Stativ: Welches Dreibein ist nicht einerlei

Stative kennt man. Sie helfen gegen verwackelte Bilder, sind aus Aluminium, haben drei Beine mit Verstrebungen, einen Fluid-Neigekopf und sind für Video- und Fotokameras gleichermaßen geeignet. Richtig? Nein, falsch!

Billig-Stativ

Ein einfaches Universalstativ mit Griff – zum Tragen oder zum Wegwerfen? (Bild: W.D. Roth)

Billige Universalstative für Foto und Video machen wenig Freude, denn Foto- und Videokameras haben unterschiedliche Ansprüche an ein Stativ.

2d Neigekopf

Einfacher 2D-Universalneigekopf (Bild: W.D. Roth)

Der erwähnte Fluid-Neigekopf ist beispielsweise etwas für eine Videokamera, bei der man hin und wieder (nicht ständig, sonst wird den Zuschauern schwindlig!) einen sanften, ruckfreien Schwenk über eine Landschaft oder ein Theaterensemble machen möchte. Man spricht auch von einem 2D-Neigekopf, da in zwei Dimensionen (Schwenk horizontal und vertikal) eingestellt werden kann.

Zierliche Verstrebungen machen ein Stativ nicht wirklich stabiler… (Bild: W.D.Roth)

In der Fotografie kommt so ein Schwenk dagegen nur beim Sonderfall „Panoramaaufnahme“ vor – und selbst dafür ist der Videokopf nicht das Richtige. Ein spezieller Panoramakopf hält dagegen den Drehpunkt im Brennpunkt der Optik, die Bilder passen besser aneinander.

Die „Videonase“ rechts neben der Montageschraube soll gegen ein Verdrehen der Kamera beim Schwenk helfen. An einer Fotokamera fehlt jedoch die Vertiefung, in der sie einrasten kann (Bild: W.D.Roth)

Bei astronomischen Aufnahmen ist es ebenso von Interesse, die Kamera den davonwandernden Sternen nachführen zu können – hier sind Neigeköpfe in ihrem Element.

Eine Mittelsäule, die nur dann nicht sofort wieder nach unten rutscht, wenn man die Kurbel an ihr verklemmt, ist keine sinnvolle Lösung… (Bild: W.D.Roth)

Geht es jedoch darum, die Kamera möglichst schnell auf ein Objekt einzustellen, auch wenn das Stativ dummerweise gerade auf unebenem Grund steht, dann sind die Neigeköpfe ärgerlich: Der Horizont wird garantiert schief, es muß ein Bein etwas eingeschoben werden, dann noch eins…und schon ist das Motiv gewandert und die Einstellerei geht von vorne los!

Hmmmm…diese Konstruktion soll eine einige Kilogramm schwere DSLR samt Telezoom in Hochkanteinstellung tragen…? (Bild: W.D.Roth)

Zudem sind hin und wieder auch Fotografien im Hochkantformat notwendig, was zwar viele Neigeköpfe erlauben, nur sind sie spätestens dann instabil und die Kameraeinstellung rutscht insbesondere mit langen Linsen immer weiter Richtung Boden ab…für das Gewicht einer ordentlichen Spiegelreflexausrüstung sind die Billigstative schlichtweg nicht gebaut!

„Ääährlich Chef…ich habe die Kamera vor einer Minute extra noch ganz genau horizontal eingestellt!!!“: Wegrutschen einer DSLR an Universalstativ in Hochkantstellung (Bild: W.D.Roth)

Wie sieht denn dann ein richtiges Fotostativ aus? Dazu demnächst mehr. Es sei jedoch schon verraten: Für 20 Euro bekommt man es nicht, es muss jedoch auch nicht mehr als 150 Euro kosten. Und das ist allemal billiger als eine mit dem Billigstativ abgestürzte DSLR!

6 Kommentare
  1. Wolf-Dieter Roth sagte:

    @Peter:

    1. Ein Kugelkopf, der sich verstellt, das sollte nicht sein. Das ist dann ebenso Pfusch, wie das gezeigte Billig-Stativ.

    2. Für Zoomobjektive, die sich verstellen, gilt dasselbe. Sowas sollte nicht passieren. Festkleben? Ist der Fotografie nur bedingt dienlich.

    Erlebt habe ich das auch schon, mit einem Olympus 18-180 mm.

    4. Das ist klar, Fernauslöser bzw. Spiegelvorauslösung gehören zum Stativ. Wobei man notfalls auch nur die Spiegelvorauslösung verwenden kann, wenn das Motiv statisch ist (Sterne zähle ich mal dazu, auch wenn sie sich bewegen). Da sind Erschütterungen durch Fotograf und Spiegel rechtzeitig abgeklungen mit so 5-7 s.

