4 zufällige Bildkritiken zum Thema Strassenfotografie:
Alle 45 Artikel zum Thema Strassenfotografie auf fokussiert.com:
Farbe in Schwarz-Weiss – geht das? Manchmal ist es reizvoll, eindeutig bunte Motive in den Köpfen der Betrachterinnen zu schaffen.
Kommentar des Fotografen:
Wien Stephansplatz am letzten des Jahres 2011. Geschossen mit Hasselblad 500cm Sonnar 150mm T-max 100, entwickelt in Rodinal 1:50
Peter Sennhauser meint zum Bild von Gerd L:
Ein Clown sitzt auf einer Bank an einer belebten Fussgänger-Zone, mit auf dem Bauch gefalteten Händen. Hinter der Figur mit Luftballon-Hut sitzen zwei leicht von ihm abgewandte junge asiatische Frauen und essen etwas aus Papptellern. Rings um die Szene strömt das Strassenleben in Schwarz-Weiss und quadratisch, ohne den Unterhaltungskünstler mit irgendwelcher Aufmerksamkeit zu ehren.
Wirklich verblüffend finde ich an dieser Aufnahme, dass sie farbig zu sein scheint, aber eindeutig Schwarz-Weiss ist:
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In der Strassenfotografie empfiehlt sich eine offene Blende nicht nur, weil damit ohne grosses Fummeln an der Kamera kurze Belichtungszeiten ermöglicht werden.
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Kommentar des Fotografen:
Dieses Foto ist in Nawabad, nähe Kunduz entstanden. Das Mädchen hat vorsichtig, ängstlich nachgeschaut was plötzlich vor der “Haustüre” los war. Das wollte ich festhalten.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Marcel Czechan:
Ein Mädchen in Asiatischer Bekleidung guckt hinter der Ecke eines Lehmhauses hervor. Zu sehen ist vom gesicht eigentlich nur das rechte Auge und ein Teil der Stirn; das Kind scheint verängstigt. Der Hintergrund des Hochkant-Fotos ist eine weitere Lehmwand einer anderen Behausung.
Natürliche Momente und Begegnungen machen die besten Strassenfotos oder Schnappschüsse. Dabei ist die direkte Interaktion der Protagonisten mit der Kamera nicht unbedingt der ideale Ausgangspunkt, aber eine starke Emotion kann ein Bild enorm aufwerten – hier ist es die Mischung aus Furcht, Scheu und Neugier, die das Mädchen im Kopftuch an den Tag legt. Es entsteht sofort ein Austausch, indem wir uns als Betrachter ein wenig schämen für unsere unverfrorene Neugier, die aber durch diejenige des Mädchens sofort relativiert wird:
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Schnappschussbereitschaft zahlt sich grade in Städten immer wieder aus.
Kommentar des Fotografen:
Kürzlich war ich am Mythenquai in Zürich unterwegs, um eine Wucherung an einem Baum zu dokumentieren. Durch Zufall habe ich auf den See geschaut und einen “Kampf” zwischen einem badenden Hund und einem ihn angreifenden Schwan gesehen. Reflexartig habe ich die umgehängte Kamera aufgehoben, sie dabei mit einer Hand eingeschaltet, gleichzeitig mit der andern Hand das Tele aufgedreht, sofort anvisiert und 2x abgedrückt. Zeit für Einstellungen hat es keine gegeben, wenige Sekunden später war alles vorbei, der Schwan hat sich gleich danach entfernt.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Otto Friedmann:
Ein Schwan im Wasser bäumt sich auf dieser Schwarz-Weiss-Aufnahme über etwas auf, was erst auf den zweiten Blick als der Kopf eines schwimmenden Hundes zu erkennen ist.
Eine solche Szene habe ich diesen Sommer ebenfalls am Zürichsee miterlebt, wobei ein Schwanenpaar nicht einen Hund, sondern einen fremden Jungschwan aus einem Hafenbecken vertrieb:
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Gute Strassenfotografie führt den Betrachter zu einem emotional bewegenden Punkt, ohne ihn in ein zu enges Korsett zu zwängen: Die Geschichte entsteht im Kopf.
Kommentar des Fotografen:
Im Regen – Hauseingang gefunden. Verzweiflung, sie verpasst ihr Date!
Peter Sennhauser meint zum Bild von Hans Feyh:
Eine Junge Frau steht in dieser hochkant-Schwarz-Weiss-Fotografie in einem Hauseingang. Aus dem Flur und anscheinend aus der Hüfte fotografiert, scheint sie die Kamera nicht zu bemerken: Sie lehnt mit verschränkten Armen am Türpfosten und beisst sich auf die Unterlippe. Draussen zeugt regennasser Boden im unscharfen Hintergrund, warum die in Sandalen und leichter (50er-Jahre-?) Sommerkleidung ausgestattete Dame hier steht.
Die Emotion erschliesst sich in diesem Bild nicht auf den ersten Blick:
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Gute Streetaufnahmen fixieren eine sich spontan vor den Augen des Fotografen entfaltende Geschichte so, daß der Betrachter automatisch ins Foto gezogen wird.
Kommentar des Fotografen:
Immer aus der suche nach was besonderen! in einer stadt in süddeutschland gesehen. so schnell wie es kam, so schnell war das motiv verschwunden. EILE WAR GEBOTEN, eine möglichkeit hatte ich. NUR DIESE !!!
Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Peter Gutzat:
Der Reiz guter Straßenfotografie ist, Menschen in ihrem Alltag, in ihrer Umgebung so festzuhalten, daß das Foto zum Augenzeugen wird. Da sich die Situationen genauso schnell verflüchtigen, wie sie dem Fotografen gewissermaßen vor die Linse springen, ist es wichtig, Abläufe vorhersehen zu können, um im richtigen Augenblick auf den Auslöser zu drücken:
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Spezialeffekte geben nicht immer das gewünschte Ergebnis – oder sie wirken dem Bild sogar entgegen.
