Iranische Fotografinnen zeigen ihr Land: Gegensätze und Vorurteile

„Sechs Frauenblicke“ auf den Iran: Im „Ausstellungsraum für politische Fotografie“ des Magazins Cicero sind in Berlin die Arbeiten von iranischen Fotografinnen zu sehen.

Shadi ghadirian Iran Teheran CTRL+AlT+Del
Shadi Ghadirian: «ctrl+alt+delete«, 2006

„Made in Teheran“ heißt die Ausstellung – und die Arbeiten der sechs Frauen öffnen uns vielleicht vorurteilsbeladenen Westlern einen unverstellten Blick auf den heutigen Iran.

Shadi Ghadirian (Jahrgang 1974) zum Beispiel nimmt die gegenwärtige Situation der Frauen in den Blick und untersucht den Gegensatz zwischen öffentlichem und privaten Leben. In ihrer neuesten Arbeit ist auf der schwarzen Bildschirmoberfläche eines Computers eine Frau im schwarzen Tschador zu sehen. Nur der Kopf, die Hände und die bloßen Füße heben sich ab. Die bunten Icons der Desktopansicht zeichnen ihre Gestalt nach. Die Zeichen wirken wie eine zweiten Bekleidung: Die Globalisierung findet auch im Iran via mediale Einbindung des Landes durch Fernsehen, Internet und Handy statt.

Noch bis vor einigen Jahren war der Beruf des Fotografen im Iran eine Domäne der Männer. Heute lichten Frauen mit diesem Medium die iranische Gesellschaft in all ihren Facetten ab, das zeigt die Ausstellung in der Cicero-Galerie. Die Fotografinnen Mehraneh Atashi, Gohar Dasthi, Ghazaleh Hedayat, Shadi Ghadirian, Hamila Vakili und Newsha Tavakolian haben Fotografie in Teheran studiert. Sie leben und arbeiten im Iran und repräsentieren die jüngere Kunstszene des Landes.

In ihren Arbeiten setzen sie sich durch ihre Bildsprache mit dem Thema «Identität« auseinander. Sie schlagen einen Bogen zwischen Heute und der Vergangenheit und gehen der Frage nach: Woher kommen wir, wo liegen die eigenen Wurzeln und wohin gehen wir?

Die Fotoarbeiten thematisieren die Grenzen und die Widersprüchlichkeiten der iranischen Gesellschaft. Im Iran gibt es eine junge Künstlergeneration, die sich nicht mehr verstecken will. Die sechs Fotografinnen gehören dazu. Sie zeigen ihr Land, ein Land im Wandel.

Newsha Tavakolian Iranische Frauen fotografieren den Iran
Newsha Tavakolian – kein Titel

Die jüngste der sechs Fotografinnen, die 26-jährige Fotojournalistin Newsha Tavakolian, spiegelt In ihren Fotos das Paradox der heutigen iranischen Gesellschaft: die Gleichzeitigkeit und das Zusammenleben von Tradition und Moderne. Sie begann 2002 international zu arbeiten: über den Irak, Libanon, Syrien, Saudi Arabien und Pakistan. Ihr liegt viel daran, die Situation der Frauen im «Middle East« darzustellen. Dieses Thema formt einen Brennpunkt ihrer fotografischen Tätigkeit.

Zu sehen sind Frauen im alltäglichen Leben, in den Straßen, in den modernen Einkaufszentren, bei öffentlichen Feiern oder bei dem Besuch von staatlichen Einrichtungen. Ihre dokumentarischen Fotos wirken im ersten Blick sehr zufällig und natürlich, als würde man im Vorbeigehen einen flüchtigen Blick auf eine alltägliche Szene aus dem Leben im Iran – besonders in der Hauptstadt Teheran – werfen.

Tavakolian inszeniert nicht, interpretiert und urteilt nicht. Der Betrachter bildet sich selbst eine eigene Meinung. Die überdimensionalen Bilder der Märtyrer aus dem achtjährigen Krieg gegen den Irak gehören genau so dem Alltag an, wie die übertrieben geschminkten jungen Frauen der Mittel- und Oberschicht. Ihre Fotos waren und sind eine Quelle für die Zeitschriften wie Time, New York Times, Stern, Le Figaro und viele andere internationale Zeitungen und Zeitschriften.

Made in Teheran – Sechs Frauenblicke
Cicero-Galerie für politische Fotografie
Rosenthaler Straße 38, 1 HH
10178 Berlin-Mitte
Di-Fr 12-19 Uhr, Sa 11-16 Uhr
Eintritt frei

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