Stative: Nicht Foto was Video

Eine Fotokamera stellt ganz andere Anforderungen an ein Stativ als eine Videokamera. Universalstative sind schnell überfordert: die Telelinse rutscht langsam, aber sicher nach unten, der Horizont wird schief und der Bildausschnitt ändert sich fast sekündlich.

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Kugelkopf mit Schnellwechselplatte Manfrotto 486 RC 2 (Bild: W.D.Roth)

Profifotografen schwören bei reinen Fotostativen deshalb auf Kugelköpfe. Diese werden nicht langwierig justiert, sondern nur mit einem Handgriff gelöst, auf die gewünschte Kameraposition bewegt, und dann wieder fixiert. Das klingt primitiv, geht aber deutlich schneller – und funktioniert auch bei schiefstehendem Stativ hervorragend.

Der italienische Hersteller Manfrotto ist als Fotostativ-Spezialist bekannt, obwohl er selbstverständlich auch Videostative im Sortiment hat. Das Modell 190XProB ist zurzeit im Bereich unter 200 Euro (Straßenpreis: 120 bis 150 Euro) ein sehr beliebtes Stativ, das Kameraausrüstungen bis zu 5 kg tragen kann und selbst 1,8 kg wiegt.

Hat auch eine DSLR mit „Teletüte“ voll im Griff: Manfrotto Stativ 190XProB mit Kugelkopf 486 RC 2 (Bild: W.D. Roth)

Das Manfrotto 190XProB ist so stabil, dass es keine jener zierlichen Verstrebungen der Billigstative benötigt. Diese sind im rauen Einsatz ohnehin meist das erste, das am Stativ verbogen ist und dieses unbrauchbar macht.

Beim 190XProB gibt es dagegen fixierbare Abspreizwinkel der drei Beine von 25°, 46°, 66° und sogar 88°, die den Stand des Stativs stabilisieren und sogar noch eine Platzierung auf Felsen oder Brunnenschächten erlauben. Zusätzlich kann auch noch ein Gewicht an das Stativ gehängt werden.

Kleine Gymnastikübung: Beim Manfrotto 190XProB können die Beine weit gespreizt werden, wenn dies für stabile Einstellungen erforderlich wird (Bild: W.D. Roth)

Dabei ist das 190XProB auch aus Aluminium gebaut, nur eben solider als die Billigmodelle. High-End-Profistative verwenden teils Carbonfiber oder Basalt als Material, was das Stativ noch etwas stabiler und leichter, doch um ein Vielfaches teurer macht.

Hochkant-Aufnahmen sind mit einem Kugelkopf ohnehin kein Problem, doch kann beim 190XProB auch die Mittelsäule um 90° geschenkt werden. Dies ist für Repro- und Makro-Aufnahmen sehr praktisch, bei denen die Kamera nun senkrecht nach unten gerichtet werden kann, ohne dass die Stativbeine zwangsweise im Bild auftauchen und im Weg sind.

Hier wurde die Mittelsäule unter das Stativ montiert, statt sie wie üblich oben aufzusetzen: gut für Repro- und Nahaufnahmen senkrecht nach unten. (Bild: W.D. Roth)

Tatsächlich kann die Mittelsäule des 190XProB sogar komplett ausgebaut und umgekehrt wieder eingesetzt werden, womit die Kamera nicht auf das Stativ montiert wird, sondern unter dem Stativ hängt – sehr praktisch für Nahaufnahmen beispielsweise in der Natur. Zudem wird die Mittelsäule nicht wie bei billigen Stativen per Kurbel und Zahnstange, sondern ebenso festgeklemmt wie ein Kugelkopf.

Der Kugelkopf ist beim 190XProB nicht dabei, er ist einzeln zu kaufen – dafür kann man bei Bedarf auch andere Köpfe montieren wie beispielsweise Neiger. Für das 190XProB geeignet ist beispielsweise der Manfrotto 486 RC 2, ein bis zu 6 kg belastbarer Kugelkopf mit Schnellwechselplatte, der zwischen 55 und 70 Euro im Handel ist.

Hier ist der Mechanismus der Schnellwechselplatte in geöffneter Position arretiert (Bild: W.D.Roth)

Der Manfrotto-Kugelkopf hat zusätzliche Sicherungsmechanismen, die sicherstellen, dass man nicht aus Versehen die Schnellwechselplatte löst und die Kamera zu Boden fällt. Der höhere Preis rentiert sich schnell, weil es keine Pannen mit kippenden oder wegrutschenden Kameras mehr gibt und man auch mit Stativ noch Schnappschüsse von stark bewegten Objekten zustandebekommt.

1 Antwort

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  1. […] zu einem großen Panorama zusammensetzen lassen. Nur die Aufnahmen, die muß man zuvor mit Stativ und Panorama-Kopf noch selbst machen. […]

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