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Schneckenfoto:
(Zu) nah dran

Manchmal ist man nicht nah genug am Objekt, weil man nicht näher herangehen kann: Das Problem heisst «Naheinstellgrenze». Dieses originelle Schneckenbild zeigt das auf.

Schnecke auf einer Strasse

© Rolf Steinemann – 250/s bei f/8 und ISO 200, Nikon D5000, 18-200 3.5-5.6

Rolf Steinemann aus Neuhausen schreibt zu diesem Bild:

Letzen Sonntag bei einem leichten Regenschauer habe ich dieses Bild festgehalten. Es wurde noch nicht bearbeitet, um unterschiedliche Resultate zu diskutieren. Persönlich würde es mir ein Hintergrund mit mehr Unschärfe besser gefallen. Zusätzlich einen Schnitt „vorne, links“ um den weiteren Weg „grösser“, resp. imposanter wirken zu lassen. Durch das triste Wetter wäre evt. S/W auch prüfenswert. Evt. gibt aus auch noch spannendere Alternativen.

In dieser Farbfotografie sehen wir eine Weinbergschnecke, die auf einer verregneten Landstrasse in Richtung der Kamera kriecht. Den Vordergrund macht bis zur vertikalen Bildmitte die regennasse Teerfläche der Strasse. des Spiegelnden Himmels wegen ist sie zu grössten Teilen sehr hell bis fast weiss. Die Schnecke ist in der Komposition im Goldenen Schnitt/im Drittel von links angeordnet.

Da hattest Du eine witzige Bildidee: Eine Schnecke, die scheinbar zielstrebig auf einer (viel zu breiten Strasse) unterwegs ist. Die Bildkomposition ist in den wesentlichen Punkten in Ordnung, vor allem die Platzierung der Schnecke ist stimmig. Weiterlesen

Naturfotografie mit Unschärfe:
Steh zu Deinem Plan

Wenn hinter einem Bild eine Idee steht, muss die möglichst konsequent umgesetzt werden. Das gilt vor allem beim Einsatz von so starken Werkzeugen wie der Schärfentiefe.

Wasserfall, © Hanspeter Lang

Wasserfall, © Hanspeter Lang

Dieser kleine Wasserfall wurde sicher schon 1000fach fotografiert, und ich versuchte, eine neue Variante zu finden. Ich habe auf den Vordergrund scharf gestellt und bei Blende 2,8 den Wasserfall unscharf gelassen. Vom Stativ Belichtungszeit 10sec. Kamera Olympus OM-D EM5 MII, Objektiv Olympus 12-40 Pro. Hanspeter Lang

In dieser hochformatigen Farbfotografie ist zentral ein kleiner Wasserfall im Wald zu sehen, umgeben von viel grünem Unterholz. Im Vordergrund links holen die sternförmige Blüte und die nassen Blätter einer Bärlauchpflanze den Betrachter ab. Den rechten Vordergrund macht eine zweite kleine Bodenpflanze aus. Das fallende Wasser ist mit einer Langzeitbelichtung und der resultierenden Bewegungsunschärfe weichgezeichnet. Erst bei genauem Hinsehen erkennt man in der höheren Auflösung, dass auch die Felsen des Wasserfalls und der restliche Hintergrund in leichter Unschärfe verschwimmen.

Unscharf, ganz bewusst

Schärfentiefe: In meinen Augen das Gestaltungsmittel, das selbst mittelmässige Fotografien am sichersten «professionell» wirken lässt (weswegen wir hier ein fünfteiliges Tutorial Schärfentiefe publiziert haben). Aus dem einfachen Grund, dass sie sich nur mit sehr gutem Equipment so begrenzen lässt, dass man starke Effekte erhält. Weiterlesen

Bildkritik Rosenmandala:
Das Runde im Eckigen

Quadratische Bilder verlangen ganz besondere Aufmerksamkeit. In diesem Fall wirkt die runde Rosenblüte etwas eingequetscht. Mehr „Luft“ und das „richtige“ Vorgehen können das Bild verbessern.

