Beiträge

Hundefotografie:
Das Menschliche im Tier

Ausdrucksstarke Haustierfotografie sollte versuchen, den Charakter des Tiers einzufangen. Gleichzeitig darf die Beachtung grundlegender technischer Aspekte nicht auf der Strecke bleiben.

Beware of the dog

© Philip Knaul

Unser Leser Philip Knaul auf Frankfurt hat ein Hundeportrait zur Besprechung eingereicht. Magnum-Fotograf Elliott Erwitt, der seit vielen Jahrzehnten stets mit einem Augenzwinkern Hunde ablichtet, stellte unlängst die Behauptung auf, dass Hunde die besseren Modells seien. Aus eigener leidvoller Erfahrung möchte ich das allerdings nicht für alle Vierbeiner bestätigen. Im Folgenden wollen wir uns jedenfalls mit der Wirkung des vorliegenden Bildes auseinandersetzen, aber auch über die technischen Schwächen sprechen.

Weiterlesen

Straßenkreuzung in Monaco:
Flächen und Linien

Gerade wenn das Hauptmotiv aus geometrischen Formen und Linien besteht, ist es wichtig, dass auch an den Rändern des Fotos alles stimmt.

Canon EOS 750D, 1/2s bei Blende f/8 mit 31 mm Brennweite und ISO 200.

Canon EOS 750D, 1/2s bei Blende f/8 mit 31 mm Brennweite und ISO 200. © Fabian Reisert

Fabian Reisert aus schreibt zu diesem Bild:

Ich habe dieses Bild im Sommer 2016 mit meiner Canon 750D und Kit-Objektiv 18-55mm im Zentrum von Monaco, von einer Fußgängerbrücke aus, aufgenommen. Habe extra mein Stativ den ganzen Abend rumgeschleppt. Ich mag die Farben, die Stimmung und die tollen Farbahnmarkierungen (offensichtlich Teil der Rennstrecke).

Ich war noch nie in Monaco, aber nachdem ich Dein Foto gesehen habe, ist das auf meiner „Bucket List“, denn Fahrbahnmarkierungen und Straßenschilder fotografiere ich persönlich auch sehr gerne. Das allerdings richtig hinzubekommen, ist nicht so einfach, wie man glauben möchte, unter anderem deswegen, weil ja ständig Autos und Fußgänger vorbeikommen. Du hast es hier fast geschafft.

Weiterlesen

Steine, Meer, Himmel:
Mehr braucht’s nicht

Eine Landschaftsfotografie, die man aufgrund der Stimmung lange ansehen möchte, ohne dass besonders aufregende Motive enthalten sind, hat sie ihre Aufgabe erfüllt.

Canon EOS 60D, 30s, f/5, 10mm bei ISO 200 © André Kayser

Canon EOS 60D, 30s, f/5, 10mm bei ISO 200 © André Kayser

André Kayser aus Dortmund schreibt zu diesem Bild: Entstanden in einem Urlaub 2014.

Die Uferpartie an einem See oder am Meer, gesäumt von grossen Kieselsteinen und Felsbrocken. Dahinter die im letzten Abendlicht nach Sonnenuntergang gleissende Wasserfläche, aus der ebenfalls noch einzelne Felsen ragen. Im oberen Drittel des Bildes der Horizont, der von links mit einer ins Bild laufenden Hügellinie ergänzt wird, und darüber, am von altrosa nach blau verlaufenden Himmel ein paar in der Bewegung verwischte Wolken.

Zuallererst denke ich bei diesem Bild: Das reicht. Mehr braucht eine Landschaft nicht. Sie hat Tiefe, Farben, Lichtspiel und Details, die man sich ansehen kann. Weiterlesen

Babyporträt:
Ein Wecker allein spannt nicht

Symbolhaftigkeit in der Studiofotografie darf nicht zu platt daher kommen – Experimente mit fremden Babys sollten dagegen letzteres nicht stressen. Diese Aufnahme ist wohl der Kompromiss aus beiden Grundsätzen. Allerdings müsste ihr deswegen nicht die Spannung fehlen.

Anna, das Baby im Korb

1 vor 18. © Christian Loose. Nikon D7000, 50mm, 1/160s bei 200 ISO und Blende f/5.6

Christian Loose aus Dortmund schreibt zu diesem Bild: Das Bild ist im Rahmen eines Babysittings für einen sehr guten Arbeitskollegen entstanden. Die Uhr zeigt die Geburtsuhrzeit und die Schnullerkette den Namen. Der Seeaufbau war recht simpel: Decke aufgespannt zur Hohlkehle unter Tageslicht – quasi günstiges Dauerlicht :-) Ich hatte es zuvor mit Gartenhintergrund versucht, aber das gefiel mir trotz Offenblende so gar nicht. Daher habe ich schnell zwei Stative mit Verbindungsstange aufgespannt und die Decke darauf fixiert. By the way: Die Halteklammern für den Hintergrund gibt’s für 1,50€/Stck im Baumarkt! Vielleicht nicht die hohe Schule der Fotokunst, aber ich denke, dass es sich für eine Bildkritik lohnt.

