Schaudernde Trauer

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Sehr seltsam mutet sie an, die Welt der amerikanischen Fotografin Camille Solyagua. Es sieht aus wie in einer naturkundlichen Sammlung des 19. Jahrhunderts, in der die Insekten säuberlich aufgespießt, die Tiere sorgfältig ausgestopft und die Pflanzen akkurat gepresst wurden. Zur Erkenntnis und zur Erbauung.

Hände, Knochen, Seesterne, Quallen, Eidechsenhaut, Motten, Fruchtfliegen und immer wieder Vögel – das sind Motive der in Denver, Colorado, 1959 geborenen Künstlerin. Und Fotogramme – wer macht heute schon noch Fotogramme außer Floris Neusüss?

Sie sammelt Motten und Seepferdchen und klebt sie auf Papiere mit Jugendstil-Rahmen. Und fotografiert sie dann. Ihre jüngsten Fotogramme sehen aus, also ob sich seltsame Würmer aus der Tiefsee in Camille Solyaguas Labor begeben hätten – zur Porträtsitzung. Ob der eingewickelte Storch auf dem abgebildeten Foto echt oder falsch ist oder die ebenfalls eingewickelte Krähe, das möchte ich gar nicht einmal wissen. Und ihre Serie von Missgeburten und eingelegten Affenköpfen erinnert an Frankensteins Labor.

Schon in ihren früheren Arbeiten beschäftigte sich Solyagua mit der Natur. Die Vögel befanden sich da noch in ihrem angestammten Lebensraum. Pflanzen, Quallen und Insektenflügel hatte Solyagua schon aus ihrer natürlichen Umgebung isoliert.

Und doch – es offenbart sich in diesen Bildern eine Schönheit, die mit einem faszinierten Schaudern und mit Trauer verbunden ist. Solyagua spürt dem Wesen der Natur nach in der Art und Weise, wie es die Naturforscher einst taten.
Oder wie es in einer Pressemitteilung heißt: Sie lädt uns ein, über die Schönheit der Natur nachzudenken. Gleichzeitig lässt sie uns unsere Entfremdung von dieser Natur spüren, indem sie ihre Objekte isoliert und am Ende einwickelt wie die Vögel und einen Hasen. Ein wirklich seltsames und einzigartiges Werk.

Camille Solyaguas Webseite

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