„Kontaktabzüge“: John Baldessari/Georges Rousse

John Baldessari und Georges Rousse kommen in der Dokureihe „Kontaktabzüge“ auf Arte TV zu Wort.

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New York City (Bild: Arte France / John Baldessari)

„Kontaktabzüge“ – das waren im teuren Analogfotozeitalter unvergrößerte Probeabzüge, um vorab zu bestimmen, welche Bilder es wert waren, überhaupt vergrößert zu werden. Damit waren sie auch so etwas wie das persönliche Tagebuch der Fotografen.

Die 2002 entstandenene französische Dokumentationsreihe „Kontaktabzüge“ nimmt die Bilder und die Arbeitsweisen bekannter Fotografen der Gegenwart unter die Lupe – kommentiert von den Fotografen selbst. Am Sonntag: Der Amerikaner John Baldessari und der Franzose Georges Rousse.

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Trophy 2000 (Bild: Arte France / John Baldessari)

John Baldessari, der von 1949 bis 1957 am San Diego State College studierte, experimentiert in seinen Bildern mit Malerei und Sprache. Seine ersten Werke stammen aus dem Jahr 1957. Seit 1963 bevorzugt er das fotografische Medium und macht zahlreiche Videofilme. Das kalifornische Museum La Jolle widmet ihm 1960 die erste Einzelausstellung. Seit 1971 wird sein Werk auch regelmäßig in Europa gezeigt.

In seinen fotografischen Werken kombiniert er Filmbilder – vor allem aus Low-Budget-Filmen – und Fernsehbilder. John Baldessari geht es um das komplexe Problem der medialen Produktion und Rezeption. Mit seinen eigenwilligen Reproduktionen dekonstruiert er Bild- und Textzeichen und stimuliert damit das Unbewusste und die Fantasie des Betrachters, der auf diese Art unmittelbar an der Lektüre der Bildmontagen beteiligt ist. Baldessari hat eigene Schriften und Bildbände mit seinen Fotografien veröffentlicht.

Der französische Fotograf Georges Rousse wurde 1947 in Paris geboren. Schon zu Begin der 80er Jahre fotografierte Rousse verlassene, vor dem Abriss stehende Orte, die er mit von ihm gemalten Figuren bevölkerte. Doch wie auch immer er diese Orte veränderte, nur seine Fotografien haben den Wert eigenständiger Werke.

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Embrasure VIII (Bild: Arte France / Georges Rousse)

Ab 1984 wandte sich Rousse der Abstraktion zu, und die Menschendarstellungen wichen allmählich Bildern von geometrischen Formen: mit farbiger Kreide auf den Boden und an Wände gezeichnete Kegel, Parallelogramme und Pyramiden.

In seinen 1989 entstandenen Werken fotografierte er ausgeklügelte, mit reflektierenden Oberflächen, Spiegeln und Glasscheiben konstruierte Systeme. In der Art eines Illusionisten nutzte der Künstler Öffnungen, Türen und Fenster als Durchgangsbereiche, deren Tiefe größere Blickwinkel ermöglichen.

Mit der Serie „Embrasures“ (1987), in der er mit Hieroglyphen beschriebene Wände und Böden fotografierte, sondiert Rousse den Raum auf neue Art. Seine nach ihren Entstehungsorten Rom, Zypern und Jerusalem benannten Fotografien sind Neuinterpretationen des archäologischen Gedächtnisses dieser Orte. Mit sehr einfachen Mitteln gelingen Rousse visuell außergewöhnliche, intensive Fotografien, die seinem Werk einen eigenständigen Platz im Kunstbereich zwischen Fotografie, Malerei und Installation zuweisen.

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Verlassenes Lager in Vichy, 1982 (Bild: Arte France / Georges Rousse)

„Kontaktabzüge“ ist eine Dokumentarfilmreihe, in der der Fotograf seine auf dem Vorlagentisch gefilmten Kontaktabzüge selbst kommentiert. Dabei entstehen interessante Porträts des jeweiligen beruflichen Werdegangs. „Kontaktabzüge“ interessiert sich für bedeutende lebende Klassiker der Fotografie. Dabei werden allerdings auch andere, nicht minder wichtige Strömungen berücksichtigt, die das Wiederaufleben der zeitgenössischen Fotografie in allen Facetten darstellen.

Kontaktabzüge: John Baldessari/Georges Rousse, Dokumentation, Frankreich 2002, Regie: Jean-Pierre Krief, Synchronfassung, 28 min., Sendung auf Arte TV am Sonntag, den 4. November um 20.15 Uhr

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