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Fassadenspiegel:
Mehr offen lassen

Spiegelnde Fassaden sind namentlich in klassischer Nachbarschaft ein beliebtes Fotomotiv und eine Kunstart der Architektur. In der Fotografie lassen sie mehr mit sich machen, als einfach nur abzudrücken.

Glasfassade mit gespiegelter Klassik

Nikon D3100 1/80s bei Blende 9 mit 28mm Brennweite und ISO 200 © Markus Geier

Markus Geier aus Ober-Olm: In der Glasfront des quaderförmigen Komplexes spiegeln sich die Fronten der gegenüber liegenden Gebäude derart, dass der Eindruck einer Komposition aus Alt und Neu entsteht.

Stürzende Linien sind in der Architekturfotografie (nicht immer) ein Problem. Hier hätte sich aber weite mehr als die Verzerrung durch die verkippte Kamera überarbeiten lassen.

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Strassenfotografie:
Freistellen

In einem belebten Umfeld muss ein Motiv freigestellt werden – durch Schärfe, Pespektive, Licht oder mit anderen Mitteln.

Fotografie ohne Schärfentiefeneffekte

Zwei Kinder begegnen sich – Strassenmusiker in Berlin.

Uwe Köppe aus Berlin schreibt zu diesem Bild: Mitten in Berlin begegnen sich in der Touristenmeile zwei Kinder…
„Kontrast“ im sozialen Sinne

Strassenfotografie bietet viel Reiz durch die ungeheure Dynamik, die in der Stadt für ständig wechselnde Motive sorgt. Bisweilen ist es aber eben auch zuviel Dynamik, und eine Trennung der Ebenen tut not.

Leider haben wir zu dieser Aufnahme keine Exif-Daten, ich gehe aber davon aus, dass sie mit einem Normalobjektiv oder etwas, was dem nahe kommt, an einem trüben Tag um die Mittagszeit mit einer nicht sehr weit geöffneten Blende und einer relativ langen Belichtungszeit entstanden ist. Letzteres ist zu erkennen an der Bewegungsunschärfe im rechten Fuss des kleinen Jungen.  Weiterlesen

Baum mit Aussicht:
Mehr Überlappung

Landschaftsfotografie simuliert im Idealfall Tiefe durch Perspektive. Wenn man die Räume zu sehr trennt, kann das nicht gelingen.

Baum-mit-Aussicht

Baum mit Aussicht Fuji X-Pro2 1/210s bei Blende 9 mit 16mm Brennweite und ISO 200

Sven Koesling aus Untervaz schreibt: Dieser einsame Baum auf seinem Felsen fasziniert mich seit Jahren. Der Wind hat ihn so gebeugt, dass er einen rechten Winkel im Stamm hat. Für die Aufnahme habe ich mir einen Tag ausgesucht, an dem der Sonnenuntergang ein schönes Licht auf Stamm und Krone gibt.

Meinen Glückwunsch zu Deiner Beharrlichkeit, ein Motiv in der Landschaft über lange Zeit im Auge zu behalten und schliesslich zu fotografieren. Ich würde raten: Weiter machen, ausreizen, alle Varianten testen! (Affiliate-Link) Weiterlesen

Kein Fehler:
Das Motiv in der Unschärfe

Dass Fotografien als kleine Vorschauen oft ganz anders wirken als in der vollen Auflösung, ist seit dem Siegeszug der Digitalkameras mit ihren Bildschirm-Vorschauen jeder Fotografin klar. Dass der Effekt aber auch in „gross“ sehr reizvoll sein kann, zeigt diese Fotografie.

"Lost in Grass" – Kind im Gras in Botswana. Nikon D90 1/250s bei F/5.6 mit 200mm Brennweite und ISO 400 © Dirk Steffens

„Lost in Grass“ – Kind im Gras in Botswana. Nikon D90 1/250s bei F/5.6 mit 200mm Brennweite und ISO 400 © Dirk Steffens

Dirk Steffens aus Stuttgart schreibt zu diesem Bild: Mein Lieblingsfoto von meiner letzten Botswanareise. Ich war zu Besuch bei einer Gruppe von Locals. Das Kind spielte mit dem Stab, aber wusste schon gut damit umzugehen. Das Foto ist durch das hohe Gras aufgenommen.
Das Foto ist nicht bearbeitet – ich habe noch nicht die perfekte Lösung gefunden. Habt Ihr vielleicht einen Tip?

