Fototanks/Mobile Datenspeicher Platz für Reisereportagen

Flash-Speichermedien werden größer und billiger, sodaß sie auch für ganze Urlaube ausreichen sollten. Noch sind mobile Bildspeichergeräte jedoch eine Alternative.

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Hama „VSV Mobile Media Safe“: Kompaktes Gerät, das verschiedene Speicherkartenformate auslesen, auf der eingebauten Festplatte abspeichern und anschließend zur Kontrolle anzeigen kann. MP3- und Videospielerfunktionen sind dagegen mangelhaft, doch es gibt mittlerweile viele ähnliche Geräte. (Bild: W.D.Roth)

Speicher hat man eigentlich nie zuviel. Auch wer mit Film noch ein sparsamer Fotograf war, wird mit einer Digitalkamera großzügiger: Ein Schuss kostet ja nichts, untaugliche Bilder kann man später jederzeit löschen. Und so ist schon nach einem kleinen Spaziergang unerwartet die Speicherkarte voll. Eine zweite muss her, eine dritte.

Wohin dann mit den zusätzlichen Karten? Schnell ist eine verloren. Ein kleines Mäppchen, in dem die Reservekarten ordentlich verstaut werden, ist hier durchaus sinnvoll, falls die Kameratasche keine sichere Lösung anbietet. Es gibt aber auch bei einschlägigen Elektronik- und Fotoversendern jede Menge „Speicherkartenspeicher“. Man sollte lediglich auf eine Lösung aus antistatischem Material achten, da andernfalls die Speicherkarten beschädigt werden können.

Was aber bei Kameras, die keine größeren Speichergrößen erlauben, wo 2 GB, 1 GB oder gar nur 128 MB das zulässige Maximum sind?

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Hama „Digitaler Fotofilm“: Mehr Flash-Speicher für jene, die nicht mal selbst einen Computer besitzen. Die mögliche Bilderanzahl hängt natürlich von der Pixel-Auflösung der Digitalkamera ab, an DSLR-Profis oder gar RAW-Fotografierer hat man hierbei eher nicht gedacht.

Im Normalfall, also außerhalb eines Jahresurlaubs oder gar einer Weltreise, reicht es auch für RAW-Fotografen, mit einigen Speicherkarten in GB-Größe ausgerüstet zu sein und die Bilder am Abend zuhause in den PC zu übertragen. Doch in einem dreiwöchigen Urlaub können auch bei zurückhaltenden Naturen vierstellige Bildermengen anfangen.

Leider gibt es jedoch Kameras, bei denen es gar nicht möglich ist, große Flash-Karten einzustecken. Compact-Flash in DSLRs ist noch am unkompliziertesten: bis zu 1 GB gehen hier fast immer, nur ganz alte Kameras sind auf 512 MB beschränkt. 2 GB gehen meist auch noch, erst darüber streiken ältere Kameras. Schlecht für den RAW-Fotografen.

Mit SD sieht es ähnlich aus: über 2 GB ist meist Schluß, die Erweiterung „SDHC“ kennen nur wenige neue Kameras. Aber für reine JPG-Fotografen sind auch längere Fototouren mit einer Handvoll dieser 2GB-Speicher kein Problem.

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Dabei denkt man eher an Musik, Hörbücher und Videos, doch der Apple iPod kann seit der vierten Generation auch Fotos abspeichern und präsentieren. (Bild: Apple)

Schwierig wird es jedoch bei spezielleren Systemen wie den von Olympus und Fuji verwendeten xD-Karten, die es für höhere Geschwindigkeiten nur bis 1 GB gibt, oder dem Sony Memory Stick: Den gibt es in der „Pro“-Ausführung zwar nun auch bis in den GB-Bereich, doch der ursprüngliche Sony Memory Stick geht nur bis 128MB und die älteren Kameras erkennen folglich auf auf größeren Speichern nicht mehr. Nun vor dem Urlaub 20 oder 50 der alten 128-MB-Speicher aufzukaufen und einzustecken, ist nicht nur teuer, sondern auch unübersichtlich.

