Digitalkamera-Technik: Welche Filter brauchen wir noch?

Filter für Kontraststiegerungen und Lichteffekte waren zur Zeit der Schwarzweißfotografie ein sehr beliebter Zubehörartikel. Die meisten sind mit der Digitalkamera überflüssig geworden. Aber nicht alle.

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Zirkular polarisierendes, entspiegeltes Polfilter nach Käsemann, das in der gezeigten Slim-Ausführung auch für Weitwinkelobjektive geeignet ist (Bild: W.D.Roth)

Farbfilter für Schwarzweißaufnahmen werden bei modernen Digitalkameras wie der Olympus E-510 elektronisch simuliert und sind deshalb ebenso entbehrlich geworden wie die früher sehr beliebten Effektfilter (Weichzeichner, Sechsfach-Stern, Kaleidoskop…). Wenn einer dieser ohnehin ziemlich abgenutzten Effekte wirklich benötigt wird, macht man dies heute in der Bildbearbeitung und nicht bei der Aufnahme.

Vorsatzlinsen für Tele- oder Nahaufnahmen haben auf einer Spiegelreflexkamera ebenfalls nichts verloren, da sie nur eine optisch sehr eingeschränkte Qualität liefern. Sie sind für einfache Kameras mit fest montiertem Objektiv bestimmt, bei denen keine andere Möglichkeit besteht. Die einzigen Filter, die heute noch Bedeutung haben, sind UV-/ Skylightfilter, Graufilter und Polfilter.

UV-Filter: Viel Glas tut’s auch

Erstere filtern UV-Anteile aus dem Strahlengang, die bei der Aufnahme als unnatürlich helle Blautöne sichtbar werden könnten. Ob dies überhaupt notwendig ist, hängt vom Objektiv ab, da diese Auswirkungen von UV-Strahlung zwar bei Digitalsensoren ebenso bestehen wie bei der Verwendung von Film, doch die heutigen Zoomobjektive mit ihren vielen Linsen UV-Strahlung oft gar nicht bis zum Sensor durchdringen lassen.

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Eine Aufnahme einer landwirtschaftlichen Anlage an einem schönen Sommertag mit bald umkippendem Wetter gegen Mittag: Bayrische Weißblau-Idylle mit leichten Reflektionen auf Dach von Stall und Silo. (Bild: W.D.Roth)

Sie kann allerdings immer noch zu Verschlechterungen im Strahlengang führen. Ein UV-Filter kostet nicht viel und schadet nichts, er bewahrt immerhin auch das Objektiv vor Fingerabdrücken und ist gegebenenfalls preiswerter auszutauschen. Einziger Nachteil: Er ist ein zusätzliches Stück Glas mit Reflektionen im Strahlengang und sollte deshalb unbedingt gut entspiegelt (vergütet) sein.

Das Skylight-Filter ist im Prinzip dasselbe wie ein UV-Filter, hat aber zusätzlich noch eine leichte rosa Tönung, um das kalte Licht des Himmels zu korrigieren. An einer Digitalkamera mit automatischen Weißabgleich ist dies sinnlos und bringt nur eine unnötige, wenn auch geringe Lichtreduzierung. UV-Filter sollte man für Normal- oder Teleobjektive kaufen, auf Weitwinkel- oder Makrolinsen ist es nicht notwendig; zudem sind Filter auf Weitwinkelobjektiven immer problematisch, weil sie zu leicht am Bildrand sichtbar werden.

Polarisationsfilter: Sattes Blau am Himmel

Das Polfilter (Polarisationsfilter) ist ebenfalls ein zeitloser Klassiker: es wird so gedreht, dass es Reflektionen auf Wasseroberflächen oder im Himmel reduziert und somit die Farben fast surrealistisch verstärkt: aus einem hellblauen Himmel wird ein satt dunkelblauer. Allerdings schluckt das Polfilter unweigerlich Licht, da es ja alle bis auf eine Polarisationsebene wegfiltert – je nach Einstellung ist mit ein bis zwei Lichtwerten Einbuße zu rechnen. Es ist also nur etwas für die Zeiten von Vormittag bis Nachmittag und muss bei Regenwetter oder einsetzender Dämmerung ebenso wie in Innenräumen abgenommen werden.

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Mit Polfilter geht die Sicht durch den Dunst weiter, ist der Himmel intensiver, die Farben satter und die Dächer sind fast reflektionsfrei. (Bild: W.D.Roth)

Das Polfilter kann nicht nur einmalig aufgeschraubt und dann vergessen werden, sondern ist vor jeder Aufnahme mit einem Blick durch den Sucher beziehungsweise auf den Monitor auf die gewünschte Wirkung zu justieren. Es muss also zunächst fest aufgeschraubt werden, damit es beim anschließenden Drehen des Einstellrings nicht versehentlich wieder gelöst wird und zu Boden fällt. Nach dem Justieren sollte die Sonnenblende des Objektivs aufgesetzt werden – mit aufgesetzter Sonnenblende dürfte das Justieren insbesondere bei Telezooms schwierig werden.

