Thema: Strassenszene

 

4 zufällige Bildkritiken zum Thema Strassenszene:

Obdachlosen-Strassenszene: Gut präsentiertStrassenszene: Bilder nicht inhaltlich überfrachtenFotografinnenporträt: Bezug aus erster HandStrassenszene: Respekt ist gut, Scheu ist schlecht

 

Alle 9 Artikel zum Thema Strassenszene auf fokussiert.com:

Fotografinnenporträt:
Bezug aus erster Hand

Den Bezug, den ein Fotograf zu seinem Foto hat, unterscheidet sich sehr von dem, den ein Betrachter zu diesem Bild hat.

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Kommentar des Fotografen:

Der Titel des Bildes ist “The unknown photographer”. Es ist als Schnappschuss im Yoyogi Park in Tokyo mit einer Rolleiflex T entstanden, der Film ist ein Fuji NP 400 PR. Die unbekannte Dame blieb neben mir und meiner Begleitung plötzlich stehen und schaute vertieft in ihre Kamera. Alles musste sehr schnell gehen, ich wählte spontan die offene Blende 3,5 und fokussierte auf ihr Gesicht, dann war die Szene schon wieder vorbei.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Lars Frik:

Jedes Foto, das gemacht wird hält einen kleinen, subjektiven Teil eines großen Ereignisses in sich fest. Da der Fotograf dabei war, als das Foto gemacht wurde und das Ereignis aus erster Hand erlebt hat, hat einen gewissen Bezug zum Foto, den Betrachter nicht haben. Für den Fotografen ist das Foto eine lebende Erinnerung einer dreidimensionalen Erfahrung, während es für den Betrachter einfach eine beiläufige zweidimensionale Abbildung eines Ereignisses, Ortes oder einer Person darstellt.

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Aussenbezirk:
Verlorene Farbe

Zuviele Ideen in einem Bild funktionieren in der Komposition meist schlechter als die Reduktion auf eine.

Kommentar des Fotografen:

Das Bild entstand vor einem ehemaligen Werksgelände in Düsseldorf das neu bebaut wurde. Gereizt hatte mich an der Situation einmal der Kontrast zwischen der farbigen Litfasssäule und dem fast farblosen Hintergrund, die recht klaren graphischen Strukturen, der Kranstumpf im Hintergrund, der ein bisschen surreal wirkte und auch die Anspielung an ältere ähnliche Städtebilder, die mit einer durchgehenden Mauer im Vordergrund eher schäbige oder heruntergekommene Stadtteile zeigten. Hier könnte sich der Betrachter fragen, ob hinter dieser Mauer wirklich etwas Schöneres entsteht und wie es dort wohl aussieht. (Aufgenommen mit Canon 1000D und Leica-R 2,8/28mm II. Version, wahrscheinlich f/8. Der linke Teil des Vordergrundes stand im Schatten.)

Peter Sennhauser meint zum Bild von Jürgen Beckmann:

Situationsbild aus dem Aussenbezirk einer Stadt – Im Vordergrund des an ein Pano-Format angelehnten Bildes ist der Gehsteig einer Strasse zu sehen, auf dem links eine Litfasssäule mit bunten Plakaten, in der Mitte und rechts Strassenschilder stehen.

Der etwas verwahrloste Eindruck wird durch Grasbüschel verstärkt, die aus dem Boden wachsen; in der Bildmitte ragt ein Bauzaun aus Beton und Holz auf, über dessen Oberkante die Obergeschosse zweier postmoderner Büro- oder Hotelbauten aufragen, zwischen denen im weiteren Hintergrund ein Kran im Aufbau zu stehen scheint.

In diesem Bild ziehen zunächst zwei Punkte die Blicke an:

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Hofszene:
Eine Stadt sucht einen Mörder

Manche Stimmungsbilder funktionieren einfach so, andere erinnern an Klassiker. Beispielsweise aus der Filmgeschichte.

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Kommentar des Fotografen:

Ein trostloser Hinterhof im Zentrum von Wien als Platz zum spielen. Der Blick ging durch ein Flurfenster. Und ich hatte ein beklemmendes Gefühl von Enge dabei.

Peter Sennhauser meint zum Bild von Carsten Nichte:

Ein Kinderfahrrad steht in einem Hinterhof vor einer Mauer. Der Himmel scheint bedeckt, jedenfalls erhellt nur indirektes Licht den Hof (sehr weiche Schatten); die ganze Umgebung scheint aus Beton zu bestehen, der Hofboden hat Risse, aus dem Unkraut wächst.