    5. Da ist aufzupassen: Ab einigen Sekunden werden die Sterne von Punkten zu Strichen. Damit ist dann auch niemand gedient, außer es wird gleich mehrere Minuten belichtet, sodaß die Himmelsbewegung sichtbar wird.

    Du kannst das hier sehen:

    http://fokussiert.com/2009/04/03/olympus-e-30-im-test-fragwuerdige-dunkelbelichtung/

    30 s waren eigentlich schon zu lang – wenn man das Originalbild ansieht, erkennt man, daß die Sterne keine Punkte mehr sind. Im Blog erkennt man das noch nicht. Bei 8 Minuten ist es natürlich klar sichtbar.

    Allerdings bekommt man bei zu hoher Empfindlichkeit noch jede Menge Sterne, die gar nicht am Himmel waren…

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  2. Peter S. sagte:

    …unter diesem Gesichtspunkt gebe ich Dir natürlich recht. Dazu noch ein paar Tips von mir:

    1. Ein Kugelkopf verstellt sich durch ein schweres Objektiv oft selbstständig, ohne das man dieses auf den ersten Blick mitbekommt. Abhilfe: Stabilen Kopf besorgen, gibt leider keine andere Möglichkeit.

    2. Zoomobjektive verstellen sich gerne wenn sie mehr als 45 Grad gen Himmel geneigt werden. Abhilfe: Festtapen mit Klebeband. Alternativ: Nur Festbrennweiten verwenden.

    3. Panoramaköpfe (besonders die günstigen) lassen sich nicht steil genug gen Himmel richten. Abilfe: Das ganze Stativ um 180 Grad drehen, so dass der Neigehebel unter dem Objektiv sitzt, so stößt dieser nicht mehr an die Säule. Eventuell noch darauf achten einen Bildauschnitt zu wählen, der den von unten hereinragenden Hebel nicht zeigt, oder diesen ganz abschrauben wenn es diese Möglichkeit gibt.

    4. Nach Möglichkeit immer den Selbstauslöser, oder auch eine Fernbedienung in Verbindung mit der Spiegelvorauslösung verwenden. Punktförmige Lichtquellen in der Entfernung unendlich verzeihen übermäßigen Spiegelschlag nicht gut.

    5. Bei lichtschwachen Objekten lieber länger mit weniger ISO und weit geöffneter Blende belichten, anstatt kurz und mit hoher ISO Zahl. Denn Photonen lassen sich nur über die Zeit und Objektivöffnung einfangen. Eine Verstärkung (ISO-Voreinstellung des Chips) verstärkt immer nur das, was auch bereits dem Chip drauf ist. Wenn dort nichts registriert wurde aufgrund der kleinen Blende, oder der kurzen Verschlusszeit gibt es nur Rauschsignal.

    Viel Spass bei den Night-shoots,
    Peter

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  3. Wolf-Dieter Roth sagte:

    @Peter: Ich meinte dabei auch nicht Langzeit-Astroaufnahmen. Da braucht man dann ja eine exakte elektrische Nachführung. Sondern sowas noch im Sekundenbereich, wo aber trotzdem z.B. der Mond innert Minuten aus dem Bild wandert. Den dann wieder einzufangen, ist mit Kugelkopf etwas anstrengender ;-)

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  4. Peter S. sagte:

    Zitat:“Bei astronomischen Aufnahmen ist es ebenso von Interesse, die Kamera den davonwandernden Sternen nachführen zu können – hier sind Neigeköpfe in ihrem Element.“

    Das ist leider falsch gedacht. Die Anforderungen an ein Stativ sind besonders in der Astrofotografie noch höher als in der „normalen“ Tageslichtfotografie. Immerhin wird hier mit Belichtngszeiten über mehrere 10 Minuten hantiert. Oft kann sogar nur ein astronomisches Stativ für die Sternnachführung wirklich sinvoll benutzt werden.

    Peter

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  5. marco sagte:

    da muss ich (eingeschränkt) widersprechen – ich stand im vergangenen auch vor der wahl und bin bei nem walimex-manfrotto-nachbau gelandet, das in kombination mit nem guten neiger/kugelkopf/revolvergriff von manfrotto macht sinn und belastet den geldbeutel nicht über maßen. kostenfaktor ist hier eher der kopf, stativ gibt es in der bucht für ca 60 euro.

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  6. MM sagte:

    ein gutes foto-stativ kostet minimal um die 300-400SFr. dies wurde mir klar als ich im frühjahr eines gekauft habe. auch ein gewisses gewicht muss ein stativ haben damit es taugt. dort muss man einen kompromiss eingehen wenn man eines zum rumreisen will!

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