Rose, Blume, Blüte

Canon 7D, 70 mm, f/2.8, ISO 100, 1/250 sek. – (c) Claire Sieverts

Es war ein diesiger Tag vor beinahe einem Jahr, doch ohne Regen und nur ein paar Wolken am Himmel. Als es Abend wurde, spazierte ich umher und sah diese wunderschöne Rose. Da meine Kamera immer griffbereit ist, machte ich dieses Foto. Anfänglich wusste ich nicht so recht weiter mit meinem Foto, bis ich diesen inneren Teil entdeckte und versuchte ihn mit Hilfe einer leichten Vignette und einem Quadratbeschnitt hervorzuheben, weil dadurch das Runde betont wird.

Eigentlich bin ich nicht so der Blumen-Fotograf. Ich habe mir dein Bild aber trotzdem für die Bildkritik herausgepickt, da ich vor 2 Jahren ein sehr ähnliches Bild als Fingerübung gemacht habe und das als Vergleich heranziehen kann.

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Schärfentiefe-Tutorial (4/4):
Die Hyperfokale Distanz

Bild 8: Formel und Legende zur hyperfokalen EntfernungVon entscheidender Bedeutung ist der Begriff der ‚hyperfokalen Entfernung‘.

Dies mag nun zunächst ’sehr bedeutend, geheimnisvoll und technisch‘ klingen, doch findet sich bei Wikipedia eine – wie ich meine – recht griffige Erklärung, die das Ganze auch ‚für uns Nichtphysiker und -mathematiker‘ verständlich macht:

„Als hyperfokale Entfernung beziehungsweise hyperfokale Distanz wird in der Fotografie diejenige endliche Gegenstandsweite bezeichnet, bei der, wenn man genau auf diese Entfernung fokussiert, im Unendlichen liegende Objekte ebenfalls gerade noch mit akzeptabler Unschärfe abgebildet werden. Der gesamte mit akzeptabler Unschärfe abgebildete Bereich, die sogenannte Schärfentiefe, reicht dann von der halben hyperfokalen Entfernung bis ins Unendliche.”

Und Kollege Peter Sennhauser beschreibt es hier in einem eigenen Posting zur Hyperfokalen Distanz in der Landschaftsfotografie ebenfalls recht umfangreich.  Weiterlesen

Schärfentiefe-Tutorial (2/4):
Harte und weiche Schärfe

Wie man mit der Blendenöffnung die Schärfentiefe beeinflusst – und worauf es zu achten gilt.

Bild 3: Porträtaufnahme bei 75 mm kleinbildäquivalenter Brennweite und Blende f/2,2 (Maike Frisch;http://www.frisch-fotografie.de/categories/fotografien)

Bild 3: Porträtaufnahme bei 75 mm kleinbildäquivalenter Brennweite und Blende f/2,2 (© Maike Frisch)

Abhängigkeit von der Blendenöffnung
  • Große Blendenöffnung bzw. kleine Blendenzahl: Geringe Schärfentiefe
  • Kleine Blendenöffnung bzw. große Blendenzahl: Große Schärfentiefe

Der Zusammenhang zwischen Blendenöffnung und Schärfentiefe ist auch in heutigen Zeiten von Belichtungsautomatik und Autofokus noch weithin bekannt. Es ist insofern anzunehmen, daß es sich um die bekannteste der verschiedenen Gebundenheiten der Schärfentiefe handelt.

So wird man bei Fotografen auf dem Level engagierter Amateure, die sich um eine bewußte Bildgestaltung bemühen, ein Wissen voraussetzen dürfen, daß eine große Blendenöffnung bzw. kleine Blendenzahl eine geringe Schärfentiefe, eine kleine Blendenöffnung bzw. große Blendenzahl hingegen eine große Schärfentiefe nach sich zieht.

