MMC, SD, SDHC: Welche Karte ist die Richtige?

Neben Compact Flash, dem Speicherkartenformat, das sich vor allem in Digital-Spiegelreflexkameras hält, wo es auf die Grösse nicht so ankommt, haben sich die briefmarkengroßen MMC-, SD-und SDHC-Speicherkarten stark verbreitet. Doch nicht alles, das sich in den Kartenschacht schieben lässt, funktioniert auch – insbesondere bei mehr als zwei Gigabyte gibt es Probleme.

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Compact Flash, das erste Flash-Speicherkarten-Format, findet sich in den DSLR-Kameras, SD dagegen mehr in kompakteren Modellen, bei denen es auf die Kartengrösse ankommt (Bild: Hama)

Die Multimediacard (MMC) erschien lange Zeit als das universelle System für Flash-Speicherkarten, das in MP3-Spielern ebenso wie in Digitalkameras oder DAB-Autoradios Verwendung fand. Sie ist der Secure Digital Memory Card (SD) mechanisch und technisch verwandt. Die SD-Card hat inzwischen jedoch speziell in der digitalen Fotografie die MMC abgelöst, obwohl diese durchaus hohe Geschwindigkeiten beim Datentransfer erreichen kann und die SD-Kopierschutz-Funktion bei Digitalkameras gar keine Rolle spielt.

Manche Kameras wie die Modelle von Panasonic können beide Systeme verwenden, erreichen ihre volle Leistung jedoch nur mit einer SD-Card. Zu allem Überfluss gibt es inzwischen auch noch SDHC. Und hier kann die Kamera unter Garantie bei Kapazitäten über 2GB nur entweder SD oder SDHC verwenden. Wer da seiner Kompakt-Zweitkamera endlich mal einen größeren Speicher verpassen will, hat gute Chancen, den falschen Chip zu kaufen.

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Sie sind exakt gleich groß, nur bei der Dicke gibt es minimale Unterschiede: MMC (links) und SD (Bild: W.D.Roth)

Der Name der Secure Digital Memory Card (SD) weist – trotz eines mechanisch betätigbaren Schreibschutzschiebers, der aber eher Verwirrung erzeugen kann, wenn er aktiviert ist und so neue Fotos verhindert – leider nicht etwa auf ein besonders sicheres Datenspeicherverfahren, sondern auf ein Kopierschutzsystem hin. Dieses spielt für die Digitalfotografie und andere SD-typische Anwendungen wie Navigationssysteme jedoch kaum eine Rolle.

Probleme gibt es bei SD jedoch bei dem ebenfalls ständig wachsenden Speicherbedarf: das ursprüngliche System mit dem Dateisystem FAT16 ist nur bis zwei Gigabyte definiert, unter gewissen Erweiterungen noch bis vier GB. Eine derartige Karte ist im Bild oben in der Mitte zu sehen. Doch mehr als vier GB gehen mit FAT16 auf keinen Fall – wer mit einer Kompaktkamera wie der Panasonic Lumix LX-2 bzw. Leica D-Lux 3 einen ganzen Urlaub verbringen oder im RAW-Format fotografieren oder gar Videos aufzeichnen will, kann da schon mal den Wunsch nach solch Riesenspeichern entwickeln.

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Von hinten erkennt man bei der MMC-Karte mehr Kontakte (Bild: W.D.Roth)

Deshalb wurde mittlerweile die Erweiterung SDHC (SD High Capacity) entwickelt, die ebenso wie Compact Flash und dem Sony Memory Stick Pro bis zu 32 GB Speicherplatz bieten soll, theoretisch noch mehr. Hier wird wie bei Compact Flash mit FAT32 weitergemacht (NTFS oder Filesysteme, die nicht aus der DOS-/Windows-Welt stammen, stehen auf Flash-Speichern bislang nicht zur Debatte), doch sind das alte und das neue Format auf SD komplett inkompatibel.

Die Folge: In reinen SD-Geräten ist spätestens bei vier GB unwiderruflich Schluss: mehr Kapazität kann nur noch SDHC bieten. In SDHC-Kameras sind wiederum normale SD-Karten bis zwei GB ohne Probleme verwendbar, die 4-GB-SD-Modelle jedoch nicht mehr. Umgekehrt funktionieren SDHC-Karten in überhaupt keinem Gerät, das nur auf normale SD-Karten ausgelegt ist. Bis zwei GB und ab acht GB gibt es nur SD respektive SDHC, doch in der Größe von vier GB existieren beide Ausführungen, teils sogar vom selben Hersteller, was leicht zu Fehlkäufen führt.