Ein Notebook zum regelmäßigen „Entladen“ der Kamera hat natürlich den Vorteil, dass man die Fotos gleich begutachten, beschneiden, in Position bringen (also Hochkant-Aufnahmen um 90° drehen) und misslungene Bilder speichersparend löschen kann. Doch drei zusätzliche Kilogramm sind im Urlaub ausgesprochen lästig und auf einer Rucksack-Tour völlig undenkbar. Hinzu kommt das Diebstahls-Risiko, was in diesem Fall nicht nur zu Hardware- sondern auch massivem Software- und Datenverlust führen würde. Für professionelle Fotografen hat die Notebook-Lösung allerdings den Vorteil, die Qualität der Aufnahmen bereits vor Ort beurteilen zu können, um wichtige und wiederholbare Motive gegebenenfalls noch einmal aufzusuchen.

Mittlerweile gibt es etliche Lösungen, die das Zwischenlagern der Fotodaten für weniger Gewicht und Kosten versprechen. Eine ist einer von Apples MP3-Spielern mit Farbdisplay ab der 4. Generation nebst entweder einem USB-Stecker zum Kameraanschluss für 30 Euro oder einem speziellen Kartenleser, der am iPod direkt ansteckbar ist. Andere Kartenleser lassen sich leider nicht anschließen, nur die Kameras direkt.

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Kurioses Sortiment an Passformen für die verschiedenen iPod-Generationen in der Dockingstation (Bild: W.D.Roth)

Ob verwackelt wurde, kann man auf dem kleinen Display dann zwar nicht besser erkennen als auf dem der Kamera selbst, doch immerhin, ob die Datenübertragung geklappt hat und man den Speicher der Kamera für neue Aufnahmen löschen kann, was netterweise gleich vom iPod aus miterledigt werden kann. Ein iPod hat jedoch seinen Preis, für den es auch ein gebrauchtes Notebook gäbe – es bleibt allerdings der Gewichtsvorteil.

Ähnliche Funktionen bieten bei gegenüber einem iPod deutlich größerer Bauform mit 245 Gramm „Mobile Media Safe“ VSV-20 und VSV-40 des Zubehörherstellers Hama, die für 400 Euro für 20 GB oder 460 Euro für 40 GB im Listenpreis nicht billiger sind als die Apple-Geräte, im Straßenpreis jedoch günstiger liegen. Dafür können sie Videos wiedergeben, und dies auch an externen Bildschirmen.

Im Praxistest erkannten sie jedoch die Formate von Kameras oder Internet-Downloads entweder erst gar nicht oder lieferten etwas, das wie ein verschlüsseltes Pay-TV-Signal aussah. Wer mit den Geräten also wirklich Videos ansehen will – wofür der Bildschirm dann doch etwas klein geraten ist – muss diese schon speziell für den Player encodieren. Dies ist beim iPod allerdings auch nicht anders, der sogar nur die Videoformate MPEG4 und H.264 kennt.

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USB-Adapter für den iPod, mit dem dieser Fotos von Flash-Speicherkarten auslesen und auf seiner Festplatte ablegen kann. Dort können sie später mit Apple iTunes wieder ausgelesen und auf den Computer transferiert werden. (Bild: W.D.Roth)

Es gibt von Hama noch andere spezialisierte Geräte für diesen Zweck, „Mobile Data Safe“ genannt. Während der Mobile Data Safe II für 230 Euro nur auf CD-R aufnimmt und DVDs nur abspielt, kann das Modell Mobile Data Safe III SE DVD für 380 Euro auch auf CD-R, CD-RW, DVD-R und DVD+R aufzeichnen. Dies klingt natürlich wesentlich besser, als seine Daten einer erschütterungsempfindlichen Festplatte anzuvertrauen.

Allerdings haben diese Geräte keinen Zwischenspeicher: Man kann ohne assistierenden Computer nur die Speicherkarte 1:1 direkt auf CD oder DVD kopieren. Bei den 64- oder 128 MB-Datenspeichern älterer Sony-Kameras, die keine größeren Memorysticks verarbeiten, ist dies ineffektiv, allerdings kann man die Daten dann in mehreren Sessions auf die CD-R oder DVD-R brennen oder umgekehrt weitere CD-Rs/DVD-Rs nachlegen, wenn die Speicherkarte mehr faßt, als auf eine Scheibe passt.