Die Sicht in den Hof erfolgt durch einen schmalen, schattigen Durchgang. Im Hof ist eine Wäscheleine mit Klammern und einem aufgehängten Putzlappen zu sehen. Hinter der Mauer, die den Hof abgrenzt, ragen Pflanzen hoch und deuten einen Garten an; die obersten Abschnitte zweier Fenster des Nachbarhauses sind gerade noch zu sehen.

Es ist bisweilen faszinierend zu sehen, wie wir funktionieren und worauf wir trainiert sind:

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Strassenszene:
Respekt ist gut, Scheu ist schlecht

Wenn ein Bild mit fremden Menschen eine Botschaft vermitteln soll, müssen diese Menschen in Szene gesetzt werden. Das bedingt einen Austausch zwischen Fotograf und Subjekt.

Kommentar des Fotografen:

Dieses Bild entstand in einer Fußgängerzone Amsterdams. Besonders interessant fand ich, wie der Orgelspieler einfach ignoriert wurde und hoffe, das kommt auch zum Ausdruck. Das Foto wurde mit Lightroom (meine ersten Gehversuche) bearbeitet, d.h. Bildausschnitt, Farbe, Kontrast etc. wurden angepasst.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Jürgen Roberg:

Ein Foto einer normale Straßenszene. Nur das mobile Straßentheater strahlt golden und sticht ins Auge.

Es gibt also einen Hingucker. Deshalb ist es schön zu lesen, welche Situation der Fotograf festhalten wollte: Die Ignoranz der Passanten, die den Orgelspieler keines Blickes würdigen.

Leider sehe ich von dem beobachteten Moment fast nichts:

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Strassenszene:
Bilder nicht inhaltlich überfrachten

Ein Foto sagt mehr als tausend Worte. Aber tausend Worte passen selten in ein Bild.

Kommentar des Fotografen:

Ich war neulich auf einem Kurztrip in Dublin und habe versucht, prägende Stadtszenen festzuhalten. Dies war so eine. Viele dunkle und dreckige Gassen, viele Kameras, viele anonyme Menschen aber alles zusammen ein riesen Erlebnis. Der Mann ist in Bewegungsunschärfe, da er nicht zu wichtig sein soll. Der Bildausschnitt ist frontal gewählt, um es gewaltiger wirken zulassen. Zudem soll durch den oberen und unteren Bildrand und die Verwendung von s/w die Gassenstimmung unterstützt werden. Alles zusammen sollte das unbehagliche Gefühl rüberkommen, was man in den Gassen der Stadt erfährt. Ich fotografiere mit einer Olympus E-520. Über die Einstellungen kann ich leider nichts sagen, da ich erst seit einem Monat fotografiere und daher technisch noch nicht auf der Höhe bin.

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Julian Emde:

Ein alltägliches Bild aus einer Stadt, so meint man. Du selbst, der Du dieses Bild im Ausland auf einer Reise gemacht hast, verbindest damit eine ganze Menge.

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Streetfoto:
Guter Ausschnitt, falscher Moment

Diese Strassenaufnahme lebt von der körperlichen Nähe zu den abgebildeten Menschen. Leider passiert zu wenig, um länger hinzuschauen.

Kommentar des Fotografen:

Aufgenommen bei einem kleinen Open-Air, bei dem den Menschen noch Freiheiten zugestanden werden, die auf den großen Kommerzveranstaltungen nicht mehr möglich sind. Photographieren nach Lust und Laune ist eine dieser Freiheiten, Bier aus “anständigen” Behältnissen eine andere, die Liste könnte man fortsetzen…

Profi Jan Zappner meint zum Bild von Stephan Amm:

Ein seltenes Bild auf fokussiert. Menschen von vorn, nah, nicht gestellt – Super. Den uns zur Auswahl stehenden Bildern nach zu urteilen haben die meisten Fotografen genau damit die größten Schwierigkeiten. Auch das 20 mm Weitwinkel spricht für eine Vorliebe, den anderen auf die Pelle zu rücken. Vielen Dank erstmal dafür.

Auch wenn ich die körperliche Nähe toll finde, fehlt dem Bild leider der entscheidende Moment, der mich den abgebildeteten Menschen näher bringt:

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Simon Hoegsberg:
Das längste Foto

In unserer an Rekorden nicht armen Zeit ist nun auch von einem langen Foto zu berichten – mit hundert Metern buchstäblich eines der längsten. Schön, dass es dem Fotografen Simon Hoegsberg gar nicht um einen Weltrekord ging.

Das Werk hat den beziehungsreichen Titel “We’re All Gonna Die” – wir müssen alle mal sterben. So geht es hier sichtlich und hundert Meter weit um die menschliche Existenz, eben um “100 meters of existence”, so auch der Untertitel.

