4 zufällige Bildkritiken zum Thema Verfremdung:
Alle 9 Artikel zum Thema Verfremdung auf fokussiert.com:
Carlo d’Orta interessiert sich für Spiegelungen auf Glasflächen: Spiegelverzerrtes oder -verformtes entsteht daraus; spiegelverkehrt ist es ohnehin.
Es sind also nur zum Schein Fassadenausschnitte, die Carlo d’Orta da festhält. Wir können die Bilder aktuell bis Mitte Februar in Stuttgart sehen.
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Gut gemachte Bildmanipulationen verbinden perfekte Technik mit fotografischem Handwerk. Dies gelingt am besten, wenn realistische “Fehler” ins Bildwerk integriert werden.
Kommentar des Fotografen:
Meine fotografische Leidenschaft sind Fotomontagen. Hier habe ich einen Raum in einem Kunstmuseum aufgenommen. Auf den Bildern waren Motive aus der Natur zu sehen. Da kam mir ide Idee, wie es den aussehen würde, wenn die Natur nun tatsächliche aus den Bildern “heraus käme”. Der 2. Gedanke war, dass vielleicht in Zukunft die Natur nur noch in Museen zu “besichtigen” sein könnte. Außerdem gefallen mir solche surrealistischen Szenen. Ich habe mit diesem Bild schon bei einigen Wettbewerben teilgenommen und dabei in einem FIAP-Wettbewerb in Zargozza (Spanien) eine Goldmedaille gewonnen. Mich würde natürlich auch Ihre Meinung dazu interessieren!
Profi Peter Sennhauser meint zum Bild von Norbert Senser:
Wir blicken in dieser Farbfotografie frontal in einen kleinen Museumsraum mit Holztäferung bis Hüfthöhe und Fischgräte-Holzboden. An den drei rostroten Wänden hängen jeweils zentriert drei barocke Goldrahmen. Darin sind aber nicht Bilder zu sehen; aus den beiden Rahmen an den seitlichen Wänden wachsen uns hellgrüne Dschungelpflanzen entgegen, aus dem Bildrahmen an der Stirnseite des Raums strömt ein kleiner Wasserfall mitten in den Raum, das Wasser spritzt vom Holzboden auf.
Die Nachbearbeitung von Fotografien in Photoshop ist eine der ersten neuen Erfahrungen, welche viele Einsteiger in die Fotografie heute zunächst scheuen, dann begeistert aufnehmen und sehr rasch bei dem ankommen, was nicht mehr reine Nachbearbeitung, sondern bereits Bildmanipulation genannt werden muss.
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Bewusst gestaltete Effekte mit Langzeit-Belichtungen und anderen fotografischen Mitteln gehören zum Entdeckungsprozess der kreativen Fotografin.
Kommentar des Fotografen:
Titel: “Ghosts Gathering” Dieses Foto ist vor kurzem bei meinem Urlaub an der Ostsee enstanden. Ich bin am Abend am Strand unterwegs gewesen und habe die Jugendlichen im Wasser spielen sehen. Mit der Langzeitbelichtung konnte ich dann den gewünschten Effekt erreichen. Bei der S/W-Umwandlung des RAWs fügte ich noch einen Blaufilter hinzu.
Mir persönlich gefällt an diesem Bild auch der Umstand, dass zumindest der unerfahrene Betrachter etwas zum Nachdenken angeregt wird um das Foto zu enträtseln. Vielen Dank!
Peter Sennhauser meint zum Bild von Thomas Babut:
Eine Gruppe Menschen scheint in dieser Schwarz-Weiss-Aufnahme im Zentrum zu schweben. Sie sind relativ weit entfernt in der grossen weissen Masse des Bildes und bilden einen Kreis; sie scheinen ausserdem in einer Flüssigkeit oder im weissen Nebel zu stehen.
Fotografische Verfahren zur Verfremdung und “anderen Sichtweise” auf Dinge gibt es wie Sand am Meer. Ich finde jene derzeit noch am spannendsten, die weitgehend direkt in der Kamera generiert werden. Nicht, weil ich nichts mit den Möglichkeiten von Photoshop und Co zu tun haben möchte:
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Abbildungen der Realität wirken bisweilen surrealer als kreative Verfremdungen. An solchen Motiven sollte man sich jedenfalls ausgiebig versuchen.
