Thema: schwarzweiss

 

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Leserfoto – “Sensuality”:
Die Qual der Wahl

Nach welchen Kriterien sollte man Fotos auswählen?

(c) Mario Franke

(c) Mario Franke

Hallo, das ist das 2. Foto vom selben shooting, ich konnte mich nicht entscheiden! :o) Vielleicht könnt ihr ja entscheiden, nochmals DANKE!
Groetjes uit Belgie, Mario

Bevor sich jetzt diejenigen unter unseren Lesern, die vergeblich Fotos eingereicht haben, benachteiligt fühlen, weil von einem Fotografen fast hintereinander zwei mit fast identischem Motiv besprochen wurden, möchte ich erklären, was mich zu dieser Auswahl bewogen hat.

Abgesehen von den Punkten, die bereits in der ersten Besprechung zu „Into the Light“ aufgelistet wurden, war ich der Meinung, daß es mir dieses Bild ermöglicht, einen Bezug zwischen mehreren Aufnahmen desselben Shootings herzustellen und Auswahlkriterien anzusprechen, ohne daß der Text so lang wird, daß man beim Lesen abschaltet.

Hier beide Bilder im Vergleich:

(c) Mario Franke

(c) Mario Franke

(c) Mario Franke

(c) Mario Franke

Zu sehen ist wiederum die junge Frau, dieses Mal links angeordnet. Das Gesicht, der Kamera direkt zugewandt, ist aus dem Goldenen Schnitt heraus verschoben, was hier aber für mich nicht problematisch ist, denn es entspricht dem experimentellen Charakter des Fotos. Du hast wieder dieselbe extreme Vignettierung benutzt, die ich bereits bei „Into the Light“ kritisiert hatte und auch hier für vollständig zuviel und unnötig halte. Man sieht aber hier an den Artefakten am unteren und oberen Bildrand recht gut, daß es Dein Ziel gewesen sein muß, den Hintergrund zu eliminieren. Warum Du allerdings den hellen Streifen oben rechts nicht losgeworden bist, wenn Du Dir ansonsten schon die Mühe gemacht hast, verstehe ich nicht. Das hätte ich auf jeden Fall vor allem anderen korrigiert. Dennoch bleibe ich dabei, daß diese Aspekte bereits bei der AUFNAHME angegangen werden sollten – wenn ein Foto zu viel Herumdoktorei benötigt, stimmt etwas mit Deinem Setup nicht.

Der Hauptgrund für die Auswahl dieses Bildes war aber, daß Du in Deinem Kommentar ansprichst, Dich nicht entscheiden zu können, und darauf will ich hier im folgenden eingehen.

Die schwierigste „Übung“ für jeden Fotografen – egal, in welcher Phase er oder sie sich befindet – ist immer, aus den Fotos, die bei einem Shooting anfallen, die wirklich besten herauszufiltern. Alles, was Du fotografierst, ist automatisch Dein „Baby“. Du hast dafür gearbeitet, manchmal sogar gekämpft, und deshalb hast Du zu allen Bildern ein besonderes Verhältnis. Dir gefallen sie alle gut, und Du möchtest sie alle behalten. Trotzdem möchte der Kunde oder anderweitige Betrachter nicht alle bekommen oder sehen, und einer Gallerie eine CD mit unzähligen Aufnahmen zu schicken, die entweder alle irgendwie gleich aussehen (oder schlimmer: nichts wirklich miteinander zu tun haben), macht einen amateurhaften Eindruck.

Wie und nach welchen Gesichtspunkten sollte man also Fotos auswählen? Welche Kriterien sollte man anlegen?

Ich selbst gehe schon seit Jahren folgendermaßen vor:

  1. Der erste Schritt meiner Bearbeitung ist immer Lightroom, wo bereits die Aufnahmen eliminiert werden, die eindeutig technisch nichts geworden sind.

  2. In Lightroom werden weiterhin Aufnahmen verglichen, die sich nur durch kleine Details unterscheiden und diejenigen ausgewählt, die kompositionell oder technisch besser sind.

  3. Wenn ein Shooting in verschiedene Kategorien eingeteilt werden kann, werden alle Fotos, die dieselben Merkmale aufweisen, zusammen gruppiert und weiter verarbeitet. Sie werden auch von Lightroom in getrennte Ordner exportiert.

  4. Nachdem die gesamte Nachbearbeitung abgeschlossen ist, sollte man auch bei Terminzwang optisch von den Fotos etwas Abstand nehmen, denn wenn man zu lange auf dieselben Motive starrt, kann man am Ende noch weniger objektiv urteilen und sieht auch Dinge nicht, die man sonst gesehen hätte.