Hier ein kleines Rechenbeispiel, um Euch eine größenordnungsmäßige Vorstellung dieses Zusammenhangs zu geben: bei einer ‚Normalbrennweite‘ von 50 Millimeter am Kleinbildvollformat und einem Objektabstand von 5 Meter erstreckt sich die Schärfentiefe bei einer Blende f/2,8 über den recht schmalen Bereich von 4,29 bis 6,00 Meter, bei einer Blende f/22,0 hingegen über den weitläufigen Bereich von 2,17 Meter bis Unendlich. Weiterlesen

Schärfentiefe-Tutorial (1/4):
«Tiefenschärfe» klingt irgendwie falsch

Die Schärfentiefe ist eines der wichtigen Gestaltungselemente der Fotografie. Der Begriff existiert in zwei Varianten.

Bild 1 {Wikipedia; PiccoloNamek}

Die Schärfentiefe (englisch ‚depth of field‘ bzw. DOF) ist ein zentraler Begriff in der Fotografie. Sie umfaßt (von der Kamera aus gesehen) denjenigen Entfernungsbereich, in dessen Grenzen ein Objekt mit ausreichender Schärfe bzw. noch akzeptabler Unschärfe (ich komme auf diese Begriffe noch zurück) auf dem Film oder Sensor abgebildet werden kann.

Die Steuerung der Schärfentiefe bei der Aufnahme ist somit ein wichtiges Gestaltungsmittel mit merklicher Auswirkung auf das Bildergebnis.

Die Abschätzung der Schärfentiefe gelang in analogen Zeiten mittels manueller Umschaltung von Offen- zur Zielblende, während dies bei der bei heutigen Digitalkameras üblichen, automatischen Springblende mit der Abblendtaste erfolgt. In beiden Fällen ist eine orientierende optische Kontrolle der Schärfentiefe möglich. Weiterlesen

Leserfoto:
Melancholie einer Industriebrache

Unsere heutige Bildbesprechung zeigt ein gelungenes Beispiel eines industriellen Stillebens.

Ausgangsbild

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„Letzte Spuren eines Kosmetikherstellers“ nennt unser Leser Matthias Binder aus dem sachsen-anhaltinischen Zeitz sein Bild, welches er uns in der Kategorie ‚Stilleben‘ zur Besprechung eingereicht hat. Er schreibt dazu ergänzend: „Glaubt man den Gerüchten, so werden im kommenden Monat die ehemaligen Zitza Zeitz Werke (vormals Firma Oehmig-Weidlich Zeitz) abgerissen. Für mich ein Grund die Fabrikgebäude nochmals aufzusuchen, um letzte Spuren des Kosmetikhersteller zu suchen. Anfang der neunziger Jahre wurde die Produktion eingestellt. Eines der letzten Produkte war die Herren-Kosmetikserie ‚Macho‘. In einem der Produktionsräume habe ich dieses Motiv entdeckt. Die Tageszeitung ‚Neue Zeit‘ sowie auch die Pflegeserie ‚Macho‘ haben den Sprung in die neue Zeit nicht geschafft. Beide gibt es heute nicht mehr.“

Über die Ausrüstung und Aufnahmedaten erfahren wir nichts. Die geringe Schärfentiefe und das schöne Bokeh lassen aber an eine lichtstarke und wertige Optik denken. Matthias betreibt die Fotografie ernsthaft, wie seine durchaus sehenswerte Website mit Portfolio und Blog erkennen läßt.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente. Weiterlesen

Digitale Lochkamera:
Tipps für Einsteiger

Eine Lochkamera zu bauen, ist nicht nur ein beliebtes Projekt für Schüler, weil es ja eigentlich nur einer Kiste mit Loch bedarf, ausgerüstet mit lichtempfindlichen Material. Es gibt auch eine ganze Sparte von Fotografen, die Lochkamerafotografie regelrecht als Kult betreibt.

