Toscanis neueste Realitätskampagne

Mit den Benetton-Anzeigen wurde der italienische Fotograf Oliviero Toscani Anfang der 90-er Jahre international berühmt. Jetzt rüttelt er die Öffentlichkeit gegen die Magersucht auf – in einer Anzeigenserie für die Modemarke Nolita. Und das zum Beginn der Mailänder Modewoche.

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„No anoressia“ – gegen die Magersucht. Model Isabelle Caro wiegt derzeit gerade 31 Kilogramm

Oliviero Toscani sagt dazu:

„Ich interessiere mich schon viele Jahre für das Problem der Magersucht. Wer ist dafür verantwortlich? Die Medien insgesamt? Das Fernsehen? Die Mode? So ist es sehr interessant, dass nun endlich eine Modefirma verstanden hat, wie wichtig das Problem ist und sich dessen bewusst wurde. Und dass sie sich mutig mit dieser Kampagne exponiert.“

Nach dem Hungertod eines Models hatten die italienische Regierung und die Macher der Modenschauen Ende letzten Jahres ein Manifest gegen die Magersucht verfasst. Es wurde festgelegt, dass auf den Schauen keine Models unter 16 Jahren mehr auftreten dürfen.

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Damit alles fliesst

Ob auf einem Bild die Zeit in Form von Bewegung gestochen scharf eingefroren oder als wattiger Strom abgebildet wird, ist eine Frage des Ausdrucks, des Geschmacks – und der richtigen Technik.

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Fliessendes Wasser: Links aufgenommen mit 1s Belichtungszeit, rechts mit 1/15s (Bilder © Thomas Rathay)

Das menschliche Auge kann im Gegensatz zum Film oder Sensor keine Lichtimpulse speichern. Wir sehen, was wir grade jetzt sehen, nicht mehr und nicht weniger. Dennoch beziehen wir die unmittelbare Vergangenheit in unser Sehen ein und Ergänzen das Bild nicht nur um die räumliche, sondern auch um die zeitliche Dimension.

Wasser fließt in einem Bach, dass wissen wir, und deshalb sehen wir auch die Geschwindigkeit der Strömung; wir hören das Rauschen und sehen vorbeischwimmendes Treibgut. Auf unserem zweidimensionalen Foto ist dies alles schwer zu vermitteln.

Doch hier machen wir uns die Technik und nötigenfalls ein paar Hilfsmittel zu Nutze.

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David Alan Harvey vergibt ein Stipendium


USA. Brooklyn, NY. 2006. Photographer David Alan HARVEY at home. © Luis Montolio

Eine wunderbare Gelegenheit: Magnum-Fotograf David Alan Harvey hat ein Stipendium ausgeschrieben. Damit will er einen Fotografen, eine Fotografin unterstützen, deren Arbeit er für außergewöhnlich hält.

Die Ausschreibung veröffentlichte Harvey jetzt in seinem Blog. Maximal 20 Arbeiten können eingereicht werden – ein fotografischer Essay vielleicht oder mehrere oder auch Einzelbilder. Die Arbeiten müssen zwischen dem 15. Juli und dem 15. November 2007 entstanden sein. Der 15. November ist auch die Deadline, am 15. Dezember soll das Stipendium dann verliehen werden, sozusagen als Weihnachtsgeschenk. 5000 US-Dollar sind ausgelobt.

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Wenn Kamerahersteller Autos bauen würden…

Was löst beim Käufer eines technischen Gerätes Freunde oder Ärger aus? Die technischen Daten? Das Aussehen? Nein, es ist die Bedienbarkeit. Gerade bei schnell, spontan und manuell bedienten Geräten wie Kameras macht die „Haptik“, das Bediengefühl aus, ob ein Gerät nach dem Kauf geliebt oder gehasst wird.

Was tun Sie, wenn Sie in ein Auto steigen, das Sie noch nie zuvor gefahren haben? Vermutlich den Schlüssel rechts von dem großen Rad vor Ihnen in ein dafür geeignet erscheinendes Schloss einstecken, das ganz linke Fußpedal mit dem linken Fuß durchdrücken, das rechts davon mit dem rechten Fuß etwas drücken, Schlüssel umdrehen, bis der Motor anspringt, Gang einlegen, das mittlere Pedal loslassen, das ganz rechte Pedal leicht drücken und das ganz linke langsam loslassen. Dann am großem Rad vor Ihnen drehen, um die Richtung zu bestimmen und dabei gleichzeitig mit steigender Geschwindigkeit die Gänge wechseln, in den Rückspiegel schauen, den Blinker betätigen etc.

Korrekterweise wäre vor dem Losfahren auch noch Rückspiegel einstellen und Sitz einstellen dazugekommen – und bei letzterem kommt der Autofahrer meistens schon ins Zögern: wie zum Kuckuck geht das denn bloß bei diesem Modell?

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Wieviele Megapixel sind genug?

Zwölf Megapixel auf dem Bildsensor der digitalen Kamera sind besser als sechs, richtig? – Ja und nein. Eine Initiative von Fachleuten propagiert: Sechs Megapixel sind für Kompaktkameras mit kleineren Chips genug. Mit gutem Grund.

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Das Rennen der Kamerahersteller um Kunden und Verkaufszahlen erinnert ein bisschen an das Märchen vom Fischer und seiner Frau: Sie kriegt nie genug – und am Ende bleibt gar nichts mehr.