Ist das jetzt ein Stilleben mit Mensch? Ein Symbolfoto? Oder ein Situationsporträt? Es scheint auf jeden Fall die Zweckentfremdung eines Babysittings gewesen zu sein… Hoffen wir, Annas Eltern vertrauen Dir auch weiterhin. Zur Fotografie:

Weiterlesen

Katzen-Porträt:
Ginger zum Leuchten bringen

Ein gut fotografiertes Katzenporträt kann man mit wenigen Bearbeitungsschritten zu einem Hingucker machen. Dabei zeigt sich rasch, wie sehr es sich lohnt, sich mit den grundlegenden Schritten der Bildbearbeitung auseinanderzusetzen.

Ginger. © Arne Wollenhaufen Canon EOS 400D Digital; EF28-135mm f/3.5-5.6 IS USM Motiv-Programm „Portrait“; ƒ/5.6; Brennweite 95.0 mm; 1/60; ISO 400; Blitz (automatisch, ausgelöst)

Arne Wollenhaupt aus Neu-Isenburg schreibt zu diesem Bild:

Katzenbilder gibt´s im Internet ja weiß Gott genug. Angeblich wurde es nur erfunden, damit man seine Katzenfotos posten kann…

Das Bild entstand an einem Abend im Januar 2011. Ich habe das Bild mit dem Motivprogramm „Portrait“ gemacht – Einstellungen wie Blende, Verschlusszeit, ISO usw. sind also nicht mein „Verdienst“. Das für mich so Besondere an diesem Bild sind die Augen. Meistens erwischt man eine Katze ja entweder mit weit geöffneten, runden oder ganz geschlossenen Augen. Der Blick auf diesem Foto strahlt für mich eine gewisse „stolze Arroganz“ aus. Und damit ist Ginger ganz gut charakterisiert. Nach meinem Empfinden als Glücksfall hat sich der dunkle Hintergrund erwiesen.

Das Bild habe ich „out-of-Cam“ hochgeladen. Mit EBV bin ich „überfordert“, weil ich zwar an den Reglern drehen kann, aber nicht wirklich weiß, was ich da tue. Auch braucht das Bild sicher einen Beschnitt. Der weiße Fensterrahmen unten rechts muss weg. Aber sonst?

Arne, Du hast hier wirklich einen tollen Moment fotografisch eingefangen.

Der Blick Deiner Katze Ginger spricht Bände, typisch Katze: „Ich schaue jetzt erst recht nicht in die Kamera, nur weil du da stehst und mich fotografieren möchtest!“ Gerade der Blick an der Kamera vorbei macht’s aus:  Weiterlesen

Fotoausrüstung:
Lensbaby-Objektive (1)

In der Reihe „Fotoausrüstung“ möchte ich Euch ein ganz besonderes Objektiv vorstellen. Es scheint uns ebenso beglücken wie in den Wahnsinn treiben zu wollen – doch lest selbst … im heutigen ersten Teil geht es um Funktionsweise und Varianten.

Bild 1: Drei Lensbaby-Objektive

Bild 1: Drei Lensbaby-Objektive

Der Begriff „Lensbaby“ umfaßt eine Reihe spezieller Objektive ebenso wie deren gleichnamigen Hersteller. Er ist gleichsam assoziiert mit einer ganz besonderen Art von Bildern. Diese zeichnen sich durch einen mehr oder weniger zentralen Schärfebereich sowie weitläufige Unschärfebereiche in der Peripherie aus. In solcher Weise schaffen jene Bilder seltsam unwirkliche Welten. Eine weitere Eigentümlichkeit besteht in der mäßigen Abbildungsleistung und der schier unübertreffbaren (und geradezu gewollten) Menge von Bildfehlern im Sinne von Vignettierung, Verzeichnung und Farbsäumen. „Lensbaby-Look“ oder „Spielzeugwelten“ sind geläufige Ausdrücke für diese Art von Bildern. Weiterlesen

Fotoausrüstung:
Festbrennweiten vs. Zoomobjektive – Ein praxisnaher Vergleich bei 35 mm Brennweite (1)

Der heutige erste Teil umfaßt die Einleitung und Methodik der Untersuchung.

Einleitung

Leichte Weitwinkelobjektive im Bereich von 35 mm kleinbildäquivalenter Brennweite sind äußerst vielseitig einsetzbar – am Vollformat (wie z. B. bei der Canon EOS 5D Mark II oder bei der Nikon D700 und D800) bei Landschaft, Architektur und Reportage / Street; am verkürzten bzw. „gecropten“ Format der kleineren Spiegelreflexkameras als faktische Normalbrennweite von 50 mm, was in etwa unserem natürlichen Blickwinkel entspricht.

