Camera-Austria-Preis 2007:Dokumentarisches aus Georgien

Den Camera-Austria-Preis der österreichischen Stadt Graz für zeitgenössische Fotografie erhält 2007 die georgische Fotografin Marika Asatiani.


Marika Asatiani: Aus der Serie / from the series: Achara Untitled, 2006

Der Preis geht von dem renommierten Fotoprojekt Camera Austria aus und wird von einer hochkarätigen Jury vergeben. Die Juroren sind Prof. Joachim Brohm, Fotokünstler und Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig; Marta Gili, Direktorin des Museums Jeu de Paume, Paris; Wolfgang Vollmer, Fotokünstler und Lehrbeauftragter für zeitgenössische Fotografie, sowie Christine Frisinghelli, Chefredakteurin der Fotozeitschrift Camera Austria.

In diesem Jahr entschied sich diese Jury einstimmig für Marika Asatiani – geboren 1977 in Tiflis/Tbilisi, Georgien und dort wohnhaft.

Die Juroren teilen dazu mit:

Marika Asatianis dokumentarische fotografische Arbeit verlangt eine Auseinandersetzung mit dem Land, in dem sie geboren und aufgewachsen ist und in dem die junge Künstlerin heute auch lebt und arbeitet: Seit seiner Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 ist das im Norden an Russland, im Süden an die Türkei grenzende kleine Land Georgien von tief greifenden Transformationsprozessen erfasst, die alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens betreffen, sei es in politischer, ökonomischer, insbesondere aber in sozio-kultureller Hinsicht.
Vor diesem Hintergrund erscheint der Zugang Marika Asatianis – die ausgebildete Soziologin ist – zu ihren künstlerischen Projekten besonders interessant (und lohnenswert in die Debatte um zeitgenössische Formen des Dokumentarismus hineinzuholen): Mit ihren Arbeiten verbindet sich nicht nur das Anliegen, Zeit und das Vergehen von Zeit im Raum fotografisch zu dokumentieren, sondern gleichzeitig immer auch das Gesehene und die dokumentarische Praxis in Frage zu stellen und zu bearbeiten.
Marika Asatiani führt das Dokumentarische als Konstruktion jenseits der traditionellen Vorstellung des Dokuments als transparenter Realität vor. Mit ihren Aufnahmen des Alltagslebens zeigt sie, dass die Wirklichkeit ein Konstrukt in der Zeit und ein Konstrukt auf Zeit ist – die dabei gleichzeitig zutiefst real empfunden wird und ist. Marika Asatiani zeigt den Alltag als das Resultat gesellschaftlicher und ökonomischer Gegebenheiten, die instabil sind und sich fortwährend verändern. Ihre Arbeit steht damit in der Tradition von Fotografen, die das Bild des Alltags als Ort verborgener Poetik und Spannungen geprägt und etabliert haben. Gleichzeitig ist es eine Arbeit, die politisch verstanden werden will und vor dem Hintergrund der spezifischen Geschichte des Landes Georgien zu lesen ist. Dabei setz Marika Asatiani eine globale Bildrhetorik ein, um unseren Blick auf ortsspezifische Gegebenheiten zu lenken und diese gleichzeitig in Frage zu stellen.
Die Jury ist überzeugt, dass Marika Asatianis ernsthafte und differenzierte Arbeit einen viel versprechenden Ansatz auch für zukünftige Projekte bietet, dies sieht die Jury als besonders preiswürdig an.

Der Preis wird am 30. November 2007, 18 Uhr, im Kunsthaus Graz verliehen. Zugleich werden dort die Nr. 100 der Zeitschrift Camera Austria präsentiert und eine Ausstellung eröffnet mit dem Titel: „I am not afraid. The Market Photo Workshop, Johannesburg“.

Camera Austria

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