Die Pixelzahlen steigen in jeder neuen Modellgeneration. Mit der G9 ist Canon und Samsung mit der NV20 bereits bei zwölf Megapixeln gelandet. Es gilt unwidersprochen die Maxime: Je mehr Pixel, desto besser. Das kann, muss aber nicht stimmen – bei den meisten Kompaktkameras ist es sogar genau umgekehrt.

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Mut, Frechheit, Offenheit

Wie kommt man in Alltagssituationen zu besseren, ungewohnten Bildern? Unter anderem durch drei Voraussetzungen: Überwindung, Offenheit und Vertrauen.

ImageFast Alles ist doch schon irgendwann mal fotografiert worden. Wie also kommt man doch zum überraschenden Bild, das „funktioniert“?

Mit ständigem Streben nach neuen Perspektiven, Standpunkten und Bildkompositionen. Manchmal gehört etwas Mut dazu, manchmal eine Portion Frechheit, und manchmal auch nur geduldige „Modelle“ – oder ganz einfach Vertrauen.

Diese Bilder sind auf meinem letzten Fotokurs in Schweden entstanden:

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Der Fjord ist tief

Ein Projekt für lange Stunden am Bildschirm: Fjord. Auf der Suche nach Antworten auf die Frage: Wie ticken die jungen Fotografen zwischen 20 und 30?

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Brad Troemel, Jahrgang 1987

Fjord will Arbeiten von jungen, kommenden Fotografinnen und Fotografen zeigen. Viel mehr ist auf der Webseite darüber nicht zu erfahren. Vor allem nicht über die Aussteller und die ausgestellten Bilder, was ich schade finde.

Auf meine Anfrage schrieben die Initiatoren zurück:

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Das kollektive Fotoalbum

Die Künstlerin Fiona Tan präsentiert in ihrer Ausstellung „80 Tage“ in München den dokumentarischen Wert alltäglicher Fotografie.

„80 Tage“ brauchen wir schon lange nicht mehr um die Welt zu umrunden, aber dennoch sind wir trotz aller Globalisierung noch lange nicht zu einem Ganzen zusammengewachsen. Kulturelle Unterschiede und auch Ähnlichkeiten zeigt uns die Künstlerin Fiona Tan mit ihren großflächigen Fotoinstallationen in der gleichnamigen Ausstellung jetzt in der Münchner Pinakothek der Moderne.

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Wie fotografiert man Feuerwerk?

Inzwischen gibt es bei Kameras Motivprogramme für so ziemlich alles und jedes. Auch digitale Spiegelreflexkameras haben mindestens je eins für schreiende Babys, ausgebrochene Löwen und für nächtliches Feuerwerk. Eine nette Anregung für eigene Fotos, mehr aber nicht.

 

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Olympus E-330, Blende 4,0, 1/60 s, ISO 1600, 14 mm Brennweite, äquivalent 28 mm Kleinbild (Bild: W.D.Roth)

Bei der Olympus E-330 ist Feuerwerk das Motivprogramm Nummer 15, nach Sonnenuntergang und vor Dokumente. Es ist immerhin einmal interessant, das Motivprogramm einzuschalten und zu schauen, was die Kamera dann so tut. Allerdings sollte man dies nicht gerade während des Feuerwerks tun, denn da muss man schnell reagieren und nicht herumspielen.

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Die kleinen Halbgötter (II)

Olympus E410 und E510 als taschenfähige Zweitkamera? Wir haben einige Testbilder geschossen und Überraschungen erlebt.

Teil 1: Ein Blick auf das Handling

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Von einem Test unter Laborbedingungen kann hier keine Rede sein – ich hatte grade mal ausreichend Zeit, die beiden ultrakompakten Spiegelreflexkameras E410 und E510 von Olympus – angeblich die kleinsten auf dem Markt – ein paar Stunden auszuprobieren. Für einige wenige Bilder im Olympus-RAW-Format „.ORF“ hats aber gereicht, und die können hier vielleicht für ein Urteil dienen (Achtung: Alle verlinkten Testbilder sind unbearbeitete .ORF-Dateien von jeweils rund 10 MB Grösse – Download auf eigene Verantwortung).

Ein erstes Urteil vorneweg: Trotz des unheimlich billig wirkenden Plastik-Zuiko-Objektivs liefern beide anständige 10Megapixel-Bilder, deren Qualität jeder Kompaktkamera überlegen ist.

Mindestens drei gute Argumente können für die beiden Kameras ins Feld geführt werden: Sie sind klein und leicht, sie sind im Four-Thirds-Spezialstandard gebaut, dessen Architektur den speziellen Anforderungen elektronischer Sensoren angepasst ist, und sie beherrschen eine einfache Form des Live View-Monitor-Suchersystems (auf das wir hier eingegangen sind und es deshalb nicht weiter besprechen).

Die Unterschiede der beiden Modelle liegen vor allem im mechanischen Bildstabilisators der E510 (Computergesteuerte Ausgleichsbewegung des Sensors zur Vibrationsreduktion), den die E410 nicht aufweist, die dafür etwas kompakter und leichter ist. Demnach würde angesichts des geringen Preisunterschieds vieles für die E510 sprechen. Dennoch haben wir Überraschungen erlebt.

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