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St. Marxer Friedhof im Frühling:
Nachbearbeitung ist eine individuelle Entscheidung

Klischee oder nicht – Nachbearbeitung ist eine individuelle Entscheidung. Schwerer wiegen manchmal andere Dinge, die schon bei der Aufnahme anders hätten gemacht werden sollen.

Canon EOS 6D, 35mm Festbrennweite von Canon, f6,3 1/200, ISO 400

War ein sonniger früher Frühlingstag, neue Kamera wollte getestet und geübt werden, ein Besuch am größten noch erhaltenen Biedermeierfriedhof bot sich da an. In der Bearbeitung hat mir dann s/w trotzdem besser zum Thema Friedhof passend gefallen. Aber ob das jetzt zu sehr Klischee ist, ich weiß es nicht? Das Bild hängt außerdem etwas, tatsächlich ist es aber gerade, es ist einfach der Weg dort schräg. Bin mir da nicht sicher, ob ich das grade rücken soll, damit es fürs Auge passt…

Du hast uns hier ein Foto des St. Marxer Friedhofs in Wien eingereicht. Zu sehen sind links und rechts Grabsteine, fast mittig ein Baum, der im Weg wächst. Rechts sieht man auch umgefallene Grabsteine. Das ganze hast Du in Schwarzweiß gehalten. Weiterlesen

Langzeit auf Wasser:
Die Tiefenwirkung einfacher Bildkomposition

Eine Beschränkung der Bildelemente bietet beste Voraussetzungen für überzeugende Bilder. Die dabei zu beachtenden Feinheiten wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Ausgangsbild

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Unser Leser Florian Fahlenbock aus dem bodenseenahen Markdorf hat uns das obige Bild unter dem Titel „Seezeichen” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Bild wurde wieder am Bodensee aufgenommen. Ich bin zunehmend von Langzeitbelichtungen fasziniert und beschäftige mich in letzter Zeit hauptsächlich damit. Dies in Verbindung mit schwarz weiß Fotografie empfinde ich zunehmend als mein Metier. Ich bin jedoch noch ein absolutes ‚Greenhorn‘ auf dem Gebiet und würde mich daher über eine Besprechung des Bildes hinsichtlich Komposition, Bildaufbau und Tonwerten sehr freuen. Zur Aufnahme wurde eine Canon 600D mit Kitobjektiv und 08/15 Graufilter benutzt. Hinsichtlich der Preise hochwertiger Linsen muss ich mich (noch) mit dieser einfachen Grundausstattung zufrieden geben.”

Zur Aufnahme wurde die APS-C-Kamera Canon EOS 600D mit Kitobjektiv EF-S 18-55mm f/3.5-5.6 IS II verwendet. Die Brennweite betrug 55,0 mm (entsprechend 88,0 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 4,0 Sekunden bei Blende f/14,0 und ISO 200.

„Lieber (wie hier schon deutlich erkennbar) ein ‚vielversprechender Gestaltungsansatz bei magerer Ausrüstung‘ wie andersherum”, dachte ich spontan bei Florians sympathischer und bescheidener Selbstbeschreibung.

Kurz mußte ich (‚von oberschwäbischem Geblüte, aber mit badischer Ehefrau bewehrt‘) noch darüber sinnieren, ob Markdorf nun wohl eine schwäbische oder eine badische Gemeinde sei – Letzteres, würde ich jetzt mal annehmen, aber der ‚innerwürttembergische Verlauf des Spätzlegrabens‘ ist nicht immer so klar …
Florian Fahlenbock: 'Spargelfeld'Florian (damals noch in Freiburg im Breisgau) ist uns ja bereits von einer ‚naturnahe-abstrakten Arbeit‚ her bekannt, die wir im September 2013 hier besprochen hatten (siehe auch nebenstehendes Bild). Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente der heutigen Arbeit. Weiterlesen

Leserfoto – “Skogen”:
Meister zitieren

Meister gekonnt zu zitieren ist schwierig. Manchmal zitiert man auch unabsichtlich mehrere gleichzeitig.

