„Kontaktabzüge“: Martin Parr und Wolfgang Tillmans

Arte TV zeigt jeweils sonntagabends in der Reihe „Kontaktabzüge“ (2002) eine halbe Stunde das Werk eines oder zweier Fotografen. Heute abend sind Martin Parr und Wolfgang Tillmans an der Reihe.

Spain Benidorm Martin Parr
„SPAIN. Benidorm“ (Bild: Arte France / Martin Parr)

„Kontaktabzüge“ – das waren im teuren Analogfotozeitalter unvergrößerte Probeabzüge, um vorab zu bestimmen, welche Bilder es wert waren, überhaupt vergrößert zu werden. Damit waren sie auch so etwas wie das persönliche Tagebuch der Fotografen.

Die 2002 entstandenene französische Dokumentationsreihe „Kontaktabzüge“ nimmt die Bilder und die Arbeitsweisen bekannter Fotografen der Gegenwart unter die Lupe – kommentiert von den Fotografen selbst. Heute: Martin Parr aus England und der deutsche Fotograf Wolfgang Tillmans, der Anfang der 90er Jahre vor allem durch seine Bilder von der Berliner Love Parade bekannt wurde.

Martin Parr

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Hypermarché Auchan, Calais France 1989 (Bild: Arte France / Martin Parr)

Wenn ich fotografiere, versuche ich nie zu verbergen, wer ich bin und was ich tue.

Martin Parr wandert herum und fotografiert, was er sieht. Schonungslos, so wie er es sieht. Nicht schön, sondern direkt. Sein Ziel ist es, die Welt um ihn herum möglichst wahrheitsgetreu darzustellen. Seine bekannt gewordene Fotoreihe über einen heruntergekommenen Badeort bei Liverpool zum Beispiel zeigt die Diskrepanz zwischen heiler Welt und den Anzeichen des Verfalls.

Der Brite wurde 1952 in Epsom, Surrey geboren. Von 1970 bis 1973 absolvierte er ein Fotografiestudium in Manchester. Zu Beginn seiner Karriere ist seine Fotografie vor allem von Schwarz-Weiß-Aufnahmen, beispielsweise von nonkonformistischen Kapellen, geprägt. 1982 beschließt er, zur Farbfotografie über zu gehen.

Seitdem hat Parr nie wieder Schwarz-Weiß-Aufnahmen gemacht. Nun sind vor allem die leuchtend bunten Plastikfarben ein Markenzeichen seiner Bilder.

Martin Parr von a nach b
„Von A nach B“ (Bild: Arte France / Martin Parr)

Wolfgang Tillmans

Wolfgang Tillmans hat seinen Durchbruch mit der Serie über die Berliner „Love Parade“ von 1992 gefeiert. Von Anfang bis Mitte der 90er Jahre bestimmt die Suche nach der neuen Definition von Identität die Arbeit des Deutschen. Für seine Lebenserfahrungen, sagt er, seien zwei Kategorien ausschlaggebend: das Individuum und die Masse.

Ziel seiner Arbeit ist zum einen ein rein visuelles Interesse, neue Bilder zu erfinden, und zum anderen das Bestreben nach gesellschaftlicher Wirkung. Niemals möchte er Bilder machen, die politisch neutral sind. Seine Arbeit folgt weder einem bestimmten Sujet, noch einer bestimmten Technik.

Wolfgang Tillmans wurde 1968 in Remscheid geboren. Er lebt zeitweise in London, New York oder Köln. Von 1990 bis 1992 studiert er am Bournemouth & Poole College of Art & Design.

Wolfgang Tillmanns Police Helicopter
„Police helicopter, 1995“ (Bild: Arte France / Wolfgang Tillmans)

„Kontaktabzüge“ ist eine Dokumentarfilmreihe, in der der Fotograf seine auf dem Vorlagentisch gefilmten Kontaktabzüge selbst kommentiert. Dabei entstehen interessante Porträts des jeweiligen beruflichen Werdegangs. „Kontaktabzüge“ interessiert sich für bedeutende lebende Klassiker der Fotografie. Dabei werden allerdings auch andere, nicht minder wichtige Strömungen berücksichtigt, die das Wiederaufleben der zeitgenössischen Fotografie in allen Facetten darstellen.

Kontaktabzüge: Martin Parr / Wolfgang Tillmans, Dokumentation, Frankreich 2002, Regie: Jean-Pierre Krief, Synchronfassung, 28 min., Sendung auf Arte TV am Sonntag, den 28. Oktober um 20.15 Uhr

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  1. […] schon nach wenigen Minuten wieder aus seinen Träumen gerissen zu werden. Und wenn man eine bei Arte und eine bei Discovery gesendete Dokumentation miteinander vergleicht, wird man den ruhigeren Stil […]

  2. […] Martin Parr ist mit seinen Benidorm- und New-Brighton-Fotos vertreten und W. Eugene Smith, der – wie Capa – bereits Kriegsreportagen fotografiert hatte und […]

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