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Telefotografie:
Bewusst freistellen

Die Telefotografie eröffnet dank reduzierter Schärfentiefe Gestaltungsoptionen, die sonst nur mit Offenblende möglich sind. Jetzt geht es aber darum, diese Option zur Freistellung des Motivs ganz bewusst zu nutzen.

Telefotografie eines persischen Seidenbaumes

Der Seidenbaum – Canon EOS 5D Mark III , 1/30s bei Blende 9 mit 235 mm Brennweite und ISO 100. © Jan-Michael Buckowitz

Jan-Michael Buckowitz aus Dittelsheim-Heßloch: Nach einem kurzen Regen diesen Zweig mit Tele fotografiert (Südkorea). Ein hier häufig vorkommender Baum.

Was wir hier sehen, darüber können wir ebenso diskutieren wie darüber, was wir hier sehen sollen: Du nennst das Bild „Mimosa Strigillosa“, was aber eine eher blumenartige Pflanze aus Nordamerika ist. Ich halte das hier für den persischen Seidenbaum, ebenfalls eine Mimosenart, aber eine der bäumigen Sorte. Um die Pflanzenbestimmung geht es aber hier weniger als um den Einsatz der Schärfentiefe.

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Street-Fotografie:
Schärfentiefe Spiegelung

Die Diskussion über die Street-Fotografie ist in vollem Gange: Hier eine Aufnahme, die keine Gesichter zeigt, dafür technische und kompositorische Fragen nach der Schärfentiefe aufwirft.

Street-Fotografie Rushhour

Canon PowerShot G7 X Mark II – 1/20s bei Blende 2.8 mit 36mm Brennweite und ISO 200 © Michael Wagner

Michael Wagner aus Lilienthal schreibt zu diesem Bild: Ein regnerischer, trister Abend in Hannover, die Menschen eilen nach Hause, in den leeren Geschäften sind die Schaufenster noch erleuchtet. Diese Stimmung wollte ich im Bild festhalten und wählte den Bildausschnitt mit der Pfütze, in der sich das Schaufenster spiegelt. Die Umsetzung in SW soll die triste Stimmung des Regenabends verstärken.

Wo setze ich bei einer Spiegelung den Fokus: Auf das Objekt, das spiegelt, oder das, das sich darin spiegelt? Wie ist dabei mit der Schärfentiefe umzugehen?

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Fotografisches Stillleben:
Die Klosterküche

Die gegenständliche Fotografie soll entweder etwas dokumentieren oder Emotionen auslösen oder transportieren. Ein Stillleben versucht das eine über das andere zu erreichen.  Das gelingt hier aus simplen Gründen nicht.

Canon EOS 5D Mark III Aufnahmedaten: 1/10s bei Blende 28/10 mit 46/1mm Brennweite und ISO 5000

Küche, Santa Catalina Kloster, Arequipa, Peru. Canon EOS 5D Mark III 1/10s bei Blende 2.8 mit 46mm Brennweite und ISO 5000. © Benjamin Koenig

 

Benjamin Koenig aus Remchingen schreibt zu diesem Bild: Das Bild entstand im September letzten Jahres in Arequipa, Peru. Eine Küche im Kloster Santa Catalina. Ich weiß nicht genau warum, aber wenn ich die ca. 2000 Bilder der Peru Reise ansehe bleibe ich hier immer hängen. Für mich hat dieses Bild etwas absolut besonderes.

Ein angenehmes, warmes Bild,  das Gemächlichkeit, Nostalgie und Langsamkeit ausdrückt. Allerdings verstehe ich nicht, in welchem Zusammenhang. Und das ist fatal.

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Buick-Hochzeit:
Ein Spiegel ohne Inhalt

Bei Detailfotografien muss klar sein, was das Motiv ist, was es anzuschauen gilt – sonst wird die Aufnahme zum unfreiwilligen Wimmelbild.

Nikon D5200 Aufnahmedaten: 1/400s bei Blende 5/1 mit 250mm Brennweite und ISO 500 @ Patrick Geldmacher

Nikon D5200 Aufnahmedaten: 1/400s bei Blende 5/1 mit 250mm Brennweite und ISO 500 @ Patrick Geldmacher

Patrick Geldmacher aus Mühltal schreibt zu diesem Bild: Ein Freund von uns hatte für seine Hochzeit einen tollen, alten Buick mit dem das Brautpaar ein- und ausfuhr. Dieser war mit Blumen geschmückt, wie auf dem Bild zu sehen.

Deine Beschreibung trifft den Nagel auf den Kopf: Wir sehen, dass da ein Auto mit Blumen geschmückt ist. Aber mehr sehen wir nicht. Das kann nicht sein.