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Ungleiche Geschwister: Diese beiden Karten – links das SD- rechts das SDHC-Modell – schauen auf den ersten Blick ziemlich identisch aus, doch nur eine von beiden wird in einer gegebenen Kamera funktionieren (Bild: Extreme Memory)

Schon beim Einstecken des frisch gekauften Speicherchips in die Kamera kann es also lange Gesichter geben. Doch nachdem die SDHC-Norm erst kurze Zeit existiert, können diese Karten auch von keinem der bisherigen SD-Kartenleser ausgelesen werden, ob nun fest im Rechner integriert oder als Zubehör.

In einem normalen SD-Kartenleser ohne SDHC-Fähigkeit werden SDHC-Karten schlichtweg nicht erkannt. Die Folge: Entweder erscheint die Karte nur nicht als Laufwerk oder aber – vor allem bei in Rechnern eingebauten Kartenlesern – der Rechner reagiert plötzlich extrem langsam und wird fast unbedienbar, bis die Karte wieder abgesteckt ist.

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Wenig Freude hat man mit einer 4-GB-SD-Karte in einer auf SDHC ausgelegten Kamera, hier der Panasonic Lumix LX-2 – oder umgekehrt (Bild: W.D.Roth)

Es ist fast immer eine Neuanschaffung eines SDHC-Kartenlesers erforderlich, weshalb viele Hersteller von SDHC-Speicherkarten diese momentan nur im Paket mit einem Mini-Kartenleser im Format eines USB-Dongels anbieten, um ihren Kunden Ärger (und sich einen Ansturm auf den Kundendienst) zu ersparen.

Immerhin schafft dieser USB-Dongle dann auch die volle Geschwindigkeit der im Set erstandenen Speicherkarte, was bei vier oder acht GB schon mal den Unterschied zwischen einer Kaffeepause und einem ganzen Mittagessen bedeuten kann, um die Speicherkarte zu leeren und erneut auf Fototour gehen zu können. Aus diesem Grund scheidet auch die Option aus, die SDHC-Karte über die Kamera auszulesen: Das funktioniert zwar, ist aber so langsam, dass oft bereits vor dem Ende des Datentransfers der Kameraakku leer ist.

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Set aus SDHC-Karte und am USB-Port direkt ansteckbaren Mini-Kartenleser von Sandisk, der im Praxistest auch bei älteren, kleineren und langsameren SD-Cards diese deutlich schneller auslas als der Kartenleser im Notebook (Bild: W.D.Roth)

12 Kommentare
  1. Fonsy sagte:

    danke für die sachlichen ausführlichen erklärungen …
    hat mir bei meiner entscheidung die richtige karte zu
    kaufen sehr geholfen ..

    nur kein geld zum fenster rauswerfen ^^

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  2. martin sagte:

    Noch eine Möglichkeit den inkompatibelem Kartenleser zu umgehen, sind Karten mit integriertem USB-Anschluß, z.B. „SanDisk SDCH plus“. Hab so eine als SD-Karte, macht sich wunderbar auch für unterwegs oder auf Rechnern die kein Cardreader haben.
    PS: Will natürlich keine Werbung für SanDisk machen, solche Konstruktionen gibt es auch von anderen Herstellern.

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  3. Wolf-Dieter Roth sagte:

    @Nadine: Naja, wenn nur der PC das Problem ist – und nicht die Kamera oder wo die Karte sonst noch benutzt werden soll – reicht es doch, einen SDHC-Kartenleser nachzukaufen, so wie oben z.B. als USB-Stick zu sehen. So teuer sind die nicht.

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  4. Nadine sagte:

    Mist… Mist… Mist..;o((

    Meine SD 4 GB funzt prima, und ich dachte, ich wäre soooo schlau… Kaufte mir eine mit 32 GB, ohne zu wissen bzw. zu beachten, dass dieses HC von großer Bedeutung ist. 125,- EUR mal eben aus dem Fenster geworfen, weil mein PC die Karte nicht erkennt. Jetzt bin ich schlauer, also vielen Dank für die gute Erklärung!

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  5. Consul sagte:

    Was mir in der Betrachtung fehlt ist der Anwendungsbereich. Aufgrund der Überspieldauer ist es manchmal besser, mit 2×2 GB an Stelle von 1 x 4 GB zu arbeiten.

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  6. neugirig sagte:

    Danke für den guten und sehr informativen Bericht, über die SD und SDHC Karten, ist für mich als Neuling in Sachen Digital-Fotografie eine echte Hilfe, bei der Kaufentscheidung welche Speicherkarten Typ es werden soll.

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