Dies schien mir Grund genug, diesen Brennweitenbereich einmal einer vergleichenden Untersuchung zu unterziehen. Von besonderem Interesse war dabei die Frage, inwieweit die unbestreitbaren Vorteile größerer Flexibilität und leichterer Handhabbarkeit der Zoomobjektive durch schlechtere Abbildungsleistung und Bildfehler wie etwa Vignettierung, Verzeichnung und Farbsäume erkauft werden.
Weiterlesen

Leserfoto:
Bild des Monats September

Der neue Sieger für das Bild des Monats steht fest.

Klick für Legende und Vollansicht. (Bilder )

Das fokussiert-Team hat entschieden: das Bild des Monats September ist die Landschaftsaufnahme von Dietmar Rieder. In Sizilien fand er dieses pittoreske Dorf, welches sich als wunderbares Sujet bot. Er schreibt zu seinem Bild: „Das mäßige Wetter war zwar nicht gerade einladend zum Baden im Meer aber umso besser hat es sich die Abendsonne und das abziehende Gewitter zum Fotografieren geeignet.“ Herzlichen Glückwunsch, Dietmar.

Ganz nah auf die Aufnahme von Dietmar folgten weitere siegesverdächtige Bilder.

Die Holunderbeeren von Jens Wildner wirken dank der Warmtonung und der Vignettierung wie ein abstraktes Kunstwerk. Die schön gewählte Tiefenunschärfe dank Blende 2.0 verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Herzliche Gratulation zu Platz zwei!

Auch die Architekturaufnahme eines Museums in der Auvergne in Frankreich von Ulrich Berens ist in die Ränge gekommen. Warum er dieses Bild aufgenommen hat, erklärt Ulrich in seinem Bildbeschrieb: „Die Linienführung, das unterschiedlich strukturierte Material der Innenverkleidung, das Spiel von Licht und Schatten und die schönen spätnachmittäglichen Farben faszinierten mich.“

Auch ein Bild, welches bereits hier veröffentlicht wurde, hat es unter die Top 5 gebracht. Die Landschafstaufnahme von Christian Meyer, welche während einer nächtlichen Bootsfahrt entstand, hatte in der Kritik von Sofie Dittmann sehr gut abgeschnitten.

Dann ist da noch die Strassenlampe von Marcel Elwenholl, welche dank Nachbearbeitung fast ein wenig an ein Gemälde erinnert. Auch dir herzlichen Glückwunsch, Marcel.

Schnappschuss:
Dorftratsch mit Blick in die Zukunft

Mit gezielter Fotografie oder Bearbeitung kann man einem Bild ein bestimmte Aussage mitgeben. Nur stimmt diese immer?

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© Günter Kutschke).

Kommentar des Fotografen:

Fototour im tschechischen Niederböhmen, das vor 1945 zu Deutschland gehörte, das Bild, eher ein Schnappschuss, zeigt aber gut die Perspektivlosigkeit des Lebens in den grenznahen Gebieten zu Deutschland. Bearbeitet das übliche, zuzüglich Vignettierung und warmer Ton. Titel…Dorftratsch

Profi Thomas Rathay meint zum Bild von Günter Kutschke:

Was mir an Günters Bild als Erstes auffiel, waren die leichten Pastelltöne im gut gewähltem Farbkontrast und die korrekte Anordnung der Protagonisten im Bild nach der Drittelregelung. Also rein technisch gibt es nichts auszusetzen. Dann las ich seine Beschreibung dazu:

Weiterlesen

Schiffe im Hafen:
Vignettierter Tunnelblick

Schwarz-Weiss-Aufnahmen verlangen eine eigene Bildkomposition; die Verstärkung des Effekts durch Erhöhung des Kontrasts noch viel mehr.

Leserfoto: Klick für Vollansicht (© thomas neumann).

Kommentar des Fotografen:

das bild entstand während eines englischkurses in irland, dublin – genauer in howth. Wie immer in raw fotografiert, mit capture nx2 entwickelt und mit silver efex pro 2 in sw umgewandelt. das war’s auch schon.

Peter Sennhauser meint zum Bild von thomas neumann:

Zwei Kutter liegen in einem von den Gezeiten fast geleerten Hafenbecken an der Quaimauer im Schlick. Der Pier zieht sich vom rechten Vordergrund des Bildes diagonal nach rechts hinten. Das Bild in Schwarz/Weiss ist geprägt von einem starken Kontrast, Grobkörnigkeit und einer deutlich erkennbaren Vignettierung.

Weiterlesen