Eggs & Spoons
Enthusiasten arbeiten mit allen möglichen Kameramodellen, von selbstgemachten Kisten- und Röhrenkameras bis zu edel verarbeiteten Holzmodellen (etwa die der Firma Zero, http://www.zeroimage.com).

(Links: http://www.pinhole.org, http://www.pinholeday.org, http://die-lochkamera.de)

Ich selbst bin vor Jahren auf die digitale Variante der Lochkamerafotografie gestoßen, habe aber erst vor kurzem wieder angefangen, mich damit zu beschäftigen. Denn jeder, der eine (digitale) Spiegelreflexkamera besitzt, kann diese ohne weiteres zur Lochkamera machen (Anleitungen sind überall im Internet zu finden): Weiterlesen

Lichterkreise im Hintergrund:
Bokeh – so wirds gemacht


Bokeh scheint der neue Trend in der Fotografie zu sein. Aber was ist das überhaupt? Hier eine Anleitung, wie man einfach schöne Bokeh-Fotos machen kann.

Der Ausdruck Bokeh kommt vom japanischen ぼけ boke und bedeuteut „unscharf, verschwommen“. In der Fotografie wird der Begriff verwendet, um einen ganz spezifischen Look zu beschreiben, den Unschärfebereiche im Bild vermitteln können. Um ein Objekt vom Hintergrund optisch zu trennen, wird mit einer bestimmten Tiefenunschärfe gearbeitet. Das heisst, der Bereich, der scharf abgebildet wird, ist sehr gering und der Hinter- oder Vordergrund liegt stark in der Unschärfe. Die Schärfentiefe ist abhängig von der Blendenöffnung – je grösser die Blende (kleine Blendenzahl, z.B. f/1,4), umso kleiner der Bereich, der scharf abgebildet wird. Schliesst man die Blende (grosse Zahl, z.B. f/22), ist das abgebildete Objekt von vorne bis hinten scharf. Da das Schärfeverhalten jedes Objektivs anders ist, gibt es Objektive, die sich besser eignen für Bokeh-Fotos als andere.

Schöne Bokeh-Fotos zu machen ist ganz einfach

  • Am besten eignen sich Objektive mit einer festen Brennweite, zu empfehlen ist beispielsweise ein Portraitobjektiv mit 85mm Brennweite. Das Objektiv sollte möglich lichtstark sein, also über eine grosse Blendenöffnung verfügen, beispielsweise f/1,4 oder f/2,8.

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Stilleben:
Antik und schön

Ausgetretene Schuhe, verstaubte Töpfe, abgesessene Polster, verwittertes Holz… Antiquitäten eignen sich wunderbar als Fotosujets.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Harry Keller).

Kommentar des Fotografen:

Ganz gezielt bin ich mit meiner damals neuen 7D zu dem Ort gegangen, wo dieser Stuhl und diese Bank stehen. Ich sah sie bei einem Spaziergang einige Wochen zuvor und hatte ein Bild im Kopf, was ich auf den Sensor bannen wollte. Trotz der mir bewusten „Mängel“ (falsch sitzender Fokus, kompositorisch optimierungswürdig) – die ich heute hauptäschlich auf die neue „Hardware“ schiebe ;-) – mag ich das Bild sehr, da es meines Erachtens sehr gut die Stimmung ausdrückt, die dort vorherschte udn meinem „Bild im Kopf“ sehr nahe kommt.

Profi Barbara Hess meint zum Bild von Harry Keller:

Ausgetretene Schuhe, verstaubte Töpfe, abgesessene Polster, verwittertes Holz… alles Objekte, die sich wunderbar als Fotosujets eignen. Du bist gezielt nochmals dorthin, wo du diese Relikte aus alter Zeit gefunden hast, um sie mit deiner neuen Kamera festzuhalten. Antiquitäten haben uns immer etwas zu sagen, der Betrachter überlegt sich: welche Geschichte würde diese Bank uns wohl erzählen?

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