Unicef-Fotos des JahresKinder vor der Glotze

Die Unicef-Fotos des Jahres wurden jetzt in vielen Zeitungen vermeldet – meistens nur der erste Preisträger. Aber auch die unter „ferner liefen“ notierten Fotografen sind einen Blick wert. Zum Beispiel Wolfram Hahn: Er fotografierte Kinder vor der Glotze.

Kinder vor dem Fernseher Wolfrahm Hahn
Wolfram Hahn: Entzauberte Kinderzimmer

Der Blick geht ins Nirgedwo und im ersten Moment stutzt der Betrachter: Wo schaut das Kind bloß hin?

Wolfram Hahn, Jahrgang 1979, ist Student an der Fachhochschule Potsdam. Die Kinder aus Deutschland zwischen drei und zwölf Jahren hat er beim Fernsehgucken abgelichtet. Er schreibt dazu:

„Die Blicke sind nicht die, die wir von Kindern dieses Alters gewöhnt sind. Sie schauen traurig, ihre Mimik ähnelt der von Erwachsenen. Ihr Blick geht nach unten, etwas im Raum fokussierend, was sich für den Betrachter nicht offenbart. Dadurch wirken sie leblos, wie Puppen, als wären sie Körper ohne Geist.“

«Aktives Begreifen ist in der modernen Mediengesellschaft nicht gefragt. Stattdessen schickt das Fernsehen mit seiner Einbahnstraßen-Kommunikation den Zuschauer in eine mentale Erstarrung,« sagt Wolfram Hahn. Fernsehen hat leider im Alltag der meisten Kinder einen festen Platz. Umso wichtiger sei es, dass Kinderfernsehen nicht nur kindgerecht ist, sondern auch einem wichtigen Kinderrecht nachkommt: dem nach Beteiligung. Für seine Serie bekam Hahn von der Unicef eine „ehrenvolle Erwähnung“.

Auf der Unicef-Seite ist noch viel mehr zu entdecken: Sumo-Kinder aus Japan, die von der Müllkippe in Manila oder Tschetscheniens vergessene Kinder. Auch Jonathan Torgovnik bekam eine ehrenvolle Erwähnung. Ihn haben wir hier auf fokussiert.com kürzlich einmal vorgestellt – als Preisträger der britischen National Portrait Gallery für das Porträt des Jahres 2007.

Die Unicef-Foto-Seiten
Wolfram Hahn

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