Mondfotografie III/II: Eine Sache von Minuten

Wer den Vollmond hinter markanten Motiven ablichten will, hat zunächst ein paar Astronomie-Lektionen und einige Arbeit mit Landkarten und Winkelmessern vor sich. Vor Ort hilft der Kompass – und rasche Entscheidungen.

Vollmond ueber San Francisco
Einigermassen geglückt: Meine erste Vollmond-Fotografie auf Basis von Astronomie-Daten- und Landkarten-Studium. Der Standort war nicht ideal gewählt, aber das Zusammenspiel von aus dem Nebel auftauchendem Mond und Sonnenspiegelungen in Kuppeldach und Fensterscheiben bietet einen gewissen Reiz. ISO 320, f/8, 210/315mm, 1/125s (© PS)

Eigentlich sollte die „Mondfotografie“ ja eine zweitelige Serie werden. Aber nachdem ich gestern Abend die Probe aufs Exempel gemacht habe, bin ich wohl einen Erfahrungsbericht schuldig.

Alles in allem: Das Hantieren mit Winkelmesser, Zeichendreieck und Bleistift auf einem alten Busfahrplan hat sich bezahlt gemacht. Ich wusste genau ungefähr, wo der Mond hinter der Rathauskuppel und dem neuen Wolkenkratzer in San Franciscos Skyline aufgehen würde. Der Rest war: Laufen, spähen und rasch entscheiden. Ein paar Bilder sind ganz passabel geworden:

Mond ueber San Francisco
Die Sonne hat sich vor zwei Minuten verabschiedet, der Mond steht allein in der Dämmerung. Nach weiteren drei Minuten ist der Kontrast von Vordergrund und Mond bereits zu hoch. ISO 200, f/7.1, 1/100s, 310/465mm. (© PS)

Zunächst hatte ich einen Vektor in Blickrichtung des zu erwartenden Mondaufgangs eingezeichnet: 74,5 Grad Ost.

Das geht am einfachsten auf einer Landkarte mit Nordausrichtung (ich hatte zuerst eine Detailansicht erwischt, die aus Platzgründen nicht genordet ist – die Ergebnisse kamen mir glücklicherweise sehr eigenartig vor). Ein Winkelmesser erledigt den Job – allerdings wird hier schon deutlich, dass die Festlegung der Blickrichtung nur eine Annäherung sein kann: Die Gradmessung fällt, namentlich auf einer Karte mit einem kleinen Massstab, sehr grob aus.

Image
Die Ausgangslage: Ein Gradmessung auf einem alten Busfahrplan.

Die Blickrichtung zum Mondaufgang habe ich danach mit Lineal und Zeichendreieck auf der Karte verschoben, bis sie den Coit-Tower durchlief – aber die möglichen Standorte westlich davon schienen mir allesamt sehr unsicher.

Ein Vektor durch die Kuppel des Rathauses schien mehr zu versprechen: Er lief auf der Karte genau durch den Alamo-Square, einen netten kleinen Park an einem nach Osten abfallenden Hügel. Ich glaubte zu wissen, dass man von da aus die Kuppel des Rathauses sehen kann – wenn also das Blickfeld auf den Mond zwischen dem Zeitpunkt des Sonnenuntergangs um 18.19 Uhr (74.5 Grad Ost) und Dämmerungsende um 18.41 Uhr (78.3 Grad Ost) von dort durch die Kuppel verläuft, sollte sich eine Position finden lassen.

Damit war alles klar: Zum markierten Standort fahren, mit dem Kompass nochmals die Blickrichtung suchen und auf den Mond warten. Bei Ankunft im Park schien nichts mehr zu gehen: Der Horizont im Osten war in Nebel getaucht, der Kompass liess eine Mondposition vermuten, die hinter einem Hausdach lag. Die Korrektur des Kompass (geographisch Norden liegt in San Francisco zirka +14 Grad vom magnetischen Norden) brachte keine Verbesserung, sondern ein anderes Hausdach ins Blickfeld – und irgendwie schien alles falsch.

Und dann senkte sich urplötzlich der Nebel, beinahe gleichzeitig verschwanden die letzten Sonnenstrahlen und der Mond tauchte hinter den grauen Schleiern im Osten auf, nicht ideal für meine Position zwar, aber sichtbar.

Mond ueber San Francisco (16 of 1)-2Der Rest war eine Sache von Minuten: Mit Nebel in Ost und West schritt die Dämmerung viel schneller voran als an den letzten, sternenklaren Abenden; der Mond schien zudem geradezu gegen den Zenith hin zu rasen. Ich hatte kaum fünf Minuten Zeit, in dem kleinen Park zwischen spielenden Hunden einen besseren Standort zu finden und die Speicherkarte mit Bildern zu füllen. Für manuelle Einstellungen fehlt mir die Erfahrung: Ich wählte eine leicht geschlossene Blende bei ISO 100 und suchte mit Spotmessung die richtige Belichtung des Mondes und schoss Bracketing-Serien mit drei Blendenstufen unterschied. Nach kaum drei weiteren Minuten war der Kontrast zwischen den Hochhäusern und der Rathauskuppel im Vordergrund und dem rasch steigenden Mond zu gross für weitere Aufnahmen.

Bei der Wegfahrt konnte ich mir den Versuch nicht verkneifen, ein paar Nachtbilder mit kurzer Brennweite und dem Mond über der Kuppel zu machen. Die Resultate sind, wie nicht anders zu erwarten, unbrauchbar.

Aber die Generalprobe ist geglückt, und in rund einem Monat hoffe ich mit etwas besserer Planung und viel Wetterglück zu besseren Resultaten zu kommen.

Mondfotografie I – Belichtung
Mondfotografie II – Zeit und Standortwahl

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  1. […] gratuliere – ist doch gut geglückt, das Experiment! So dicht dran war ich bei meinem ersten Mond-Shooting […]

  2. […] II/II Mondfotografie III/II ANZEIGE Werben Sie auf […]

  3. […] 1: Wie belichten, wann aufnehmen? Mondfotografie 2: Wo, bitte, wird er denn auftauchen? Mondfotografie 3: Die Kompass-Probe aufs Exempel […]

  4. […] Erkenntnis: Nicht nur in der Landschafts- (und ganz speziell in der Mond-Mit-Vordergrund-) Fotografie hilft eine sorgfältige Suche nach einem guten Standort zu raschen Lernerfolgen. […]

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