Beiträge

Im „Netz“:
Der Teppichweber

Allein schon der Fokus kann aus einem vorhersagbaren Bild etwas vollständig anderes, einen „Hingucker“, machen.

Ausgangsfoto

Ausgangsfoto

Unser Leser Bernd Plumhof aus dem rheinland-pfälzischen Gutweiler hat uns das obige Bild unter dem Titel „Teppichweber” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Beim Spaziergang durch Mahdias Gassen (Tunesien) betrat ich eine der Webstuben und habe mich bei der Aufnahme diesmal auf die Fäden konzentriert. Ein Bild der Ruhe, trotzdem gehen die Augen hin und her, suchen das verschwommene Gesicht und kehren immer wieder zu den weißen Baumwollfäden zurück … Leica Digilux2 mit Festobjektiv; 22,5 (KB 45 mm); 1/60 s.; Blende 2,8; ISO 400.

Anderen Leuten beim Arbeiten zuzusehen, besonders, wenn das, was sie tun, nicht in den heimischen Kulturkreis paßt, ist immer faszinierend. Heimischen Töpfern oder Glasbläsern könnte ich stundenlang zuschauen, genauso wie Straßenverkäufern in Mexiko beispielsweise, die von Hand Tacos pressen. Dieses Foto hast Du von einem Teppichweber gemacht, und das hätte ein ganz banaler Urlaubsschnappschuß sein können, wenn da nicht die Art der Aufnahme wäre. Weiterlesen

Kinderporträt in Schwarz/Weiss:
Vier Augen, ein Gesicht

Wenn Kinder direkt in die Kamera blicken, stört das in Porträts meist weniger als bei Erwachsenen. In dieser Fotografie entsteht ein reizvoller Bruch durch den starren Blick der Puppe, welche die porträtierte Jolanda in Händen hält.

Jolanda auf dem Spielplatz. Nikon D90, 1/1000s, f/2.2, ISO 250, 50mm © Maike Frisch

Maike Frisch aus Oldenburg: In meiner Art der Fotografie konzentriere ich mich bevorzugt auf authentische, klare, aufgeräumte und ausdrucksstarke Portraits, die ohne von mir zur Verfügung gestelltes künstliches Beiwerk auskommen. Für diese Aufnahme waren wir auf einem Spielplatz und Jolanda hatte ihre eigene Puppe mitgebracht. Ich persönlich mag diese Aufnahme sehr, da sie mal nicht strahlend und niedlich ist, sondern eine Zweijährige auch zurückgezogen und in sich gekehrt zeigt.

 

Kinderfotografie leidet unter vielen Klischees: Einfach deshalb, weil Eltern ihre Kinder bei jeder Gelegenheit fotografieren und sie auch immer süss finden. Und weil die inszenierte Kinderfotografie meist klischiert vorgeht und Erwartungen bedient, die in der Ecke „herzig“ liegen.  Weiterlesen

Streetfotografie:
Das Gewusel der Großstadt

Kann Streetfotografie von der Übersichtsaufnahme her gelingen? Ein Versuch, die Frage in Bildschnitten zu beantworten.

Tramway

Leser Niklas Kääb aus München hat uns das obige Bild unter dem Titel „Tramway” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht.

„Ein Bild, das vor ca. einem Jahr relativ spontan in einer der Istanbuler Hauptstraßen, der İstiklal Caddesi entstanden ist. Mangels Photoshop habe ich die Bearbeitung mit Gimp durchgeführt. Nach einem standardmäßigem Weißabgleich habe ich zusätzlich den Rotanteil in den Schatten und Mitten leicht nach oben geschraubt, sowie etwas Helligkeit ausgenommen, so wie den Kontrast leicht nach oben. Leider kann ich mich hier nicht mehr an die genauen Werte erinnern.”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 1100D mit Kitobjektiv Canon EF-S 18-55mm f/3.5-5.6 III verwendet. Die Brennweite betrug 18 mm (entsprechend knapp 29 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 1/100 Sekunde bei Blende f/5,6 und ISO 100 .

Ich wage es ja fast gar nicht zu sagen, aber manchmal bin ich ja richtiggehend froh, wenn Bilder in voller Auflösung (wie hier mit 4272 mal 2848 Pixel) eingereicht werden, da dann noch einige Beschnitt- und Auswahlreserven bestehen (siehe unten). Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Bewegungsunschärfe:
Flirrendes Großstadtleben

Urbane Motive und Bewegungsunschärfe passen gut zusammen.

Rush Hour Bewegungsunschärfe in einem Stadtbild

Rush Hour: Bewegungsunscharfe Stadtszene © Wolfgang Everding

Unser Leser Wolfgang Everding aus Bremen hat uns das obige Bild unter dem Titel „rush hour” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu:

„Situation vor einer U_Bahnstation in Peking. Ich wollte die Bewegung der Menschen aufnehmen und habe beim Gehen mit langer Belichtunszeit mehrmals abgedrückt. Dieses Foto finde ich ist mir gut gelungen.”

Zu Ausrüstung und Aufnahmedaten liegen keine Informationen vor.

Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Perspektivenwechsel:
Von draussen nach drinnen

Wenn Menschen sich auf etwas konzentrieren, werden sie zu attraktiven Motiven. Anlässe wie Ausstellungsvernissagen bieten damit ein spannendes Übungsfeld.

 

Vernissage Foto Schaufenster Spiegelung

it’s coming closer. – Basel, Galerie Katapult, März 2015. Nikon D810, 24-70mm @24mm, 1/50s, ISO 250 – © Peter Sennhauser

 

Eigentlich gibt es ja nur zwei Zustände, in denen Menschen fotografiert werden: Wenn sie sich der Kamera bewusst sind oder eben nicht. Bei ersterem liegt das Interesse an der Persönlichkeit des abgebildeten Menschen im Vordergrund: Er wird in den meisten Fällen bis zu einem gewissen Grade posieren und versuchen, seine Sonnenseite zu betonen. Letzteres ist dagegen meistens mehr auf die Tätigkeit, die Situation und die Gestik ausgerichtet und birgt mehr Spannung in der Situation. Bloss: Wo findet man solche Menschen, wenn man nicht mit einem Tele durch die Altstadt von Marrakesch schleichen kann? Weiterlesen

Leserfoto:
Ein lebendiger Augenblick

Wie läßt sich die Flüchtigkeit einer Szene in einem ausdrucksstarken Bild festhalten?

„Dorfschule in Äthiopien“ nennt unsere Leserin Jacqueline von Manteuffel ihr Bild. Sie hat es in der Kategorie ‚Schnappschuß‘ eingereicht, doch scheint ihr eine solche Zuordnung nicht ganz zu behagen, wie wenn ihr dies ‚zu sehr im Vorübergehen, zu aufschnappend und wegnehmend‘ vorkäme. Eine Kategorie „mit den Augen des Reisenden gesehen“ wäre ihr lieber, wie sie selbst anmerkt. So dürfen wir wohl zwischen den Zeilen lesen, daß Jacqueline ‚das Gesehene respektvoll aufnehmen und uns mitbringen‘ wollte.

Laßt uns die Szene einmal in Ruhe anschauen und prüfen, was sich uns auf dem Bild mitteilt. Und vielleicht können wir miteinander überlegen, ob und wie sich das Bild in seiner Aussage evtl. noch weiter verdichten ließe. Weiterlesen

Laurenz Berges:
Aufgegebene Lebensräume

Laurenz Berges Fotografien sind menschenleer. Sie zeigen aufgegebene Lebensräume, verlassene Welten.

Laurenz Berges, Am Markt I, 2008, C-Print, 88 x 125 cm

Laurenz Berges fotografiert verlassene Häuser in Tagebergbaugebieten oder Übergangsräumen zwischen Stadt und Land.

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Freelens Foundation:
Gute Fotos, guter Zweck

Gute Fotos für einen guten Zweck: Mit einer Benefizausstellung will die neu gegründete Freelens Foundation Geld für hilfsbedürftige Fotografen zusammenbringen und auch fotografische Projekte unterstützen.

Peter Bialobrzeski: Lost in Transition

Freelens ist der größte deutsche Berufsverband für Fotojournalisten und Fotografen. So haben über 200 Fotografen mehr als 300 Bilder beigesteuert, die in der Benefizausstellung gezeigt und verkauft werden.

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Photokina und Photoszene 2012:
Köln im Zeichen der Fotografie

Im September steht Köln ganz im Zeichen der Fotografie: Die Photokina kommt und parallel dazu die Internationale Photoszene – diesmal mit Schwerpunkt China.

Michael Wolf, a39, 2005

Museen, Galerien und Künstler zeigen 66 Ausstellungen mit zeitgenössischer und klassischer Fotografie. Die Ausstellung „Architekturfotografie – Made in China“ versammelt Fotokünstler Chinas (bei uns nicht so sehr bekannt) und Europas – etwa Michael Wolf oder Candida Höfer.

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Leserfoto:
Konkurrierende Elemente im Bild

Hübsche Frauen mögen meistens keine Konkurrenz, das ist im Wahren Leben so und auch in der Fotografie.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Alfons Federspiel).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstammt einer Serie mit Portraits, die in einem Park in Hamburg aufgenommen wurden. Es war das erste Mal, dass ich mich gezielt an Portraitaufnahmen versucht habe, dazu dann noch in der Öffentlichkeit. Die Belichtungsdaten: Blende: 5,6, Verschlusszeit: 1/350. Brennweite: 53mm. Das Bild wurde nur minimal bearbeitet (Gradationskurve, Aufhellung an einigen Stellen, leichte Schärfung).

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Alfons Federspiel:

Portraitaufnahmen leben ja bei Menschen und Tieren von den Augen. Diese hast du, Alfons, schon gut ins Bild gesetzt. Sie schauen in die Kamera, sind ziemlich im „Goldenen Schnitt“ angeordnet, haben einen kleinen Reflex und bringen dem Gesicht der jungen Frau die nötige Aufmerksamkeit.

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