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Kein Fehler:
Das Motiv in der Unschärfe

Dass Fotografien als kleine Vorschauen oft ganz anders wirken als in der vollen Auflösung, ist seit dem Siegeszug der Digitalkameras mit ihren Bildschirm-Vorschauen jeder Fotografin klar. Dass der Effekt aber auch in „gross“ sehr reizvoll sein kann, zeigt diese Fotografie.

"Lost in Grass" – Kind im Gras in Botswana. Nikon D90 1/250s bei F/5.6 mit 200mm Brennweite und ISO 400 © Dirk Steffens

„Lost in Grass“ – Kind im Gras in Botswana. Nikon D90 1/250s bei F/5.6 mit 200mm Brennweite und ISO 400 © Dirk Steffens

Dirk Steffens aus Stuttgart schreibt zu diesem Bild: Mein Lieblingsfoto von meiner letzten Botswanareise. Ich war zu Besuch bei einer Gruppe von Locals. Das Kind spielte mit dem Stab, aber wusste schon gut damit umzugehen. Das Foto ist durch das hohe Gras aufgenommen.
Das Foto ist nicht bearbeitet – ich habe noch nicht die perfekte Lösung gefunden. Habt Ihr vielleicht einen Tip?

Wie oft habt Ihr auch schon beim Betrachten einer Vorschau auf dem Kamera-Monitor gedacht „Wow – Volltreffer“ – und zu Hause nach dem Download der RAW-Daten festgestellt, dass die Aufnahme als kleine Vorschau toll wirkt, aber in der vollen Auflösung nicht mehr funktioniert? Typischerweise stellt man dabei fest, dass die Schärfe nicht richtig gesetzt war – und obwohl das nicht der einzige Unterschied in den Bildformaten ist, handelt es sich doch nicht nur um einen typischen Effekt, sondern um einen, der mit der Physik zusammenhängt.  Weiterlesen

Libellenporträt:
Keine Amputationen

Mit dem Teleobjektiv lässt sich bisweilen statt Fernes auch Kleines ganz leidlich fotografieren. Wenn man allerdings in der Makro-Fotografie unterwegs ist, sollte man auch den kleinen Tieren keine Körperteile abschneiden.

Makrofotografie einer Libelle an einem Blatt

250/s bei F/3.5 auf 200mm mit 320 ISO. Canon EOS 6D mit EF70-200mm f/2.8

Lars Bewersdorff aus Hannover schreibt zu dieser Fotografie:
auf meinem Balkon, freihand

Wir bitten um einen Kommentar zum Bild, weil wir gerne einen Haufen Fragen zur Aufnahme ausräumen, die sich nicht mehr stellen, wenn man die Umstände und die Absicht kennt. Hier zum Beispiel wäre es gut zu wissen, wie der Gesamtausschnitt der Fotografie aussah und was genau die Absicht des Bildes ist.

Wir sehen in dieser Farbfotografie eine gestochen scharf abgelichtete Libelle unten an einem grünen Blattstengel. Sie hält sich mit den Beinen an dem Stil fest und hängt vertikal nach unten; Der Fokus liegt mit sehr geringer Schärfentiefe genau auf dem Tier, hinter dem sich das Blatt der Pflanze in der Unschärfe nach unten krümmt. Der Hinterleib der Libelle ragt aus dem Rahmen der Aufnahme. Die vier Flügel stehen im rechten Winkel vom Rumpf des Tieres gegen vorne und hinten in den Unschärfebereich hinein.

In technischer Hinsicht eine perfekte Aufnahme: Weiterlesen

Foto-Abstraktion in Eis:
Ein Gesicht in blau

Im Fotostudio lassen sich mit Fantasie und Ideen Abstraktionen kreieren, an deren Perfektionierung man bestens arbeiten kann.

Eis-Abstraktions-Fotografie

Gegenstand im Eis. NIKON D7000, 1/160s bei Blende 5.6 mit 105mm Brennweite und ISO 100 © Emil Licht

Emil Licht aus Sassenburg: Im dunklen Februar habe ich mit Gegenständen in Eis experimentiert, um nicht vor die Tür zu müssen.

Die Eisblöcke wurden mit 2 Blitzen und Farbfolie ausgeleuchtet.  Bei diesem Bild gefällt mir im Nachhinein das schemenhafte Gesicht oder
besser die Fratze in der unteren linken Bildhälfte.

Abstrakte Fotografie bietet den Vorteil, dass jede Betrachterin für sich entdecken kann, was sie will. Und jeder Betrachter, was ihm passt. Jedenfalls, wenn es in der Abstraktion etwas zu sehen gibt.

In dieser Farbfotografie sehen wir einen Gegenstand in blau, der sich von links unten nach rechts oben in einer durchsichtigen Masse zu befinden scheint. Dabei fällt auf, dass nicht nur Tiefen-Unschärfe für die räumliche Wirkung verantwortlich zu sein scheint.