Kommentar des Fotografen:
Hommage an M.C. Escher – so habe ich das Bild betitelt. Idee war es, die irrealen – unmöglichen – Welten von Eschers Bildern in der Realität nachzubilden. Das Spiel mit Spiegel und Türen, also Durchgängen sowie verschiedenen Ebenen (der Boden scheint im Spiegel höher zu liegen als vor dem Spiegel) machte das Motiv für mich so reizvoll. In der Nachbearbeitung erfolgte keine Bildmontage, also Veränderungen des Bildinhalts, sondern nur Anpassungen von Kontrast, Schärfe usw.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Dirk Hunstein:
In einem Spiegel an einer Wand zwischen zwei Leuchtern mit drei Kerzen oder Kerzen-Glühbirnen ist in dieser Schwarz-Weiss-Aufnahme ein Korridor mit zwei Türen übers Eck zu sehen, von denen die eine deutlich höher als die andere ist. Die Szene wird dominiert von den Schwarz-Weissen Bodenplatten des Korridors.
Ein Bild wie aus einem Videogame – werden junge Leser jetzt sagen:
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Abstraktion kann in der Kamera entstehen. Dank Digitaltechnik lassen sich spannende Experimente durchführen – und die Resultate können kreativ genutzt und angepasst werden.
Kommentar des Fotografen:
Natur abstrakt – eine Birke mal anders. Schon oft habe ich fasziniert abstrakte Fotos angeschaut, deren Abstraktion durch das Zoomen während der Belichtungszeit entstanden ist. Die Idee ist nicht neu und ich wollte sie auch mal ausprobieren. Eine freistehende Birke schien mir dafür wie geschaffen, zumal das durch die Äste fallenden Licht sicher eine besondere Wirkung haben würde. Im Nachhinein war ich über das Licht erstaunt, welches nicht wie erwartet durch die Äste kam, sondern gebündelt durch den Zoom und den gleichzeitigen Dreh der Kamera während der Belichtung als Spiegelung der gegenüber liegenden Sonne direkt im Stamm der Birke entstand, auf deren weiße Rinde ich fokussiert hatte.
Peter Sennhauser meint zum Bild von René Quint:
Ein Lichtwirbel spannt sich um etwas, was wie ein Baum anmutet in diesem Farbbild. Zugleich sind die Farben entsättigt, und im Bildzentrum sind Teile von einem Baumstamm und Ästen erkennbar, die seltsam klar und gestochen scharf scheinen, aber von den Lichtstrahlen ausgefranst werden.
Ich merke grade, wie schwierig es ist, ein abstraktes Bild zu beschreiben:
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Ungewohnte Perspektiven erschweren die Komposition in der Landschaftsfotografie häufig durch das profane Problem, die eigene Balance zu halten.
Kommentar des Fotografen:
Die Aufnahme ist aus einer extrem niedrigen Perspektive entstanden, wodurch es schwer war in ziemlich unwegsamen Gelände durch den Sucher zu schauen, um den Fokus aufs Blatt zu bekommen, bzw. das Bild auszurichten. Da ich keine Fan von künstlicher Bildverfremdung bin steckt an Bearbeitung lediglich der Beschnitt ins 1×1 Format drin und eine leichte Kontrasterhöhung.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Max Kipp:
Ein kleiner Waldbach plätschert zwischen nassen, moosbewachsenen Steinen von oben rechts in diesem quadratischen Farbbild in Mäandern in den Vordergrund. Das Wasser ist durch die Langzeitbelichtung zur milchigen Schaumwolke verfremdet, welche die Steine umschmiegt. Links unten bildet ein moosbewachsener Stein mit einem wie hingelegt wirkenden, knallgelben Ahornblatt einen markanten Vordergrund und den Blickfang, von dem aus der Betrachter das Bild “stromaufwärts”, den Schnellen entlang ergründet.
Eine Landschaftsaufnahme wie aus dem Lehrbuch, die ein einfaches Naturmotiv sehr bewusst und gekonnt inszeniert:
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Vor allem moderne Gebäude mit ihren hohen Glasanteilen ermöglichen faszinierende Spielereien mit Spiegelungen.
