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Schnappschuss:
Dorftratsch mit Blick in die Zukunft

Mit gezielter Fotografie oder Bearbeitung kann man einem Bild ein bestimmte Aussage mitgeben. Nur stimmt diese immer?

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Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Günter Kutschke).

Kommentar des Fotografen:

Fototour im tschechischen Niederböhmen, das vor 1945 zu Deutschland gehörte, das Bild, eher ein Schnappschuss, zeigt aber gut die Perspektivlosigkeit des Lebens in den grenznahen Gebieten zu Deutschland. Bearbeitet das übliche, zuzüglich Vignettierung und warmer Ton. Titel…Dorftratsch

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Günter Kutschke:

Was mir an Günters Bild als Erstes auffiel, waren die leichten Pastelltöne im gut gewähltem Farbkontrast und die korrekte Anordnung der Protagonisten im Bild nach der Drittelregelung. Also rein technisch gibt es nichts auszusetzen. Dann las ich seine Beschreibung dazu:

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Schnappschuss-Porträt:
Tiefe schafft Nähe

In der Strassenfotografie empfiehlt sich eine offene Blende nicht nur, weil damit ohne grosses Fummeln an der Kamera kurze Belichtungszeiten ermöglicht werden.

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Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Marcel Czechan).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Foto ist in Nawabad, nähe Kunduz entstanden. Das Mädchen hat vorsichtig, ängstlich nachgeschaut was plötzlich vor der „Haustüre“ los war. Das wollte ich festhalten.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Marcel Czechan:

Ein Mädchen in Asiatischer Bekleidung guckt hinter der Ecke eines Lehmhauses hervor. Zu sehen ist vom gesicht eigentlich nur das rechte Auge und ein Teil der Stirn; das Kind scheint verängstigt. Der Hintergrund des Hochkant-Fotos ist eine weitere Lehmwand einer anderen Behausung.

Natürliche Momente und Begegnungen machen die besten Strassenfotos oder Schnappschüsse. Dabei ist die direkte Interaktion der Protagonisten mit der Kamera nicht unbedingt der ideale Ausgangspunkt, aber eine starke Emotion kann ein Bild enorm aufwerten – hier ist es die Mischung aus Furcht, Scheu und Neugier, die das Mädchen im Kopftuch an den Tag legt. Es entsteht sofort ein Austausch, indem wir uns als Betrachter ein wenig schämen für unsere unverfrorene Neugier, die aber durch diejenige des Mädchens sofort relativiert wird:

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Schnappschuss:
Der Schattenmann

Hohe Kontraste und die Umkehrung der „korrekten Belichtung“ zwischen Motiv und Subjekt werden hier als reizvoller Effekt demonstriert.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Johannes Joha).

Kommentar des Fotografen:

Diesen „Schnappschuss“ habe ich auf der Art Cologne 2010 machen können, da die dunkle Kleidung des Kunstliebhabers zu den weissen Wänden gut kontrastierte. Die Betrachtung eines Betrachters, der sich mit seinem Schatten in ein Bild gleichsam versenkt, war hierbei der besondere Reiz. Die ursprüngliche Aufnahme ist farbig, sie wurde mit Lightroom insbesonders hinsichtlich des Kontrastes leicht bearbeitet

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Johannes Joha:

Ein Mann mit Hut steht in einem Museum dicht vor einem Bild an der Wand. In der Linken hält er eine Plastiktüte mit Aufdruck, in der rechten mit angewinkeltem Arm seine Brille. Auffällig an dieser Schwarz-Weiss-Fotografie ist vor allem, dass der Mann fast vollständig im Schwarz absäuft, während die Tonwerte in seinen Schatten an der Wand und dem Bild, das er betrachtet, korrekt abgestuft scheinen.

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Naturfoto:
Auf den Hund gekommen

Schnappschussbereitschaft zahlt sich grade in Städten immer wieder aus.

[textad]Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Otto Friedmann).