Dafür kann man mit diesen Geräten auch Audio-CDs anhören oder CD-ROMs oder Video- und Daten-DVDs abspielen – doch für Letzteres ist wieder ein Notebook notwendig, was man ja eigentlich vermeiden wollte. Was genau auf die optischen Datenträger überspielt ist, lässt sich ohne Computer nicht genau feststellen. Das Risiko, dass ein Überspielen nicht ganz funktioniert und man dann irrtümlich Aufnahmen löscht, die noch gar nicht überspielt waren, ist nicht auszuschließen.

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Kann auch mit doppellagigen DVD+R und DVD+RWs umgehen: Mobile Data Safe III (Bild: W.D.Roth)

Die Hama-CD-/DVD-Brenner kommen mit einem abnehmbaren Lithium-Ionen-Akku und umfangreichem Zubehör, das so manchen Camcorder vor Neid erblassen lassen dürfte. Allerdings liegt das Gewicht des Mobile Data Safe III mit 716 Gramm (589 Gramm, wenn man den Akku zuhause lässt) bereits über dem mancher Camcorder. Immerhin wird eine geeignete Fototasche zum Transport gleich mitgeliefert.

Eine preiswertere Methode ist der ebenfalls von Hama angebotene Mobile Data Safe OTG, der nur 150 Gramm wiegt und 250 Euro kostet. OTG steht hier für „on the go“, eine im USB-Standard vorgesehene Methode, wie sich ein Gerät als Master, als PC gegenüber USB-Datenspeichern ausgeben kann.

Auf dem „Mobile Data Safe OTG“ lässt sich dabei die Dateistruktur der angeschlossenen Kameraspeicher darstellen und so kontrollieren, dass die richtigen Daten überspielt werden. Es können einzelne Bilder ausgewählt, gezielt Fotos auf der Kamera gelöscht und auch Aufnahmen vom Speicher in die Kamera zurück übertragen werden. Und es zeigt an, wie weit die Übertragung bereits fortgeschritten ist.

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Manch Camcorder kommt in kleinerer Tasche mit weniger Zubehör: Lieferumfang des Hama Mobile Data Safe III (Bild: W.D.Roth)

Allerdings setzt das Gerät ebenso wie der iPod USB-Stecker voraus, dass sich die Kamera tatsächlich brav als USB-Laufwerk präsentiert. Dies ist oft genug leider nicht der Fall: Während es bei der Sony DSC-P1 aus dem Jahr 2000 bereits einwandfrei klappt, zickt die modernere Minolta Dimage 7 Hi hier ziemlich: Erst nach längerwierigen Menüoperationen fließen die Daten und dann nur sehr langsam, was die Gefahr birgt, dass während des Transfers die Batterien der Kamera leer werden.

Es wäre naheliegend, stattdessen einen USB-Kartenleser anzuschließen, doch damit ist die OTG-Technik oft überfordert: die Kartenleser benötigen zuviel Strom und funktionieren an OTG-Geräten nicht. Wer also eine Kamera besitzt, die sich mit OTG überhaupt nicht auslesen lässt, muss normalerweise auf eines der Geräte mit eingebautem Kartenleser zurückgreifen. Im Fall des „Mobile Data Safe OTG“ sind allerdings die angenehmerweise entsprechend kleinen und leichten USB-Kartenleser des gleichen Anbieters Hama sparsam genug, um an OTG zu funktionieren.

Klappt es mit OTG, so ist der Memory Tank von Pearl sogar noch preiswerter, den man selbst mit einer entsprechenden 2,5-Zoll Notebook-Festplatte bestückt. Es handelt sich dabei um ein Festplattengehäuse mit IDE-USB-Adapter sowie einem leichten Lithium-Ionen-Akku, der beim Betrieb am Notebook die Anlaufspitzen der Festplatte anfängt, die der USB-Port nicht abdecken kann und den Betrieb an der Kamera fern von jeder Steckdose ermöglicht. Nachgeladen wird der Akku entweder über USB oder ein mitgeliefertes Netzteil.