Der dänische Fotograf Simon Hoegsberg nahm die Protagonisten seines längsten Bildes 2007 in Berlin auf – auf einer Eisenbahnbrücke in der Warschauer Straße. 178 Menschen wurden es im Laufe von 20 Tagen. Simon Hoegsberg: “Nur wenige schienen zu bemerken, dass ich Bilder von ihnen aufnahm.”

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Obdachlosen-Strassenszene:
Gut präsentiert

Weil Obdachlose schon so häufig fotografiert wurden, kann es schwierig werden, mit solchen Fotos ein Publikum zu finden. Neben der richtigen Komposition kann aber auch die Präsentation Aufmerksamkeit erregen.

Kommentar des Fotografen:

Das Foto ist bereits im April 2008 entstanden und zeigt eine Frau, die auf der Straße lebt. Während sie ihr Lächeln bei dem schlechten Wetter nicht verloren hat und zugleich dafür Sorge tragen muss, ihr Hab und Gut trocken zu halten, verschwinden die Gesichter der Passanten unter ihren Regenschirmen.

Um dem Bild einen zusätzlichen Reiz zu verleihen, habe ich eine Textur mit eingearbeitet, die sicherlich Geschmackssache ist, dem Foto aber gleichzeitig den “Alltagscharakter” dieser Szene nehmen soll.

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Besim Mazhiqi:

Obdachlose wurden ad infinitum fotografiert, und das meist nicht besonders gut. Dieses Foto einer offenbar obdachlosen Frau ist jedoch aus einer Reihe von Gründen interessant:

Durch die ausgewogene Komposition und den niedrigen Blickwinkel wirkt das Bild sofort ansprechend: Die Froschperspektive ist besonders interessant, weil sie uns als Betrachter mit dem Objekt bildlich sowie wörtlich auf die selbe Ebene stellt. So erlaubt uns der Fotograf, die Welt aus einem ähnlichen Winkel zu sehen wie die Frau.

Indem er die Umgebung vorteilhaft nutzte, leitet uns der Fotograf direkt zum Hauptobjekt. Fast jedes Objekt im Bild, von den Gebäuden und dem Fußweg über den hellen Himmel im Hintergrund bis hin zu den Kartons und Tüten im Vordergrund, führen unseren Blick genau zum lächelnden Gesicht der Frau, das den wichtigsten Aspekt in diesem Foto darstellt.

Sehr häufig verfallen Fotografen beim Fotografieren Obdachloser oder benachteiligten Menschen unserer Gesellschaft in die Klischees von Sorgenfalten und runzliger Stirn zurück. Hier hat der Fotograf das Objekt erfolgreich nicht als klischeehafte Karikatur dargestellt, sondern als ein Individuum, ohne dass wir Mitleid oder Nostalgie empfinden müssen.

Während all diese Dinge sich zu einem ordentlichen Foto addieren, ist in meinen Augen erst die Art der Präsentation das i-Tüpfelchen. Die Bildecken sehen aus, als wären sie abgenutzt, die Bildoberfläche wurde mit Kratzern versehen, und der Fotograf hat die Farben so manipuliert, dass sie aussehen, als wäre das Foto Wind und Wetter ausgesetzt gewesen.

Dies ist sehr effektiv, denn es ist eine direkte Referenz zu den Lebensbedingungen der Frau.

Ich denke, das Foto könnte dennoch an Stärke gewinnen, wenn nicht ein Passant aus der Schulter Frau herausragen, und die Schrift auf der Tüte nicht da wäre und uns vom Objekt ablenken würde. Beides hätte leicht vermieden oder entfernt werden können – entweder bei der Aufnahme oder später in der Dunkelkammer.

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Strassenmöbel:
Spannung erzeugen

Manche Alltagsszene aus unserem Stadtleben gibt sogar ohne Menschen ein gutes Motiv ab. Aber was nicht Teil einer Serie ist, muss durch die Komposition Spannung gewinnen.

Sebastian Bartels
Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Sebastian Bartels). – Leider keine Exif-Daten vorhanden

Kommentar des Fotografen:

Eigentlich schon ein schönes Motiv, vor allem bleiben solche Sachen in Berlin nicht lange auf der Straße stehen). Trotzdem fehlt mir etwas am Bild, etwas Spannung vielleicht? Hätte ich z.B. einen anderen Winkel wählen sollen?

Profi Douglas Abuelo meint zum Bild von Sebastian Bartels:

Ich glaube, dass das bloße Verändern der Perspektive nicht viel geholfen hätte, um dieses Foto aufregender zu gestalten.

Aufregung und Spannung wird normalerweise in Fotos vom Inhalt übertragen:

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