Hättest Du hier einfach nur eine zerknüllte Folie – dafür halte ich das Objekt – im Studio fotografiert, dann hätte das wohl auch ein interessantes, aber nicht ein so fesselndes Bild ergeben. Ich glaube, der Trick mit dem Eis besteht genau darin, dass es zwar durchsichtig ist, Du aber damit eine zweite Schicht der Schärfentiefen-Steuerung, oder vielmehr einer Art Schärfentiefe-Zufall, in das Motiv einbaust.

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Blumenfoto:
Tulpen Isolieren

Blumen sind das meistfotografierte Objekt, denn sie sind schön anzusehen und halten still. Trotzdem verlangen sie den Fotografen einiges ab. Am besten wirken sie, wenn man die Blüten gegen einen Hintergrund „freistellt“.

Tulpenfotografie

Canon PowerShot G11, 1/320s bei Blende f/4 mit 10mm Brennweite und ISO 80

Andrea Wolf aus Hamburg: Ich liebe einfache Motive. Das vorliegende ist eher ein Zufallsprodukt. Ich liebe auch Tulpen und bin von dem Ergebnis überzeugt. Technisch lag hier keine Absicht vor (Zuwenig Know-how). Freue mich dennoch über eine Kritik!

Absicht steckt eigentlich hinter den meisten Blumen-Fotografien, und das Know-How kann man erwerben – so schlecht ist Dein Einstig nicht. Allein der Umstand, dass Du Dich auf die Höhe der Blüten herabgelassen uns sie nicht von oben herab fotografiert hast zeigt, dass Du Dir sehr wohl etwas überlegt hast! Weiterlesen

Im „Netz“:
Der Teppichweber

Allein schon der Fokus kann aus einem vorhersagbaren Bild etwas vollständig anderes, einen „Hingucker“, machen.

Ausgangsfoto

Ausgangsfoto

Unser Leser Bernd Plumhof aus dem rheinland-pfälzischen Gutweiler hat uns das obige Bild unter dem Titel „Teppichweber” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Beim Spaziergang durch Mahdias Gassen (Tunesien) betrat ich eine der Webstuben und habe mich bei der Aufnahme diesmal auf die Fäden konzentriert. Ein Bild der Ruhe, trotzdem gehen die Augen hin und her, suchen das verschwommene Gesicht und kehren immer wieder zu den weißen Baumwollfäden zurück … Leica Digilux2 mit Festobjektiv; 22,5 (KB 45 mm); 1/60 s.; Blende 2,8; ISO 400.

Anderen Leuten beim Arbeiten zuzusehen, besonders, wenn das, was sie tun, nicht in den heimischen Kulturkreis paßt, ist immer faszinierend. Heimischen Töpfern oder Glasbläsern könnte ich stundenlang zuschauen, genauso wie Straßenverkäufern in Mexiko beispielsweise, die von Hand Tacos pressen. Dieses Foto hast Du von einem Teppichweber gemacht, und das hätte ein ganz banaler Urlaubsschnappschuß sein können, wenn da nicht die Art der Aufnahme wäre. Weiterlesen

Schneckenfoto:
(Zu) nah dran

Manchmal ist man nicht nah genug am Objekt, weil man nicht näher herangehen kann: Das Problem heisst «Naheinstellgrenze». Dieses originelle Schneckenbild zeigt das auf.

Schnecke auf einer Strasse

© Rolf Steinemann – 250/s bei f/8 und ISO 200, Nikon D5000, 18-200 3.5-5.6

Rolf Steinemann aus Neuhausen schreibt zu diesem Bild:

Letzen Sonntag bei einem leichten Regenschauer habe ich dieses Bild festgehalten. Es wurde noch nicht bearbeitet, um unterschiedliche Resultate zu diskutieren. Persönlich würde es mir ein Hintergrund mit mehr Unschärfe besser gefallen. Zusätzlich einen Schnitt „vorne, links“ um den weiteren Weg „grösser“, resp. imposanter wirken zu lassen. Durch das triste Wetter wäre evt. S/W auch prüfenswert. Evt. gibt aus auch noch spannendere Alternativen.

In dieser Farbfotografie sehen wir eine Weinbergschnecke, die auf einer verregneten Landstrasse in Richtung der Kamera kriecht. Den Vordergrund macht bis zur vertikalen Bildmitte die regennasse Teerfläche der Strasse. des Spiegelnden Himmels wegen ist sie zu grössten Teilen sehr hell bis fast weiss. Die Schnecke ist in der Komposition im Goldenen Schnitt/im Drittel von links angeordnet.

Da hattest Du eine witzige Bildidee: Eine Schnecke, die scheinbar zielstrebig auf einer (viel zu breiten Strasse) unterwegs ist. Die Bildkomposition ist in den wesentlichen Punkten in Ordnung, vor allem die Platzierung der Schnecke ist stimmig. Weiterlesen