Lebensgroße Realität

Die Münchner Galerie „Dina4“ präsentiert neue Stillleben des Fotografen Christopher Muller.

Eigentlich in der Malerei beheimatet, findet sich die stille Darstellung alltäglicher Gegenstände in der Fotografie zwar immer häufiger, stellt aber dennoch eine Nische dar. Christopher Muller, eigentlich studierter Maler, nimmt sich erneut dieses Themas an und zeigt in seiner Ausstellung, dass „still“ keinesfalls langweilig sein muss.

Was wir in seinen neuen Arbeiten zu sehen bekommen, ist die Essenz der jahrelangen Auseinandersetzung des Künstlers mit der Thematik Stillleben, die ihn schon seit Anfang der 90er Jahre begleitet. Scheinbar zufällig platziert, aber dennoch unübersehbar inszenierte Alltagsgegenstände dominieren seine Bilder. Die Bilder wirken wie kleine Ausschnitte aus dem Leben eines jeden von uns, projiziert und konserviert auf Fotopapier hinter Acrylglas.

Und obwohl der Realismus der abgebildeten Gegenstände allgegenwärtig ist (alle Fotografien zeigen ihre Motive in Orginalgröße), wirken diese uns bekannten, gradezu profanen Objekte merkwürdig eindimensional und flach. Durch perfekte Lichtsetzung gelingt es dem Künstler, Schatten weitgehend zu vermeiden, nichts vermag mehr von der Darstellung abzulenken, und so reduzieren die Fotografien den Blick auf das Wesentliche. Die erreichte Abstraktion lässt uns die Zusammenhänge und Ähnlichkeiten vermeintlich willkürlich angeordneter Gegenstände erkennen, unweigerlich werden Strukturen und Formen verglichen, die im Alltag nie wahrgenommen würden.

„Alltäglich sind wir umgeben von dieser Art der vertrauten Gegenstände, die sich drastisch unterscheiden angesichts ihrer Form, Material, Herkunft und Herstellungsart“ so Muller. „Ich bin fasziniert von dieser Vielfalt an Dingen, die unendliche Resonanzen, Klänge und Assoziationen erzeugen, etwa wie Noten für einen Komponisten“.

Und tatsächlich schafft es der in London aufgewachsene Künstler durch seine Darstellungen Erinnerungen zu wecken. Der Alltag verfolgt den Betrachter bis in die Ausstellung. Mehr als einmal entdeckt man Objekte neu, die einem schon längst vergessen schienen.

Die Galerie „Dina4“ bildet in ihrer Schlichtheit einen idealen Rahmen für Mullers Arbeiten, schade ist allerdings dass sie mit lediglich zwei Räumen ein wenig klein ist. Denn so finden seine größeren Werke, aufgrund der Darstellung in Lebensgröße, dort nicht den Platz, den sie im echten Leben erfordern.

Christopher Muller, vom 14.09.-20.10.2007 in der Galerie Dina4 Theresienstraße 51 80333 München Mi-Fr: 12-19 Uhr Samstag: 12-16 Uhr

Webseite Christopher Muller

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