100% für die groben, 30‐50% für die feinen Ausarbeitungen) konfigurierten Radiergummi die artefaktträchtigen Bereiche mit behutsamem Blick auf das Gesamtbild und unter Wahrung der Lichtstimmung gelöscht und durch die bessere Darstellung der darunterliegenden Hilfsebene ersetzt. Besondere Beachtung verdienen dabei die Übergänge zwischen der Ausgangsebene und der darunter durchscheinenden Hilfsebene, damit es an diesen Stellen keine stilistischen Brüche gibt. Wenn dann alles soweit stimmt, läßt sich dieses „Komposit“ als Ausgangsmaterial für die Schwarzweißausarbeitung, Tonwertanpassung und Endschärfung auf eine Ebene reduzieren und in einer separaten Datei speichern. Die Schwarzweißkonvertierung nehme ich dann in Photoshop mit dem Nik‐Plugin „Silver Efex Pro“ vor. Natürlich gibt es dazu auch bewährte Bordmittel in Photoshop, aber Funktionsvielfalt und Akkuratesse des besagten Plugins werden dadurch nach meinem Eindruck nur mit Mühe erreicht (vielleicht ist es aber auch eine Frage der Gewohnheit). Als letzte Schritte erfolgen dann in Photoshop noch die Umwandlung in den Farbraum „Gray Gamma 2.2“ (das Bild weist nun wegen der Einschmelzung der Farbkanäle trotz weiterhin 16 Bit Farbtiefe mit etwa 40 MB nur noch ein Drittel der Ausgangsgröße auf), Anpassungen im Bereich des globalen Kontrasts, einige behutsame Ausarbeitungen im Sinne lokalen Abwedelns und Nachbelichtens (mittels eines speziellen Dodge‐and‐Burn‐Scripts) sowie die Endschärfung mit Werten um „0.4 | 80“. Somit steht das Bild zum Druck bereit, der dann nach Größenanpassung, Filmkornüberlagerung und nochmaliger Druckschärfung bei mir auf barytbeschichtetem Papier mittels eines Epson‐Großformatdruckers erfolgt.

Wichtig erscheint mir noch der Hinweis, daß wir uns bei all diesen Bearbeitungsschritten vorbehaltlos auf unseren Monitor verlassen können müssen. Wenn dieser also falsche Farben und Tonwerte anzeigt, bleibt unser Bemühen letztlich „ein Blindflug im Nebel“. Um wirklich anspruchsvolle und gültige Resultate über die ganze Wegstrecke von Aufnahme, Ausarbeitung und Ausdruck hinweg zu erzielen, wird ein einfacher Büromonitor auf Dauer kaum genügen, sondern ein spezieller Grafikmonitor mit Kalibrierungs‐ und Profilierungsmöglichkeiten vonnöten sein.