Es gibt zweierlei Polfilter: lineare und zirkulare, die letzteren sind etwas teurer. Da Belichtung und Autofokus bei vielen modernen Kameras ebenfalls mit polarisierenden Elementen arbeiten, können lineare Polfilter zu Fehlmessungen führen: Es ergeben sich dann teilweise massiv unterbelichtete Aufnahmen oder Probleme bei der Scharfstellung. Filter mit Zirkularpolarisation funktionieren dagegen an allen Kameras.

„Polfilter nach Käsemann“ sind besonders wertvoll, allerdings etwas teurer. Es handelt sich dabei um eine Herstellungstechnik, die besonders saubere und bleibende Effekte bietet. Inzwischen gibt es auch entspiegelte Polfilter mit entsprechend noch höherer Bildqualität. Es war lange Zeit nicht möglich, Entspiegelung mit Polarisationsfolien zu kombinieren, bei Billigfiltern ist dies auch heute nicht zu finden.

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Mit falsch justiertem Polfilter ist das Ergebnis dagegen schlechter als ohne: Das Bild ist kraftlos, die Dächer spiegeln sehr störend. (Bild: W.D.Roth)

Polfilter und Weitwinkel nicht immer verträglich

Wer Weitwinkelobjektive mit Polfiltern kombiniert, sollte zu „Slim“-Varianten greifen, damit das Polfilter nicht zu Randvignettierungen führt. Außerdem lässt sich in Weitwinkelaufnahmen kein durchweg „nachgedunkeltes“ Himmelsblau erreichen, da die Polarisationsrichtung des Himmelslichts über einen so großen Bildwinkel nicht konstant bleibt. Am stärksten ist sie 90° zur Sonne versetzt.

Eine gewisse Bedeutung haben noch Graufilter: Neutralfilter (ND-Filter) dämpfen das in die Kamera einfallende Licht, um eine Überbelichtung zu vermeiden. Im Gegensatz zu Videokameras, bei denen die Belichtungszeiten sich nicht beliebig verringern lassen, wird die Olympus E-510 auch mit intensivsten Beleuchtungssituationen wie Schnee in der Mittagssonne ohne Probleme fertig. Wenn man in dieser Situation allerdings mit offener Blende fotografieren will, um eine geringe Tiefenschärfe zu haben und nur einen bestimmten Teil des Bilds scharf abzubilden, kann ein solcher Filter notwendig werden.

Es gibt auch noch Grauverlaufsfilter, mit denen man beispielsweise den hellen Himmel und den dunkleren Boden einander annähern kann, um sie ohne allzu starke Kontrastunterschiede in ein Bild zu bekommen. Sehr gebräuchlich ist diese Art der Filterung jedoch nicht mehr.

Dies ist eine Leseprobe aus dem soeben im Franzis-Verlag erschienenen Buch „Olympus E-510“ von fokussiert.com -Autor Wolf-Dieter Roth, das neben Tipps speziell zur E-510 von Olympus auch etliche allgemeine Informationen und Anleitungen zur Digitalfotografie enthält.

4 Kommentare
  1. Wolf-Dieter Roth sagte:

    Bist Du wohl bald. Denn inzwischen können auch die DSLRs schon bei der Aufnahme auch Orange- und Rotfilter elektronisch nachbilden, und nicht nur Bilder sepia einfärben. Wobei ich dennoch all dies lieber in der Nachbearbeitung mache.

    Und Infrarot ist sehr reizvoll, dazu hatten wir ja schon einiges

    http://fokussiert.com/2007/11/16/digitale-infrarot-fotografie-das-unsichtbare-zeigen/

    http://fokussiert.com/2007/12/31/infrarot-fotografie-praxistest-die-welt-in-frarot/

    aber sicher kein Standard-Fotoutensil. Zumal die Bilder meist nachbearbeitet werden müssen.

    Aber das erinnet mich dran, mal wieder infrarot zu fotografieren. Die ersten Aufnahmen entstanden ja im Winter -> eher nicht die beste Jahreszeit hierzu.

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  2. L37C sagte:

    „Die einzigen Filter, die heute noch Bedeutung haben, sind UV-/ Skylightfilter, Graufilter und Polfilter.“

    Soso. Ganz apodiktisch. Dann bin ich der einzige, der digital mit Orange- und Rotfilter fotografiert, weil er nicht immer photoshoppen mag? Und die Infrarotfilter sind auch nur für eine Minderheit?

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  1. […] einer Kompaktkamera natürlich die Möglichkeit zum Experimentieren: Kein anderes Objektiv, kein Polfilter, eine lichtschwache Linse… und manchem fehlt dann auch noch ein optischer […]

  2. […] Filtern experimentieren. Eine noch relativ hoch stehende Sonne ist sehr viel heller als die Scheibe, die […]

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