Wie oft habt Ihr auch schon beim Betrachten einer Vorschau auf dem Kamera-Monitor gedacht „Wow – Volltreffer“ – und zu Hause nach dem Download der RAW-Daten festgestellt, dass die Aufnahme als kleine Vorschau toll wirkt, aber in der vollen Auflösung nicht mehr funktioniert? Typischerweise stellt man dabei fest, dass die Schärfe nicht richtig gesetzt war – und obwohl das nicht der einzige Unterschied in den Bildformaten ist, handelt es sich doch nicht nur um einen typischen Effekt, sondern um einen, der mit der Physik zusammenhängt.  Weiterlesen

Laub mit Tropfen:
Herbst in Draufsicht

In der Landschaft lassen sich faszinierende Details auf immer wieder neue Art fotografisch inszenieren. Ein wesentliches Gestaltungsinstrument ist dabei der Blickwinkel: Die Kamera kann ja auch anders „gucken“ als der Betrachter.

Regentropfen auf Laub Coolpix P510 Aufnahmedaten: 1/40s bei Blende 3 mit 4.3mm Brennweite und ISO 100

Regentropfen auf Laub Coolpix P510 Aufnahmedaten: 1/40s bei Blende 3 mit 4.3mm Brennweite und ISO 100

Lukas Roth aus Karlsruhe schreibt: Ich war im Herbst in der Pfalz wandern und es hatte vorher sehr lange geregnet, so dass alles ziemlich nass war. Es gab fast keine Motive, die mir gefallen hatten und ich war fast schon am Ende meiner Tour, als mir bewusst wurde, dass ich die ganze Zeit die Tropfen auf dem Laub vergessen hatte. Also schoss ich das Bild und daheim, bei der Betrachtung der Bilder, fiel mir auf, dass diese Bild (für mich) perfekt den Herbst ausdrückt. Auf flickr war das Bild dann auch relativ beliebt und ich wollte jetzt einfach mal die Meinung von Profis wie euch dazu einholen :)

Das ist in der Tat ein kräftiges Bild: Herbst, das sagen schon die Farben, dann die Blätter, dann der Regen oder Tau. Gut gesehen!

Deine Farbfotografie zeigt ein Eichenblatt in einer bodendeckenden Schicht von rotgefärbten Buchenlaub. Die Blätter sind augenscheinlich nass, wie an Glanzspuren an einigen Ecken erkennbar ist. Auf dem Eichenblatt haben sich zahlreiche Tau- oder Regentropfen gesammelt. Durch die Lichtbrechung der Oberflächenspannung stechen einige von ihnen in der oberen Blatthälfte als heller Blickfang heraus.

Als bunte Illustration zum Thema Herbst ist an diesem Bild fast nichts herumzumäkeln. Weiterlesen

Andere Foto-Perspektive:
Zwei Schritte nach rechts,
einer nach hinten

Manche Motive muss man einfach fotografieren, wenn man vor Ort ist. Dabei kann die digitale Grossbildjagd ihre Eintönigkeit verlieren, wenn man einen Perspektivwechsel anstrebt. Nach dem obligaten Blattschuss werden dabei viele andere Optionen ausprobiert.

Hamburg Speicherstadt von der Poggenmühlenbrücke aus © PS

Hamburg Speicherstadt von der Poggenmühlenbrücke aus, neuer Blick © PS

Ich war (mit Kamera und allem) in Hamburg, und das Wetter war grossartig. Was sage ich: Hamburg (Affiliate-Link) war grossartig. Tolle Stadt, Motive überall, und mit dem Hotel in Hafen City war klar, dass ich das Foto auch machen würde.

Welches? Also, kommt schon. Weiterlesen

Perspektive Mensch:
Die Besucherin

Schon eine Veränderung des Aufnahmestandpunktes kann aus einem vorhersehbaren Foto ein außergewöhnliches machen.

Besucherin

Wolfgang Everding aus Bremen schreibt zu diesem Bild:

Innenaufnahme in einer leeren Kunsthalle (ohne Bilder) nach Abschluss des Umbaues. An dem Tag konnten Besucher sich die neue gestalteten Räume ansehen. Das Foto gehört zu meiner Serie „Menschen im Raum“.