(c) Erik Mueller

Hommage an Robert Adams

Ab und zu bekommen wir bei fokussiert Aufnahmen zugesandt, die konkret einen Meister der Malerei oder Fotografie zitieren. Solche Fotos zu besprechen ist immer eine besondere Aufgabe für den Kritiker, denn auf der einen Seite muß man das Bild für sich besprechen und stehen lassen können, auf der anderen Seite sollte ja jemand zitiert werden.

Du hast uns hier ein Waldfoto unter dem Titel „Skogen“ eingereicht. „Skogen“ bedeutet auf Schwedisch „Wald“ und ist der Titel eines Portfolios von Robert Adams. Adams, Jahrgang 1937, ist dafür bekannt, daß er die Veränderungen der Landschaft im Westen der USA über Jahrzehnte hinweg festgehalten hat. Weiterlesen

Leserfoto – „Nudelsuppe“:
Qual der Wahl des Beschnitts

Manchmal ist der beste Beschnitt, keinen vorzunehmen.

(c) Alexander Sprinz

Letztes Jahr in Thailand im Heimatdorf meiner Frau. Eine kleine Suppenküche, jeder kennt jeden und es wird immer gerne und ausführlich über die Alltagsthemen diskutiert.

Analog fotografiert mit einer Minox 35GL und Kodak Gold 200. Entwicklung und Scan stammen vom Großlabor. Bearbeitung mit Gimp, geradegestellt, beschnitten, selektiv konvertiert nach BW mit Betonung auf den roten Kanal, Tiefen etwas angehoben und eine leichte Vignette dazu. Falls für das Fokussiert.com-Team von Interesse, das Ausgangsbild gibt es hier: http://www.rotemorgen.de/wp-content/uploads/2014/03/Bild011_Neg.Nr_.9.jpg

Ich höre häufig die Kritik an der Kritik, daß immer nur empfohlen werde, das Bild zu beschneiden. Vorliegendes Leserfoto ist ein exzellentes Beispiel, wie dieser Entscheidungsprozeß ablaufen mag, und wann man sich gegen einen Beschnitt entscheiden kann.

Du hast hier einen Schnappschuß aus Thailand eingereicht. Zu sehen sind mehrere Leute unter einem Wellblechdach. Eine Frau steht an einem Tisch und bereitet etwas zu. Eine andere neben ihr läuft mit einer Schale Suppe auf zwei wartende Männer zu, die wiederum rechts auf einem Tisch sitzen. Niemand scheint Dich als Fotografen wahrzunehmen. Das Foto ist körnig, und Du hast Dich für eine Schwarzweißumwandlung entschieden, was den Dokumentarcharakter des Bildes noch unterstreicht. Weiterlesen

Leserfoto – Herbstidylle am Wegesrand:
Nimm Dir die Zeit

Wenn die Zeit hat, sollte man die richtigen kompositionellen Entscheidungen bei der Aufnahme treffen, damit man Korrekturen in der Nachbearbeitung auf ein Minimum beschränken kann.

(c) Marcus Leusch

Berghausen bei Aarbergen (Hessen): Eher zufällig sprang mir im Morgennebel dieses Motiv auf einer abgelegenen Koppel in die Augen. Es dauerte eine Weile, bis sich die Pferde in eine Position bewegt hatten, die mir für eine Fotografie geeignet erschien. Die Szene reizte mich neben den besonderen Beleuchtungsverhältnissen (Nebelwand im Hintergrund) wegen ihres beschaulichen, unaufgeregten Charakters – für mich eine ungewöhnliche Aufnahme, da ich doch eher zur Streetfotografie neige und solche Naturszenen bislang eine Ausnahme darstellen … Insofern bin ich mir auch recht unsicher, ob ich mich da mit meiner Bildauffassung auf einem guten Weg befinde …? Weiterlesen

Leserfoto – „Totes Holz“:
Natur als Abstrakt

Im Foto Angelegtes, was man selbst auf den ersten Blick nicht gesehen haben mag, läßt sich mit ein wenig Nachbearbeitung realisieren.

