Wie fotografiert man Feuerwerk?

Inzwischen gibt es bei Kameras Motivprogramme für so ziemlich alles und jedes. Auch digitale Spiegelreflexkameras haben mindestens je eins für schreiende Babys, ausgebrochene Löwen und für nächtliches Feuerwerk. Eine nette Anregung für eigene Fotos, mehr aber nicht.

 

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Olympus E-330, Blende 4,0, 1/60 s, ISO 1600, 14 mm Brennweite, äquivalent 28 mm Kleinbild (Bild: W.D.Roth)

Bei der Olympus E-330 ist Feuerwerk das Motivprogramm Nummer 15, nach Sonnenuntergang und vor Dokumente. Es ist immerhin einmal interessant, das Motivprogramm einzuschalten und zu schauen, was die Kamera dann so tut. Allerdings sollte man dies nicht gerade während des Feuerwerks tun, denn da muss man schnell reagieren und nicht herumspielen.

Die Programmierung für Feuerwerk schaltet bei der E-330 den Blitz aus (logisch!), den Weißabgleich auf Sonnenschein, die Farbwahl auf lebhaft, die Belichtungskorrektur auf eine ganze Stufe Unterbelichtung, die Empfindlichkeit auf ISO-Automatik, was bei dieser Kamera bedeutet, dass sie nicht über ISO 200 gehen darf, die Belichtungszeit fest auf vier Sekunden.

Die Blende wechselt dann zwischen offener Blende und maximal Blende 11 je nach gemessener Belichtung – das kann mal viel zu hell sein, mal auch viel zu dunkel. Egal, etwas anderes gibt es nicht, ein Feuerwerk hat mit vier Sekunden belichtet zu werden, das gibt so schöne Leuchtspuren und man hat garantiert irgendetwas auf dem Bild, egal wann man auslöst.

Eigene Einstellungen und der Mut zur hohen ISO-Empfindlichkeit können sich, wie diese Bilder zeigen, durchaus lohnen.

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Olympus E-330, Blende 4,0, 1/60 s, ISO 1600, 14 mm Brennweite, äquivalent 28 mm Kleinbild (Bild: W.D.Roth)

Andere Einstellungen erlaubt die Kamera dem Fotografen nicht, wenn er das Motivprogramm benutzt: er hat damit ja gerade zugegeben, dass er ohnehin keine Ahnung hat. Wobei einige der Einstellungen des Motivprogramms natürlich völlig richtig sind: Da beim Feuerwerk das meiste im Bild der nachtschwarze Himmel ist, muss die Belichtungsautomatik tiefer eingestellt werden, weil sonst das eigentliche Feuerwerk völlig überbelichtet wird und keine Farbe mehr hat.

Auch die hoch gedrehte Farbabstimmung ist verständlich, obwohl es ärgerlich ist, wenn die vom Fotografen bevorzugte natürliche Farbabstimmung so einfach übergangen wird. Und dass Feuerwerk mit einem neutralen Sonne/Tageslicht-Weißabgleichaufgenommen werden sollte, erklärt sich auch von selbst.

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Olympus E-330, Blende 3,5, 1/60 s, ISO 1600, 14 mm Brennweite, äquivalent 28 mm Kleinbild (Bild: W.D.Roth)

Ganz wichtig ist es tatsächlich, auf manuellen Fokus umzustellen und dann eine Entfernung kurz vor Unendlich zu wählen: auf ein explodierendes Feuerwerk kann auch ein guter Autofokus nicht schnell genug einstellen und man würde die besten Momente verpassen.

Die feste Einstellung auf vier Sekunden Belichtungszeit, so wie sie auch fast jedes Fotobuch predigt, fand allerdings nicht meine Zustimmung. So ergeben sich zwar schöne Leuchtspuren und das Feuerwerk schaut auf diese Art natürlich viel eindrucksvoller aus, weil sich mehrere Raketenabschüsse im Foto überlagern. Doch mit dem visuellen Eindruck des Feuerwerks hat das Ergebnis nur noch wenig zu tun. Dieser allerdings war mit analogen Kameras ohnehin selten entsprechend wiederzugeben. Digitalkameras bieten hier mehr Flexibilität.