Eine meiner Lieblingsübungen im Kunstunterricht war, Räume zu entwerfen. Malen oder Zeichnen kann ich nicht als Fähigkeit verbuchen, aber mit dem Lineal und Bleistift war ich immer unschlagbar. Der strengen Geometrie wegen habe ich mir Dein Foto auch ausgesucht. Es hat eigentlich alles, was ein gutes Bild ausmacht, und dabei könnte ich es belassen: „Wow, super Foto!“ Das wäre aber dann hier Facebook oder flickr, und so möchte ich Dir im einzelnen erklären, warum es mir gut gefällt. Weiterlesen

Abstraktes Architekturfoto:
Hong Kong Vertigo

Manchmal helfen Regeln gar nichts, um die Faszination einer Fotografie zu ergründen. Hier wird der Blick entlang zweier Hochhäuser in den Nachthimmel zum abstrakten Kunstwerk. Nichts erklärt dem Hirn des Betrachters, was er hier wirklich sieht.

Zwei Fassaden in Hong Kong gegen den Nachthimmel

Pentax K3, 2.5s bei f/11 und ISO 100. © Christoph Merklein

Christoph Merklein aus Würzburg schreibt zu diesem Bild: Ein Blick von unten nach oben. Aufgenommen in Hong Kong im Frühjahr diesen Jahres. Besonderen Wert habe ich hierbei auf die symmetrische Anordnung der Bildelemente gelegt.

Auf den ersten Blick ist bei dieser fast monochromatischen Hochformat-Farbfotografie nicht erkennbar, worum es sich handelt. Auf der linken Seite erstreckt sich eine zweigeteilte Struktur mit komplexer Oberfläche auf den Fluchtpunkt in der Bildmitte zu. Rechts davon streckt sich dem Bildzentrum eine rechteckige, schwarze Struktur entgegen. Den Hintergrund der in braun bis schwarz gehaltenen Fotografie scheint ein dunkler Nebel zu bilden.

Die Beschreibung offenbart bereits, was diese Aufnahme mit einem machen kann: Weiterlesen

High-Key-Architekturfoto:
Der Schwung der Treppe

Eine untypische, aber äusserst wirkungsvolle Architekturaufnahme: Eine ungewöhnliche Perspektive, mässige Kontraste und eine High-Key-Belichtung isolieren die Form dieses Treppenhauses und abstrahieren seine Dynamik.

Treppenhaus Berggrün Museum Berlin, © Anne Sura

Treppenhaus Berggrün Museum Berlin, © Anne Sura, Fuji X-E1, Objektiv 35/1.4, ISO: 500, Blende f/2, Verschlußzeit: 1/40

Anne Sura aus Berlin schreibt zu diesem Bild:

Mein Foto ist im Berggrün Museum Berlin entstanden, Stativ war nicht erlaubt, so dass ich mit relativ weit geöffneter Blende gearbeitet habe, ISO wollte ich nicht so hoch ansetzen. Auf Grund des Abstandes hielt ich das noch für vertretbar, auch wenn der vordere Treppenhausbogen so etwas weich ausfällt. Fasziniert hat mich die Leichtigkeit , das Schweben dieser geschwungenen Konstruktion und die verschiedenen weiß/beige Töne. Ich habe mich gegen eine s/w Umwandlung entschieden.

Der Vorteil einer Kleinbildansicht von Fotografien ist der, dass ungewöhnliche Formen, Stile und Farben sofort auffallen. Ich sage das deshalb, weil mir Annes Bild aus unseren Einreichungen für die Bildkritik ins Auge gestochen ist. Die Vergrösserung zeigte dann: Ein Architekturfoto. Wirklich?  Weiterlesen

Perspektivenwechsel:
Von draussen nach drinnen

Wenn Menschen sich auf etwas konzentrieren, werden sie zu attraktiven Motiven. Anlässe wie Ausstellungsvernissagen bieten damit ein spannendes Übungsfeld.

 

Vernissage Foto Schaufenster Spiegelung

it’s coming closer. – Basel, Galerie Katapult, März 2015. Nikon D810, 24-70mm @24mm, 1/50s, ISO 250 – © Peter Sennhauser

 

Eigentlich gibt es ja nur zwei Zustände, in denen Menschen fotografiert werden: Wenn sie sich der Kamera bewusst sind oder eben nicht. Bei ersterem liegt das Interesse an der Persönlichkeit des abgebildeten Menschen im Vordergrund: Er wird in den meisten Fällen bis zu einem gewissen Grade posieren und versuchen, seine Sonnenseite zu betonen. Letzteres ist dagegen meistens mehr auf die Tätigkeit, die Situation und die Gestik ausgerichtet und birgt mehr Spannung in der Situation. Bloss: Wo findet man solche Menschen, wenn man nicht mit einem Tele durch die Altstadt von Marrakesch schleichen kann? Weiterlesen