(c) Johannes Neukirch

Dieses Stück Holz an einer Staustufe hat mich fasziniert, weil es fast lebendig aussieht. Ein Schnappschuss auf dem Heimweg.

Wie von mir oft betont liegt die Interpretation eines Fotos im Auge des Betrachters. Im Extremfall kann das zu einer Art „Rorschach“-Reaktion führen. Ich selbst habe schon Deutungen von und Reaktionen auf Bilder meinerseits erhalten, die mir absolut NIE in den Sinn gekommen wären. Das heißt aber auch, daß man in manchen Fällen Dinge nicht sieht, die im Foto bereits angelegt sind. Dein Schnappschuß ist ein solcher Fall. Weiterlesen

Leserfoto – Porträt einer Tänzerin:
Der richtige Augenblick

Die Interpretation eines Fotos liegt bei jedem einzelnen Betrachter.

(c) Bernd Plumhof

Aufgenommen beim Monastir-Festival in Tunesien. Das Mädchen gehört einer russischen Tanzgruppe an. Die Veranstaltung fand unter freiem Himmel um Mitternacht in einer Burganlage statt. Die Beleuchtung kam von den Scheinwerfern. Interessant erscheint mir das Bild da es nicht, wie sonst üblich, auf Gesicht und Augen fixiert ist, sondern Hals und Haare im Blickpunkt stehen. Eine Umwandlung in Schwarz-Weiß erscheint mir durch den stärkeren Kontrast eindrucksvoller. Das Original habe ich rechts und links leicht beschnitten.
Nikon D700 mit Nikkor 70-300 4,5-5,6. Brennweite KB 270 mm; 1/60 s; f 5,6, ISO 3200.

Es kommt auch bei mir öfter vor, daß ich ein bestimmtes Thema fotografisch umsetze, und dann im Nachhinein in der einen oder anderen Aufnahme etwas entdecke, das ich bei ihrer Entstehung nicht gesehen habe, nun aber davon fasziniert bin. Das kann im besten Fall der Ausgangspunkt zu einem neuen Projekt sein, im schlechtesten ärgere ich mich, vor Ort nicht weiter darauf eingegangen zu sein. Weiterlesen

Leserfoto – „Mit der Tram zum Taksim-Platz“:
Bild im Bild

Mit einfachen Mitteln kann aus einem Urlaubsschnappschuß etwas für andere Interessantes werden.

(c) Bernd Plumhof

Aufgenommen in der Fußgängerzone Istanbuls. Ein Erlebnis, mit dieser vollbesetzten Straßenbahn durch das Menschengewirr zu fahren. Keiner scheint die Bahn zu beachten, weicht erst in „letzter Sekunde“ zur Seite. Höchste Konzentration bei Fahrer und Passagieren. Ich habe mich noch nach vorne drücken können, um einen Kamera-Blick auf die Straße zu haben. Die vor mir stehenden Köpfe waren ein dankbarer Vordergrund.
Leica Digilux2 mit Festzoom. Brennweite 14 mm (KB); 1/200 sec.; Blende 4,8; ISO 100.
Das Bild habe ich vertikal und horizontal ausgerichtet und so beschnitten, dass der schwarze „Rahmen“ die Abgeschlossenheit innen verstärkt. Schwarz-Weiß scheint mir diese Straßenszene besser zum Ausdruck zu bringen.

Mein Mann ist in Istanbul geboren und aufgewachsen, und wir waren daher schon etliche Male dort. Eine dieser Städte, die Du nie wirklich vollkommen erkunden kannst, die Dich aber auch nie mehr losläßt. Istiklal Caddesi und die Straßenbahn sind mir gut vertraut; wir sind die Straße schon öfter hoch und runter gelaufen, als mir lieb ist. Meistens wird die historische Straßenbahn von außen her dargestellt, wie sie die Straße herunterkommt.

Du hast uns einen Schnappschuß geschickt, der aus der Straßenbahn heraus nach vorne weg aufgenommen wurde, als diese gerade auf der Überholschleife fährt. Zu sehen ist die äußerst belebte Straße durch drei Fenster hindurch, über die Köpfe von drei Mitfahrenden hinweg. Weiterlesen