Das 256-Zonen-System

Mit seinem Zonen-System definierte der amerikanische Fotograf Ansel Adams einen kontrollierten Standard für die Belichtung von Schwarz-Weiß-Negativen. Adams kam mit zehn Zonen von schwarz bis weiß aus. Lebte er noch, würde er staunen: Die Histogramme in den Digitalkameras erlauben uns ein 256-Zonen-System.


Von schwarz bis weiß: Zonen-Skala von Ansel Adams

Wer kennt das Zonen-System für die Belichtung von Schwarz-Weiß-Negativen von Ansel Adams nicht? Hier gibt’s einen ausführliche Vorstellung und eine Modifizierung, die das System vereinfacht – allerdings in englischer Sprache.

Ansel Adams‘ Zonen-System ermöglicht es uns, den Kontrastumfang des Bildes im Griff zu behalten und alle (wichtigen) Helligkeitsstufen von schwarz bis weiß in der gewünschten Zone zu reproduzieren. Zone 0 repräsentiert dabei das Schwarz ohne Zeichnung. Den anderen Endpunkt der Skala bildet die Zone IX, das reine Weiß. Dazwischen liegen die weiteren Abstufungen der Helligkeit. Zone V ist das mittlere, neutrale Grau. Alle Farbtöne unter 0 oder über IX werden auf dem Papierabzug als reines Schwarz oder Weiß abgebildet. Zur Bestimmung der beiden Endpunkte der Skala werden mit dem Spotmeter die die hellsten und die dunkelsten Töne im Motiv gemessen. Fallen sie in den Kontrastumfang des Films, ist alles kein Problem. Über die Bestimmung des mittleren Graus, der Zone V, kann der Fotograf festlegen, was in welcher Helligkeitszone abgebildet wird. Übersteigen die Endpunkte jedoch den Kontrastumfang, dann muss sich der Fotograf entscheiden: Entweder opfert er die Schatten oder die Lichter. Hier fangen dann die Feinheiten von Ansel Adams Entwicklungstechniken an, mit denen er doch noch Lichter und Schatten zu retten in der Lage war.


Das Histogramm – ein 256-Zonen-System

Jetzt springen wir aber ins digitale Zeitalter. Die Histogramme in den Kameras zeigen uns die Verteilung der Helligkeitsstufen in 256 Zonen! Das bietet im Weiterdenken des Zehn-Zonen-Systems ziemlich sensationelle Möglichkeiten. Und gleichzeitig ist das 256-Zonen-System in der Praxis viel einfacher zu handhaben.

Wir müssen bei der Belichtung lediglich das Histogramm auf das Mäusekino einblenden und die Verteilung der Helligkeitswerte kontrollieren. Da wir das digitale Negativ ähnlich wie das Dia auf die Wiedergabe der Lichter belichten müssen, reicht es meistens, die rechte Seite des Histogramms im Auge zu behalten. Bei Weiß ohne Zeichnung ist weder in der RAW-Entwicklung noch in Photoshop etwas zu machen. Aus den tiefen Schatten ist dagegen meistens mehr herauszuholen, als Ansel Adams zu träumen wagte.

Die höchsten Werte sollten also nicht über den rechten Rand rutschen, zumindest nicht mehr als gewünscht. Dann haben wir in der Regel ein perfekt belichtetes Negativ mit 256 Zonen, aus dem anschließend in der digitalen Dunkelkammer alles Gewünschte herauszuholen ist.

Hier zeigt sich nämlich der große Vorteil von Kameras mit Live-Preview: Wir können die Belichtung exakt und live vor dem Motiv über das Histogramm regeln und dann beruhigt auf den Auslöser drücken. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich so gerne mit Kameras arbeite, die diese Möglichkeit haben. Für Spiegelreflex-Fotografen ist diese Methode der Belichtung nur ein wenig komplizierter. Sie machen eine Testaufnahme , kontrollieren über die Bildvorschau das Histogramm und korrigieren danach die Belichtung.

Die Genauigkeit der Belichtungsmesser in den Kameras lassen wir jetzt mal beiseite. Wer will, kann immer noch mit einem externen Belichtungsmesser nachkontrollieren.

Aber das 256-Zonen-System ist eine kontrollierte Belichtungsmethode für ausreichend perfekte Negative in einem minimalen Zeitaufwand. Auch in der Landschaftsfotografie wechseln die Lichtverhältnisse gelegentlich schneller als einem lieb ist, etwa bei ziehenden Wolken. Und bis dann mit dem Belichtungsmesser die Werte bestimmt sind, ist das Licht weg, die Gelegenheit dahin..

Ansel Adams hätte diese neuen Möglichkeiten mit Freude studiert und praktiziert, da bin ich mir ganz sicher.

3 Kommentare
  1. Peter Prinz sagte:

    256 Zonen! Leider total falsch. Richtig ist ein Kontrastverhalten von 1:256! Es handelt sich bei den 10 Zonen von Ansel Adams um ein Kontrastverhalten. Die Zonen sind aufgeteilt im Logarithmus Dualis. Zone I = 2hoch1=2 (Kontrastverhalten 1:2), Zone II = 2hoch2=4 (Kontrast 1:4)…………Zone X = 2hoch10=1024 (Kontrast 1:1056). Ansel Adams beherrschte also mehr, als das Histogramm angibt. Moderne Sensoren können bis zu 12 Blendenstufen (1:4096) aufnehmen ( kommt aber in der realen Fotowelt kaum vor ). Fotopapiere schaffen bei richtiger Kalibrierung 1:512. Das war’s!
    PP

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] dafür liegt darin, dass die Belichtung der Kamera, die Du verwendet hast, auf einem Mittelwert, dem 18%-Grauwert, beruht. Weil eben der Prozessor der Kamera keine Assoziationen machen kann wie Dein Gehirn und […]

  2. […] Tipp 7: Die Weihnachtslichter richtig belichten Dazu gibt die Digitial Photography School einige Empfehlungen. Ein weiteres Tutorial (in englischer Sprache) zeigt, wie Weihnachtslichter in der Abenddämmerung am besten fotografiert werden. Die Belichtungsmethode über das Histogramm ist gerade bei Licht und Schatten besonders wirkungsvoll – auf fokussiert.com. […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.