  5. Schlußendlich kommt es unter anderem darauf an, ob man eine bestimmte Anzahl von Bildern abzuliefern hat, und welche Aufnahmen speziell gefordert waren (bei einer Hochzeit etwa gibt es regelmäßig bestimmte Motive, die einfach dabei sein müssen).

  6. Habe ich von einem Motiv mehrere Varianten, liegt es an mir, die Auswahl zu treffen. Das bedeutet NICHT, die anderen löschen zu müssen; es bezieht sich nur darauf, was ich dem Kunden letztendlich präsentiere. Vorausgesetzt, Du hast Deine (Nach-)Arbeit gut verrichtet und nur diejenigen Bilder übrig gelassen, die es wert waren, mußt Du Dich jetzt ganz subjektiv entscheiden. Folgende Fragen etc. können als Leitfaden dienen, sind aber nicht in Stein gemeißelt.

  • Paßt das Foto zu den anderen? Wirkt es beispielsweise nur in Farbe, während die anderen in Schwarzweiß besser sind? Ist der Stil der gleiche?

  • Wenn ich bei verschiedenen Variationen immer wieder zu einer zurückkehre, ist das ganz klar ein Grund, sie auszuwählen. Wenn ich umgekehrt bei einer anderen versucht bin, ständig daran noch etwas zu ändern, ist es ein Grund, sie NICHT in die Endauswahl zu nehmen.

  • Hat die Aufnahme einen „Wow-Faktor“, verglichen mit den anderen?

  • Wie wirkt die ganze Serie mit diesem Foto (und wie ohne)?

Im vorliegenden Fall hätte ich mich für das erste Foto entschieden (ohne die extreme Vignette etc.), weil mir die Anordnung der jungen Frau dort besser gefällt. Das ist aber, wie oben erwähnt, letztendlich Deine subjektive Entscheidung.

 

Leserfoto – “Spielender Hund”:
Anfang einer Serie

Serien und Projekte statt lose Bildsammlung

(c) Marcus Leusch

(c) Marcus Leusch

Mainz/Rheinpromenade: Der erste Frühlingstag bei strahlender Sonne und fast schon sommerlichen Temperaturen. Mich zog es am späten Nachmittag weg vom Büroschreibtisch zum Rheinufer. Auf meinem Streifzug hatten es mir die Schattenspiele auf dem Pflaster besonders angetan. Dazu gehört auch diese Zufallsbegegnung, die mich besonders angesprochen hat. Ein Hund tollte mit seiner Beute über die Steinplatten, während ihm eine Mutter und ihr Kind gespannt hinterher blickten. Für mich eine Szene, die ich spontan und in einer gewissen angespannten Hektik einfach festhalten musste …

Aufnahmedaten: Fuji X-E1, 18-55 mm-Objektiv (bei 28 mm ≈ 42mm Kleinbildformat), Belichtungszeit: 1/1500s bei ISO 200 (hatte leider meinen ND-Filter zuhause liegen lassen), Blende: 5, Kontraste angehoben

Du gehst wohl sehr gerne an der Mainzer Rheinpromenade spazieren, denn vor einiger Zeit hast Du schon einmal ein ähnliches Foto eingereicht, das ich zufälligerweise auch besprochen habe. Auch dort der gekippte Horizont („Dutch Angle“), auch dort das Spielen mit geometrischen Formen und Linien in Schwarzweiß.

Hier das andere Foto:

Dame mit Hündchen

Ich habe mich trotz der Ähnlichkeit der Bilder und der Tatsache, daß sie vom selben Fotografen stammen, dazu entschlossen, auch dieses zu besprechen. Denn erstens einmal ist es für mich eine gelungene Aufnahme, und zweitens gibt sie mir die Gelegenheit, projektbezogenes Arbeiten anzusprechen.
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Leserfoto – “Treppe”:
Architektur als Abstrakt

Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, lassen sich auch aus eher unscheinbaren Motiven außergewöhnliche Fotos herausholen.

(c) Oliver Bedford

(c) Oliver Bedford

Schnappschuss einer Kolonnade in Hamburg – genauen Ort kann ich nicht mehr rekonstruieren. Perspektive korrigiert, in S/W gewandelt, Kontrast erhöht und beschnitten.

Ein Fotografenfreund hat mir einmal gesagt, die Herausforderung in der Fotografie sei oft nicht, spektakuläre Motive angemessen abzulichten (man muß sich beispielsweise regelrecht bemühen, vom Grand Canyon schlechte Bilder zu machen, obwohl es die leider auch zuhauf gibt), sondern im Alltäglichen das Interessante abzubilden. Das ist Dir hier meines Erachtens gelungen. Bei Deiner Aufnahme mußte ich zweimal hinsehen, bis mir die Illusion klar wurde, und das hat mich schließlich zur Auswahl bewegt.
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