Kommentar des Fotografen:
Reflexion und Politik. Mich faszinieren Verfremdungen, andere Sichtweisen, Überraschungen und letztendlich das, was an Kopfkino dabei resultiert. Die drei verschiedenen Ebenen faszinierten mich, die ich in diesem Foto versucht habe einzufangen. Wo hört das Rückwärtige auf und fängt das Vordergründige an?! Dieses Bild entstand mit einem Neutralfilter (8) bei Blende 20 und 2,5 Sekunden. Mit PS etwas entzerrt, Kontrast geringfügig erhöht und beschnitten.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Thomas Deuer:
Das Kanzleramt in Berlin präsentiert sich in dieser Farbfotografie aus einem vermeintlich statischen Blickwinkel – frontal aus einer der Lücken zwischen der Kette von Bauten. Unter dem auf hohen Säulen stehenden Dach zwischen den Gebäuden allerdings erstreckt sich ein Gang mit gewienertem Boden, hinter dem Gebäude scheint sich ein Lichthof zu öffnen, der da eigentlich nicht sein kann; im blauen, mit kleinen Wölken duchsetzten Himmel schimmern wie in einer Überblendung weitere Fassadenteile durch, die in den Fluchtpunkt hinaus verlaufen. Erst nach eingiebiger Betrachtung wird klar, dass die Aufnahme die Spiegelung ind er Glasfassade eines der Gebäude zeigt.
Spiegelungen vermischen in der Fotografie Realität und Abbild viel “wirksamer” als im Leben, weil sie dem Betrachter keinen Ausweg und keine Umgehung der Spiegelung erlauben.
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Richtig eingesetzt, kann die andere Sichtweise der Kamera Abstraktionen liefern, die wir selber nicht sehen würden. Dabei kommt es auf die Dosierung an.
Kommentar des Fotografen:
Das Bild zeigt ein Rettungsboot an einem großen Schiff. Die Aufnahme gefällt mir persönlich sehr gut, doch meinten meine Kritiker (Freunde und Bekannte, dass das Bild durch die vorhandene Überbelichtung “zerstört” wird und die Metallschiene rechts nur stört.
Peter Sennhauser meint zum Bild von Christian Kreutzmann:
In diesem Hochkant-Farbbild ist ein oranges Rettungsboot an einem Ozeandampfer zu sehen. Wir blicken offensichtlich von oben auf das Kunststoffboot, das an leicht angerosteten weissen Stahlträgern zu hängen scheint, die sich vertikal durch die rechte Hälfte des Bildes ziehen. Zwei Drittel der linken Bildhälfte sind Wasser, das in der Bewegungsunschärfe einer verhältnismässig langen Verschlusszeit zu einer verwischten Fläche wird, in der sich die Bugwelle des Schiffes mit noch höherer Geschwindigkeit als weisser Fächer nach unten öffnet.
Abstraktion ist keine feste Grösse:
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Ob Abstrakt oder Landschaft, HDR-Bearbeitung allein macht noch kein gutes Foto. Man muß sich die Zeit nehmen, das Bild als ganzes abzurunden und dem Hauptbildgegenstand entsprechendes Gewicht zu verleihen.
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Kommentar des Fotografen:
Schweizer Berge, Sigriswil im Kanton Bern “ein alter Bauernbrunnen”. Das Bild zeigt einen alten Brunnen in einer Schattennische mitten eines Wanderweges. Ich habe das Foto kurz vor der Mittagssonne gemacht. Ich wollte mich an HDR ausprobieren und das künstliche, aber nicht zu übertriebene Bild rüberbringen. Viel Spass beim bewerten – und liebe Grüsse aus Basel.
Profi Sofie Dittmann meint zum Bild von Francis Riesterer:
Ein verfremdeter alter Bauernbrunnen, bedeckt mit Schnee, dahinter eine alte, moosbewachsene Mauer. Ich mußte bei Deinem Foto mehrmals hinschauen, um zu erkennen, was es darstellt – was hauptsächlich an der Bearbeitung liegt:
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