Kommentar des Fotografen:
Eine Straßenszene in der Kölner Altstadt. Besonders der Zusammenhang zwischen dem historischen Roller und den älteren Herren, die Spass an einem guten Glas Kölsch haben, hat mich dazu bewegt, diesen Schnappschuss aufzunehmen. Ich bin der Meinung, dass das Bild sich hervorragend für den Colorkey Effekt eignet und habe es deshalb so mit Lightroom umgesetzt.
Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Manfred Wiese:
Du hast hier eine nette Szene aus der Altstadt eingefangen, und ich möchte mich fast auch mit dazusetzen, um ein Bier zu trinken. Die beiden Männer sind ins Gespräch vertieft, einer von ihnen lacht, sie nehmen nicht wahr, daß sie fotografiert werden. Davor steht ein Roller, der einem von ihnen gehören könnte.
Ich hätte das Foto etwas aufgehellt:
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Perfekte Komposition mit vielen Linien, die auf ein ebenso perfektes Subjekt zeigen: So entsteht eine hervorragende Fotografie.
Kommentar des Fotografen:
Dieses Foto ist bei einem Fotoshooting für einen Freund enstanden. Dieser ruft eine eigene neue T-Shirtmarke ins leben, für BMX, Dirt- und Downhillfahrer. (MTB)Für seine Hompage habe ich ein paar Fotos von seinem “Team” geschossen. Dieses Foto jedoch war für mich. Mich hat die Struktur der Architektur sehr beeindruckt, und der Zusammenhang mit meinem Sport war das i-Tüpfelchen. Das schwere an dem Foto war es, den Fahrer noch soweit zu motivieren, dass er sich ausreichend an der Kante in die Luft drückt und einen kleinen Tabletop (ein Trick) zeigt. Nach einer ganztägigen Fototour durch Graz war bei Sonnenuntergang die Kraft und die Lust raus, was sich bei Anblick dieses Fotos auf dem Display schnell wieder änderte. Da diese Foto eigentlich relativ einfach ist, ist es, so finde ich, trotzdem ein Highlight meiner Sammlung und deswegen würde ich es auch gerne von Profis bewerten lassen. Entstanden in Graz-Liebenau in Österreich.
Profi Stuart Schwartz meint zum Bild von Gregor John:
Eine hervorragende Aufnahme. Das Licht, die Komposition, der entscheidende Moment: Alles in einem Sekundenbruchteil mit einer einzigen stimmigen Belichtung eingefangen.
So entsteht diese Silhouette des Subjekts gegen den Himmel, der noch dazu mit einem sehr weichen Verlauf erscheint. Der Schlüssel für diesen Erfolg liegt in der Wahl der richtigen Tageszeit.
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Strassenfotografen versuchen in der Regel, Szenen aus dem realen Leben zu finden, die sich in einem Bild wiedergeben lassen und dabei einen ganzen Handlungsstrang insinuieren.
Kommentar des Fotografen:
Eine ältere Dame auf der Suche nach Leergut in den Strassen von Stuttgart. 1/50 f/1.8
Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Jens Franke:
Eine ältere Frau mit Kopftuch in roter Jacke geht von links nach rechts fast formatfüllend durch dieses Bild. Sie trägt eine grüne Plastik-Netz-Einkaufstasche mit undefinierbarem Inhalt – vielleicht Plastiktüten. Im Hintergrund, offenbar einer Strassenecke, sind in der Unschärfe andere Menschen auszumachen.
Strassenfotografie heisst so, weil sie auf der offenen Strasse statt im Studio stattfindet.
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Im Alltag und auf der Strasse verhalten sich Menschen ihrem Kulturkreis und der Situation entprechend verschieden. Vor allem Wartesituationen haben es in sich.
Kommentar des Fotografen:
Tram-haltestelle; ursprünglich in Farbe. Das Foto wurde gemacht kurz bevor die Bahn kam – also wenig Zeit zum reagieren. “Aneinandergereite” Personen, verschiedene Körperhaltungen, lässig-Großstadt, beiläufig.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Reinhard Krause:
Neun Personen sind insgesamt auf diesem frontal aufgenommenen Schwarz-Weiss Bild einer Tramhaltestelle in Berlin (?) zu sehen. Sie stehen dabei paarweise und allein, aber in einer Linie, wie aufgereiht auf der Perlenschnur, kümmern sich aber allesamt nicht um die anderen Wartenden.
Angeblich werden die Stockwerksanzeigern in Fahrstühlen immer hoch angebracht, damit sich die Menschen im Lift nicht in die Augen schauen müssen, sondern während der unangenehm gedrängten Fahrt gebannt woanders hinblicken können:
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Stadtlandschaften bieten viele versteckte Schätze: Fassadenausschnitte, Winkel und Kontraste – oder auch mal bunter Müll auf einer Litfasssäule.
Kommentar des Fotografen:
Haben Sie sich schon mal gefragt,was sich alles auf Litfaßsäulen befindet? Nein? Ich bevor ich dieses Motiv sah auch nicht.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Nils Waldow:
Wir blicken in dieser Farbaufnahme von schräg oben auf etwas, was wir erst auf den zweiten Blick als Litfasssäule erkennen: Ihr Dach, das die gesamte rechte Bildhälfte aussmacht, ist bestreut mit Müll und bunten Dingen aus dem Alltag, die in wildem Durcheinander schon fast wieder ein Farbmuster bilden. Darunter ist eine Rasenfläche und ein Plattenweg zu erkennen, an dem eine kleine, grüne Mülltonne steht.
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