Kommentar des Fotografen:

Kürzlich war ich am Mythenquai in Zürich unterwegs, um eine Wucherung an einem Baum zu dokumentieren. Durch Zufall habe ich auf den See geschaut und einen „Kampf“ zwischen einem badenden Hund und einem ihn angreifenden Schwan gesehen. Reflexartig habe ich die umgehängte Kamera aufgehoben, sie dabei mit einer Hand eingeschaltet, gleichzeitig mit der andern Hand das Tele aufgedreht, sofort anvisiert und 2x abgedrückt. Zeit für Einstellungen hat es keine gegeben, wenige Sekunden später war alles vorbei, der Schwan hat sich gleich danach entfernt.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Otto Friedmann:

Ein Schwan im Wasser bäumt sich auf dieser Schwarz-Weiss-Aufnahme über etwas auf, was erst auf den zweiten Blick als der Kopf eines schwimmenden Hundes zu erkennen ist.

Eine solche Szene habe ich diesen Sommer ebenfalls am Zürichsee miterlebt, wobei ein Schwanenpaar nicht einen Hund, sondern einen fremden Jungschwan aus einem Hafenbecken vertrieb:

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Möwenbild:
Fehlender Bezug

Schnappschüsse sind attraktiv. Sie wirken spontan und erzählen uns oft eine kleine Geschichte. Aber damit sie auch wirken, benötigen sie einen für den Aussenstehenden Betrachter erkennbaren Grund und Bezug.

[textad]Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Ralf Joost).

Kommentar des Fotografen:

Die Möwe, welche anscheinend auf Schaufensterbummel ist, sah ich in Alkmaar in der Nähe des Käsemarkts. Bei der Bildbearbeitung habe ich die Schärfe und die Helligkeit leicht korrigiert. Aufgenommen wurde es im Juli 2011.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Ralf Joost:

Ralf Joost hat mit seinem Schnappschuss eine Momentaufnahme eine Situation in einer Stadt aufgenommen. Die Möwe marschiert hier gemütlich, stolz und angstfrei über den Straßenbelag. Diese Situation ist für uns ungewöhnlich, weil normalerweise Vögel ziemlich schreckhaft sind und schnell wegfliegen, wenn man sich nähert.

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Locationshooting:
Geschichte im Kopf

An grossartigen Lokalitäten braucht der Fotograf häufig gar keine aufwändig inszenierte Pose des Modells. Ein einfaches Situationsbild ist oft wirksamer.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Simon Schmitz).

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstand, als ich mit einer Freundin ein paar Photos in einer alten Ziegelfabrik gemacht habe. Ich habe noch einen Stuhl mit zurück genommen und konnte dann die zufällig entstandene Distanz für dieses Bild nutzen.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Simon Schmitz:

Eine junge Frau in leuchtend orangem Trägershirt, schwarzem Jupe und hohen Absätzen spatziert in dieser Farbaufnahme durch eine schmale, offenbar verfallende Fabrikhalle. Die Frau geht von der Kamera weg und richtet mit beiden Händen ihr Haar.

Auch wenn Dein Modell hier einen klaren Blickfang setzt – das eigentliche Motiv der Fotografie ist die Fabrikhalle – und es ist ein grossartiges dazu:

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Laubdach:
Verfremdende Lichtspiele

Manchmal reicht eine ungewöhliche Perspektive für ein spannendes Bild.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sven Ring).

Kommentar des Fotografen:

Allee am Schaumainkai in Frankfurt. Mich beeindruckte das Licht- und Schattenspiel zwischen den hellgrünen Blättern, wirkte es in Farbe noch frühlingshaft frisch, bekommt der „Tunnel“ in der sw-Bearbeitung etwas Geheimnisvolles.

Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Sven Ring:

Eine Platanenallee in vollem Laub ist in dieser Schwarz-Weiss-Aufnahme zu sehen. der Blick führt offenbar leicht nach schräg oben in die Kronen der Bäume; durch diese bricht das Licht in gleissenden Ausbrennungen in der Aufnahme nur punktweise herein, das Blätterdach ist relativ dicht und zeigt ein Muster aus Grauwerten. Darunter sind die Stämme der Bäume in der Allee zu erkennen und in der Tiefe des Bildes der Tunnel, den sie bilden.

Diese Aufnahme greift ein einfaches Motiv aus dem Alltag auf, das Dir unterwegs aufgefallen ist – ich würde sie deshalb nicht de Landschaftsfotografie zuordnen, sondern mehr als Schnappschuss bezeichnen, ohne dass das abwertend wirken soll:

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Schnappschuss:
Einsame Flaschen am Rhein

Wenn ein Foto eine Stimmung gut transportiert, kann auch über einige technische Fehler hinweggesehen werden.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Saskia Clemens).

Kommentar des Fotografen:

Eigentlich hatte ich es nur auf die Hafengebäude im Hintergrund abgesehen… aber dann gab es da diese Bank mit den beiden ‚herrenlosen‘ Flaschen und das Licht war grad so gut!

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Saskia Clemens:

Nüchtern gesehen ist das Bild misslungen: Der Himmel ist überstrahlt und der Horizont ausgefressen, zusätzlich hat das Foto einen Farbstich ins Gelbe. Als Schnappschuss gesehen ist das Bild jedoch gelungen, auch wegen der eben genannten Fehler. Klingt paradox?

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Streetfoto:
Erinnerung an alte Zeiten

Fotografien können uns an längst vergangene Zeiten erinnern. Bei dieser Aufnahme versucht Antje Kessler die Bildstimmung des 19. Jahrhunderts zu zeigen, was ihr auch ganz gut gelingt.

[textad]Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Antje Kessler).

Kommentar des Fotografen:

Ein Schnappschuss vom Wave Gotik Treffen 2011. Etwas abseits vom „Catwalk“-Trubel auf dem viktorianischen Picknick saßen diese beiden Leute ins Gespräch vertieft. Ich mag die versunkene Stimmung an dem Bild, die den Anschein einer anderen Zeit erweckt. Durch die körnige SW-Bearbeitung habe ich versucht, das noch zu verstärken.

Profi Martin Zurmuehle meint zum Bild von Antje Kessler:

Die Kleider der Personen auf unseren Bildern geben uns immer einen Zeitbezug. Tragen sie allerdings, wie bei dieser Aufnahme von Antje Kessler, historische Kleider, so gibt es eine „Verwirrung“. Moderne Aufnahmetechnik und historische Kostüme scheinen ein Widerspruch zu sein: Weiterlesen

Stillleben:
Im kalten Kerzenlicht

Ein Stillleben ist kein Schnappschuss. Im Gegenteil: Bei einem Stillleben hat der Fotograf jede Zeit der Welt (wenn es nicht gerade Eiscreme ist), sein Motiv so sorgfältig und detailverliebt zu arrangieren, wie es seine Vision erfordert. Bei diesem Foto wurde dieser Vorteil jedoch sträflich ignoriert.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Bernhard Schneck).

Kommentar des Fotografen:

Das Windlicht strahlt Licht und Wärme aus, leicht verstärkt durch die Spiegelung im Glasgefäß. Das Foto sollte etwas von dieser Ausstrahlung wiedergeben. Das Motiv wurde nicht arrangiert. Vielmehr entstand das Foto eher zufällig auf der Ausstellung „Garten München 2011“.

Profi Robert Kneschke meint zum Bild von Bernhard Schneck:

Ein Stillleben ist kein Schnappschuss. Im Gegenteil: Bei einem Stillleben hat der Fotograf jede Zeit der Welt (wenn es nicht gerade Eiscreme ist), sein Motiv so sorgfältig und detailverliebt zu arrangieren, wie es seine Vision erfordert. Das ist der grundlegende Widerspruch dieses Fotos:

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