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Olympus E-330, Blende 3,5, 1/60 s, ISO 1600, 14 mm Brennweite, äquivalent 28 mm Kleinbild (Bild: W.D.Roth)

Wichtig ist beim Fotografieren eines Feuerwerks die Standortwahl. Ist man zu weit weg, wird das Feuerwerk ohne Teleobjektiv eventuell ziemlich klein auf dem Bild. Außerdem sind Gegenstände oder Menschen im Weg und zudem ist nach zwei oder drei Raketenabschüssen alles verqualmt und man sieht nichts mehr.

Ein erhöhter Standpunkt – ein Berg oder gar ein Fernsehturm – ist auch nicht unbedingt die optimale Wahl, da so ein Feuerwerk gar nicht so hoch geht wie man glaubt und vom Fernsehturm aus sich plötzlich alles weit unter einem abspielt, in halber oder viertel Turmhöhe. Das schaut dann eher nach „Rohrkrepierer“ aus.

Zu nah am Feuerwerk ist dagegen auch nicht empfehlenswert, da es dann nicht nur selbst mit Weitwinkel nicht mehr komplett aufs Bild zu bannen ist, sondern einen dann um die Ohren fliegt und professionelle Feuerwerks“bomben“ über 100 Kilo schwer sein können. Aus diesem Grund ist bei dem traditionellen Feuerwerk zur Eröffnung der Funkausstellung Berlin, das unter dem Titel „Funkturm in Flammen“ läuft, der Zutritt im inneren Bereich, von dem man direkte Sicht auf den Funkturm haben kann, prinzipiell gesperrt.

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Olympus E-330, Blende 5,6, 1/125 s, ISO 1600, 14 mm Brennweite, äquivalent 28 mm Kleinbild (Bild: W.D.Roth)

Wenn man also sich doch überraschenderweise mit einer Kamera in dieser verbotenen Zone wiederfindet, während das Feuerwerk abgeschossen wird, so sollte man nicht auch noch ein Stativ aufbauen, da man sonst definitiv nicht schnell genug wegrennen kann, wenn einem die ganze Chose um die Ohren fliegt. Und hiermit haben wir einen zweiten Grund, warum die vier Sekunden Belichtungszeit in diesem Fall definitiv nicht in Frage kommen.

Der eigenen Vorstellung von einem richtig fotografierten Feuerwerk entsprechend wurde nun also zwar der Autofokus ausgeschaltet, der Weißabgleich auf Tageslicht eingestellt und einen Unterbelichtung von 0,7 Stufen gewählt. Völlig anders als beim Motivprogrammen wurde dann jedoch die Empfindlichkeit auf das Maximum von ISO 1600 hochgedreht, was man sich bei einer digitalen Spiegelreflexkamera bei diesem Motiv schon einmal erlauben kann, ohne im Rauschen unterzugehen, und die ganz normale Programmautomatik gewählt, die die Blende fast, doch nicht ganz offen ließ und die Zeit entsprechend der gerade stattfindenden Feuerwerksaktivitäten wählte.

Laut Lehrbuch und auch laut Meinung des Kameraherstellers also eigentlich völlig falsch. Doch entstanden so in den paar Minuten Feuerwerk durchaus etliche beeindruckende Aufnahmen. Übrigens ohne Schaden an Fotograf und Ausrüstung durch Querschläger.

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Olympus E-330, Blende 5,0, 1/125 s, ISO 1600, 14 mm Brennweite, äquivalent 28 mm Kleinbild (Bild: W.D.Roth)

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  2. […] hast Du technisch schon mal richtig auf das Feuerwerk reagiert: Die Blende war nicht zu weit offen, die Belichtungszeit von fünf Sekunden hat gereicht, […]

  3. […] also nicht selbst aufnehmen und müssen bei der Benutzung des bordeigenen Feuerwerksprogramms statt eigener Einstellungen die Belichtung von vier Sekunden leider wie ein Anfänger mit einem beherzten und kräftig […]

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