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Hama Mobile Data Safe OTG in Aktion beim Sichern der Daten von einer Sony DSC P-1 (Bild: W.D.Roth)

Das Gehäuse kostet 50 Euro, eine z.B. 80 GB große Platte in 2,5-Zoll-Ausführung kommt hinzu. Zusammen immer noch billiger als die Hama-Lösung bei vierfacher Kapazität. Auch um Daten einfach von zuhause ins Büro oder zu Freunden zu transportieren, ist diese mobile, batteriebetriebene Festplatte natürlich sehr praktisch und mit 248 Gramm ist sie dann zwar kein solches Fliegengewicht wie die Hama-Lösung, aber immer noch beim Bruchteil eines Notebooks anzusiedeln.

Allerdings kommt sie im Gegensatz zu dem Hama-Fertiggerät ohne jede Software als echte Bastlerlösung: man muss die Festplatte selbst ins Gehäuse einbauen und dann die selbstschneidenden Schrauben mit einem Uhrmacher-Schraubenzieher ins Gehäuse drehen, was mehr Kraft erfordert, als Uhrmacher-Schraubenzieher üblicherweise übertragen können.

Anschließend ist die Festplatte zu formatierten. Pearl weist sogar ausdrücklich darauf hin, dass dies nur mit dem zeitweisen Einbau in einen Rechner möglich ist, bei dem die Platte am IDE-Port anzuschließen ist – etwas schwierig, wo Desktops keine für Notebookfestplatten passenden Stecker besitzen und Notebooks wiederum selten den Einbau einer zweiten Festplatte erlauben und die erste Festplatte ja erhalten bleiben muss, weil sonst der Notebook überhaupt nicht funktioniert.

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Der Hama „Mobile Data Safe OTG“ ist besonders klein und leicht. Er kann die abgespeicherten Bilder allerdings nicht anzeigen. (Bild: W.D.Roth)

In der Praxis war es jedoch kein Problem, die Festplatte mit der Datenträgerverwaltung von Windows XP zu partitionieren und zu formatieren. Nur die komfortablere Software Partition Magic von Symantec versagte kläglich, da sie darauf bestand, zum Einrichten der Festplatte den Rechner neu zu booten und vor dem Laden des Betriebssystems natürlich die USB-Festplatte nicht mehr sehen konnte.

Es ist zu beachten, dass die Festplatte – oder zumindest die als Bildzwischenspeicher bestimmte Partition – mit FAT32 formatiert werden muss, was Windows XP bei größeren Partitionen nicht mehr ohne weiteres anbietet. Mit dem bei Windows 2000 und XP möglichen und nahegelegten NTFS können die Kameras nämlich nichts anfangen.

Der Kopiervorgang läuft wesentlich banaler ab als bei den anderen Geräten: Es ist nach dem Anschluss und dem Einschalten der Festplatte ein Knopf zu drücken, der anschließend blau aufleuchtet, bis das Kopieren abgeschlossen ist. Ob tatsächlich alles korrekt kopiert wurde, wird man dann erst zuhause feststellen können, wenn man die Festplatte an einen Computer anschließen kann.

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Pearl „Memory Tank“ (Bild:Pearl)

Eine Absicherung dagegen, dass der Akku während des Kopierens leer läuft, gibt es natürlich nicht. Allerdings kann der Speicher auch mehr als einmal ausgelesen und auf die Festplatte kopiert werden – bei 80 GB oder selbst bei einer kleineren Platte mit 20 GB ist genügend Platz frei. Und die beiden OTG-geeigneten Kartenleser von Hama funktionieren auch an der Pearl-Lösung. Nur eben nicht am iPod.

3 Kommentare
  1. canon sagte:

    wie im aktuellen Beitrag erwähnt finde ich diese mobilen datenträger auch weiterhin noch brauchbar, aber irgendwann sind diese wohl geschichte…

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  2. mario sagte:

    ich habe seit etwa 2 jahren einen hama mobile media safe und bin damit sehr zufrieden. ob im eher feuchten einsatz als openair-fotograf oder im thailand urlaub bei 35°, das gerät macht alles ohne zu murren mit und erweist sich als zuverlässiger partner, der im notfall auch mal als externe hd herhalten kann.
    wer allerdings einen komfortablen mp3player sucht, wird mit diesem gerät nicht glücklich…

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  1. […] Jahr haben wir noch die externen Datenspeicher mit Festplatte für Reisereportagen beschrieben. Diese haben auch immer noch ihre Berechtigung, wenn man eine […]

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